Mein geheimer Bruder Herm, mit dem ich zusammen ein Wrestling Team habe (ruht derzeit, Probleme mit der Liga), hat ein Buch geschrieben. Das fand ich schon sensationell genug. Nun habe ich mir die ganze Zeit überlegt, was der wohl für ein Buch schreibt. Ich hatte keine Vorstellung. Ich weiß wohl, dass er mal in einen “Kreativurlaub” gefahren ist, aber das war wohl erst auf der Rückfahrt ergiebig.
Würde es eine Abhandlung über Cola im Wandel der Zeit werden? Ein Wrestling-Kompendium? Eine Mariah Carey-Biographie aus der Sicht von Turtle Raphael? Alles war drin. Aber was ist es geworden?
AAARFZ (Amazon-Partnerlink) ist es geworden, der vielleicht hier-igste Liebesroman, den ich seit langem gelesen habe.
Die Stadt, Berlin, ist nicht im Nebel, die Gefühle sind nicht hoffnungslos und nicht mal das Kaff im Osten ist trist. Eigentlich ist bei Herms Buch alles anders, als in den ganzen jungen Büchern der letzten Jahre. Weil er nun mal Herm ist. Der kann gar nicht anders. Er bzw. seine Figur Tobias (ich behaupte jetzt mal, das die Übergänge da sehr fliessend sind) macht sich Gedanken über seinen alten Nachbarn, er beschreibt das Geheimnis der Ehe seiner Eltern, in dem er Vaters Verhalten beschreibt und er ist beseelt von dem Traum, ins All zu fliegen. Vielleicht um endlich mal Distanz zum eigenen Leben zu kriegen, zur eigenen Herkunft, zum eigenen Ich. Vielleicht aber auch viel eher, weil es so cool wäre, mal Cola zu trinken, wenn sie quer durch den Raum fliegt.
Tobias ist freier Musikjournalist und rätselt sich so durch den Tag. Er überlegt Astronaut zu werden, ohne den Hauch einer Ahnung davon zu haben. Bei ihm ist alles immer so ungefähr durchdacht. Aber dann trifft er eines Tages ein tolles Mädchen und plötzlich scheinen ganz andere Sachen wichtig zu sein. Vielleicht. Vielleicht ist das aber auch wieder nur so ungefähr durchdacht. Das ist im Grunde genommen die Handlung.
In einer Episode traut er sich in einen Army Shop und kauft sich Astronautennahrung (und ein sinnloses Täschchen, damit sein Einkauf nicht so jämmerlich wirkt). Dabei stößt er auf Schokolade der schweizer Armee und der Verkäufer, Military Meik, erklärt ihm lachend, dass er drei Tage nicht mehr “mockern” müsste, wenn er die essen würde. Natürlich isst er sie und natürlich setzt Meiks Vorhersage nicht ein. Aber diese kleinen Episoden und ihre ausufernden Erklärungen, bis er endlich so einen doofen Keks isst (der dann auch noch unspektakulär schmeckt und ganz schnell abgehandelt ist), die machen Aaarfz so lesenswert. Keine Sorge: Das Ausufern ist nie Selbstzweck, sondern immer dramaturgisch begründet.
Ausserdem hat das Buch wirklich eine der unpeinlichsten Sexszenen, die ich jemals irgendwo gelesen habe. Keine “schwitzigen Körper”, kein “reines Verlangen”, keine Pimmel oder Mösen. Sondern: “Wie ein Römertopf der Lust verschmelzen wir zu einem vollkommenen Gesamtbild.” Römertopf der Lust! Jetzt bin ich geil UND hungrig! Warum ist vorher niemand auf dieses klare, sofort nachvollziehbare Bild gekommen? Weil es dazu eben einen Herm braucht, der sich - wie man in Köln so schön sagt - für nix fies ist. Hermis Welt ist eine Gute. Eine Weltfriedenwelt. Klar, ab und zu gestört durch das aufflackern einer Hässlichkeit, die er auch wahr nimmt und kommentiert, aber ansonsten: Großes Staunen über Alles. Alles auf dieser Welt ist bewundernswert. Und Herm erinnert mal wieder daran. Danach können ja alle wieder ihren Deprisound von James Blake hören, aber “Aaarfz” ist “Friday, i´m in love“.
Das Buch ist toll, das Artwork ist toll (sieht also auch gut aus, wenn es einfach nur rumliegt) und Herm ist toll. Drei sehr gute Gründe, sich das Teil direkt mal zu besorgen. Mir hätte das Buch definitiv auch gefallen, wenn ich Herm nicht kennen würde. Als Beweis noch ein kurzer, fiktiver Dialog aus dem Buch, anhand dessen uns “Tobias” erklärt, warum das Kino einfach kein guter “First Date” Ort ist:
“Ein kleines Popcorn und eine mittlere Cola, bitte.”
“Das macht dann so ungefähr dreihundertneunundfünfzig Euro.”
“Okay, null Problemo.”
Domian hat 18-jähriges Jubiläum und das bedeutet, mehr oder weniger, dass ich seit 18 Jahren jede Nacht zwischen 1 und 2 Uhr WDR gucke. Das ist die Hälfte meines Lebens! Grund genug also, dieser Sendung mal ein paar Zeilen zu widmen:
Domian und ich, wir haben ungefähr zur gleichen Zeit beim Fernsehen angefangen. Er ein Jahr später als ich, aber dafür auch deutlich konstanter on Air. Dabei hat er viele andere Call-in-Formate kommen und gehen sehen. Aber Domian blieb. Bis heute. Warum?
Domian hat Meinung, der sitzt da nicht so neutral wie möglich, sondern der macht auch mal Ansage, wenn ihm etwas gehörig gegen den Strich geht. Das Angenehme dabei ist, das er nicht psychologisch oder juristisch korrekt argumentiert, sondern nur nach gesundem Menschenverstand. Dass er dabei in den vergangenen 18 Jahren schon eine Menge gehört hat, ist klar. Manchmal tut er heutzutage noch so, als würde ihn ein Anrufer mit irgendeiner seltsamen Neigung schocken. Das kann man ihm nicht mehr so richtig abnehmen. Der hat doch schon alles gehört. Legendär dabei ist sicherlich der Hackfleischbeischläfer - wobei ich mir bis heute unsicher bin, ob der sich nicht einen Spaß gemacht hat. Aber vielleicht ist das auch der Witz von Domian oder das Geheimnis: Alles sofort Ernst zu nehmen, auch wenn es zum lachen ist. Dann lachen und trotzdem ernst nehmen.
Unvergessen auch dieser FC-Fan-Depp, der die Anti-Pezzoni-FB-Seite initiiert hat und dann auch noch bei Domian anruft. Oh Lord.
