Eröffnungssport – jung und etabliert

Kategorie: | July 30, 2010 | von

Manche Künstlerinnen sammeln Preise, andere Erfahrungen. An diesem Freitag stechen zwei Eröffnungen aus einem immer schmaler werdenden Sommerprogramm heraus. Zwei tragende Säulen der Kunstlandschaft in Berlin-Mitte zeigen etablierte Installation und junge Fotografie.

AdK Hatoum Portraet 700 Eröffnungssport – jung und etabliert

Mona Hatoum, Foto: Jim Rakete (c) Mona Hatoum

AdK Hatoum Cities detail 929 339x450 Eröffnungssport – jung und etabliert

Mona Hatoum, "3-D Cities", 2008-2010 (Detail), Foto: Fakhri N. al Alami, Courtesy The Khalid Shoman Foundation – Darat al Funun, Amman (c) Mona Hatoum

AdK Hatoum Paravent 700 Eröffnungssport – jung und etabliert

Mona Hatoum, "Worry Beads", 2009, Foto: Agostino Osio, Courtesy Fondazione Querini Stampalia, Venezia (c) Mona Hatoum

2008 hat Mona Hatoum den Trend zu temporären Gärten und anderen vegetabilen Interventionen von der Seite der Kunst entscheidend mit angestoßen. Die Installation „Hanging Garden“ in der DAAD-Galerie bestand aus mit Samen gefüllten Sandsäcken, die nach gründlicher Wässerung austrieben und die an Schützengräben oder Hochwassereindämmung erinnernde Mauer in eine grün sprießende, lebendige Plastik verwandelte. Jetzt erhält die libanesisch-palästinensische Künstlerin den Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste für ihren vom Readymade ausgehenden erweiterten Skulpturbegriff. Performance, Installation und Environment sind für Hatoum nur das Vehikel ihren durch und durch politischen Ansatz zu transportieren. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer der Mensch, sein verletzlicher Körper und seine individuellen Erfahrungen.

Mona Hatoum, „Käthe-Kollwitz-Preis 2010“, Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr

SKMBT C35210020213170 700 Eröffnungssport – jung und etabliert

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

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Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

SKMBT C35210020213180 700 Eröffnungssport – jung und etabliert

Friederike Brandenburg, aus der Serie "Zurückgelassen" (c) Friederike Brandenburg

Zwanzig junge Fotografen hat Felix Hoffmann, der Kurator von C/O Berlin schon aufgespürt und bietet ihnen einen Sprungbrett ihre Arbeit vorzustellen. „Talents“ heißt die Reihe und präsentiert die Positionen von Kunstfotografinnen, Fotojournalisten und Dokumentarfotografen, falls zwischen diesen Kategorien noch jemand trennen will. Clou des Konzepts ist aber nicht diese Möglichkeit einer Ausstellung zu nutzen, sondern die Idee, die Fotografien direkt zur Diskussion zu stellen. Zu jeder monografischen Ausstellung produziert C/O Berlin eine Publikation, in der ein Nachwuchskritiker, Kunstvermittler oder eine Bildwissenschaftlerin sich eingehend mit Kunst und Werk auseinandersetzt und sie mit den Mitteln der Kunstgeschichte aufarbeitet. Friederike Brandenburg zeigt zum 20. Jubiläum nun ihre Serie „Zurückgelassen“. Die Fotografin ist auf Spurensuche nach Hinterlassenschaften in der Natur gegangen. Vor der Kulisse Norwegens richtet sie ihren Blick eben nicht nur auf Gletscher, Fjorde und Wälder, sondern auf die Rückstände der Menschen, Fundstücke, Reste, Residuen. Die Kunstvermittlerin Sophia Greiff fühlt ihr auf den konzeptuellen Zahn.

„Talents 20 – Junge Fotografie/Kunstkritik“, C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 30. Juli 2010, 19 Uhr

Items Of The Week – Mme Grès

Kategorie: | July 29, 2010 | von

von Mareike Nieberding -

Germaine Emilie Krebs revolutionierte unter dem Namen Madame Grès die französische Haute Couture der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre skulpturalen Seidenkleider drapierte sie direkt am Modell und stattete in diesen weich fallenden Dianaroben Marlene Dietrich, Greta Garbo und Isadora Duncan aus. Eleganz in jeder Faser des Seins und des Schaffens, die die Begehrlichkeiten dieser Woche mit zeitgenössischer Nonchalance zu reinterpretieren wissen.
VPL macht seit 2003 Unterwäsche zur Oberwäsche. Sie verbinden Sportlichkeit mit traditionellen Ziernähten und Schnitten und etablierten damit einen funktionalen Chic für den Wäscheschrank, der die Paradigmen der Sexiness jede Saison neu bestimmen, wie dieses Unterhemd beweist (01).

