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AN MUT | Georg Weise in der Galerie Sophien-Edition 7. August 2008

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Georg Weise zwischen seinen Werken ©Sarah Hegenbart

Der Berliner Künstler Georg Weise ermöglicht uns derzeit in der Galerie Sophien-Edition etwas zu sehen, was im Zeitalter der Multimediakunst beinahe in Vergessenheit geraten ist: klassische Malerei und Plastik.

Sein Ansatz ist dabei keineswegs anachronistisch. Vielmehr vollbringt er es mithilfe der wohl traditionellsten Medien der Kunstgeschichte die Klassik der Postmoderne zum Ausdruck zu bringen. Seine Werke scheinen dabei stets danach zu fragen, wie sich das Individuum in die Welt integrieren kann. Damit greift Weise einen Topos auf, der nicht nur postmodern ist, sondern auch schon im Zeitalter des Idealismus und der Romantik thematisiert wurde.

Bei Weise scheint das Individuum zunächst einmal alleine in der Welt zu stehen. Dies korreliert mit der Tatsache, dass seine dargestellten Figuren sich von der Leinwand abheben. Sie stehen quasi vor dem unbestimmten Hintergrund des Bildes und müssen erst eine Beziehung zu der sie umgebenden Welt entwickeln.

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Georg Weise vor „Bill“ ©Sarah Hegenbart

Zu Weises Lieblingsmotiven gehören dabei Bill und Tom Kaulitz. Scheinbar sind die Tokio Hotel-Brüder für zeitgenössische Künstler gerade eine besondere Inspirationsquelle. So bringen auch in der Ausstellung „Freeway Balconies“ im Deutsche Guggenheim die Amerikaner Collier Schorr und Raymond Pettibon ihre Begeisterung für Tokio Hotel zum Ausdruck.

Weises „Bill“ offenbart aber einen Jungen, der im völligen Kontrast zur überschminkten und selbstentfremdeten Kunstfigur steht. Bei Weise wirkt Bill wie ein ganz normaler Teenager, der beinahe schüchtern in die Welt blickt. Losgelöst von allen Strukturen des Massenphänomens Tokio Hotel steht er da und ist ganz auf sich alleine zurückgeworfen. Es gibt hier keinen beschützenden Hintergrund, der Bill sagt, was er zu tun hat. Das zeigt: Auch Superstars müssen erwachsen werden und eigenständig ein Weltverhältnis konstituieren.

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Bronzeskulpturen von Georg Weise ©Sarah Hegenbart

Auch Weises Bronzeskulpturen „Erwachsen“ und „Fühlen“ untersuchen, wie der Mensch eine Beziehung zur Welt aufbauen kann. Dabei erinnern sie beinahe an Metamorphosen. Der Mensch muss lernen, sich aus seiner ihn umgebenden Welt zu einem eigenständigen Individuum zu entwickeln.

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Ausstellungsansicht ©Sarah Hegenbart

In seiner Offenbarung der Klassik, die hinter postmodernen Themen steht, ist „AN MUT“ eine sehr beeindruckende Ausstellung von einem Künstler, der sich im Zeitalter des Voyeurismus der Medienkunst sein Geheimnis bewahrt.

Bis zum 16.08 in der Galerie Sophien-Edition, Sophienstraße 24, 10178 Berlin.
Öffnungszeiten: Di - Sa 13 - 18 Uhr.

Txt: Sarah Hegenbart

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