Ich hab aber noch einen persönlichen Bezug zu Domian:
07.09.1996
Ich sitze in meiner ersten eigenen Wohnung (WG) in Köln und hab das Telefon bereitliegen. Der Fernseher läuft. Die Leute erzählen Domian ihre Probleme. Dabei steht ein Foto von mir in die Kamera gerichtet neben ihm auf dem Schreibtisch. Das Bild musste ich ihm selber einwerfen gehen, bei irgendeiner Adresse in der Stadt. Da hab ich mir noch gedacht: “Guck mal, ich soll das einwerfen, weil der bestimmt so einen komischen Schlafrhythmus hat und ein reiner Nachtmensch ist. Wie so einer, der von der Schicht kommt.” Das fand ich sehr interessant.
In der Sendung hat er dann von seinen Anrufern Fragen an mich gesammelt und mich zehn Minuten vor Ende angerufen, um die mit mir abzuarbeiten. Leider kam irgendwie keine wirklich interessante Frage, was ein bisschen schade war, aber cool fand ich es trotzdem, so Teil der Sendung zu sein. Als ich einige Zeit später (für mich) überraschend Proband eines Piloten einer KHM-Sendung war, ist er in der Sendung noch mal aufgetaucht, ich glaube als Bühnenhelfer zusammen mit Biolek. Was für eine Ehre (Einer Sendung übrigens, in der Wolfgang Lippert als Zauberer für mich aufgetreten ist.). Mehr hab ich mit dem leider nie zu tun gehabt. Aber ich mag den.
Domian ist einfach superrreal. Ich find es schade, dass die Talkshow-Versuche von dem nie so hingehauen haben, ich fand die nämlich immer extrem gut. Wie der da einmal diesen Nazi bei sich in der Sendung hatte und dem die Meinung gegeigt hat, dass war toll. Domian ist sozusagen in den Medien das personifizierte Rückgrat.
Und natürlich liebe ich, wie alle Anderen auch, die ganzen Spinner, die da immer anrufen und so herrlich skurril sind. Ich erinner mich an einen Anrufer, der meinte Unglücke im Traum vorhergesehen zu haben. Dann erzählte er von einem Flugzeugabsturz, an den sich aber Domian nicht erinnern konnte und der Anrufer kam total ins stottern, weil seine Konstruktion plötzlich im Eimer war. Ich hab mich kaputt gelacht. Ich glaube, das war einer der lustigsten Anrufer ever. Domian ist aber ganz ernst geblieben (ich meine abe gesehen zu haben, wie er ein Schmunzeln unterdrückte…). Für solche Anrufer liebe ich die Sendung.
Deswegen, Domian, alles Gute und Beste zum Jubiläum! Du bist ein wichtiger Anker des deutschen Fernsehens! Echt jetzt mal (Und halb Twitter würde ohne dich nachts zu Grunde gehen…). Deswegen: Alles so weitermachen wie bisher. Auf die nächsten 18 Jahre!
Ich hab ein neues Handy bekommen. Entschuldigung, “Smartphone” sagt man ja heute dazu. Handy klingt noch so nach “Snake”.
Ich habe also ein neues Smartphone bekommen, von denen, die uns schon “Snake” gebracht haben: Nokia.
Und auf dem Lumia (920 um genau zu sein, aber ohne die Aufladematte, die ich gerade noch in jedem Shop Berlins suche…:)) wurden mir ein paar Apps vorinstalliert. Viele hab ich runtergeschmissen, weil unnötig. Aber eine hab ich erst ein bisschen liegen lassen, dann benutzt und nicht kapiert und als ich sie kapiert habe, gings ab.
“Cinemagram” hilft einem dabei, GIFs zu erzeugen, kleine Bewegtbildloops. Und zwar mit der eigenen Kamera. Dazu nimmt man mehrere Sekunden eine Szenerie auf und die App analysiert dann, welche Bereiche sich bewegt haben. Daraus bietet sie dann eine Auswahl, bei der man entscheiden kann, on man ihr folgt. Ansonsten kann man aber auch selber markieren, welchen Bereich man animiert sehen möchte und wie lang die Animation sein soll. Abspeichern. Fertig. Das ist so simpel, das krieg sogar ich hin.
Und das macht derbe Bock. Deswegen, hier, meine ersten Gifs aus der echten Welt.
Hier gleich mein absoluter Liebling. Ich hab dann noch die Sequenz etwas verkürzt, damit die Person wirklich die ganze Zeit hintereinander kommt.
Das hier war mein Erstes.
Ich steh auf so ganz minimale Animationen, hab ich festgestellt.
Wenn man die quasi kaum merkt und zweimal hingucken muss, weil man nicht sicher ist, ob man das eben richtig gesehen hat.
Oder hier auch:
Und der “Klassiker” des Cinemagrammens darf natürlich auch von mir nicht fehlen:
Ich steh auf so nen Quatsch.
Übrigens: Eine tolle Freundin von mir hatte zuletzt die tolle Idee, warum denn nicht auf den ganzen Smartphones von Werk aus Erste Hilfe Apps installiert sind. Ich finde den Gedanken großartig und unterstütze den hiermit total. Das muss man noch mal en Detail durchdenken, aber das macht total Sinn. Viele würden das sofort löschen, aber ein Paar nicht. Die würden sich das vielleicht noch mal ansehen. Und einer von denen, würde das dann vielleicht anwenden, in einer Notsituation. Und schon wäre einer mehr gerettet. Wie super das wäre! Hey! Handymacher! Macht mal! Das wäre Smart!
Disclosure: Ja, die haben mir das Handy Smartphone umsonst gegeben. Und vielleicht wollten die so einen Test dafür oder so, ich bin da total frei. Da ich aber von Technik eh keine Ahnung habe, mir die App aber so viel Spaß gemacht hat, hab ich mich für diesen Beitrag entschieden. Irgendwelche Techniktests müsstet ihr woanders suchen, sorry!
Hach, es ist schon ein Kreuz. Da hat ein Marketing Typ eine Idee und schon muss man sich wieder mit Asbach Cola Uralt Figuren auseinandersetzen.
Heino ist wieder da. Und weil die Hörerschaft für ein “normales” Heinoalbum schon ausgestorben sein dürfte, wildert man in fremden Gefilden oder bricht zu neuen Ufern auf, je nach Sichtweise. Heino hat auf jeden Fall eine Platte gemacht, auf der er nur Pop/Rock/Punkrock/HipHop Acts covert. Sportfreunde Stiller, Nena, Rammstein, Peter Fox. Und, exemplarisch als erste Single, natürlich die Ärzte.
Erstmal das: Ja, natürlich passt das textlich schonmal wie die Faust aufs Auge. Aber: Warum genau soll das nochmal gut sein? Durch das wegfallen einer ironischen Ebene, weil Heino eben wirklich so ein Vater sein könnte, verliert das Lied jeglichen Witz und ist einfach nur noch ein trauriges Lied das davon handelt, wie Kinder von ihren Eltern daran gehindert werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das ist lustig? Das ist jetzt natürlich superernst genommen, aber wie soll man Pop auch anders begreifen?
Was mir aber auf die Nerven geht, ist etwas ganz Anderes. Ich lese seit Tagen dass Heino “sich jetzt endlich mal wehrt” und “zurückschiesst”, gegen all den “jahrelangen Spott und Hohn”.
