Die Grenzen der Inter(net)aktivität | re:publica 09 2. April 2009
Veröffentlicht von petrola in : ARCHIV, INTERNET , trackback
Tag zwei
Kippe, Kippe, Kaffee, Croissant, Kippe
Das Programm erschlägt einen ziemlich, außerdem trifft man ständig so reale Leute. Aber schön, wenn sich Internetbekanntschaften verfestigen. Es ist mittlerweile schon 11:39h und ich habe noch keinen Vortrag gesehen. Man muß das rare W-LAN halt nutzen, solange es da ist.
Club-Mate, Kippe
Erste Diskussion des zweiten Tages: der “Konferenzgipfel”. Eventmacher von DLD, Transmediale, c/o pop und der re:publica selbst reden über die Rahmenbedingungen für die Durchführung einer solchen Veranstaltung. Natürlich lieber Innenstadt als grüne Wiese, W-LAN sollte selbstverständlich sein, die Location am liebsten charmant, die Sprecher hochkarätig. Einige möchten die Twitterwall zensieren und bei der Frage des Streamings von Konferenzinhalten besteht auch keine Einigkeit. Man sollte halt nicht jede Konferenz verBarcampisieren.

Kippe, Kaffee, Kippe
Peter Glaser hält zur Eröffnung des Panels “Internet und Ethik” ein tollen Vortrag, der eine Brücke von Pharaonen zu Facebook-Usern schlägt und auch vorbildlicherweise abrufbar ist. Die Demokratisierung der Unsterblichkeit ist alles andere als tot.
Der nächste Vortrag behandelt das Thema Online-Identität und dealt nach einem hochgestochen philosophischen Einstieg mit wenig mehr als der ausgelutschten Theatermetaphorik. So richtig durchdacht scheint mir das alles nicht zu sein, wenn die Existenz einer zweiten, der Netzidentität verneint wird, auf der anderen Seite Internetnutzer als Rollenmodell begriffen wird.

Christiane Link stellt ihr Blog vor und erzählt von den Erfahrungen, die sie beim Führen eines solchen besonders in Bezug auf den Gegensatz von Öffentlichkeit vs. Privatheit gemacht hat. Die Diskussion danach hört leider bei der interessantesten Frage auf, nämlich der Verhinderung von Neuanfängen durch die Netzpräsenz. Früher ist so ein Umzug eine tolle Sache gewesen: Nach dem Abi zieht man zum Studium in eine andere Stadt und lässt die ganzen nervigen Zwangsfreundschaften der Schulzeit hinter sich. Und was passiert Jahre später? All die Leute, die man froh gewesen ist, hinter sich zu lassen, wollen auf einmal Dein Kontakt auf Xing und Dein Friend auf Facebook sein. Und wenn der erste unerwünschte Kommentar in Deinem Blog auftaucht, dann läuten zurecht die Alarmglocken. Offenheit ist gut, sollte aber nicht bis zum Arsch gehen.

Kippe, Kaffee
“Feministische Netzkultur” ist das nächste Thema, die Mädchenmannschaft hat das Wort. Es wird sich am “Schutzraum” aufgehängt. Und mal wieder die generelle Stänkermentalität der deutschen Kommentarfunktion festgestellt. Der in die Runde geworfene Vorschlag eines eigenen Frauen-Barcamps findet keine Freunde. Ich für meinen Teil muß auch sagen, daß ich den Anteil der auf dieser re:publica erfreulicherweise überraschend hoch finde, obwohl sie natürlich in der Minderheit sind. Aber beim Designcamp Cologne Ende Januar sind es bedeutend weniger gewesen.
Kippe, Bulettenschrippe, Kaffee, Kippe
Apropos “mal wieder”: Lawrence Lessig hält hält eine immerhin neue Variante seines Remix-Vortrags. Unterhaltsam sind seine aufgezeigten Parallelen zwischen Prohibition und Copyright allemal. Sampling ist eine grundlegende Kulturtechnik, dem die Creative Commons License Rechnung zu tragen versucht.
Kippe, Bier
Der Abend bricht an und mit der powerpointierten Monochrome Show auch der explizit spaßige Teil dieses Konferenz. In Vorfreude auf die gleich startende Twitterlesung schließe ich für heute.
In diesem Unsinne:
Prost!
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