Die Sommerpause ist beendet. Wie gewohnt schon am Donnerstag eröffnete Sprüth Magers den Spurt in Richtung Art Forum. Mit Ed Ruscha und Barbara Kruger meldete sich die Galerie der großen Namen zurück und wusste doch zu erstaunen.
  Barbara Kruger, die Grande Dame der New Yorker Konzeptkunst zwischen Pop Art und Konsumkritik, Feminismus und Typografiefetischistin, überrascht mit Humor. Etwa in der Ansprache eines jungen Mannes, der in einem nicht enden wollenden Witz, die verschiedenen Sekten des amerikanischen Evangelikalismus aufzählt und dabei aussieht, als würde er ein Tutorial für die neueste Apple-Software anbieten. Eine Frau telefoniert beim Autofahren und droht die Kontrolle über ihr Fahrzeug zu verlieren. Gegenüber läuft der nachfolgende Fahrer aufzufahren und vor lauter Wut über die Telefonierende die Kontrolle über seine Ausdrucksweise zu verlieren. Zwei bärtige Mannermünder verquatschen sich im Dialog, schriftliche Ermahnungen rollen über die Screens und wir Betrachter mittendrin, drehen uns um uns selbst und versuchen den kleinen Sequenzen von Liebenswürdigkeiten und Brutalitäten im Alltag zu folgen. Die Mehrkanal-Videoinstallation “The Globe Shrinks” wurde in diesem Frühjahr erstmals in ihrer Stammgalerie bei Mary Boone in Chelsea gezeigt, mit deren Räumen Sprüth Magers es spielend aufnimmt.
  Denn um die Ecke geht es schon mit Ed Ruscha weiter. Und zwar ganz klassisch. In einer Vitrine finden sich die Künstlerbücher mit den sich der Kalifornier (okay geboren in Nebraska) einen ewigen Platz im Herzen aller Kunststudenten around the globe erworben hat. Sein Fetisch-Leporello “Every Building on the Sunset Strip” liegt dort ausgebreitet. An den Wänden die ikonischen Bilder von Parkplätzen vom Helikopter fotografiert, “Thirtyfour Parking Lots”, die auch zuerst als Buch erschienen waren, “A Few Palm Trees” und die Dokumentation von Baulücken wie Bausünden “Real Estate Opportunities”. Mit seinen sarkastischen Fotoserien hat er den Geist der Pop Art entschieden mitgeprägt; die feinen Architekturzeichnungen präsentieren Ruscha von seiner subtileren Seite.
  Eine Wiederentdeckung sind die schwarzweißen Großformate collagierter Foto-Text-Bilder von Astrid Klein. Für die Serie “Broken Heart” hat sie zwischen 1980 und 1995 die Zettelsammlungen des Schriftstellers Arno Schmidt geplündert und in Beziehung zu Frauendarstellungen aus dem Kino der Sechziger und Siebziger gesetzt. Die neuen Kontexte mögen keinen Sinn ergeben, lustig sind sie allemal.
Barbara Kruger, Ed Ruscha und Astrid Klein, Sprüth Magers Berlin, Oranienburger Straße 18, 10178 Berlin-Mitte
Höhepunkt der Freitagseröffnung dürfte die neue Ausstellung von Nathan Hylden bei Johann König sein. Der hat sein Malereiprojekt inzwischen von der Leinwand auf Aluminiumplatten und freistehende Skulpturen erweitert. Treu bleibt er aber seiner Technik mit Schablone und Sprühpistole Schicht um Schicht aufzutragen, nicht vor Metalliceffekten und Neonfarben zurückzuschrecken und sich dem Thema der Berechtigung von Abstraktion immer wieder neu zu stellen.
Nathan Hylden, “Getting There, in Various Order”, Johan König, Dessauer Straße 6/7, 10963 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: 3. September 2010, 18 Uhr
|
|
 (1)
 Loading ...
|
|
|
|

