DCs New 52 – Startschuss mit der Justice League

September 05, 2011 | nilz_bokelberg

Ein gewagtes Experiment, von zwei Seiten:

1.) DC, mein Lieblings-Superhelden-Comicverlag, rebootet sein komplettes Universum. Das bedeutet alle Serien beginnen nun mit Heft 1. Ein paar Serien haben den Neuanfang nicht überlebt (darunter auch die von mir heiss geliebte “Zatanna”), ein paar Neue sind dazu gekommen (wie die “Justice League Dark“, mit meiner heiss geliebten Zatanna). In den nächsten drei Wochen werden sämtliche 52 Neuerscheinungen bzw. Ersthefte rauskommen. Dazu kommen noch ein generalüberholtes Layout der Comics. Das darf man wohl zu Recht als einen spektakulären Komplettneustart bezeichnen.

2.) Mein Comicladen, von dem ich all meine Superheldenhefte beziehe, ist der “Grober Unfug“. Da auch die den Reboot nutzen wollen, um neue Leserschaften zu bekommen (schliesslich kann jetzt jeder bei Heft 1 anfangen und muss keine Berührungsängste haben, nicht in irgendeine Story reinzukommen), haben sie mehrere Blogger gefragt, ob sie die Erstausgaben begleiten möchten. Ich bin einer davon (und freu mir deswegen ein ziemliches Loch in den Bauch). Vor allem passt es auch deswegen, weil ich ja nur DC Comics lese. Man muss sich da, meiner Meinung nach, entscheiden: Marvel Comics (u.a. Spiderman, Iron Man, X-Men, Fantastic Four etc.) oder DC Comics (u.a. Batman, Superman, Green Lantern, Flash etc.). Das ist wie Beatles oder Stones. Star Wars oder Star Trek. HIMYM oder TAAHM.

Diese Woche ist nur ein einziges Heft rausgekommen. Sozusagen der Paukenschlag, der alles eröffnet. Schauen wir mal rein:

“Justice League”

justice-league-12

Batman wird von der Polizei verfolgt (während er ein komisches Vieh verfolgt)? Green Lantern kommt dazu und lernt Batman erst kennen? Oder [insert fetten Spoiler]? Das erste Heft der neuen Gerechtigkeitsliga (ohne das “of America” dazu) wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Das macht natürlich Spass. Das ganze Heft ein einziger Cliffhanger sozusagen. All das angesiedelt 5 Jahre vor der “normalen” Superheldenzeitrechnung. Das bedeutet: Niemand kennt sie, niemand nimmt sie ernst und alle haben ein bisschen Angst vor diesen seltsamen Kreaturen in ihren Kostümchen. Man prügelt sich quer durch Gotham. Batman ist wie immer scheisse drauf und weiss wie immer alles (besser). Lantern ist wie immer ein Haudrauf und macht wie immer alles falsch. Und das “Böse” pflanzt irgendeinen komischen Kasten in die Stadt. Handlung Nebensache. Das erste Heft will auftrumpfen, will schreien “Wir sind wieder da!”, will wegblasen und umhauen. Das hier ist die Show der Sensationen. Handlungstiefe können wir im Verlauf der Serie noch ausbauen. Hier soll erstmal die Dynamitstange explodieren.

Das hat seinen Charme. Man hat durchaus das Gefühl, als haben sich hier Zeichner und Autoren freigestrampelt. Ach, endlich von Vorne anfangen. Endlich nicht 27 Fäden von älteren Autoren aufnehmen müssen, endlich frei zu tun und lassen, was man will. Das merkt man dem Heft an. Es geht im Prinzip nur darum, die Figuren alle mal aufeinander treffen zu lassen. Und das wird in aller Breite zelebriert (was auch eindrucksvoll am schlussendlichen Cliffhanger des Heftes bewiesen wird). Aber. Es gibt schon irgendwie ein “aber”.

Dieser Reboot wurde ja eben auch als Einstiegshilfe gemacht. Ich habe aber ein bisschen das Gefühl, das sich dieses erste Justice League Heft einem vor allem dann erschliesst, wenn man die Figuren, die Mythologie und das alles schon kennt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, das Heft sei ein einziger Insider-Joke. Ich mag mich da auch täuschen und wüsste gerne was jemand sagt, der das alles noch nie gelesen hat. Aber für mich hat es sich so angefühlt, als wenn der Spass eindeutig auf Seiten der Kenner ist. Klar, die Geschichte wird von Vorne erzählt. Da fangen dann alle Gemeinsam bei “1″ an. Aber zu sehen wie sich Batman und Lantern kabbeln ist doch eigentlich erst dann lustig, wenn man weiss wie sie “heute” zusammenarbeiten, oder?

Die neuen Kostüme sehen alle ganz cool aus, find ich. Zumindest oberhalb der Hüften. Darunter, vor allem ab den Knien abwärts, wird es dann komisch für mich. Diese Art zu zeichnen hat sich ein bisschen eingebürgert in US-Comics in den letzten Jahren. Ich hab immer das Gefühl, dass das ein wenig von den Mangas kommt. Das sieht irgendwie aus wie Plateau-Stiefel. Und Superman in Buffalos? Will man das? For real? Ich weiss auch nicht so genau, woran das liegt. Aber das sieht irgendwie extrem unmodern und uncool aus. Wie gesagt: Oberhalb ist alles Bestens. Am Ende des Hefts sind ein paar Skizzen, als “Bonusmaterial” und da sieht man, das das Cape jetzt irgendwie mehr Teil der ganzen Supermanuniform ist, das ist echt ganz cool geworden.

Alles in Allem ein guter, solider Start. Jetzt nicht die Megaoffenbarung, aber wer ein bisschen in der Bahn entspannen will auf einer 15-Minuten Fahrt, für den würde ich das Heft schon empfehlen. Und ausserdem ist es ein historischer Wendepunkt. Schon allein deswegen sollte man diese Ausgabe besitzen. Wen interessiert da die Story? Es ist halt wie die Eröffnungsactionszene eines Films und nicht wie der Showdown. Ist ja dann irgendwie auch wieder ganz passend.

Ich bin sehr auf die nächsten Hefte gespannt.


Kommentar verfassen