ITEMS mme gres Items Of The Week   Mme Grès
Marc Jacobs liebt den Bruch und hat in Juergen Teller den perfekten Komplizen gefunden. Die gemeinsamen Kampagnen dieser Unangepassten ihres Fachs bestechen stets durch die Unkonventionalität in Posen und Szenerien und die Teller-spezifische Farbigkeit. Zwei graue Schneeengel auf dem Trockenen. Flach in der Fläche bäumt sich die Eleganz (05). Um das richtige Foto und die medienspezifische Kontextualisierung dessen geht es auch noch bis zum 19.09. in der Ausstellung „Magnum. Shifting Media. New Role of Photography“ im C/O Berlin (07). In einer der letzten Ausstellungen im Postfuhramt in der Oranienburger Straße, kann man den modernen Fotojournalismus und die Fotoreportage als Genre hinterfragt sehen, den die Fotoagentur Magnum durch ihre starke mediale Präsenz und die Distribution von Bildmaterial auch in den musealen Kontext nachhaltig geprägt hat.

Stella McCartney verbindet graue Eleganz mit kindlichem Spaß. Das Shirt aus der aktuellen Sommerkollektion ist sowohl für Pferdemädchen als auch zum Pferdestehlen gemacht (04). Letzteres funktioniert mit den neuen Nike Airmax BW Generation 2 (02) in passendem Graumetallic bestimmt noch galanter und kann mit der aktuellen Lumix LX 5 von Panasonic (08) gleich festgehalten werden. Nur vorsichtig, dass ihr nicht mit den doppelten und mit Ketten zusammengehaltenen Ringen vom dänischen Label Maria Black im Stacheldraht hängen bleibt (06). Obgleich euch Donna Regina mit ihrem neuen Album „The Decline of Female Happiness“ (03) mit sensibel assoziierten Gitarrenriffs, ihrer zarten, aber durchdringenden Stimme und der richtigen Prise weiblicher Dramatik jeden Schmerz davonmusiziert. Madame Grès, nous sommes très heureux.

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Kategorie: | July 28, 2010 | von


6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?

Kategorie: | July 28, 2010 | von

Image 1 Installation View KW 1024x768 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?

Was ist das, was draußen wartet? Kathrin Rhomberg möchte sich auf der von ihr kuratierten 6. Berlin Biennale auf Kunst fokussieren, die eine Reaktion auf die Wirklichkeit darstellt. Das ist ein interessanter Versuch, mit dem sie sich vor allem von dem Typus zeitgenössischer Kunst abgrenzen will, der sich auf die der Kunst immanenten formalen Problemen konzentriert. Rhomberg intendiert, einem solchen Formalismus den Blick nach draußen in die Realität entgegenzusetzen. Nur leider gelingt ihr das nicht ganz.

Image 2 Geiger 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Marcus Geiger | Die rote Fahne, 2010 | Installationsansicht, 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst | Courtesy the artist

Was an dieser Biennale besonders stört ist das zur Schau stellen eines politischen Pseudo-Aktivismus. Arbeiten von Künstlern wie Marcus Geiger oder Petrit Halilaj sollen exemplarische Bilder einer persönlichen Aneignung von Wirklichkeit sein. Ihre Symbolik—eine rote Flagge, Plattenbauten, ein Hühnerstall, Gerüste—lassen vermuten, dass es besonders die Perspektive des Arbeiters ist, für die sich Rhomberg interessiert. Sind die Sichtweisen des Proletariats das, was draussen wartet und was wahrgenommen werden will?

Image 3 Halilaj 1024x739 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Petrit Halilaj | The places I’m looking for, my dear, are utopian places, they are boring and I don’t know how to make them real, 2010 | Installationsansicht, 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst | Maße variabel | Foto Uwe Walter, 2010 | Courtesy the artist; Chert, Berlin

Diese These impliziert schon eine gewisse intellektualistische Arroganz. Warum ist es das Proletariat, was draußen ist? Und was heißt draußen eigentlich?  Außerhalb der Kunst? Und gibt es so etwas wie die Wirklichkeit ueberhaupt? Oder setzt sich das Wirkliche nicht vielmehr aus multiplen Perspektiven zusammen?

