Privacy-Super-Gau bei Amazon

some books are more equal than others: http://www.flickr.com/photos/aagius/2836556138/
Stell dir vor: Einer dieser typischen regnerischen Sommerabende. Du beschließt, einfach gemütlich zu Hause zu bleiben und ein Buch zu lesen. Da gibt es diesen Klassiker in deinem Bücherregal, dem du dich endlich mal widmen kannst. Du stehst vor deiner Wand aus Literatur und suchst und suchst und stellst fest: Das Buch ist nicht da. Es ist einfach weg, auf mysteriöse Weise aus deinem Bücherregal verschwunden.
Aber keine Sorge, das hat schon seine Richtigkeit. Der Verlag, der den Schinken veröffentlicht hat, hatte nicht die entsprechenden Rechte. Und deshalb ist der Vertrieb, bei dem du das Buch gekauft hast, bei dir zu Hause eingestiegen, um es sich zurück zu holen. Dafür haben die Rückholer dir beim Rausgehen das Geld für’s Buch wieder auf den Küchentisch gelegt. Also alles rechtens, du hast keinen Verlust und kannst dir das Buch ja noch mal legal kaufen. Nicht der Rede wert.
Das ist totaler Schwachsinn, oder? Ja. Doch versetzt man diese Geschichte ins digitale Zeitalter, hat sie sich letzte Woche so abgespielt:
Amazon hat ausgerechnet die George Orwell-Bücher “1984” und “Animal Farm” vom eReader Kindle über die Update-Funktion gelöscht, weil die Firma MobileReference, die die Bücher den eBooks hinzufügte, nicht die entsprechenden Rechte besaß. Der eigentliche Eigentümer Houghton Mifflin Harcourt hatte Amazon auf die Rechteverletzung hingewiesen, woraufhin die Aktion ohne Ankündigung durchgeführt wurde. Die Kunden informierten sich dann nach und nach gegenseitig darüber, was ihren Büchern zugestoßen war. Entsprechend verärgert waren die Kommentare in der Kindle-Community.
Nordamerikanische Blogger reagierten prompt und luden Amazon ein, bei ihnen zu Hause Bücher zu verbrennen. Allerdings wurde auch verlautbar, dass die unangekündigte Löschung von eBooks mit der AGB von Amazon vereinbar ist. Die Kindle-AGB sichert jedoch ein dauerhaftes Nutzungsrecht für einmal heruntergeladene Bücher zu. Unabhängig von rechtlichem Geplänkel ist der Image-Schade für Amazon nicht unerheblich. Weiterhin will die amerikanische “Fedelral Trades Comission” den Fall prüfen. Auch wenn Amazon zusichert, die Update-Funktion nie wieder für ähnliche Aktionen zu nutzen, werden sich wohl viele eReader-Nutzer in Zukunft zwei mal überlegen, woher sie ihren Lesestoff beziehen.

Kunst auf flickr - Kindle-Kop von TheoJunior: Specialized Thought Police with the Ministry of Truth. His job is to make books unbooks.