LOHAS - Grüner gehts immer! 30. Mai 2008
Veröffentlicht von petrola in : LIFESTYLE, LOHAS , trackback
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Der Medienäther weist in letzter Zeit eine Häufung von LOHAS auf. Aber was ist das eigentlich, der die das LOHAS? Der Begriff, welcher vokalklanglich Angenehmes und sprachgeschichtliche Sperrigkeit in sich vereint, ist ein diesen Zeiten entwachsenes Akronym für einen sich mehr und mehr etablierenden Lebensstil:
Lifestyle of Health and Sustainability = Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit.
LOHAS beschreibt also eine neue Lebensattitüde. Diese schließt den Konsumgenuss und einen gepflegten Hedonismus nicht aus, sondern setzt sich dafür ein, dass dieser eingedenk aller (global-)verknüpften Phänomene verantwortungsvoll von statten geht. Das berücksichtigt eine gesunde, ernährungsbewusste Lebensweise ebenso, wie den Konsum hochwertiger Produkte, aber unter nachvollziehbaren und akzeptablen Produktions- und allem voran fairen Arbeitsbedingung am Entstehungsort und auf den Transportwegen.

Dass man dafür leider immer noch tiefer in die Tasche greifen muss als für normale Produkte erklärt uns aber auch, dass dieser Trend eben noch ein junger ist und dass in den USA bisher 30% und Deutschland aktuell 15% der Bevölkerung sich diesen Lebensstils angenommen haben. Das soll sich ändern. LOHAS versucht nicht nur zum wandelnden Konsumbewusstsein und zur organischen-biologischen Ernährungsweise hin zu tendieren, sondern will auch Nachhaltigkeit im Handeln und die Wege zur sozialen Gerechtigkeit integrieren. Wenn die Bewegung es dann auch noch schafft, der postmodernen Schizophrenie unserer Zeit und der inbegriffenen Erhöhung des Lebenstempos eine gegenläufige Haltung zu etablieren, dann wäre es Zeit für ein Schulterklopfen. Das Aufkommen von mehr und mehr Bio-Läden, Fair-Irgendwas-Produkte, Yoga-Centern, ein aufflammender Neo-Spiritualismus und der ausgesprochene Wunsch nach einem weniger komplexeren und verzahnten Leben mögen nur ein paar Anzeichen dafür sein, das die Anhängerzahl wächst.
Vielzählige Organisationen bündeln reichhaltige Informationen zur Umwandeln vom Denken zum Handeln, so dass sich der angehende LOHASIANER mehr und mehr einer wachsenden Gemeinde und zugrunde liegenden Foren erfreuen kann:
- www.lohas.de in Deutschland - die Produktplattform dazu
- www.lohas.com in den Vereinigten Staaten, respektive als Dachorganisation, die sich des Phämomens annimmt und dazu auch regelmäßig Kongresse abhält.
- auch das Zukunftsinstitut ließ sich schon zu einer Studie inspirieren
- ein Beitrag in der TAZ
- ein weiterer Beitrag im Spiegel
- ein anderer auf 3sat
- und die kleine Fibel zum Thema hat Fred Grimm geschrieben mit “Shopping hilft die Welt verbessern”
Natürlich könnte auch fern ein Krakeelen laut werden wie: “Das ist doch nur so eine Erfindung von Marketing-Gurus, “blendungsintendierte Verkaufsstrategie” oder gar “kapitale Ausnutzung der Konsumkritik”.
Aber selbst wenn das alles wahr sein sollte, beinhaltet diese Bewegung doch den Kern der Veränderung von einem ganz durchschnittlichen Lebensstil hin zu einem bewussteren und verantwortungsvolleren. Mit der Globalisierung kommen wie mit jeder Bewegung Fürsprecher als auch Kritiker auf den Plan. Und dass Menschen die Benutzung von Hirn und Verantwortungsgefühl einen lauten Ruf nach Umdenken ermöglicht, welches im besten Falle auch in Um-Handeln münden wird, kann so schlecht ja nicht sein.