Image 42 1024x768 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Dachboden am Oranienplatz 17 © Sarah Hegenbart

Leider schafft es die Biennale nicht, ihren Appell zum reflexiven Blick nach draußen einzulösen. Anstelle das Draußen hineinzuholen in die Kunst verweigert das kuratorische Konzept dieser Biennale dem Draußen den Einlass. Um ihrem hohen Anspruch gerecht zu werden, hätte Rhomberg Kunst zeigen müssen, die überzeugend neue Positionen von Wirklichkeit darstellt. Davon ist wenig zu sehen. Die Exponate (besonders auffällig: sehr viele audiovisuelle Werke) vollbringen es nicht zu begeistern. Bei dieser Mittelmäßigkeit beeindrucken die Räumlichkeiten oftmals mehr als die Arbeiten.

Image 5 Kuchar 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: George Kuchar | Eye on the Sky, 2008 | DVD, Farbe, Ton |21’36” | Courtesy the artist; Video Data Base, Chicago

Anstatt die Perspektiven derer, die draußen warten, zu beleuchten und somit neue Realitäten zu erschließen, missbraucht Rhomberg nur deren Lebens- und Arbeitsraum um viertklassige Kunst zu zeigen.  Am Mehringdamm 28, bieten ein ehemaliger Pferdestall mit benachbarter Autowerkstatt, eine grossartige Gelegenheit die Perspektive des Draußen einzunehmen. Zum Beispiel die Welt aus den Augen des Automechanikers zu sehen, der verirrten Biennale Besuchern den Weg weist. Diese Herausforderung negiert Rhomberg. Einen ganzen Raum widmet sie stattdessen wenig sehenswerten Arbeiten von George Kuchar. Dies ist fast schon so etwas wie ein Affront. Rhomberg scheint zu suggerieren, dass das was draußen wartet eigentlich wenig mit künstlerischem Wert anfangen kann. Wäre ich der Automechaniker, würde ich die Kunsttouristen, die in meiner Werkstatt nach dem Weg zur nächsten Biennale Örtlichkeit fragen, ärgerlich verscheuchen.

Image 6 Essender Arbeiter in mehreren Ansichten 1024x730 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Essender Arbeiter in mehreren Ansichten, 1872–1874 | Bleistift und Aquarell auf Papier | 18,6 x 27,3 cm | Foto: Volker-H. Schneider | Courtesy bpk; Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin

Kläglich scheitert die Biennale auch in der Alten Nationalgalerie. Eigentlich eine gute Idee zeitgenössische Arbeiten, deren Anliegen der unverstellte Blick auf unsere Wirklichkeit ist, mit den Werken Adolph Menzels, Berlins Realist des 19. Jahrhunderts, zu kontrastieren. Allerdings kuratiert Michael Fried hier eine Ausstellung, die verboten werden sollte. Der US-Kunsthistoriker, der es doch aufgrund seiner intensiven Auseinandersetzung mit Bildwissenschaften besser wissen müsste, reiht hier lieblos Zeichnungen Menzels aneinander. Was soll das? Auch das ausgelegte Handout kann keinen erklärenden Beitrag leisten, wie dies noch mit der Biennale zusammenhängt. Sicherlich gibt es interessante Parallelen zwischen Menzels Werk, das sich so detailiert dem Privaten widmet, und Biennale-Arbeiten, die das Private auf extrem voyeuristische Weise thematisieren (wie es zum Beispiel Ruti Sela und Maayan Amir in Beyond Guilt tun).

Image 7 Ruti Sela Maayan Amir  6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Ruti Sela & Maayan Amir | Beyond Guilt #1, 2003, aus der Video-Trilogie Beyond Guilt (2003-2005) | DVD, Farbe, Ton | 9’30” | Courtesy the artists | Copyright the artists

Allerdings werden diese Gemeinsamkeiten nicht deutlich, wenn man die Arbeiten verschiedener Epochen so strikt voneinander trennt. Warum verbleiben Menzels Arbeiten inmitten der Kunst seiner Zeit? Innovativ wäre es gewesen in dieser Örtlichkeit zeitgenössische Kunst zu zeigen und Menzel nach draußen zu bringen. Beispielsweise an den Mehringdamm 28. Warum traut sich das keiner? Das Rhomgergsche Modell des Kuratierens impliziert doch gerade, dass Kreuzberg nicht mehr verdient als Trash-Kunst. Wenn Rhomberg das, was draußen wartet, ernst nehmen würde, hätte sie versucht auch dem Draußen einen Einblick in neue Realitäten zu geben. Eine Ausstellung von Menzels Arbeiten am Mehringdamm wäre eine wunderbare Einladung gewesen, dem Automechaniker die von Kunst ausgehende Faszination näherzubringen.

