Geäußert von Julie Delpy im KulturSPIEGEL. Ich fand die französische Schauspielerin ja schon immer toll. Am 5. Juli läuft ihr neuester Film “2 Tage New York” an, bei dem sie auch Regie geführt hat.
Was bedeutet Freiheit für Sie?
Tja, wie definiert man Freiheit? Frauen sind jedenfalls nicht freier, wenn sie sich alle fünf Minuten flachlegen lassen. Es ist keine Freiheit, sich als Frau wie ein Mann aufzuführen, das ist für mich kein Feminismus. Ich weiß nicht. Freiheit ist heutzutage eine schwierige Sache. Alles, was ein bisschen kontrovers ist, was Freiheit vermittelt, wird sofort von den Medien in etwas Trendiges verwandelt. Es ist tückisch. Wir leben in einer Welt, in der Paris Hilton mit einem Che-Guevara-T-Shirt rumläuft. Es ist schwer, frei zu sein. Freisein wird vermarktet, und sobald etwas vermarktet wird, ist es nicht mehr frei.
Eine meiner absoluten Lieblingsstädte ist angeschlagen. Sie schwächelt, hat momentan ihren Flair verloren. Nur Abends wird noch gefeiert, als gäbe es kein Morgen mehr. Wobei genau morgen der wichtige Tag ist. Ich hoffe, dass Griechenland wieder auf die Beine kommt.
…oder ihn sich zumindest im Fernsehen angeschaut hat und sich bis heute fragt, warum er bis dato keinen der Preisträger-Filme kannte, erhält hier die Antwort:
Warum finden in Ländern, in denen Diktaturen herrschen, die Presse- und Meinungsfreiheit unterdrücken und wo Menschen, nur weil sie einer unterschiedlichen Partei oder Glaubensrichtung angehören, einfach ins Gefängnis gesteckt werden, immer wieder wichtige Sportereignisse statt?
In dem Glauben, dass die Situation dadurch besser wird? Wo doch die Vergangenheit gezeigt hat, dass eher Verschlechterungen der Fall sind.
Bestes Beispiel sind wohl die Olympischen Spiele in China 2008. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRIC) hat feststellen müssen, dass sich die Situation dort aufgrund der Sommerspiele massiv verschlechtert hat. Rund 1,5 Millionen Pekinger sind zwangsumgesiedelt worden, Hundertausende von Katzen und Hunden mussten ihr Leben lassen und friedliche Demonstrationen der Tibeter wurden blutig niedergeschlagen.
Nun startet am 8. Juni die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine und in Polen. In der Ukraine sitzt die Oppositionsführerin Timoschenko wegen angeblichen Amtsmissbrauchs und Steuerhinterziehung in Haft, während Präsident Janukowitsch weit weg von einer Demokratie regiert. Ihm werden Wahlfälschungen und Einflussnahme auf die Justiz vorgeworfen. Damit im Land eine saubere Fassade herrscht, werden gerade alle Straßenhunde auf grausame Art und Weise getötet.
Hier stellt sich die Frage, ob Politik und Sport zusammengehören. Die Antwort kann hierzu nur JA lauten. Wenn die Ukraine sich durch dieses internationale Sportereignis Devisen und einen Imagewandel erhofft, muss das Land auch aktiv dazu beitragen, dass sich etwas ändert. Ansonsten sollte die UEFA genauso verfahren, wie es Präsident Janukowitsch vorgemacht hat: Wenn man demokratische Reformen rückgängig machen kann, sollte die UEFA auch ihre Entscheidung, wo die EM stattfindet, noch einmal überdenken.
Für TED werde ich meine Vorliebe für Arthouse-Filme mal ganz schnell über den Haufen schmeissen und mich auf den versauten Plüschbären freuen. Und auf Mark Wahlbergs sensationelle Aufzählung aller amerikanischen White Trash Namen.
Eines der absoluten Highlights meines Miami-Aufenthalts war der Flohmarkt auf der Lincoln Road. Jeden zweiten Sonntag im Monat findet man dort Sachen, die man am liebsten gleich einpacken würde, wenn sie irgendwie in den Koffer beziehungsweise Flieger passen würden. Leider mußte ich den alten Shabby Vogelkäfig, einen antiken Standglobus und einen wunderschönen Art Deco Barwagen in Miami lassen. Dafür kann ich jetzt eine Vintage Clutch, zwei Schmetterlingsbroschen und einige kleine Bilder meins nennen.
München scheint aus dem Kunst-Winterschlaf erwacht zu sein und präsentiert endlich mal wieder eine tolle Fotografie-Ausstellung. Im Haus der Kunst wird zum ersten Mal eine umfassende Präsentation der Werke Thomas Ruffs gezeigt. Unbedingt sehenswert! Hier meine Highlights:
Kommen wir zuerst zur eigentlichen Frage: Wie kann es passieren, dass ein so außergewöhnlicher Film bei der diesjährigen Oscar-Nominierung völlig übersehen wurde? Irgendwie hat man das Gefühl, dass immer nur die Streifen berücksichtig werden, über die im Vorfeld ohnehin am meisten geredet wird. Sprich: Die Filme, die das größte Werbebudget haben, bei denen Steven Spielberg Regie führt oder zum wiederholten Mal die Bürgerrechtsbewegung der 60-er Jahre im Vordergrund steht.
In “Shame” von Regisseur Steve McQueen spielt Michael Fassbender einen erfolgreichen New Yorker Single, dessen Sexsucht sein gesamtes Leben dominiert. Tagsüber verzieht er sich auf die Bürotoilette, um dort zu masturbieren, in der Nacht hat er Sex mit ihm unbekannten Frauen oder Prostituierten. Als seine problembelastete Schwester zu ihm zieht, fühlt er sich in seiner Freiheit beraubt. Ohne zu merken, dass diese bereits auch zuvor nicht existent war. Er ist ein Junkie, der nach jedem Akt eine gewisse Scham verspürt, die sich erst durch den nächsten Akt wieder austilgen lässt. Durch die Anwesenheit seiner suizidgefährdeten Schwester kommt er auf Entzug und merkt durch seinen Egoismus nicht, wie sehr sie doch seine Hilfe nötig hätte.
Sieht man “Shame”, muss man unweigerlich an “American Psycho” mit Christian Bale denken. Doch Steve McQueens Fassung vom Yuppie-New Yorker, der an der Anonymität und Schnelllebigkeit seiner Zeit scheitert, ist ehrlicher, realistischer und um einiges bewegender. Michael Fassbender hätte für seine Darstellung zumindest eine Oscar-Nominierung verdient. Ein Blick, eine Bewegung oder eine Träne – und wir brauchen keine Worte mehr. Statt zu reden wird gefühlt. Die Szene in der Subway, als der Hauptdarsteller die ihm gegenüber sitzende Frau mit seinen Blicken und Gedanken fast auszieht, gehört meiner Meinung nach zu den gelungensten Augenblicken in der Filmgeschichte. Und Carrey Mulligan, die ja bereits für “An Education” schon mal für den Oscar nominiert war, singt die schönste Version von Frank Sinatras “New York, New York”, die ich je gehört habe.
Ein Film, der ein neues New York zeigt. Ein New York als Hafenstadt voller verlorener Menschen, die beim Streben nach Status, Geld und Sex irgendwo auf der Strecke geblieben sind, aber dennoch weiter funktionieren müssen. Und dies manchmal nicht mehr wollen.