Krisenbewältigung allerorten. Ob in der deutschen Defensive, im radikalen London der Siebziger, in Performances auf der Schwelle zwischen Kunst und Leben, im Diskurs der eigenen Gattung oder einfach ohne Geld. Aber Eröffnungssportler sind Krisen gegenüber gefeit, denn sie stählen sich in der freitäglichen Konfrontation.

„Another empty home“, Plakat gegen Immobilienspekulation, 1970er Jahre © Nick Wates Associates

"Gay Pride Demonstration, London", Hall-Carpenter Archives © HCA/Townson
Die Losung „Eure Krise, unsere Jobs“ wird immer mal wieder auf Plakate und Banner gemalt und durch die Innenstädte getragen. Wirtschaftlichem Niedergang folgen Boomzeiten, so will es die Konjunktur. Großbritannien hat beides schon erlebt. „Goodbye London“ blickt zurück auf eine Zeit der Radikalisierung der englischen Gesellschaft in den 1970er Jahren, die darin gipfelte, dass Maggie Thatcher den Neoliberalismus erfand. Vor diesem Hintergrund von Leerstand, Häuserkampf, militanten Boulevardmedien, Feminismus und Gay Liberation entwickelte sich eine Bewegung, für die Kunst, Politik und Leben eins war. Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt Protagonisten dieser Szene zu denen u.a. der Filmemacher Derek Jarman, der Performer Stuart Brisley (der sich übrigens am Samstagnachmittag bei Exile mit dem Kurator Andrew Wilson von der Tate Gallery unterhält) oder der Konzeptkünstler Victor Burgin gehörten. Zur Ausstellung erscheint außerdem ein empfehlenswerter Katalog.
„Goodbye London – Radical Art and Politics in the Seventies“, NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Oranienstraße 25, 10999 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: 25. Juni, 19 Uhr

Mark Met, Zeichnung

Mark Met, Zeichnung
Weniger auf dem Boden der Tatsachen bewegt sich Mark Met. Aber auch für ihn gilt die Maxime, Kunst und Leben möglichst deckungsgleich unter einen Tirolerhut zu bringen. In dieser Schnittmenge spucken Lamas und Vulkane, verschmelzen Jäger und Gejagte zu Mischwesen der Imagination, wird getestet, wie lang U-Boot-Kapitäne unter Wasser bleiben können – ohne U-Boot versteht sich. Der Niederländer probt die Revolte in der Aktion und sagt: „Die Wahrheiten müssen Akrobaten werden, damit wir sie erkennen. Es kommt ja; es kommt ja was sagst du; Revolution?“ Im Kulturpalast Wedding präsentiert er Zeichnungen und performt zur Eröffnung.
Mark Met, „Spucken wie ein Lama – Rauchen wie ein Vulkan“, Kulturpalast Wedding International, Freienwalder Straße 20, 13359 Berlin-Wedding, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 20 Uhr mit einer Performance des Künstlers

Henry Kleine, Untitled, 2010 (c) the artist, courtesy September Berlin

Henry Kleine, Untitled, 2009 (c) the artist, courtesy September Berlin
In einem ganz anderen, wenngleich auch innerlichen Diskurs steckt Henry Kleine. Der Brite ist Maler und beschäftigt sich wie die meisten Maler mit Malerei. Gut so! Denn keine andere künstlerische Gattung befindet sich so im ständigen Kampf mit sich selbst. Totgesagt und immer wieder auferstanden. Kleine setzt sich mit der Abstraktion von Mark Rothko auseinander aber auch mit dem eher konzeptionellen Malereiverständnis von Wade Guyton, immer auf der Suche nach der nächsten Metaebene. Bei September zeigt Kleine Magazinübermalungen, gestische Kompositionen, aber auch Wandgemälde auf Holz und Polyvinylchloridfolien.
Henry Kleine, „Aether“, September, Charlottenstraße 1, 10969 Berlin-Kreuzberg, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 19 Uhr

Zero Budget Biennial
In Zeiten, da eine Biennale die nächste jagt und Unsummen an Fördergeldern ausgegeben werden, um Tourismus und Wirtschaft unter dem Deckmäntelchen der Kunst anzukurbeln, kommt das Nullsummenspiel von Joanna Fiduccia und Chris Sharp gerade recht. Sie kuratieren die „Zero Budget Biennial“ als offiziell unprofitable Ausstellung im kommerziellen Raum der Galerie Klemm’s. So viel Marktunorthodoxie muss belohnt werden. Das Line-up der Künstler und Künstlerinnen, die unter der Vorgabe noch nie an einer Biennale teilgenommen zu haben ausgesucht wurden, liest sich schon mal nicht schlecht. Mit dabei sind u.a. Agnieszka Brzezanska, Simon Dybbroe Møller und Cécile Meynier.
„Zero Budget Biennial“, Klemm’s, Brunnenstraße 7, 10119 Berlin-Mitte, Eröffnung: Freitag, 25. Juni, 18 – 21 Uhr