Image 8 Alte Nationalgalerie 6. Berlin Biennale – Wirklich das, was draußen wartet?Foto: Alte Nationalgalerie, Berlin | Photo: Christian Sievers, 2010 | © Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst

Das, was draußen wartet, wird leider dort warten gelassen. Mit einer intellektualistischen Arroganz wird propagiert, dass diese Biennale sich mit neuen Realitäten beschäftigt. Der Blick auf diese Wirklichkeit ist allerdings rein voyeuristisch. Eine Antwort wird dem Draußen verwehrt. Was bleibt ist ein verfälschter Blick auf Kosten derer, die draußen warten.
Foto 1: Installationsansicht in den KW © Sarah Hegenbart

Streetwear im Umbruch: Performance statt Lifestyle

Kategorie: | July 27, 2010 | von

performance1 Streetwear im Umbruch: Performance statt Lifestyle

Ich will ja nichts gesagt haben. Aber so wird es kommen. Die Mode verabschiedet sich von der Lifestyle-Ausrichtung und der Retrofashion in der Sportswear – und entdeckt die Performance-Klamotte. Weiterlesen »

Rewind: Serge on “Ocean To Ocean”

Kategorie: | July 26, 2010 | von

In discussion with Serge on “Ocean To Ocean” by Model 500 (1990).

0 Rewind: Serge on Ocean To Ocean

I assume you were already familiar with Juan Atkins when the “Ocean To Ocean EP” was released in 1990. He was the first of the Detroit techno originators to release a record. Was he also the first of them you heard?

I am not sure… probably yes. But it could also have been the first Transmats of Derrick May. It was around ’87 when I heard the first techno and this came out in 1990.

What makes this record so important for you? Are there special moments and memories attached to it?

It is just one of the best records Juan Atkins did, and one of the first records where techno became techno, where it became a form of art, and not just a tool to make people dance like disco, and like what house and techno was in that period, but an expression of feelings and emotions in an creative sophisticated and highly skilled way. You also hear this on other records from that 1989 and 1990 period, but somehow this one is one of my most favourite releases. Weiterlesen »

ART Biesenthal – Wir müssen raus!

Kategorie: | July 25, 2010 | von

Als wir uns neulich am Wochenende raus aus der Stadt auf der Bundesstrasse in das Berliner Umland “schoben”, war das ursprüngliche Ziel das wunderbar waldig-schattige Ufer des Liebnitzsees. Gesagt getan.

Foto ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Aber es gab noch ein Schmankerl für den Nachhauseweg. Schon vorab angekündigt durch unseren umtriebigen Fahrer. Eine Ausstellungseröffnung in Biesenthal, in einer Art ehemaligem Schloss ganz in der Nähe. Nichts Genaues wusste man nicht, aber Freunde waren beteiligt, stellten mit aus, waren dort, wie auch immer: Kunst, erholsam im Grünen. Eine unschlagbare Kombination wie sich herausstellen sollte. Und so fuhren wir von Ruhe, See und Schatten erfrischt Richtung Biesenthal.

Als wir dann in die kleine gepflasterte Straße abbogen, die uns zur Ausstellung führte, war die Verzückung groß: Schöne Gärten, wilde Hecken und “Grünflächen”, tolle Abendstimmung, kurz die Anfahrt war wirklich reizend, ländlich wild bewachsen und wirkte äußerst anziehend. Die Ankunft ebenfalls. Das Gebäude und das Grundstück ließ uns zunächst in verschieden geartete Begeisterungsrufe ausbrechen, aber seht selbst:

IMG 25681 767x1023 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Der erste Clou: Sie schöne, alte Fassade des imposanten Gebäudes steht im prägnanten Gegensatz zu seiner Rückseite…

IMG 2574 1024x768 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Zwei Seiten mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen, Assoziationen die ausgelöst werden ohne sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, eher im Gegenteil.

