Digitalsteinzeitrevival | Tron ist zurück… 10. August 2008
Veröffentlicht von petrola in : ARCHIV, GAMES, LIFESTYLE , trackback
Versende diesen Beitrag an Freunde

Es gab eine Ahnung, aber längst keine Gewissheit. Es hätte passieren können, aber am Ende traf es dann doch alle Beteiligten völlig unvorbereitet. Auf der wohl weltweit größten Geek-Messe namens „Comic-Con“ in San Diego (USA) erwartete einige hundert Besucher des Panels zum Disney-Film „Race to Witch Mountain“ zuerst ein Preview zum Film. Doch was sie dann am vergangenen Samstag sahen, wurde schnell zu DEM Gesprächsthema der ganzen Messe.

In einem rund 90 Sekunden langen Trailer sah man zum ersten Mal Szenen des Films „TR2N“, der Fortsetzung von „Tron“, der in Deutschland am 9. Dezember 1982 in die Kinos kam. Seit dem hat sich ein ganz eigener Kult um dieses cineastische Unikat entwickelt und zu einer Neuauflage gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Gerüchte und vage Andeutungen. Nun besteht Gewissheit: Der Film kommt 2010 in die Kinos und selbst auf den Trailer und einige weitere Szenen soll man bis Anfang 2009 warten müssen.
Doch warum spielt „Tron“ für eine ganze Generation von vorwiegend männlichen Fans so eine große Rolle? Selbst in der Rige legendärer Sci-Fi-Filme von „Metropolis“ über „2001 - A Space Odyssey“, „Blade Runner“ oder bis hin zu „Matrix“ nimmt der Disney-Film eine Sonderrolle ein, weil er in mehreren Aspekten ein Unikat ist. Der Spiegel nannte den Film damals in seiner Kritik „so schön wie dumm“ und tatsächlich ist die Handlung von einem Computerprogrammierer, der von seinem eigenen Programm landet und sich dort gegen fliegende Kreaturen in Form eines Brandenburger Tores erwehren muss, eher grenzwertig.

Mehr als 25 Jahre später könnte man heute den Film aber auch als frühe Warnung vor der Anziehungskraft und den Gefahren von digitalen Welten verstehen. Dem eher unerfahrenen Regisseur Steven Lizberger standen damals für die Story und die optische Umsetzung Personen wie der Industriedesigner Syd Mead („Blade Runner“) oder französische Zeichner Jean „Möbius“ Giraud zur Seite. Der bleibenden Eindruck verlieh jedoch weniger die Geschichte und auch nicht die Föhnfrisuren und übergroßen Brillen von Bruce Boxleitner in der Rolle des Alan Bradley aka Tron oder Jeff Bridges in der Rolle des Kevin Flynn. Es war die neonfarbene Ästhetik und die an Bauhaus-Konzepte erinnernde Architektur der Computerwelt, die den Film zum Kultobjekt werden ließ.

Aus cineastischer sicht ist der Film ein absolutes Unikat, weil nur bei „Tron“ nahezu 85 Prozent der Szenen auf Schwarz-Weiß-Filmmaterial gedreht und in einem aufwändigen Verfahren nachträglich einkoloriert wurden. In den Zeiten vor Heim-PCs und digitalen Spezialeffekten waren die Computeranimationen aus der Anfangssequenz des insgesamt 96 Minuten langen Films ein damals unerreichtes Highlight. Obwohl der Film für zwei Oscars nominiert war, war er aber finanziell für Disney ein Verlustgeschäft par exellence. Tatsächlich überholte noch im gleichen Jahr die Realität den Film, denn das erstmals gleichzeitig veröffentlichte Videospiel in der Heim- und Spielhallenversionen wurde erfolgreicher als der Film im Kino. Noch heute wird der blaue Joystick der Arcade-Maschine bei eBay für horrende Preise gehandelt -
und wer gleich das ganze Kabinett besitzt, dürfte es zu den besten Stücken seiner Sammlung zählen.

In der Folgezeit und nach dem Re-Release des Films Anfang der neunziger Jahre auf DVD lehnten sich diverse Musikvideos und Werbeclips an den Stil des Klassikers an. Vor allem die Szenen mit dem Rennen der Lichtmotorräder oder auch die Ikonografie der Kostüme tauchten immer wieder in der modernen Popkultur auf. Als erster Vorbote eines anstehenden Revivals diente ebenfalls ein Videospiel. „Tron 2.0“ erschien 2003 als PC-Shooter und griff die bisherige Ästhetik auf. Selbst eine Firma wie Adidas konnte den Gittermustern und Lightcycles aus „Tron“ nicht wiederstehen und brachte 2006 entsprechende Schuhe und eine Jacke in limitierter Version heraus.

Nicht zu vergessen: Der „Tron Guy“, der im echten Leben Jay Maynard heißt und nun im hohen Alter im Spandex-Anzug auf Conventions und im Netz zum dickbäuchigen Promi wurde.

All das wegen „Tron“, der uns hoffentlich gleich in einer 3D-Version von „TR2N“ im IMAX-Kino einholt. Inklusive eines gealterten Jeff Bridges, der schon in „Iron Man“ bewiesen hat, was er noch aus einer Rolle rausholen kann. Warum hat das nur so lange gedauert?
Hier der Trailer als Handkamera-Mittschnitt
Text: Gregor Wildermann
Kommentare»
bisher keine kommentare