Nicht dass es mancherorts einen Masochismus gäbe, die Fallstricke des blinden Konsumverhaltens gutzuheißen. Oder schlimmer noch: in teuren Kampagnen das zu verherrlichen,was ein ad absurdum-Führen dessen ist, was einst als Moral im Bibeltext zu vernehmen war.

Aber mal im Ernst: wer oder was spricht gegen ein auf Langfristigkeit, Erfülltheit und mit stetigem intellektuellem, sozialen und auch spirituellem Wachstum verbundenem, sprich lebenswertem Leben. Doch in erster Linie diejenigen, die immer noch glauben, dass das in ihren Augen für dumm zu haltende Volk auch in zehn Jahren noch Scheiße für Gold kaufen wird. Sicherlich lässt sich das mit einigen immer wieder machen, aber wer will behaupten dass Aufklärung ein Phänomen historischer Einmaligkeit war. Nicht zuletzt dem Internet sei es gedankt.
Der kritische Geist kann sich heutzutage blitzartig verbünden, gegen Tycoone schelten, wenn diese wieder einen obig benannten Versuch unternommen haben. Die Rache der globalen Meinung wird stärker und hat schon an einigen Beispielen zum Fall hochmütiger Wirtschaftsbestrebungen geführt.
Es wäre in Zeiten des Kapitalismus natürlich undenkbar, dass Trends nicht auch ihre kühl kalkulierenden Trittbrettfahrer bekämen, aber wie es im Imagefilm der Welt-Polit-Vereinigung AVAAZ.org so schön heißt: “Public global opinion is the new superpower”. Und das losgelassen auf Ignorierer der “Lüge haben kurze Beine”-Wahrheit, führt zum langfristigen Ausschluss derselben, die meinen uns kleine Konsumenten wäre auf lange Frist noch ein X für ein U vorzumachen.
Unternehmen stellen sich zunehmend auf dies Konsumentenruppe ein, legen ihre Produktionsweisen offen, integrieren den Kunden an der Entwicklung, ermöglichen Verbesserungsvorschläge um dem Kundenwunsch gerecht zu werden und dass mittlerweile global. Sie betreiben eine sogenannten “verantwortlichen Kapitalismus”, in dem sie nachhaltige Geschäftspraktiken anwenden, und das im ökologischen wie auch im ökonomischen Sinne. Das Feld erstreckt sich von Lebensmitteln, über Bauwirtschaft, den Gesundheitssektor, Dienstleister für die persönliche Entwicklung, Yoga, Fitness, Öko-Tourismus und viel mehr. Business-Events größerer Ordnung belegen dass das Bewusstsein nun auch in den Führungsetagen angekommen ist.
Viele berufsdruckgeplagte Gesellschaftsteilnehmer entdecken für sich selbst die Vorzüge einer Lebensweise mit herunter geschaltetem Gang und einem Fenster durch das Frischluft strömt, in der Hand einen Müsliriegel statt eine Zigarette, und auf dem Lebenskonto ist nachher vielleicht ein bisschen weniger Geld, dafür aber spürbar mehr Kapital der glücklichen Momente.
Durch die Brisanz und die Würdigkeit des Themas wird SLM nun in immer wieder das Thema aufgreifen und die entstehenden Kontroversen dazu beleuchten, und um zu sehen, wie sich das Phänomen selbst und seine Reflektion im medialen Kontext entwickelt.
txt: Göran Hielscher
Kommentare»
[…] “LOHA” steht für den “Lifestyle of Health and Sustainability”, ein in den letzten Jahren boomendes Marktsegment, dessen Forderung die “Umkehr der Lebensweise nach Selbstkenntnis, nach Stressfreiheit und Entschleunigung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Beständigkeit” ist (Quelle). Der Lebensstil fordert “zum ethischen Hedonismus und zum lustvollen, strategischen Konsum guter LOHAS Produkte” auf (Quelle). “LOHAS” sind also auch eine Gruppe politischer Konsumenten, deren oberstes Kriterium bei der Produktauswahl Gesundheit und Nachhaltigkeit ist. Sie folgen einem vernetzten, globalen Trend, mit dem sie durch bewussten Konsum und Verzicht Druck auf die Industrie ausüben wollen. […]