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Trieb & Neugierde | Obama in Berlin 25. Juli 2008

Veröffentlicht von petrola in : ARCHIV, Bühne , trackback Versende diesen Beitrag an Freunde Versende diesen Beitrag an Freunde

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Es ist schon ein komisches Gefühl, wegen eines Politikers in den Berliner Tiergarten zu pilgern. Wo früher die Love-Parade eher Beats und Urin hinterließ oder zur WM oder EM die Musik gegen Fußbälle und Fahnen getauscht wurden, spricht mit Barack Hussein Obama nun ein US-Senator, der als “Kennedy 2.0″ gegen seinen republikanischen Konkurrenten John McCain vielleicht die besten Chancen auf die nächste amerikanische Präsidentenamtszeit hat.

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Dabei scheint es zu einfach, nach acht Jahren George Walker Bush ein besserer US-Präsident zu sein. Und als Zuschauer und Beobachter kreisen einem selbst viele Fragezeichen im Kopf. Welche Themen wird er in seiner Rede ansprechen? Wird er einen Satz sagen, von dem man noch in Jahrzehnten seinen Enkeln erzählen wird? Vielleicht ist es die blanke Neugierde, die 200.000 Menschen und mich zur Siegessäule und seinen Querstrassen gelockt hat. In den inneren Zirkel der Säule und damit in direkte Sichtweite kommt man gegen 19 Uhr schon längst nicht mehr hinein. Über die aufgestellten Boxentürme läuft Musik. Mit David Bowie´s „Let´s Dance” lässt sich bestimmt nichts falsch machen. Ob dieser Track auch auf der kürzlich von Obama veröffentlichten Playlist seines iPod stammt? Im Pressezelt erntet man bei den Organisatoren auf diese Frage nur ein Achselzucken.

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Schließlich zeigt die Uhr 19.22 und Barack Obama betritt das mit zwei Pflanzen gesäumte Rednerpult. Er lächelt, er winkt. Bei der ersten Nennung des Wortes Berlin sofortiger Beifall. Es folgt eine Sightseeing-Tour durch die Krisenherde dieser Welt: Iran und Irak, Afghanistan und Darfur, die Umwelt und der Frieden. Auf den großen Screens sieht man ihn sprechen, Untertitel gibt es jedoch nicht. In der Rede natürlich auch die Erinnerung, dass Atomwaffen kein Spielzeug sind. Messer, Schere, Licht - sind für Iraner nicht. Dazwischen immer wieder die Eigenerkenntnis, dass Amerika bei der Castingshow zum unbeliebtesten Land einen vorderen Platz belegt hätte. Obama weiß, dass wenn er Kritik am eigenen Land üben will, er sie hier in Deutschland am besten ablegen kann.

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Und immer wieder der Verweis auf den Fall der Mauer und die Geschichte der Berliner Luftbrücke, die mit bester Hollywood-Romantik ausgestattet immer wieder gerne erzählt wird. Nach 27 Minuten Redezeit schließlich ein mehrmaliges „Thank you” und eine obligatorische Handshakerunde mit Fans, die auch wie Fans aussehen.

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Da passt es doch, dass in der Menge T-Shirts für 15 Euro und Buttons für 3 Euro verkauft werden. Barack Obama Superstar? Einen deutschen Satz für Postkarten oder Geschichtsbücher hat der Vielleicht-Bald-Präsident eben nicht gesprochen. Wird man von diesem Tag seinen Enkeln wirklich erzählen wollen?

http://www.barackobama.com/

txt: Gregor Wildermann

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