Die Lichtintensität fällt auf 2.000 Lux, die Laune ins Loch. Gegen die Zumutungen der Realität hilft nur das Bollwerk des Fiktiven. Wir basteln uns unseren goldenen Herbst. Sollen die verpeilten Party-Bruchpiloten doch beim Luna Land im Berliner Plänterwald versuchen, den Restsommer bei der Narrenkappe zu packen. Weiterlesen »
|
|
 (0)
 Loading ...
|
|
|
|
von Mareike Nieberding -
„Als Stahl werden metallische Legierungen bezeichnet, deren Hauptbestandteil Eisen ist und deren Kohlenstoffgehalt zwischen 0,01 % und 2,06 % liegt.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Stahl)
General Idea gingen mit ihrer Umwelt hart ins Gericht. Produktiv zwischen 1967 und 1994, sezierte das Künstlerkollektiv aus Kanada die rasant wachsende Mediengesellschaft im Detail. Ob TV- oder Filmproduktionen, in Installationen, Performance, Malerei, auf Postkarten oder Fahnen. General Idea konfrontierte das Publikum in den verschiedensten Medien mit den „Mythen des Alltags“ (Roland Barthes). Editionen und Multiples ab diesen Freitag, 03. September, in der Galerie Helga Maria Klosterfelde (05).
Die neue Visionaire, „Spirit“, zollt Alexander Lee McQueen Tribut. Die auf 1500 Exemplare limitierte Edition ist mit der metallenen Brokade seiner letzten Sommerkollektion verziert und die Seiten mit Wildblumensamen bepflanzt, die bei Bewässerung und Sonne aufblühen. Unkonventionell, kreativ und eigenwillig wie McQueen es selbst war, funkelt diese Visionaire, die Couture der Magazine (04).

Die Hurts wirken auf dem Cover ihres Debütalbums „Happiness“ als hätten sie Nerven aus Stahl. Sind sie die Verletzten oder die Verletzenden? Glücklich sehen sie in jedem Fall nicht aus. Auch ihre Musik zeugt nicht von diesem goldenen Gefühl namens Glück, bietet dafür aber aufgeplusterten Pop mit Verve: pathetisches Chorgemurmel, elektronische Orgel und gehauchter Schmerz (07). Das 80er-Revival scheint noch nicht ausgestanden, was auch die Kollaboration von Jean Paul Gaultier und La Perla beweist. Vor 20 Jahren verpasste er Madonna konische Brüste, nun bewies er für die Liaison mit der französischen Dessousmarke die gleiche stoffliche Härte (03). Unterwäsche wird man in der zweiten Ausgabe des Nude Papers kaum zu sehen bekommen. Dafür Aktfotografie mit Format (08). Durchzublättern mit der limitierten Edition „Black Velvet“ von Chanel auf den Nägeln (06), den samtweichen Vintage Blazers von Nike in Stahlgrau an den Füßen (01) und den verspiegelten Kannen von Piet Hein Eek im Blickfeld – gestochen scharf sind diese im besten Sinne, Art Déco (02). Stählernes Strahlen.
|
|
 (1)
 Loading ...
|
|
|
|

Handwerk hat goldenen Boden, zumal im goldenen Herbst. Das Jersey von American Apparel hat sich ausgepfuscht. Die handgedruckten Seiden-Carrés von Hermès knattern dagegen mit neuem Schwung lustig im Wind.
Das ist auch ein Sieg der Emanzipation. Weiterlesen »
|
|
 (1)
 Loading ...
|
|
|
|

Die mobile Technik von morgen in der mobilen Technik von vorgestern. Das neue Nokia N8 geht auf Tour in einem alten UPS-Transporter. Ab Anfang September macht das Nokia-Mobil Station in Deutschland, natürlich auch bei der Berlin Music Week und der ifa.

Wer wissen will, wie rasant und reibungslos Nokias neue Touch-Screen-Flunder mit der Symbian-3-Technik funktioniert, sollte nach dem romantischen Kasten auf vier Rädern Ausschau halten. In der Atmosphäre eines alten Kinofoyers kann man an vier Stationen das Telefon in aller Ruhe testen. Die Crew steht gerne Rede und Antwort.