Ich hab zu Weihnachten die Otto Filmbox geschenkt bekommen, mit allen Filmen des Ostfriesen. Da gibt es ja auch diese Thriller/Heino-Parodie. Die ein bisschen lustig ist und natürlich auch Heinos Ikoknografie nährt (Blond, Sonnenbrille), von deren Marken-haftigkeit der Düsseldorfer meiner Meinung nach ganz gut profitiert hat. Das wichtigste daran ist aber: Das ist 25 Jahre her!
Heino-Witze sind so alt wie abgestandener Eierlikör. Und da “leidet” der noch heute so schlimm drunter? Nicht eher darunter, dass bis auf ein paar DVU-Fans und Vorpommerer wirklich niemand mehr größeres Interesse für den Sänger mit dem superrollenden R hat?
An Heino ist nichts “cool”. Heino hat schon immer in seiner Karriere verzweifelt versucht, sich überall anzubiedern, bei noch lebenden und halbwegs liquiden Käuferschichten als “Kult” durchzugehen. Ich erinner mich an den Acid-Enzian. Das wurde dann noch Rap genannt und hat ganz viel ganz schlimm durcheinander gewürfelt. Deswegen konnte da auch keiner was mit anfangen (Übrigens: Da hat er sich mit stilisierten Smileys, die sein Gesicht zeigen, schon des Images angenommen, unter dem er ja ach so gelitten hat…).
Immerhin: Diesmal hat der Marketing-Mensch alles richtig gemacht. Die Platte kommt ganz früh im Jahr, wenn noch nicht viel los ist. Sie kommt in die Karnevalszeit, wo die Bereitschaft zu Quatschmusik am höchsten sein dürfte. Es werden nur credibile Hits gecovert. Und es wird ein “Rockerkrieg” erfunden, der das alte Klischee der Heinowitze aus den 80ern bedient. Bämm - plötzlich gilt der als cool.
Ich finde das sehr unangenehm und ich möchte ungern jemandem zujubeln, der so verzweifelt alles versucht um mich als Käufer zu gewinnen. Und ich lass mich nicht gerne für blöd verkaufen. Heino leidet, wenn überhaupt, an mangelnden Plattenverkäufen. Johnny Cashs American Recordings gingen mir ab dem dritten Teil zwar auch auf die Nerven, weil es irgendwann zum Cash (hihi) Cow milking wurde, aber dessen Cover Versionen haben durch sehr exaktes und behutsames auswählen und eine besondere Interpretation dem Orignal wenigstens noch etwas hinzugefügt. Eine gewisse Deepness. Von Heino gecoverte Lieder verlieren alles, was sie ausmacht und sie werden nur noch zu leeren Mitgröhlhüllen. Weil man schon merkt, dass sie für ihn selbst keinerlei Bedeutung haben.
Das ist nicht cool. Das ist homeshopping Television das so tut, als wäre es AC/DC.
Das Einzige, das noch nerviger als diese Platte ist: Von solchen Platten stehen uns jetzt mit Sicherheit hunderte ins Haus:
“Andy Borg singt Einstürzende Neubauten”
“Stephan Mross: Meine liebsten Battlerap-Tracks”
“Bata Iliç - Für immer Punk”
Hoffen wir das dieser Popsommer schnell an uns vorbeizieht.
Zum weiterlesen:
- Staiger, Raplabellegende, ist in etwa derselben Meinung wie ich. Danke Form Prim!
- Wie humorbefreit Heino schon in den 80ern reagiert hat, zeigt dieser Artikel von damals sehr gut. Danke Nico!
Erstmal zum Tweet-Autor: Ich mag Jens Best. Best geht vielen Leuten auf den Sack, weil er zu allem gerne seinen Senf abgibt. Ich bin auch oft uneins mit ihm, aber ich finde seine vehemente Auf-den-Sack-Gehigkeit wirklich aufrichtig bewundernswert. Er taucht nie ab, bleibt immer sichtbar und steht zu 100% für sich und seine Meinung. Find ich stark.
Aber hier irrt er und da er nicht der Einzige ist, der diese Annahme teilt, muss ich mal einen Text drüber schreiben. Keinen Text, der sich mit den grotesken Forderungen der Verlage (a.k.a. Leistungsschutzrecht) beschäftigt, da sind andere deutlich bessere Quellen mit fundierteren Meinungen. Ich finde das einfach nur Gaga.
Mir geht es um das im Netz sehr weit verbreitete Herbeisehnen des Todes von Medien, die älter sind als das Internet, also allen ausser dem Internet.
- Zeitungen
Zugegeben, die Verleger haben sich jüngst mit ihren Kampagnen keinen Gefallen getan und nicht unbedingt Freunde gemacht. Sie faseln von “Qualitätsjournalismus”, sind aber selber oftmals nicht im Stande, Grundqualität abzuliefern. Im Sinne von: Durchdachte Inhalte. Oder vernetzte Inhalte. Dazu noch die einseitige Berichterstattung über das Leistungsschutzrecht, das tut schon ein bisschen weh. Aber ich möchte trotzdem nicht drauf verzichten. Und viele Andere möchten auch nicht drauf verzichten.
Meine Eltern
Lesen jeden Morgen den KStA. Mein Vater regt sich immer auf, das die scheiße recherchieren, was ihm natürlich bei den Sachen auffällt, bei denen er sich auskennt. Und die Beispiele, die er mir genannt hat, die haben ja auch gestimmt. Dumme Redaktionsfehler, vielleicht Flüchtigkeitsfehler, vielleicht “Der Leser ist doch eh egal”-Fehler, aber definitiv unnötige Fehler. Und trotzdem hat er ihn noch abonniert und liest ihn jeden Morgen zum Frühstück. Um ein Grundbedürfnis nach Information zu decken. Das er nicht durchs Fernsehen decken lassen will, sowieso nicht durchs Internet, sondern durch die Zeitung beim Frühstück. Und wenn ich da zu Besuch bin, mach ich es genauso. Auch wenn ich iPad und Rechner und Kindle und Handy dabei hab: Ich finde das super beim Frühstück ein Holländerbrötchen zu essen und dabei in der Zeitung etwas ausführlicher als durch SpOn über die Geschehnisse von gestern informiert zu werden. Das ist fast meditativ.
Anderes Beispiel: Meine beste Freundin
Hat alles zu Hause und nutzt es auch ausgiebig. Computer, Handy, Fernsehen, alles da. Aber hat immer das Gefühl, uninformiert zu sein. Eine zeitlang gab es mal diese Zeitung zum selber zusammenstellen, ich glaube die hiess niuu oder so, da hab ich ihr mal (auch weil ich selber neugierig war) ein Probeabo zusammengestellt und schicken lassen. Und sie fühlte sich rundum informiert. Hat sich morgens mit einer Tasse Tee in die Küche gesetzt, wenn unser Kind in der Schule war, und gelesen. Oder die Zeitung in die Tasche gestopft und im Café gelesen. Die würde niemals einen Rechner mitnehmen oder im Café auf SpOn irgendwelche Neuigkeiten lesen. Da würde sie dann eher eine der herumliegenden Zeitungen nehmen.
