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Mobile Flash Kunst: Das Handy 29. Januar 2008

Veröffentlicht von petrola in : Technik, TOKIO TREND , trackback Versende diesen Beitrag an Freunde Versende diesen Beitrag an Freunde

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Stereotypen sind doof, aber für Japan sollte ich zumindest eins erklären: Japaner werden schon mit einem in die Hand implantierten Handy geboren. Warum? Die unterschiedliche Infrastruktur kann eine Antwort sein, das Hyperkonsumverhalten auch eine. Sich ein Festnetz überhaupt erst mal anschließen zu lassen, ist immer noch ziemlich teuer. Während es zum Beispiel in Deutschland die letzten Jahre darum ging, sich für den Rechner ein WLAN einzurichten, hat das in Japan offensichtlich nicht so viele interessiert. Schließlich ist das Handy - und nicht der Computer - die Alltagswaffe. Viel wichtiger ist eben deshalb das Handy für alles – und vor allem wichtig für mobiles Entertainment. Umfragen schieben es auf die Schulmädchen, die ungefähr 99 Euro im Monat für Unterhaltungsgedöns auf dem Handy ausgeben sollen. Was in Deutschland nun der Markt für Klingeltöne ist, ist in Japan das Feld für alle Arten von Animationen, die man mit FlashLite zum Laufen bringen kann: animierte Screensaver, Wallpaper, Anrufanimationen bis zu neu designten Nutzermenüs. Das ist, natürlich, erst mal kommerziell. Es gibt aber auch auf diesem Minimedium eine Nische für kunstige Sachen. Nein, nicht Micromovies. Für die interessiert sich in Japan keiner und wenn schon TV auf dem Handy, dann den nationalen Sender NHK. Es geht um die kleinen Bequemlichkeiten beim täglichen Gebrauch.

 

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Ein Bekannter hat mir nun Mao Sakaguchi vorgestellt, der genau diese Handyspielereien sammelt: Für sein Mobil-Projekt Gendai Geijutu Hakurankai lässt er nun seit einem Jahr diese Illustratoren, Character-Zeichner, Sprayer oder Grafiker schicke Animationen fürs Handy machen. Laden kann sich die jeder über ein monatliches Abo für umgerechnet knapp zwei Euro, solange er seinen Vertrag bei einem der drei großen Provider DoCoMo, Softbank oder AU hat. Ist das jetzt so außergewöhnlich? Es ist zumindest eine neue Baustelle für Kunstprojekte und Design: Ein zersägter Panda von Nagi Noda, Illus von Kiyoschi Kuroda oder Kenji Matsuda als Screensaver nehmen das User Interface für sich als Miniausstellungsfläche ein. Obwohl viele der (größtenteils japanischen) Künstler von der Illustration kommen, haben sie keine Scheu vor FlashLite. Andere haben da noch Vorbehalte.

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Mao erklärt: „Ich hätte gern mehr Kollaborationen zwischen traditionellen Malern und Flash-Leuten. Im Moment versuchen wir, mit dem sozialen Netzwerk MIXI Leute verschiedener Genres zusammenzubringen, um die Designs zu verbessern.“ Street Artists wie Jynx, Mhak! oder Gewgaw verbinden klassische japanische Ornamente mit Graffiti. Dass vor allem aber auch die drögen Menüs verschönert werden können, zeigen Grafiker wie Baku oder Shunsuke Kanosue: Ein Menü ist nicht einfach ein Menü. Entweder man gibt den Optionen einfach nur ein neues Kleidchen und verpackt sie beispielsweise in kleine Kisten mit herausploppenden Hasen, die sich beim Anwählen öffnen wie bei Baku.

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Oder man löst gleich die Struktur des Menüaufbaus auf und designt die Nutzerführung freihand wie bei Shunsuke Kanosue: Bei ihm sind die Menüoptionen wahlweise eine Camouflage-Fläche, gezacktes Gras oder Farbkleckse in der Landschaft. Statt der Grafik an der Wand hat man eben Design in Japan vor allem da, wo es den mobilen Alltag verschönert.

Gendai Geijutu Hajkurankai

7th Brother:

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