Die Ausstellung im Gebäude war von beiden Seiten begehbar und verstärkte dadurch das Gefühl der Durchlässigkeit von Licht und Luft, im Keller gab es sogar Public Viewing, ohne das selbiges auch nur im geringsten die überall spürbaren guten Vibes gestört hätte. Hier hat alles seinen Platz so schien es, ohne sich gegenseitig zu kannibalisieren.

IMG 2572 768x1024 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Und so breitete sich vor uns ein malerisches “Picknick-Mitte-Galerieszenen-Bild” aus: Schöne Frauen, stylische Männer mit Bärten, Kinder, Hunde, Decken, Champagner und Saftschorle – alles friedlich nebeneinander.

IMG 25751 1024x768 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Unter einem offenen Dach gab es Hamburger zum selbst belegen, frisch gebackene Waffeln, eine Bar, alles betrieben von fleißigen Teenagern.

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Diese Szenerie setzte sich nach hinten zu einer wunderschön geschwungenen Wiese eingerahmt von Bäumen und einem Weg fort.

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Geborgenheit durch Natur, ohne das Gefühl eingeschlossen zu sein. Eine Weite, die einem das Herz aufgehen lässt ohne aufdringlich geordnet, zugeschnitten, inszeniert zu sein. Ja, wir reden hier noch vom Grün nicht von der Kunst. Das hat auch einen guten Grund. Denn diese wunderbare “Fassung” für diesen Platz bestimmt fast seine Atmosphäre. Eine außergewöhnliche Harmonie von starrer und lebender Substanz.

So ist dann auch nachzulesen, dass dieses sonst private Grundstück eines ist, an dem viel Kunst entsteht, gearbeitet, geheiratet, gelebt wird. Geschäftsführer Michael Hecken bezeichnet es als einen mehrdimensionalen Ort. Man kann ihm nur zustimmen. Die Umgebung versteht zu inspirieren, Dinge fühlen zu lassen, derer man sich vorher vielleicht überhaupt nicht bewusst war. Diese natürlich Leichtigkeit ließ sich auch gut an den Gästen, die alle äußerst entspannt über den Platz verteilt in Gespräche vertieft herum saßen, feststellen.

Dennoch strahlte für mich die meiste Faszination die ungezwungene Kombination dieses Platzes mit den unaufdringlich, wie zufällig integrierten Kunstwerken aus.

IMG 25801 337x450 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Ein Maulwurfhügel hier, dort ein Porträt an einem Nebengebäude angebracht, irgendwo anders ein “wrapped tree”.

IMG 25733 1024x768 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Und so traf man das Who is Who der “mittigen Galerieszene”, trank ein Glas Wein, bestaunte die aus Beton gegossenen Maulwurfhügel, spekulierte über die Gefahr von gebrochenen Zehen die man sich leicht holen könnte, wenn es erstmal dunkel wäre und sinnierte über die Kunst im Allgemeinen und im Speziellen. Installationen, Papierarbeiten, und mehr Details zu den Arbeiten und deren Erschaffern findet sich auf der Homepage: www.biesenthal.org

Apropos schöne Details: Hier ein paar Beispiele, gesehen auf der anderen Seite der ganzen Szenerie, Ein scheinbar ewig Wellen erzeugender, vor sich hin brodelnder Brunnen..

IMG 2586 1024x768 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

oder ein verwunschener Seerosenteich

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Seit nun 2006 gibt es die Art Biesenthal und wir werden im nächsten Jahr auf jeden Fall auch dort zelten und Teil werden für ganz besondere 24 Stunden. Das ist beschlossene Sache. An besagtem Abend wurde noch bis in die Morgenstunden gefeiert. Es gibt demnächst noch einmal einen Open Day, den 25.7. von 14 bis 20 Uhr, sowie die Finissage am 1.8. von 14 bis 20 Uhr, bevor die ART Biesenthal für diesen Sommer die Tore schließt um im nächsten Jahr mit neuen künstlerischen Überraschungen aufzuwarten. Wir waren in Vorfreude…

als wir in die untergehende Sonne äußerst zufrieden die Heimat ansteuerten.

IMG 2596 1024x768 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Als wir dann wieder in die brütende Hektik der Stadt eintauchten erreichte uns mit der Stadternüchterung, dem Beton, dem Lärm und den Abgasen gleichzeitig über eine Kassette im Autoradio die ersten Takte von “Wir müssen raus” von Ton Steine Scherben. Das alles was uns die Stadtentgegenbrüllte, brüllten wir inbrünstig zum Refrain zurück:

“(…) Wir müssen hier raus, das ist die Hölle, wir leben im Zuchthaus! WIR SIND GEBOREN UM FREI ZU SEIN!”

