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Radical Advertising – Interview mit Werner Lippert 17. April 2008

Veröffentlicht von petrola in : ART, LIFESTYLE , trackback

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Derzeit findet im Düsseldorfer NRW Forum und parallel dazu auch im Internet eine Ausstellung zum Wandel in der Gegenwart der Werbung statt, die immer mehr zeigt, dass der Konsument Einfluss auf das gewinnt, was eigentlich ihn beeinflussen soll. IN welcher Art und Weise das geschieht zeigt “Radical Advertising” bis zum 26.08. und um etwas mehr hinter Konzept und Intention der Schau zu gelangen, haben wir mit dem Initiator Werner Lippert gesprochen:

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Werner Lippert mit Mieze von Mia

1) Radical Advertising – Ist dieser namensgebende Titel der neue Maßstab für Wirksamkeit von Werbebotschaften für in einem Jahrtausend, in welchem zunehmend Filtern von Außeneindrücken geht, um nicht einen Hirnschlag zu erleiden?

Auf den selbst geschaffenen Media-Overkill zum Ende des 20. Jahrhunderts antwortet die Werbung mit einer radikalen Volte im 21. Jahrhundert: sie entfernt sich von der Massenkommunikation, nutzt neue Technologien und spricht nun den Konsumenten direkt und persönlich dort an, wo sie ihn erreicht. Sie bezieht ihn ein, läßt ihn teilhaben, macht ihn zum Teil der Kampagne.

2) Woher kam die Idee zu Ausstellung?

Die Idee zur Ausstellung entstand, als wir uns fragten, ob nicht RADICAL und WERBUNG sich ausschließen, ob nicht Werbung im Gegenteil etwas völlig mainstreamiges ist. Aber ein ausgesprochener Werbegegner wie Kalle Lasn, der Gründe der Anti-Werbe-Organisation Adbusters, belehrte uns eines besseren als er sagte: “Radikale Werbung beschert der Menschheit Sternstunden”. Da war klar, daß Werbung eine Kulturtechnik ist, und daß es auch immer wieder Merger mit der Kunst gibt.

3) Welche Wege wird Werbung ihrer Meinung nach in der Zukunft gehen müssen, um bei zunehmender Kritikkompetenz der Konsumenten ihre Daseinsberechtigung zu behalten?

Das zeigen die jüngsten Beispiel in der Ausstellung: Werbung muss zum einen authentisch sein und transparent – also zeigen, wo wird was produziert?, ist es sustainable? und so weiter. Und zum anderen muß Werbung den Einzelnen adressieren, ihn ansprechen, einbeziehen – etwa mit QR-Codes, Newsgroups, Blogs, Beamzones, Secret Parties etc. Werbung muss ein Teil einer sozialen Szene werden.

4) Gab es bei der Vorauswahl auch Kommunikate, auf welche nach Maßgaben des guten Geschmacks oder der Grenzeinhaltung bewusst verzichtet wurde?

Nein überhaupt nicht, denn viele Beispiele in der Ausstellung zeigen, daß sich laufend die Grenzen des guten Geschmacks verschieben. Wo Werbung von Calvin Klein vor 20 Jahren noch dazu führte, daß amerikanische Gruppen lautstark protestierten und die Gesetze gegen Pornografie verschärfen wollten, da kreischen heute junge Menschen vor Vergnügen und finden den Po eines männlichen Models “süss!” (und nicht abstoßend und pornografisch)

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5) Was darf Werbung? Was muss sie?

Werbung darf, was immer die Gesellschaft zuläßt – die Gesellschaft kann ja auch boykottieren. Und tut dies immer mehr. Was Sie muß? Durchdringen zu den Verbrauchern. Radikale Werbung inszeniert Tabubrüche, um Erstaunen, Ekel und Entsetzen zu erregen. Was nicht auffällt, fällt durch

6) Wenn am Ende alle radikal sind, sind dann nicht wieder alle beliebig?

Das Gute an wirklich guten Kreativen – gleich ob Werber, Modeschöpfer, Künstler – dass sie immer wieder mit neuem, Unerwartetem überraschen. Radikale Werbung ist etwas, was die Leute nicht erwarten, und das sie auf eine Weise aktiviert, die sie nicht erwartet hätten.

7) Welcher Beitrag ist Ihr Favourit der Ausstellung?

Eine Arbeit für Amnesty International. Ein Gully-Deckel, aus dem zwei Hände herausschauen. Dieser Gullydeckel liegt drei-dimensional in der Ausstellung – und ich hätte nicht gedacht, daß mich etwas so schockieren könnte. Radikal – im besten Sinne

Interview | Göran Hielscher

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