(Nachtrag: Als ich eben mit ihr telefonierte, meinte sie, das sie mittlerweile doch Nachrichten auf dem Handy lesen würde, wenn sie irgendwo rumsitzt…na gut. Sie hat aber nochmal betont, wie sehr ihr die niuu gefallen hat!)
Zeitungen haben einen Sinn. Das Medium “bedrucktes Papier” hat einen Sinn. Ist robust, ist leicht, ist easy anwendbar. Das ist nicht zu ersetzen. Ja, seine Inhalte bedürfen einer Nachjustierung. Aber deswegen erkläre ich doch kein Medium für Tod.
“Ja, aber die FTD!”
Wenn man es nicht schafft, Leser von seiner Einzigartigkeit am Markt zu überzeugen, dann macht man vermutlich etwas falsch, vor allem wenn man als Letzter kommt. Es tut mir ja leid, aber da ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man auch wieder als Erster geht. Und wenn man sich so arrogant verabschiedet, wie die FTD das getan hat, dann war das vielleicht auch alles nicht so falsch.
“Ja, aber die FR!”
Ja, die FR bedauer ich auch, wobei ich die auch nur online gelesen hab. Aber hier gilt das natürlich auch: Wer liest die noch, wo ist der Leser. Und damit meine ich eben kein blindes hinterherrennen irgendwelcher Marktforschungs-Ergebnisse, sondern Intuition. Gespür für den Leser, für den Markt. Das war wohl nicht gegeben. Ich hätte ehrlich gesagt gedacht, das es zuerst die Berliner Zeitung erwischt, aber nun ja. Wenn man am Leser vorbeischreibt, dann kann man nicht bestehen, so leid mir das auch tut.
“Ja, aber die PRINZ!”
Hahahahahahahahahaha. Das letzte Mal, dass ich in die PRINZ geguckt hab, war das ein Gutscheinkatalog mit Partybildchen. Nichts mehr an Originalität, keine Meinung mehr, nur noch MaFo, MaFo, MaFo und dem Anzeigekunden in den Arsch kriechen. Sorry, aber warum gab es die überhaupt noch so lange?
Das sind eure Argumente für den Tod der Zeitung, für das Ende von Print? Da müsst ihr aber noch eine gehörige Schippe drauflegen, um mich zu überzeugen. Und viele Andere auch. Ich weiß natürlich auch ehrlich gesagt nicht, warum so viele im Internet sich wünschen, das gedrucktes stirbt. Es nimmt dem Netz nichts weg. Und so viele Baumschützer gibt es nicht mal online. Aber, liebe Leute: Get over it. Print bedient etwas, was das Netz nicht bedienen kann. Ja, es werden noch andere Zeitungen und Zeitschriften sterben. Es geht vielen schlecht. Und das große Auflagenwunder vergangener Jahrzehnte ist vorbei. Der Markt wird dünner. Aber er wird niemals verschwinden. Was eine Zeitung (in der analogen Welt) kann, kann nur eine Zeitung. Ich werde zumindest niemals eine Ecke meines Handys abreissen, um einen Kaugummi reinzupacken. Eine Telefonnummer auf meinen kindle kritzeln. Einen Tag später ausführliche Texte im Netz suchen zu Nachrichten, die ich da einen Tag vorher gelesen habe (wenn ich nicht drauf hingewiesen werde). Oder am Frühstückstisch meiner Eltern mit einem iPad sitzen.
- Fernsehen
Auch hier: Totaler, seltsamer Hass von Menschen, die sich stolz damit brüsten, gar keinen Fernseher mehr zu haben. Und die rufen es in die Welt hinaus: Fernsehen ist tot, braucht keiner mehr, Volksverdummung, blablabla. Regen sich aber dann über jeden TV-Beitrag über das Internet auf, der tendenziell negativ ausfällt. Wald? Hineinruft? Herausschallt?
Wenn man sich das Netz ansieht, hat man es beim Fernsehen immer noch mit dem Leitmedium Nummer 1 zu tun. Auf Twitter wird gemeinsam Tatort oder “Bauer sucht Frau” geguckt, bei Facebook versammelt man sich auf Fanpages über das Dschungelcamp und auf vielen Blogs lese ich Artikel über Dexter, Game of Thrones, Misfits oder die Big Bang Theory. Alles Fernsehen. Die Mediatheken der Sender laufen heiss, wenn eine neue Folge “Roche und Böhmermann” online geht und Zattoo dürfte zu internationalen Fussballturnieren einen deutlichen Download-Anstieg verzeichnen. Alles Fernsehen. Piraten lassen sich regelmässig zu Lanz oder anderen Talkern einladen. Bei Protesten vor dem Brandenburger Tor werden ZDF-Journalisten via Twitter beschimpft, weil sie zu wenig oder gar nicht berichterstatten, was so vielen berichterstattungswürdig erscheint. Und auf SpOn wird jede Talkshow am nächsten Tag besprochen. Alles Fernsehen.
Sieht so ein totes Medium aus?
Was ich nie kapiere ist: Das Wirkprinzip von Fernsehen ist ein komplett anderes, als das vom Netz. Die einzige Gemeinsamkeit sind laufende Bilder. Beim einen Medium als Default, beim anderen als Option. Das war es aber auch. Fernsehen ist eines der passivsten Medien, die es gibt, was gleichzeitig auch die Erklärung für seinen großen Erfolg ist. Ich muss nichts anderes tun ausser umschalten. Immer läuft irgendwo, irgendwas. Etwas läuft, was ich immer weiter laufen lassen könnte. Ich muss nichts tun. Nun mag es auch im Netz Seiten geben, die mir unendlich viele Videos hintereinander vorspielen, aber die sind eher selten. Und da ist das “umschalten” auch nicht so einfach, erfordert einen Mausklick, der sich aber vorher genauer mit dem Inhalt beschäftigen muss, damit ich überhaupt weiss, wo der Klick hingehört, wo der Link ist. Alles schon wieder viel zu viel Aktion. Ja, Fernsehen ist ein faules Medium. But guess what: Das ist sein Erfolg.
Warum also den Tod des Fernsehens herbeisehnen? Welchen Teil des Internets stört das Fernsehen? Ja, Fernsehen ist ein Medium, das primär “von oben herab” sendet. Die lassen sich die Inhalte nicht so leicht diktieren, wie irgendwelche Blogger oder im Zweifelsfall noch News-Seiten, das pisst viele an. Na und? Noch kein Grund zur Abschaffung oder kein Anzeichen des Untergangs. Diese ganzen schlauen Medienpropheten, die dem TV seine baldige Abwesenheit prophezeihen, vernachlässigen alle Umstände und stellen ihre eigene Sichtweise als Vision auf. Fernsehen muss auch nicht allen gefallen, das ist in Ordnung. Niemand kann gezwungnen werden, einen Fernseher zu besitzen. Auch okay. Aber einen gesunden Patienten, der hier und da ein paar Zipperlein hat, deswegen gleich für Tod zu erklären? Das ist wie bei “Ritter der Kokosnuss”, als der den Alten auf seiner Schulter zum Wagen rausbringt, auf dem die Toten gesammelt werden und der Alte ruft: “Lass mich runter, ich bin gar nicht tot, ich will spazieren gehen!”.