0 ART Biesenthal   Wir müssen raus!

Ist ja auch so oder? Vergisst man nur immer wieder.

ART Biesenthal
Finissage am 01.08.: 14 bis 20 Uhr
Wehrmühlenweg 8
16359 Biesenthal
www.biesenthal.org
info@biesenthal.org

Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung

Kategorie: | July 24, 2010 | von

1 Your uncertain shadow colour Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung

Auf schweren Granitplatten, die Olafur Eliasson in den unteren Ausstellungsräumen des Martin-Gropius-Baus ausgelegt hat, betreten wir Innen Stadt Außen, die erste Berliner Einzelausstellung des dänisch-isländischen Künstlers, der bereits seit vielen Jahren in Berlin lebt und arbeitet. Berliner Bürgersteig heißt diese Arbeit, mit der es Eliasson und sein Kurator Daniel Birnbaum uns erleichtern wollen von Außen, dem Stadtraum, ins Innere, den musealen Raum, zu treten. Gleichzeitig signalisiert der Berliner Bürgersteig aber auch, dass es keine strikte Trennung zwischen Innen und Außen gibt. Indem ein Element des Außen, nämlich der Bürgersteig als Charakteristikum des Stadtraums, ins Innere versetzt wird, wird deutlich, wie sehr beide Räume einander bedingen. Das Außen trägt dazu bei das Kunstwerk im Inneren zu konstituieren, so wie das Innere unser Wahrnehmen des Außen verändert.

2 Berliner Burgersteig 776x1024 Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Berliner Bürgersteig, 2010 | Granit | 27 m2 | Photo: Jens Ziehe | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2010 Olafur Eliasson

Das Zusammenspiel von Innen und Außen, von Kunstwerk und Stadt, ist Thema von Eliassons Ausstellung Innen Stadt Außen, deren ortsbezogene Arbeiten zum größten Teil eigens für diesen Anlass geschaffen wurden. Im Gegensatz zu vergangenen Überblicksausstellungen in traditionellen Kunstmuseen—meistens im Stile eines White Cube—, für die der Künstler bereits bestehende Werke in die Museumsarchitektur einpassen musste, stellen die in Berlin gezeigten Arbeiten eine unmittelbare Reaktion auf die Ortspezifik des Raumes dar. Eliasson, der betont, dass er sich „seit langen für urbane Räume als experimentelle Orte“ interessiert und dementsprechend auch 2009 das Institut für Raumexperimente an der Universität der Künste Berlin gründete, untersucht in seinen Arbeiten „Aspekte wie Gesellschaftlichkeit, Interaktion und individuelle Erfahrung“ und deren Abhängigkeit vom jeweiligen Raum. Seiner Meinung nach eignet sich Berlin ganz besonders für eine solche Examination des Raumes.

3 Treibholz Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Berliner Treibholz, 2009-2010 | Holz | Maße variabel | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2009 Olafur Eliasson

Die ortsbezogenen Arbeiten im Martin-Gropius-Bau sind jedoch nur ein Teil des Gesamtprojekts, zu dem noch verschiedene Projekte im öffentlichen Raum gehören, mit denen Eliasson den Lebensraum Berlin untersucht. Das Museum wird so mit unterschiedlichen Orten innerhalb der Stadt verknüpft. Beispielsweise verteilt Eliasson mit Hilfe seines Teams Treibholz, das er bereits im Jahr 2008 an der nordisländischen Küste sammeln ließ, im urbanen Raum. Auf Gehwegen, Verkehrsinseln, Parkplätzen und anderen Zwischenräumen wirken die Baumstämme „so als wären sie in die Stadt gespült worden und in deren Netzen hängen geblieben“ (Eliasson). Eliasson intendiert damit einen Dialog im Stadtraum zu initiieren, so dass wir aufgeweckt werden, unseren oftmals gleichgültigen Bezug zur Unwelt noch einmal zu reflektieren.

