Paarungen

Kategorie: | January 31, 2010 | von

„Also, was ich bei Euch Heteros echt nicht verstehe ist, warum ihr Euch so schwer tut, über Sex zu reden. Die Hetero-Männer in meinem Bekanntenkreis sind ja oft so was von frustriert, weil Ihr einfach nicht darüber sprecht, was Euch Spaß macht, oder was Ihr Euch wünscht, das ist mir unbegreiflich.“ M. nippt an seinem Gin Tonic und ich denke „Stimmt. Das ist ein totales Tabu.“ Mit dem Mann, mit dem man gerade in einer Beziehung steckt, über den hauseigenen Sex zu sprechen ist in etwa so, als würde man mit seinem Chef die verschiedenen Fehlermöglichkeiten bei der Anwendung von Hämorrhoidensalbe diskutieren wollen. Man hat von vornherein das Gefühl, sich auf sehr dünnem Eis zu bewegen und mit großer Wahrscheinlichkeit missverstanden zu werden. Oder, schlimmer noch, das Geheimnis um die eigene Sexualität zu lüften und damit schlicht banal, sprich nicht mehr begehrenswert zu sein.

hoelzl31 Paarungen//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//

Dass die Libido zwischen Mann und Frau fragil ist, erfahren viele Paare immer wieder, manchmal unwiderruflich und ich kenne keins, das es mit Hilfe eines Therapeuten oder simplem Aussitzen geschafft hätte, wieder wohliges Feuer in die Laken zu bringen, hat sich dort erst einmal feuchtkalte Unlust so richtig breitgemacht. „Bei Frauen hat es oft mit der Erziehung zu tun, dass es so schwer ist, mit dem anders geschlechtlichen Partner über Sex zu sprechen“ sagt mein Freund H., mit dem ich mich über das Thema unterhalte. Weiterlesen »

Nach dem Schiffbruch weiter paddeln – Get Well Soon.

Kategorie: | January 30, 2010 | von

Get Well Soon Nach dem Schiffbruch weiter paddeln   Get Well Soon.

Das Debüt von Get Well Soon alias Konstantin Gropper vor zwei Jahren bewies, das auch in Deutschland Popmusik produziert werden kann, die weder teutonendoof  klingt, noch nach schlechter Kopie von, sagen wir, US-oder Brit-Charts-Pop. Das allein ist ja – leider – schon ein Ereignis. Wenn der Künstler dann erst 23 Jahre jung ist und zu allem Überfluss noch auf der Pop-Akademie in Mannheim studiert hat, dazu quasi alle Instrumente alleine einspielt, ists ganz vorbei. „German Wunderkind“ schreib dann auch gleich der New Musical Express.

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NEW COUTURE

Kategorie: | January 29, 2010 | von

Picture 3 NEW COUTURE

In Berlin tut sich was. Die Stadt wird glamourös. Gab es noch in den 90er Jahren oft nicht mal einzige Frau im Club, die Lippenstift trug, reichen sich im  Jahr 2010 die sorgfältig zurechtgemachten Schönen die Klinke in die Hand. Und sogar vor den sonst gerade in Berlin so stilberatungsresistenten Herren macht diese Entwicklung nicht halt: Sie sehen aus wie moderne Großstadtdandys, mögen Anzüge und Fliegen, tragen Hüte, Reiterstiefel und Gamaschen und sehen damit so hinreißend aus, dass man sich immer wieder selbst gratuliert, nicht schon längst aus ungeduldiger Verzweiflung das Handtuch geschmissen und in eine der garantiert geschmackssicheren, aber eben doch auch langweiligeren Großstädte gezogen zu sein.

Die aktuellen Kollektionen in Berlin lebender Nachwuchsdesigner spiegeln den neuen Trend zum kleidsamen Kleidungsstück wieder. Endlich! Denn es ist höchste Zeit, dem internationalen Publikum etwas anderes anzubieten, als die immergleiche, brav reduzierte New-Media-Großraum-Büro-Wear, oder die ewigen, mit grobem Stich zusammengebastelten Beinkleider aus Hanf oder bedrucktem Cotton. Weiterlesen »