Das Fernsehen ist durchaus kritikwürdig. Heutzutage läuft da sehr viel Scheisse. Und das müsste nicht sein. Auch hier wieder: Marktforschungsoptimierte Programme sind ein Graus. Und die Verarschung und Vorführung von Leuten im Privatfernsehen in Formaten wie “Bauer sucht Frau” oder “Schwer verliebt” ist zum kotzen und soll allen Verantwortlichen ein fieses und fettes, haariges Furunkel am Arsch wachsen lassen. Aber Fernsehen darauf zu reduzieren, ist wie zu sagen: Das Internet ist vor allem Kinderpornographie. Reine, alberne Demagogie.
Ich freu mich schon, wenn irgendein Shoppingsender schliesst und dann online zu lesen ist: “Das große Fernsehsterben beginnt!”
- Radio
Warum lese ich eigentlich so wenige Rants gegen das Radio? Weil viele “Wortführer” im Netz von da kommen? Weil man das im Auto zur Arbeit noch braucht? Weil Podcasts nichts anderes sind?
Das finde ich erstaunlich. Die große Kritik am Medium Radio, die Rufe über ein “totes Medium” oder für “Kein Grundrecht auf Rundfunk” sind doch eher seltener Natur. Ich muss ehrlich gestehen, das mir das von allen Medien eigentlich am egalsten ist. Ja, ich höre gerne Domian, aber den kann ich ja auch gucken. Ich freu mich auch wenn ich mal einen guten, mir unbekannten Song im Radio höre - verfluche aber auch die Radiomacher dafür, es mir extra schwer zu machen, herauszufinden was ich da genau gehört habe. Ja, ich kann das online nachgucken, aber wie schön wäre es, wenn ich keinen Mediensprung machen müsste und mir einfach geSAGT würde, was ich gerade gehört hab? Max Goldt schrieb mal sehr schön sinngemäss über Radio, dass er niemand bräuchte, der ihm sagt, was für eine gute Stimmung er nun haben müsse, dass er seine Laune ganz gut selber im Griff hätte, er aber bei guter Musik immer gerne wissen würde, was er denn da nun gehört habe.
Radio ist das vielleicht schlimmste Opfer des Marktes, weil man hier (meine ich mich zu erinnern) irgendwie nicht so richtig “Quoten” messen kann und sich deswegen nur auf Zahlen gestützt wird, die irgendein Unternehmen im Quartal produziert, basierend auf Umfragen etc. Da wirds dann ganz abenteuerlich. Und alle Sender halten sich sklavisch an diese Zahlen, so wie es auch alle Werbekunden tun. Deswegen hat man beim Gros der Sender heute nur noch Jingle-Geballer und “Das Beste von Früher, Heute, Morgen und Niemals” oder so am Start.
Wie gesagt: Ich brauche Radio nicht unbedingt als Medium, zu selten sind unsere Berührungspunkte. Aber es gibt viele Menschen, die gerne Radio hören. Die jeden Morgen im Stau auf dem Weg zur Arbeit stehen und da gerne David Guetta hören, oder irgendwas Anderes, was sie vielleicht nicht selber auf CD haben. Oder die hören wollen, wo Stau ist. Oder auch Menschen, die dann zu Hause klassische Musik hören oder Hörspiele oder Reportagen. Es gibt Radiohörer und es soll sie geben. Radio nimmt meinem Medienkonsum nichts weg, gar nichts. Warum sollte ich also dagegen sein, warum sollte ich permanent rufen “Radio stirbt” und wenn dann nach fünf Jahren wirklich mal ein Lokalsender zu macht direkt rufen: “Seht ihr! Ich habs gesagt: Radio stirbt! Und das war erst der Anfang! Alle Anderen werden folgen! Radio stirbt, weil es unmodern ist!”
Warum rufen Menschen so was? Warum diese Verbitterung, diese Unentspanntheit?
Es gibt Tage, an denen kotzt mich das Internet an. Da bleibt man in irgendwelchen Kommentarspalten großer Zeitungen stecken oder liest dämliche Verschwörungstheorien oder klickt aus Versehen auf einen Broder-Artikel oder wundert sich über all den unreflektierten Hass und die Grabenkämpfe allerorten. Wundert sich, wie man dem Menschenbild, das im Netz konstruiert wird, jemals entsprechen soll. Wundert sich über das plötzliche aufpoppen eines Fettnäpfchens, das man nie als solches wahrgenommen hat, man aber gleich abgewatscht wird mit der Haltung, das man es schon immer hätte kennen müssen - denn es steht ja im Netz. Diese Tage frustrieren mich. Mich, der ich das Netz immer als tolles, fantastisches Medium propagiere. Als spannende Welt, als Meinungskanal, als vollkommen neue Möglichkeit des publizierens. Als spannenden Pool verschiedener Sichtweisen. Der leider oftmals dann aufhört, wenn die Meinung eine Andere ist.
Und dann klapp ich den Computer zu. Und mach den Fernseher an. Oder lese ein Videospielmagazin wie die “M!” oder das Rapfachblatt “Juice”. Oder ein Buch. Und denke:
Heute, einen Tag vor meinem Geburtstag, ist es also so weit: Der groß angekündigte Relaunch der wichtigsten Zeitschrift meiner Jugend stand an: Die Yps liegt wieder am Kiosk.
Dabei ist die Idee dahinter so simpel wie clever: Da man wohl kaum eine Wurst von Teller ziehen würde, wenn man versucht mit gefühlten 1.000.000.000 anderen Kindertiteln, die alle mittlerweile auch Gimmicks haben, zu konkurrieren, geht man einfach auf die alte Leserschaft zu. Die neue Yps will für die alten Leser sein, sprich: MItgewachsen. Eine coole Coffetable-Zeitschrift. Oh! Welch Idee! Wirklich, ganz unironisch, das macht total Sinn. So Ottos wie ich haben doch voll Bock, sich wieder eine Yps am Kiosk holen zu können, um wieder so ein Yps-am-Kiosk-hol-Gefühl zu haben und sei es auch nur ein kurzer Kick. Dazu würden mir auch auf Anhieb eine Menge Texte oder Autoren und Autorinnen einfallen, die ich dazu im Heft haben wollen würde. Zum Beispiel coole Ideen, was man mit seinen Kindern für bekloppte Experimente machen kann (die auch alleine Spaß machen). Comics für Groß und Klein, auch ein paar Klassiker, allen voran natürlich Pif und Herkules oder noch besser: Piffi! “Nix-Glop-Glop!”
