Happy End im WLAN-Land | Tag 3 der re:publica 09 3. April 2009
Veröffentlicht von petrola in : ARCHIV, INTERNET , trackbackNach der gut besuchten Twitterlesung des gestrigen Abends beginnt heute der letzte Tag der re:publica 09. Wie in den letzten Jahren auch sind die ersten Veranstaltungen des Vormittags nur mäßig gut besucht – das Berliner Nachtleben fordert scheinbar seinen Tribut. Wie erwartet füllt sich der Friedrichstadtpalast jedoch bis 11:30 zusehends, schließlich soll laut Programm dann der Vortrag von Wikipediagründer Jimmy Wales zu dem Thema „Wikipedia, wikia and the future of Free Culture Movement“ beginnen.
Da der Programmablauf etwa eine halbe Stunde hinterher hinkt, wird es zwar 12:00, bis Jimbo die Bühne betritt, doch der Friedrichstadtpalast ist erwartungsgemäß gut gefüllt.
Wales beginnt mit einer kurzen Erklärung von Wikipedia, der Idee dahinter und sagt vor allem, was Wikipedia alles nicht ist: kein facebook, keine Videoplattform sondern einfach „nur“ eine Online Enzyklopädie. Die Größe von Wikipedia rund um den Globus veranschaulicht er anhand der Einträge, die die über 250 Sprachversionen von Wikipedia haben. Interessant auch, per Video gab Wales einen kurzen Einblick hinter die Kulissen der Wikipedia Foundation, in der momentan lediglich 25 Mitarbeiter arbeiten – eine fast unglaublich klein klingende Zahl, wenn man bedenkt, das Wikipedia zu den erfolgreichsten Internetdienste überhaupt zählt.
Dann stellte der Gründer der Wikipedia Foundation die Frage, wie Wikipedia verbessert werden kann und welchen Vorteile Wikipedia im Vergleich zu anderen Webservices bietet. Im Anschluss stellte er das jüngere, etwas weniger bekannte aber kaum weniger erfolgreiche Projekt Wikia anhand eines Bildes vor: wenn Wikipedia die Online Enzyklopädie ist, ist Wikia die Bibliothek, in der man alle möglichen Informationen verschiedensten Themas findet. So existiert beispielsweise ein Muppet-Wikia das mittlerweile die stolze Anzahl von 18.516 Artikeln vorweisen kann.
Alles in allem war die Präsentation von Jimbo zwar nicht bahnbrechend, aber der Großteil des Publikums fand es zumindest interessant und kurzweilig den Wikipedia-Gründer mal live zu erleben, schließlich zählt wikipedia zu den interessantesten und lobenswertesten Internetprojekten überhaupt. Oder, wie einer der Zuhörer es formulierte: Wenn es das Internet noch nicht gäbe, Wikipedia wäre der absolut beste Grund es zu erfinden.
Nach dem Wikipedia Vortrag hatte man schnell das Gefühl, das nun die Abreisewelle beginnt. Die restlichen Vorträge, so interessant sie zum Teil auch waren, waren dementsprechend leerer. Sei es über die Übertragbarkeit des Internetwahlkampfes von Obama, über Schulen im Netz, über Politik 2.0 oder über Frauen im Netz, unter der vielversprechenden Überschrift „Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone“.
Auch wenn die Veranstaltung noch läuft, zusammenfassend lässt sich bereits jetzt schon sagen, das die re:publica 09 inhaltlich wieder vieles zu bieten hatte. Aufgrund ihrer Themenvielfalt und der Vielzahl an Veranstaltungen verlangt sie den Besuchern zwar ab, sich im Vorfeld schon etwas mit dem Programm auseinander zusetzen, belohnt dieses dann aber zumeist mit lohnenswerten Vorträgen und Diskussionsrunden.
Der keinesfalls zu vernachlässigende Attraktivitätsfaktor der re:publica als Treffpunkt für Blogger, Programmierer und verschiedenste andere Web-Worker, ist natürlich auch zu bedenken. Aber in dieser Hinsicht war die Veranstaltung sehr wahrscheinlich ebenso erfolgreich wie in den Vorjahren. Als großer Wehrmutstropfen der diesjährigen re:publica werden sicher die großen WLAN Probleme in Erinnerung bleiben. Andererseits wird auch dieser Minuspunkt sicher schnell vergessen sein, wenn alle Blogger und Twitterer sich ausführlich darüber beschwert haben. Bleibt als Fazit zu sagen: Die re:publica scheint sich durchgesetzt zu haben – man sieht sich dann im nächsten Jahr wieder.
Txt: Peter Löser
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