Die Nadeln der Erkenntnis

Kategorie: | January 28, 2010 | von

nadeln Die Nadeln der Erkenntnis

Beim Benähen von 59Fifty-Kappen mit den Protest-Klassikern brach mir mein gesamter Vorrat an Nadeln ab. Also lief ich zu meinem zweitliebsten Shop nach dem ehemaligen Umsonstladen in Berlin Mitte (Friede deiner Asche, Krieg den Palästen!), dem Trödelparadies „Zillehof“ in Berlin Charlottenburg. Ich wusste genau, in welcher Ecke ich stöbern musste. Die forsche Besitzerin mit ihrem gefärbten Haarhelm wies vorne jemandem zurecht, der getragene Socken nicht von ungetragenen unterscheiden konnte. Ich fand auf Anhieb fünf Nähnadeln auf einem Papphalter. So klein waren sie. Fast nicht zu sehen auf meiner Hand. Schwupps, könnte ich sie einstecken. Die Besitzerin würde es nicht nur nicht merken, sie würde die Nadeln auch nie vermissen. Aber mein preußisches Rechtsempfinden befahl mir, die Nadeln gut sichtbar vor sie hinzutragen und nach dem Preis zu fragen, bereit, bis zu drei Euro mitzugehen. „Die Nadeln? Die schenke ich dir. Nimm mit“, grummelte sie in sich hinein. So viel Großzügigkeit, und ich wollte sie bestehlen. Rot lief ich an vor Beschämung und vor Freude. Ehrlich wehrt nicht nur am längsten, ehrlich wärmt auch das Herz am stärksten. So, jetzt aber Schluss mit den Gutenachtgeschichten, liebe Kinderlein. Dieses Lehrstück könnt ihr demnächst auch in meinem Ullstein-Ratgeber „Inneres Glück in zehn Tagen ohne Yoga“ nachlesen.

Drei Bilder, eine Bewegung

Kategorie: | January 27, 2010 | von

Ich habe keine Ahnung, wer hinter dem Projekt three frames steckt. Aber neben der Vorliebe für unbekannte bis abstruse Filme gilt seine/ihre Liebe wohl dem geloopten Bewegtbild, wird auf dem Tumblr doch noch auf eine zweite Seite mit animierten Photos verwiesen. Ansonsten stehen da nur ein paar projektbezogene eMail-Adressen. Wenn man dem Twitter-Account folgt, bekommt man wenigstens die Namen der benutzten Filme mitgeteilt. And that’s it. Weiterlesen »

Der Kater nach der Berlin Fashion Week

Kategorie: | January 26, 2010 | von

fashioncrowd Der Kater nach der Berlin Fashion Week
(Typische Fashion-Crowd vor dem Bebelplatz-Zelt, eingefangen von Otto Griebel)

Januar 2010 sah die mürrischste Berlin Fashion Week aller Zeiten (also seit zweieinhalb Jahren). Und den kältesten Berliner Winter seit über zehn Jahren. Beim Schlingern über die zentimeterdicke Eisschicht auf den Fußwegen versuchten alle, ihre schwarze Galle im Zaum zu halten. Wie war’s? Frag nicht! Man will sich ja nicht sein Karma versauen, nur weil von den Großveranstaltungen nichts so richtig hinhaute. Weiterlesen »

Rewind: Justus Köhncke über “Play Loud”

Kategorie: | January 25, 2010 | von

Finn im Gespräch mit Justus Köhncke über “Play Loud” von den B-52′s (1979).

0 Rewind: Justus Köhncke über Play Loud

Kannst Du Dich noch daran erinnern wie und wann Du auf die B-52’s gestoßen bist? War die Band eine prägende Jugendliebe von Dir?

Absolut. Anfang 1980, als ich 13 war, kam meine 2 Jahre ältere Patchworkfamilienschwester Corinna von einem zweijährigen Intermezzo bei ihrem leiblichen Vater in Berlin zurück in unseren mittelhessischen Provinzschoß der Patchworkfamilie (die derzeit ja noch lange nicht so hieß) – nicht ohne die heiße Ware ihrer Mauerstadt-Teenieclique: Ian Dury, The Specials, The Police (tja, auch) und: The B-52’s „Play Loud“. Weiterlesen »

Das Schöne und das Biest – Walton Ford

Kategorie: | January 24, 2010 | von
 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

das Okapi - Wappentier der Kryptozoologie (Walton Ford, "Bula Matari", 1998)

„Wie muss zeitgenössische Kunst heute aussehen?“ Diese gewagte Frage schickte Udo Kittelmann seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung von Walton Ford voraus. Eine prophylaktische Rechtfertigung dafür, einem Künstler im Hamburger Bahnhof als Museum für „Gegenwart“ eine Soloshow zu gewähren, der ganz offensichtlich im 19. Jahrhundert und davor wildert und eine überwältigendes Oeuvre von Tieraquarellen anbietet, das mit beiden Hufen tief in Brehms Tierleben zu scharren scheint.