Man könnte in den Comics, die übrigens mindestens die Hälfte des Hefts einnehmen sollten, der Nostalgie frönen, gleichzeitig einfach Spass an den Geschichten haben und sie, falls vorhanden, mit seinen Kindern teilen. Das könnte ein Heft sein, an dem Familien Spaß haben, ohne diesen nervigen Familiencharakter im Vordergrund oder Singles, die gerne zurückblicken. Fresh und Old School zugleich! Wie cool ist das denn, bitte schön?
Nun: All das ist es nicht.
Stattdessen ist es ein Heft über die 80er Jahre, mit ein bisschen Comic-Promotion von Ehapa für einen, schon auf 4 Test-Seiten zum einschlafen lähmenden, Zombie-Comic. Werde Spion, werde Zauberer, werde Dinosaurierforscher. Die Seiten ballern einen zu mit Testosteron. Dazu noch ein paar superlustige Comicstrips, bei denen einer nur aus einem Panel eines Ausschnitts einer Kellnerin besteht (”Höh Höh Höh!”), Zaubertricks mit Bierflaschen und Zigaretten und einer Bilderstrecke mit Autos von damals und heute. Ey, boah, ey (Die “Modestrecke” in der Yps und seine Freunde irgendwelche Klamotten präsentieren, lasse ich mal höflich unter den Tisch fallen…ähem).
Am Anfang gibt es eine mehrseitige Story über die Entstehung und den Werdegang der Yps. Das ist ein schöner Artikel und sehr guter Opener. Dann kommen schon die Facebook-Fans der Yps zu Wort und es wird schlagartig belanglos. Gefolgt von einer Doppelseite “Extrablatt”, was einerseits cool ist, weil die genauso gelayoutet ist, wie damals in der Yps. Aber dann ist alles so ironisch gemeint, aber die Leute kann man wohl trotzdem auf Facebook finden, so heisst es. Ich verstehe gar nicht, warum ich davon jemanden anschreiben sollte. Und, ach, liebe Leute: Das Extrablatt in der Yps waren damals schon die uninteressantesten Seiten.
Und so geht das die ganze Zeit weiter: Promis erzählen in einem kleinen Statement von ihrer Yps-Zeit. Gefolgt von den unvermeidbaren Gadgetery-Seiten, in denen allen ernstes immer noch ein USB-Tassenwärmer als verrücktes, nie gesehenes, neues, crazy Gadget vorgestellt wird. Oh, ich merke schon die Arthritis in meinen Armen. Hoffentlich werde ich das Heft bis zur letzten Seite noch halten können.
Die zweite, halbweg interessante Seite taucht auf: Ein Interview mit Heinz Körner, dem damaligen Zeichner von “Yinni und Yan”, ebenfalls einer exklusiven Yps-Serie über ein Reporter-Team. War auch ein bisschen langweilig immer, aber okay. Dann kommen die Comics. Naja, eigentlich nur ein paar Comicstrips, bei Ruthe (”Shit Happens”) und Josha Sauer (”Nicht lustig”) sogar nur (wenigstens exklusive) Cartoons auf eine Seite aufgeblasen. Dazwischen Strips von Øverli namens “Pondus”, angeblich eine der “erfolgreichsten skandinavischen Comic-Reihen aller Zeiten” und ungefähr so lustig wie “Tom”, falls den einer kennt. So plätschert das Heft vor sich hin. Alte Coladosen werden neben neuen fotografiert. MIchael Groß, der Schwimmer, wird als “Held von damals” interviewed und dann kommt ein alter Comic von, na klar: Yinni und Yan.
Das ist kein Heft von Fans für Fans. Das ist ein Heft, das komplett unter Marketing-Gesichtspunkten gestaltet und dann am Schluss mit einem Yps-Gefühl überzogen wurde. Dieser andauernde Nostalgie-Scheiss mag ganz lustig sein, aber muss man den wirklich so breit treten? Ich weiß, das ich morgen 36 werde, daran muss mich kein Heft erinnern. Immer ist alles “kultig” und “retro” und auf dem Heft und dem Heftrücken steht in grellem Pink: “Eigentlich sind wir doch schon erwachsen!”
Oh, wir sind so erwachsen und lesen trotzdem Comics. Hihihi. Oh, wir sind so erwachsen und probieren trotzdem nochmal die Urzeit-Krebse aus. Hohoho. Oh, wir sind ja so erwachsen und kaufen uns heute trotzdem einen USB-Tassenwärmer. Dieses andauernde rumspiessen auf Erwachsenen-Bildern und Männlichkeits-Bildern ist so penetrant und nervig und unvisionär und engstirnig und lahmarschig, das ich mich fast schäme, damals die Yps überhaupt gelesen zu haben, wenn das hier jetzt ihres Geistes Kind sein soll.
Die neue Yps will keine Frauen als Leser. Die neue Yps will keine Comic-Leser als Leser. Die neue Yps will keine Familien als Leser. Die neue Yps will männliche Singles als Leser, die sich das Heft aus Gag aufs Klo legen. Oder wie ich auf Facebook in einem Kommentar schrieb: “Diese Yps fühlt sich an wie ein Comicheft, das von so Armani-Managern mit spitzen Fingern in der Umkleide ihres Spas rumgereicht wird.”
Das reicht mir nicht. Aber vielleicht bin ich da auch nicht repräsentativ. Ich empfehle nur allen alten Yps-Fans, die ein altes Yps-Gefühl wiederhaben wollen, lieber auf dem Flohmarkt oder bei ebay nach alten Yps-Heften zu suchen, als sich diesen halbgaren, ideenlosen Neuanfang anzutun und das Heft, das einem damals die Nachmittage versüßt hat, so lieblos zerfasert mit ansehen zu müssen. Guckt weg. Das ist ein okayes Heft, aber das ist nicht Yps. Sorry.
P.S. : Das erinnert mich an “Donald”, ein Heft mit dem ähnliches versucht wurde: Ein Männer-Lifestyle-Magazin aufgehangen an einer kollektiven Kindheitserinnerung, in diesem Falle Donald Duck. Da frag ich mich doch: Kennt man bei Ehapa nur chauvinistische Single-Männer ohne Ideen und mit zu viel Zeit und Geld als Zielgruppe? Und kommt keiner drauf, das die alles, was mit “Kindheit” zu tun hat, eher doof finden und nich zu Hause rumliegen haben wollen? Ich würd mir an Ehapas Stelle mal eine neue MaFo suchen gehen…
Irgendwann Ende der 90er. Meine Freundin lebt in Hamburg, ich bin ganz oft bei ihr, pendel zwischen Hamburg und Köln hin und her. Ich bin ins Hotel Atlantic eingeladen, da findet eine Party von PETA statt. PETA, ja, hat man zu der Zeit schon mal gehört, ist diese “coole” Tierschutzorganisation. Kann man ja mal hingehen, da sollen auch ein paar Freunde von mir sein.