Und wenn man bei der Geschwindigkeit des Nokia N8 ins Schwitzen gerät, wird einem verständnisvoll eine kalte Limo gereicht. Die Zeiten, in denen man mit 80 Kilometern pro Stunde die Welt erkundete, sind eben längst vorbei. Mit dem N8 als digitalem Pfadfinder in der Hand gibt’s da nichts zu bedauern.
www. nokia.de/N8_blog

|
|
 (2)
 Loading ...
|
|
|
|
In discussion with Dave Mothersole on “Techno! The New Dance Sound Of Detroit” (1988).
You wrote in a recent article about the roots of the music played in Goa that you came back to the UK from there and found acid house in full swing. Did that connect with what you heard in India, or was it something else entirely?
It was the very start of acid house. I got back from India in March 1988 – Shoom was still at the fitness centre in Southwark (although I never went) and a month or two later Spectrum opened at Heaven on Monday nights.
It was different from what I’d experienced in India. In some ways it was more tame as people had to go back to work or college or whatever after the weekend or on a Tuesday morning after Spectrum, where as in Goa partying was a full time occupation for most people and therefore more extreme. Goa was like Mad Max with palm trees and techno – almost totally lawless in those days, so nothing compares to it really. I’d been there the previous season (86 / 87) too and I’d come back with all these stories about freaks dancing all night to music that sounded like one long track – like all the best music you’d ever heard with all the crap parts taken out. How it didn’t stop all night and how everyone was freaking out to it on acid and on this new drug called ecstasy. I think my friends back home all thought I was mad, but when acid house came out they were like ‘ok, I get you now’. So I was pleased that they finally knew what I was on about. There were things I didn’t like though, like the MCs. Partying in Goa was like a mystical, very psychedelic experience. Almost a spiritual thing and it was all about getting inside the groove and letting the music take over, so to have some guy shouting ‘hands in the air’ every few minutes as everyone faced in the same direction was a bit distracting. So in that way it was different.
The music was totally different too. The influence of the soul scene (where most of the DJs came from) was very strong so there where a lot of song based tracks with very soulful vocals. The themes were different as well – the famous Martin Luther King speech over Mr Fingers; Ce Ce Rogers ‘Someday’; ‘Promised land’ – these were all Black American themes – songs about the struggle for liberation and freedom. They translated perfectly to multicultural, 80’s England though. Before acid house black and white kids didn’t mix so much on the dance floor, there were exceptions but on the whole the clubs were either separate or divided. Acid house changed all that overnight and these songs, with lyrics about reaching the promised land and living together as one family had a very powerful resonance with the audiences. I think it was a tremendous relief for my generation to finally come together in this way. And this applied not just to the divisions between black and white, but also to class divisions and those that separated the various different youth cults. It was an amazing time – an entire generation taking the same drug at the same time. Listening to the same music, feeling the same emotions. My friends all went from wearing designer clothes and hanging out at the pub to clubbing every weekend in dungarees, purple kickers and long sleeve tops and hoodies with peace signs, smileys and flowers and stuff on them. Some of them even quit their jobs and started throwing parties, selling drugs, DJing – anything they could do that would let them carry on partying. It was a huge change and it happened really fast. By the summer of 88 loads of people were into it and come the summer of 89 it was massive. Huge parties, every club in the country playing house music, office workers out on Friday shouting ‘mental’, mainstream compilation albums full of acid house hits and 10 year old kids dressed like ravers. Weiterlesen »
|
|
 (2)
 Loading ...
|
|
|
|
Mal ein kleines Photoalbum. Knipser, die mir so in den letzten Tagen im Netz über den Weg gelaufen sind. Also ich bin ihnen über den Weg gelaufen. Eigentlich weiß ich noch nicht einmal, ob sie sich überhaupt auf einem Weg befinden. Es ist ja auch gar nicht so leicht festzustellen, ob einer stillsteht, wenn man selbst in Bewegung ist. In mir haben diese Bilder jedenfalls etwas bewegt. Und nun Schluß mit wortwörtlichen Spitzfindigkeiten. Weiterlesen »
|
|
 (0)
 Loading ...
|
|
|
|
von Mareike Nieberding
„von weither sichtbar und einprägsam scheint am dükerweg ein mit leopardenmuster beklebtes flugzeug neben dem parkplatz bei burger king zu landen, aber in wirklichkeit, von einem gestänge gehalten, kann es bis in alle ewigkeit zur landung leider nur ansetzen. auf seinen beiden tragflächen stehen bereiteinig je drei grazile schaufensterpuppen, mit kunstfell spärlich behängt, stahlhelme auf dem kopf und sehen durch schutzbrillen zur nahen autobahn rüber.“ (Klappentext zu „Materialien (C), A40 Bochum Dükerweg“ von Peter Piller)
Die Bilder Peter Pillers in „Materialien (C), A40 Bochum Dükerweg“, erschienen bei Nieves, bestechen durch die Allgegenwart der fotografierten Gegenstände und stöbern in den Archiven der deutschen Allgemeinheit (06).
Die deutsche Liebe zur Ordnung. Entgegen kommt ihr der „CSL Mobile Drive“ von Sylvain Willenz. Wie ein Kassettendeck beschriftet und in milchigem Plastik verpackt, befriedigt es sowohl Ordnungs- als auch Geschmackssinn (08).
Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin. Das Paar verwischt Grenzen. Zwischen Mode- und Kunstfotografie, hyperrealistisch und zugleich surrealistisch, waren sie Pioniere im Umgang mit digitaler Fotografie und nutzten sie für die Vielschichtigkeit ihrer Bilder. Für das Foam_Fotografienmuseum Amsterdam öffneten sie ihr Archiv. Noch bis zum 15. September zeigt dieses „Pretty Much Everything – Fotografien 1985 – 2010“ (07). Weiterlesen »
|
|
 (3)
 Loading ...
|
|
|
|