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

ein Elch - von Basler Bürgern mit nadelgespickten Äpfeln zu Tode gequält (Walton Ford, "Thurneysser's Demon", 2008)

Genauso kann zeitgenössische Kunst aussehen, möchte man vielen Kuratoren und Machern immer wieder gleich spröder Ausstellungen zurufen. Denn im Gefolge von Minimal Art und Konzeptkunst, als deren Renaissance sich Künstler und Künstlerinnen der Gegenwart zu oft verstehen, blieb vieles auf der Strecke, das eigentlich zum Wesen der Kunst gehört: Sinnlichkeit, Originalität, ein guter und vor allem eigener Blick. Humor erwartet man schon gar nicht mehr beim Besuch von Ausstellungen.

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

reine Freude vor der Kreatur – Klaus Schröder von der Albertina, Walton Ford, Udo Kittelmann von der Nationalgalerie

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

Peter Raue erklärt die Sache mit den Zugvögeln (Walton Ford, "Falling Bough", 2002

Walton Ford hat dagegen schon vor der Eröffnung dank der Plakatierung in der Stadt die Aufmerksamkeit der (kritischen) Öffentlichkeit geweckt. Darf zeitgenössische Kunst so aussehen? Ja, sie darf! Im besten Sinne postmodern, gewitzt und geistreich. Ford erzählt Geschichten in seinen großformatigen Bildern, die verständlich sind, ohne banal zu sein. Geschichten, die ein großes zoologisches Bildwissen offenbaren, ohne dafür in irgendeinem Naturkundemuseum versauern zu müssen. Geschichten, die in sich schon zweischneidig sind, durch die beigestellten historischen oder literarischen Quellen aber noch eine weitere Dimension bekommen, mit der sich die Betrachter und Betrachterinnen auseinandersetzen müssen und dazu aufgerufen werden, die Art wie sie Bilder lesen und sie in Bezug zu Texten setzen, immer wieder zu hinterfragen.

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

survival of the fittest (Walton Ford, "Chingado", 1998)

Walton Fords Bilder sind außerdem schön – eine Qualität mit der die Kunstkritik nach Jahrhunderten der ästhetischen Auseinandersetzung mit diesem Begriff noch immer kaum umgehen können. Stattdessen ist sie geschult, der Versuchung sich vom reinen Schönen anziehen zu lassen, zu widerstehen und sie wortreich zu umschiffen. Fords „Bestiarium“ wird die Kritik hoffentlich noch länger beschäftigen. Nach Joe Coleman in den KW vor zweieinhalb Jahren eine der interessantesten Entdeckungen amerikanischer Kunst.

Walton Ford, „Bestiarium“, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Invalidenstraße 50-51, Berlin-Mitte, 23. Januar – 24. Mai 2009

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

Lost (Walton Ford, "The Island", 2009)

 Das Schöne und das Biest – Walton Ford

der Vierhändige (Walton Ford, "Jack on His Deathbed", 2005)

Catwalk Finale in Berlin: Stine Goya

Kategorie: | January 24, 2010 | von

dsc02732 681x1024 Catwalk Finale in Berlin: Stine Goya

Die letzte Show am Bebelplatz bestritt die Dänin Stine Goya – ein toller Abschluß für eine spannende Woche.
Stine Goya mischte auf dem Runway Teile ihrer Sommer- und Winterkollektion für 2010/11: Im ersten Teil der Show dominierten vor allem Farben, die an Morgenröte und Vintage-Fotografien erinnerten…weiterlesen

Runway-Video | Strenesse Blue

Kategorie: | January 23, 2010 | von

 Runway Video | Strenesse Blue

Die komplette Strenesse-Show auf Video: Vom Wegräumen der Catwalk-Schutzfolie bis hin zu Annette Weber, Chefredakteurin der Instyle, die als Erste am Ende der Show hinter den Laufsteg hechtet. Ich hoffe, den Gewinnern der Vöslauer-Ticketverlosung hat die Strenesse-Show auch gefallen! Viel Spaß mit dem Video …

// Video shot with Nokia Nseries//

Strenesse Blue Show @ Berlin Fashion Week 2010 from Vöslauer Fashion Blogger on Vimeo.