Frieze Art Fair 2008 | Vier Tage temporäres Museum im Zelt 21. Oktober 2008
Veröffentlicht von petrola in : ARCHIV, ART , trackback
Frieze Art Fair im Regent’s Park
Wer sich in den letzten vier Tagen auf den Weg in Londons temporäres Kunstzelt im Regent’s Park gemacht hat, dürfte sich gefragt haben, worin eigentlich der Unterschied zwischen einer Kunstmesse und einer Museumsausstellung besteht. Die Frieze Art Fair 2008, auf der über 151 Galerien aus 27 verschienen Ländern vertreten waren, war nämlich vor allem eine Präsentation der großen Namen.
Im Frieze-Zelt
Ob Anish Kapoor, Sarah Lucas, Richard Prince bei Gladstone, Damien Hirst, Jake & Dinos Chapman, Gilbert & George bei White Cube, Dash Snow, Jonathan Meese, Georg Baselitz und nochmals Sarah Lucas bei Contemporary Fine Arts oder Andy Warhol und Terence Koh bei Peres Projects. Irgendwie kam einem auf der diesjährigen Frieze Vieles schon ein bisschen bekannt vor. Das war eindrucksvoll und wirkte, als ob MoMA, Tate und Guggenheim sich entschieden hätten mal eine Ausstellung mit ihren neusten Erwerbungen zu machen. Wenn man aber auf der Suche nach neuen und noch nicht so ganz bekannten Künstlern war, suchte man jedoch länger.
Woran liegt das? Hat die scheinbar allgegenwärtige Finanzkrise auch die Galerien so eingeschüchtert, dass sie sich entschieden haben, lieber Altbewährtes zu zeigen?
Zumindest in Hinblick auf einen Käufer war diese Verkaufsstrategie der Galerien jedenfalls erfolgsversprechend: So wurden einige Werke, darunter beispielsweise auch eine Videoarbeit der durch die Kölner Galerie Christian Nagel vertretene Künstler Andrea Fraser, durch den Hinweis geadelt, dass sie bereits von der Tate Collection erworben wurden.
Norma Jeane „The Straight Story“
Charakteristisch für die Frieze sind aber auch die Frieze Projects. Dieses Jahr bekamen hierfür elf Künstler den Auftrag neue Arbeiten zum Thema Umwelt und Ökologie zu kreieren. Besonders auffällig war das Ergebnis der in der Todesnacht von Marilyn Monroe geborenen US-Künstlerin Norma Jeane. Für ihre Performance „The Straight Story“ baute sie drei gläserne Kabinen im Frieze-Zelt auf und wies diese als Raucherkabinen aus. Die durchsichtigen Abteile stellten somit die einzige Möglichkeit dar im Ausstellungsraum zu rauchen und isolierten gleichsam den Rauchenden von seiner Umgebung. Gleichzeitig wurde der scheinbar im Glaskasten Eingesperrte zum Ausstellungsobjekt.
Übrigens war Deutschland mit 33 Galerien auf der Frieze erstaunlich gut vertreten. Nur aus England kamen mehr Galerien. Nämlich 44. Faszinierend war vor allem auch, wie schnell Werke ihren Weg aus dem Berliner Atelier nach London gefunden haben. So präsentierte das Glasgower „The Modern Institute“ auf der Frieze bereits eine Arbeit von Anselm Reyle, die noch im Sommer in seinem Berliner Atelier zu sehen war.
Eine der 33 deutschen Galerien: Arndt & Partner
Wenn die Frieze im Großen und Ganzen zwar einen eher etablierten denn revolutionären Eindruck gemacht hat, gab es jedoch eine Ausnahme. Am Stand F35 rief die Galerie Appetite aus Buenos Aires die Revolution aus und bezeichnete sich selbst als „The Fucking Art Gallery That Will Rule the World“. Vielleicht geht es mit der Revolution dann ja in Berlin weiter. Viel Spaß beim Art Forum!
Appetite invades Frieze
Txt: Sarah Hegenbart
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