Der Babybekommflüsterer

June 05, 2012 | nilz_bokelberg

Eine liebe Freundin von mir ist schwanger. Und seitdem ich das weiß und wir uns sprechen, hau ich die ganze Zeit Tipps raus. So wie: “Na, schon Geburtstvorbereitungskurs ausgesucht?”. Natürlich gefolgt von einem: “Naja, so wichtig ist das auch nicht, aber schon interessant.”. Und dann seine geballte Erfahrung (”Nach sechs Monaten kannst du ja dann auch endlich wieder Alkohol trinken, denn dann müsstest du ja abstillen…”) immer so en passant ins Gespräch einfliessen lassen (”Ja, ne, scharf essen ist nicht so gut…!”).

Und das ist so lustig, weil ich mich automatisch als “Experte” geriere, nur weil ich vorn ziemlich genau 11 Jahren meiner damaligen Freundin und heutigen wichtigsten Vertrauten und bester Freundin dabei geholfen habe, unsere Tochter auf die Welt zu bringen, so weit man da als Mann neben dem Bett eben helfen kann, bei so einer 20 stündigen Dauerbelastung. Ja, ich hab mich auch vorher informiert und so, aber eigentlich: Kinder haben zum Glück auch schon viele andere Leute vor mir und nach mir auf die Welt gebracht. Von denen haben aber mit Sicherheit die Wenigsten das Gefühl, sobald sich in ihrer Nähe ein Damenbauch wölbt, gleich Ernährungstipps geben zu müssen. Ich weiß auch nicht, woher das kommt. Ich bin irgendwie immer noch so fasziniert von der ganzen Thematik, dass ich sofort ins erzählen und beratschlagen komme, wenn sich die Gelegenheit bietet. Wobei hier “erzählen und beratschlagen” wohl zu großen Teilen als Euphemismus für “klugscheißen” gelesen werden kann.

Im Nachhinein fiel mir das auch auf und ich entschuldigte mich dann. Sie fand das aber gar nicht so schlimm, wie es mir vorkam. Im Gegenteil, sie freue sich über meine Tipps, liess sie mich wissen.

Oh oh.

Ich bereite dann jetzt mal mein 12-seitiges Referat über Beckenbodenübungen, Rückbildungsgymnatik und Dammrisse vor.


Kommentar verfassen