Ein Tor für München | Euro 2008 Styling 20. Juni 2008
Veröffentlicht von petrola in : FASHION, LIFESTYLE , trackback
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Denkt man an die typische Münchnerin, drängt sich unweigerlich das Bild von dünnen Beinen in engen Röhrenjeans, knappen Tanktops – am liebsten von EdHardy - und gefährlich hohen High-Heels auf. Glanz. Glamour. Und ganz viel Tam Tam. Nicht so allerdings zur Euro 2008.
Was das Styling der bayerischen Großstädterinnen während der Fußball Europa-
meisterschaft angeht, herrscht in den letzten Tagen ein seltener Ausnahmezustand in der Landeshauptstadt. Frei nach dem Motto „sehen, nicht gesehen werden“ entdecke ich beim Public Viewing im ehemaligen Schickeri-Viertel Schwabing einige Münchnerinnen mit viel Ahnung und wenig Make-up. Auf Gehwegen, die bisher nur Bekanntschaft mit Pfennigabsätzen gemacht haben, stehen Frauen in Turnschuhen und trinken zur letzten Zigarette vor dem Anpfiff noch ein Bier – aus der Flasche.
Wer denkt die Gespräche in den einzelnen Grüppchen handelten von Carrey Bradshaws Filmkostümen oder von der letzten Prosecco-Party, der irrt gewaltig. Es ist Herr Ballack über den, dank seiner geistigen Abwesenheit im Spiel gegen die Kroaten, wahre Schimpftiraden zu hören sind. Auch der Sieg der Türken gegen die sympathischen Tschechen sorgt für Gesprächsstoff an den, zur Hälfte von Frauen besetzten Tischen in Schwabings In-Bar „Tresznjewki“. So schell ist “Sex and the City” out und Fußball in.
Nachdem sämtliche Männeraugen in der nächsten Zeit mehr an der Leinwand kleben werden, als am weiblichen Gegenüber, schenkt sich die kluge Münchnerin den abendlichen Stylingmarathon und studiert stattdessen gemeinsam mit Kerner die Mannschaftsaufstellung. Und ein Kommentar á la „jetzt über den rechten Flügel kommen Poldi“ wirkt im Sportdress sowieso um einiges authentischer als in Minirock und Microshirt.
So kommen wie auf wundersame Weise die alten Baggypants und Kapuzenshirts zum Vorschein. Vom heiß geliebten roten Lippenstift ist lediglich ein schmaler Streifen auf der Wange geblieben – zwischen einem schwarzen und einem goldenen. Doch weil die Münchnerin im Herzen trotz des neuen (Nicht-)Stylings eine Diva ist, trägt sie auf den Nägeln den satten Rot-Ton der Deutschlandflagge.
Sogar die hartgesotteneren weiblichen Fans tragen in Bayerns Hauptstadt höchstens ein Armband in den Nationalfarben oder die altbekannte WM Girlande um den Hals. Das Kopf-bis-Fuß Styling überlässt Frau non-chalant dem Ruhrpott. Ausnahmsweise heißt es in Deutschlands Süden einmal „weniger ist mehr“.
Und weil eine Baggypant auch Platz bietet für mehr als den obligatorischen grünen Salat, wird dann eben auch die ein oder andere Bockwurst mit Pommes verspeist. Zumindest für vier Wochen darf man sich als Münchnerin wie ein Kumpel benehmen und Ferien vom Leben der eleganten, Prosecco-trinkenden Münchnerin machen. Fußball lebe hoch, ich freue mich schon heut’ auf die WM 2010!

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