Ein neues Phänomen schält sich heraus. Die Erklärung steht noch aus. Zur Blutsbrüderschaft von Mann und Maschine gesellt sich eine Allianz aus Frau und Vehikel. Blickt man durch die getönten Scheiben eines SUVs, sitzt hinter dem Steuer – eine Frau. Weiterlesen »
|
|
 (2)
 Loading ...
|
|
|
|

Manifest Destiny! Die Bestimmung des jungen amerikanischen Volkes im 19. Jahrhundert sich das Land untertan zu machen und die legendäre Frontier immer weiter nach Westen zu verlagern, bis sie eins wurde mit der Küstenlinie des Pazifischen Ozeans, ist zentrale Identifikationslegende der Vereinigten Staaten von Amerika. Auch heute bleibt die Reise durch den immer weniger wilden Westen ein Mainstreamreisetraum.

Zwei Künstler aus der nicht als besonders expansionistisch bekannten Schweiz haben sich mehrfach auf diese Reise gemacht und die Weite und den Raum visuell unterjocht. Nicht aber mit tausendfach wiederaufgewärmter pittoresk-pathetischer Landschaftsfotografie oder Dokumentation von Vorstadtfolklore und Lokalkolorit von Highway-Dinern und Motels im Nowhere.

Obwohl sie natürlich genau dort abgestiegen sind und – natürlich – auch fotografiert haben. Doch sind Nico Krebs und Taiyo Onorato nicht nur Fotografen, sondern erweitern das Medium durch Intervention in Landschaft und Szenerie mittels Skulpturen und Installationen. Auf ausschließlich analogem Weg manipulieren sie die Bilder, spannen virtuelle Räume aus Schnüren, fotografieren durch befleckte Scheiben, basteln endlos erscheinende Landstraßen aus Pappe, verkabeln Hotelzimmer neu und nehmen die Absurditäten die sie sehen auf und wandeln sie um in mal humorvolle, mal rätselhafte Motive.

Etwa wenn eine Kuh auf artistische Weise die Beine übereinander schlägt oder eine Armee von Freedom Fries die Freiheit der touristisch ausgelutschten Grand-Canyon-Kulisse in neues Licht setzt. Im letzten Jahr haben sie ihr Projekt „The Great Unreal“ bereits als Fotobuch präsentiert. Am Samstag haben Onorato und Krebs ihre erste Soloausstellung in Deutschland in der Berliner Galerie Kunstagenten eröffnet.

Die überzeugende Hängung in den drei Galerieräumen setzt die Fotografien noch einmal in andere Beziehungen, eine Überraschung wartet aber in der Gruft: Dort tauchen die bepflanzten Häuser aus einigen Fotos wieder auf. Hier tauschen Skulptur und Fotografie plötzlich die Rollen. Und Taiyo Onorato und Nico Krebs beweisen, dass von ihnen in Zukunft noch mehr als „nur“ Fotografie zu erwarten ist.
Taiyo Onorato & Nico Krebs, „The Great Unreal“, noch bis zum 25. September 2010, Galerie Kunstagenten, Linienstraße 155, 10115 Berlin-Mitte

|
|
 (2)
 Loading ...
|
|
|
|
|