Und da trifft sich dann alles irgendwann an der Bar, weil die Party selbst zu uninteressant ist. Und wir ziehen durch das ganze Hotel. Und wir spielen am Piano. Und singen. Und gehen zu einem aufs ZImmer, alle zusammen. Und ich werde gefragt, was ich noch trinken will. Und ich sage “Four Roses” und bekomme stattdessen vier Whisky gebracht. Und da sitzen wir und lachen und erzählen uns alle totalen Stuss. Und einer fängt plötzlich an schlüpfrige Sachen zu fragen. Lieblingsstellung und so ein Quatsch. Und wir sitzen auf dem Boden, auf den Stühlen, auf dem Bett, auf der Couch. Überall. Und antworten und lachen. Und einer sitzt dabei und lächelt selig und guckt sich den Quatsch an und lässt uns machen. Er passt irgendwie auf uns auf. So eine Art persönlicher Buddha.
Ich hab Dirk Bach nicht oft getroffen, ich will jetzt hier auch gar kein großes Fass aufmachen. Aber ich bin ihm ein paar Mal begegnet. Und wer auch immer ihn getroffen hat, der weiß was ich meine, wenn ich von einer besonderen Aura spreche. Dirk war sehr gütig, beruhigte einen schon, wenn er neben einem sass. Der war nicht das gemütliche Dickerchen aus dem Fernsehen, sondern ein ganz genauer Zuhörer, der sich - egal welcher Trubel um einen rum war - total auf seinen Gegenüber einliess und konzentrierte. So hab zumindest ich ihn erlebt. Und das waren tolle Begegnungen.
Ich finde die Vorstellung komisch, dass der nicht mehr da ist. Das das Fernsehen jetzt ohne den auskommen muss. Nicht das ich seine Sendungen (außer dem Dschungel) regelmäßig verfolgt hätte, aber es war gut zu wissen, das er da war. Vor kurzem hab ich noch das Plakat für sein Theaterstück hier in Berlin gesehen und gedacht: Mensch, mit DEM muss ich noch mal Kontakt aufnehmen, das waren immer schöne Abende, bei denen der dabei war. Den würd ich gerne mal Wiedersehen.
Und dann geht das plötzlich nicht mehr.
Was soll ich sagen? Danke Dirk. Danke für die Begegnungen, danke für deinen Versuch, Güte zu verteilen. Deine Engagements sind zahlreich, die haben alle einen wichtigen Motor und Fürsprecher verloren. Hoffentlich schaffen deine Freunde, deine Kollegen oder einfach jeder, der sich berufen fühlt, diese Lücke zu schliessen. Es wird schwierig. Wenn es um den guten Zweck ging, hattest du Energie für 1000.
Ach Mann, du hinterlässt eine große Lücke. Machs gut, Dirk Bach.
P.S.: Ich weiß noch wie du mir erzählt hast, das du (unter Anderem) alles von KISS sammelst. Dann müssen wir wohl das hier jetzt spielen:
Dann das: Ich bitte euch ehrlich um Verzeihung. Die letzten 10 Tage hab ich euch in die Irre geführt und manchmal Sachen behauptet, die nicht gestimmt haben. Aber ich hab das aus einem Grund gemacht und ich hielt das für einen guten Grund und vielleicht versteht ihr mich ein wenig besser, wenn ihr diesen Text gelesen habt.
Ich bin nun schon seit einiger Zeit im Internet unterwegs. Und da gibt es ein paar Sachen, die ich über die Jahre auch gelernt oder mitbekommen hab. Zum Beispiel Transparenz: Grundsätzlich kann jeder machen, was er will, aber man darf halt nicht so tun, als würde man es nicht machen. Eigentlich auch logisch: Keiner wird gerne verarscht. Einer der Gründe, warum “Virals” in der Regel eher nerven, nachdem man die Ersten noch mitgemacht hat. Aber sich den Kopf zu zerbrechen und Energie zu investieren um am Ende herauszufinden, das man der Werbung für eine neue Bügelbrettkollektion auf den Leim gegangen ist, ist nicht nur unbefriedigend, sondern lässt einen auch beim nächsten Einkauf die Bügelbrettwahl deutlich überdenken (Gut, auch wenn man die in der Regel nicht so oft kaufen muss…). Wenn man aber vorher weiß, das man auf Schnitzeljagd mit einem Bügelbretthersteller geht, dann machen das nur die, die da Bock drauf haben. Das sind vielleicht nicht viele, aber die die auf Bügelbretter stehen.
Wir haben mit den Fünf Filmfreunden mal eine Art Theater inszeniert um unser damals neues, fünftes Mitglied einzuführen, das so ablief, das wir so getan haben als wären wir total uneins und jeden Tag ist einer mehr ausgestiegen, bis am Schluss ich das Blog angeblich alleine gemacht hab und es nur noch “Musical und Adam Sandler”-Reviews geben sollte. Wir hielten das für so over-the-top-bescheuert, dass jedem der Fake in die Augen springen musste. Stattdessen bekamen wir viele Kommentare von Leuten, die sich extrem auf den Schlips getreten fühlten. Ich denke nach wie vor, das da einige Leser eine etwas übertriebene Anspruchs-Haltung haben, was unsere Seite betrifft, aber ich verstehe auch, warum das einige Andere eher doof fanden. Es gibt im Netz die bescheuertsten Sachen, warum soll man so etwas vergleichsweise harmloses nicht glauben? Wenn jemand nervt, dann doch die Leute, die als erstes in jede Kommentarspalte reflexartig “FAKE!!!!!” reinbrüllen, oder? Man muss auch glauben, man muss auch vertrauen können.
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Ich habe, Gott sei Dank, noch nicht viele Menschen in meinem Leben verloren. Auch wenn ich jetzt merke, das es öfter passiert, um mich herum. Meine Großeltern sind gestorben, als ich superjung war. Von denen habe ich nicht viel mitbekommen. Ich will jetzt auch gar nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber vor ein paar Jahren starben Menschen, die ich mochte. Und sie starben an Krebs. Dieser verfickten Pest.
Jährlich hauen sich junge Menschen auf die Sonnenbänke dieses Landes, weil sie einen gesünderen, frischeren Teint haben wollen. Und eine fleissige Lobby suggeriert ihnen: Hey, das ist vollkommen ungefährlich. Und das stimmt halt nicht. Die Kackteile begünstigen Hautkrebs aufs Allerstärkste. Die Message kommt aber bei denen, bei denen sie ankommen soll, nicht an. Man muss also neue, andere Wege versuchen, die zu erreichen.
Mir wurde angeboten, die deutsche Krebshilfe zu unterstützen, bei dieser Kampagne. Die Idee war die: Die Haut eines Schweins ist der menschlichen Haut am ähnlichsten. Wenn man also shocking simuliert, was einem Schwein passieren würde, wenn es mit UV-Strahlung vollgeballert wird, dann löst das vielleicht eine Diskussion aus. Und das wär doch gut, wenn die im Internet stattfände, denn das ist nunmal ein Lebensraum junger Menschen. Das schien mir einleuchtend, stimmig und ich hatte das Gefühl, ich kann wenigstens einen minimalsten, kleinen Teil in der Bekämpfung dieser beschissenen Krankheit tun. Vielleicht den ein oder anderen Menschen mehr erreichen, der dann einen Bogen um die Bräunungsstudios macht. Mal irgendwas machen, um diese UV-Strahlungs-Befürworter-Macht zu brechen, wenigstens ein Bisschen.
Deswegen habe ich also an dieser ganzen Aktion mit dem Viral teilgenommen, hab Freunde in die Irre geführt, hab Leser verschaukelt, hab ahnungslos getan. Und mich irrsinnig schlecht dabei gefühlt. Damit will ich kein Mitleid erhaschen, ich will euch nur sagen wie es war. Ich habe während dieser Aktion gemerkt, dass Leser zu verarschen nicht mein Ding ist, hatte bei irrsinnig vielen Kommentaren Bauchschmerzen und mich schwer getan. Aber ich durfte natürlich nichts sagen, bis zur (heutigen) Auflösung. Das war klar. Das Projekt sollte ja nicht an meinem schlechten Gewissen scheitern. Deswegen habe ich mich auch sehr zurückgezogen, die letzten Tage. Nichts zu sagen war mir immer noch lieber, als noch weiter lügen zu müssen. Ich wusste, das ich das für eine gute Sache tat, sonst hätte ich es vermutlich gar nicht ausgehalten. Aber sonst hätte ich mich auch niemals darauf eingelassen.
Ich hab schon viel zu viel geschwafelt. Ich habs nun mal so gemacht und ich will das auch nicht relativieren oder so. Das hab ich mir anders vorgestellt. Ihr sollte aber wissen: Es tut mir wirklich leid. Ich entschuldige mich, wenn jemand von euch dachte, dass da wirklich einem Schwein schlimmes Leid zugefügt wird (und sich jetzt dementsprechend vorgeführt vorkommt). Ich entschuldige mich bei jedem, der so etwas gerade auf dem Weltfrieden niemals erwartet hätte. Ich entschuldige mich bei jedem Twitterfollower, der sich über den Link aufgeregt hat, bei jedem Facebookfreund, der glauben wollte, was er sah und bei jedem Blogleser, der sich Mühe mit der Recherche gemacht hat. Ich hoffe, ich konnte euch meine Beweggründe erklären. Ich weiß nun (ein bisschen spät, aber immerhin), dass ich so etwas nie wieder machen werde. Das ich einfach nicht geeignet bin, für so eine Aktion. Aber ich weiß auch: Ich werde gerne jederzeit weiterhin dabei helfen, Krebsrisiken zu minimieren, wo ich es für nötig halte und helfen kann.
Viele von euch werden nun gehen und das ist verständlich und tut mir ehrlich leid. Aber allen, die an und auf meiner Seite bleiben, möchte ich zurufen:
Danke für euer Vertrauen.
P.S.: Um das ganze noch abzuschliessen: Die ganze Geschichte über das Schwein und die Kampagne und Aufklärungsmaterial über Hautkrebs und Solarien findet ihr hier: www.rosi-hat-schwein-gehabt.de
UPDATE: Das ganze war eine Aktion für die “Deutsche Krebshilfe” um auf die Gefahr von Hautkrebs aufmerksam zu machen. Ich habe die Aktion unterstützt. Alles über das, gesunde, Schwein lest ihr hier. Warum ich mitgemacht hab, lest ihr hier.
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Ich bin gestern über eine Seite gestolpert, die ein wenig komisch wirkt. Hier kann man sie sich ansehen.
Da wird ein Schwein irgendwie bearbeitet, keine Ahnung was die da mit dem machen. Und wie immer, wenn ich nicht weiter weiss, frag ich meine sozialen Netzwerke. Aber auch da: Ratlosigkeit. Ein Drittel meint, das sähe schwer nach einem Viral aus, das andere Drittel ist empört und das letzte mindestens genauso verwirrt wie ich.
Was haben wir: Wir haben eine Seite mit einer komischen Domain, also nur eine Nummernfolge. Nichts, auf das man zufällig stösst. Wir haben einen Hoster, der wohl irgendwo aus der Nähe von München kommt. Auch eher unspektakulär. (Ich hab dem auch mal gemailt, aber noch keine Antwort bekommen…) Dann eine Tabelle mit viel Kauderwelsch und ein paar verständlicheren Informationen. Da geht es um Kot-Konsistenz und “Hundesitzigkeit”. Komisches Wort, bin ich sofort drüber gestolpert, hab ich nämlich noch nie gehört. Ist aber anscheinend (nach recht oberflächlichem googlen) ein Anzeichen für Krankheit bei Schweinen. Die sitzen dann so auf den Hinterbeinen, wie ein Hund eben, nur das das bei denen nicht normal ist.
Jemand bei meinen Facebook-Kommentaren hat noch folgendes rausbekommen:
“Ich befürchte, es ist ein Versuchslabor. Googlen nach 308 nm hat ergeben, dass dies UV-Strahlung ist, die mit einem bestimmten Laser erzeugt wird. Und es sieht so aus, als ob die Auswirkung dauerhafter Bestrahlung auf das Schwein getestet wird.”
So und das ist so ziemlich alles, was wir an Infos haben. Jetzt muss man das einsortieren.
Mehrere halten das für einen Fake. Ich find auch, das das manchmal komisch aussieht. Irgendwie unecht. Wenn die so mit der Kamera rumlaufen. Andererseits gibt es diese feste Laborkamera, das sind die meisten Filme. Die sind so langweilig. Da kann ich mir definitiv vorstellen, das das echt ist. Ich versuche mir auch vorzustellen, wofür das ein Viral sein könnte, wenn es eins ist, aber ich komm nicht drauf. Wird wohl kaum für eine Serie über Schweine sein, oder so. Schräg. Vor allem, wenn es echt ist, dann wofür? Was machen die da? Ein Schwein mit Laser bestrahlen? Wozu das? Das hört sich so nach Science Fiction an…(Die Fotos auf der Seite sind echt gruselig…)
Nochmal: Falls irgendwer wirklich Ahnung hat, was da passiert, bitte in die Kommentare. Das muss doch rauszufinden sein!
Nilz Bokelberg, genannt Nilzenburger, bloggt seit 4 Jahren auf seinem "Wetlfrieden". Dabei kommt es ihm vor allem darauf an, funktionierende Alternativen zur allgemeinen Griesgrämig- und Miesepeterigkeit anzubieten und zu fördern. Er glaubt somit einem Land, das eine gewisse schlechte Laune als Grundvorraussetzung menschlichen Miteinanders akzeptiert zu haben scheint, einen anderen, besseren Weg aufzeigen zu können. Seine Mittel sind dabei alberne Podcasts, lustige Videos, befindliche Zustandsbeschreibungen, interessante Geschichten und ab und zu mal ein bischen Dampf ablassen. Oder, wie die "cool people" dazu sagen: bloggen.