4 Model room 728x1024 Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Model room, 2003 | Holz, Modelle, Maquetten, Prototypen in verschiedenen Materialien | Maße variabel | Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit Einar Thorsteinn | Photo: Jens Ziehe | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2003 Olafur Eliasson

Eliasson verdeutlicht in seinen Untersuchungen des urbanen Raumes die Schönheit des Alltäglichen. In seinem Model Room konfrontiert er uns mit Formen und Strukturen, die in ihrem Zusammenspiel eine unglaubliche Schönheit evozieren. Eigentlich sind diese Formen uns aber tagtäglich präsent. Denn die deutsche Hauptstadt ist „reich an Kugeln, Sphären, globusförmigen Strukturen, sich drehenden Objekten und Kreisverkehren“ (Daniel Birnbaum). In unserer Wahrnehmung des Alltäglichen übersehen wir die Schönheit dieser Phänomene aber allzu oft, weil wir ihnen jeden Tag begegnen und sie uns dementsprechend als zu vertraut erscheinen. Indem Eliasson kleine Veränderungen vornimmt, zum Beispiel unseren Schatten in verschiedenen Farben projiziert, wird unsere Wahrnehmung für den Zauber des Alltäglichen sensibilisiert. So vollbringt Eliasson es uns die  Schönheit dieser Phänomene erneut vor Augen zu führen.

5 Mikroskop1 768x1024 Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Mikroskop, 2010 | Gerüst, Spiegelfolie, Aluminium |17,7 x 18,5 x 27,1 m | Photo: Jens Ziehe |Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2010 Olafur Eliasson

Eliassons Ziel ist es aber nicht uns durch Schönheit zu überwältigen, so dass wir im reinsten Erleben aufgehen. Es ist nicht das Schöne im Sinne des Erhabenen, mit dem uns Eliasson konfrontiert. Diesem Schönheitsideal der deutschen Idealisten setzt er etwas entgegen. Er macht deutlich, dass Schönheit vielmehr ein Konstrukt ist und nicht etwas a priori Existierendes. Dies wird dadurch deutlich, dass wir bevor wir Eliassons gigantisches Kaleidoskop betreten, zunächst einmal das Gerüst des Gebildes sehen. Das Gerüst gibt uns Hinweise auf die Bauweise des Kristallpalastes, der aus Spiegelfolien-Wänden besteht, die in einem Winkel von 60 Grad zum Dach platziert werden. Somit betont Eliasson, dass es letztlich die Aufgabe des Individuums ist die Konstruktion von Schönheit zu vollziehen. Das Wahrnehmen von Schönheit erfordert eine Erkenntnisleistung des Subjekts. Wenn wir die Komplexität von Naturphänomenen verstehen, wird uns deren Schönheit umso mehr bewusst. Eliasson bringt in seinem Werk ganz deutlich zum Ausdruck, dass die Suche nach Schönheit auch in einer postmodernen Welt ihre Berechtigung hat.

6 Mikroskop2 Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Mikroskop, 2010 | Gerüst, Spiegelfolie, Aluminium |17,7 x 18,5 x 27,1 m |Photo: Jens Ziehe |Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2010 Olafur Eliasson

Eliassons größte Installation in dieser Ausstellung fasziniert nicht nur durch ihre Schönheit, sondern auch durch ihre Fähigkeit den Außenraum in den Innenraum zu projizieren. Der Besucher kann hier nicht mehr eindeutig definieren, wo er sich genau befindet. Wie der Berliner Bürgersteig verortet einen der Kristallpalast in einem Zwischenraum, einer Schwebe zwischen Innen und Außen. Dieser Zustand ermöglicht es, dass wir uns beim Wahrnehmen wahrnehmen. Eliasson verdeutlicht so, dass Kunst eine neue „Denk-Richtung und eine kritische Neubewertung“ auslösen kann.

7 Round rainbow Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson Round rainbow, 2005 | Acryl-Prisma, Stahl, Aluminium, Motor, HMI-Lampe | Maße variabel |Photo: Jens Ziehe | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2005 Olafur Eliasson

Besonders beeindruckend an Eliassons Kunst ist, dass sie nicht über das Element des Schockens funktioniert, wie so viele zeitgenössiche Kunst, sondern vielmehr das Moment des Wunderns neu aufgreift. Arbeiten wie Round Rainbow und New Berlin Sphere verweisen uns auf die wundersame Funktionsweise unterschiedlicher optischer Vorgänge, die wir im Alltag oft gar nicht bemerken. Eliasson vollbringt es, uns diesen Zauber des Alltäglichen sichtbar zu machen. So erlaubt er es uns die Welt mit neuen Augen zu sehen und sie als schön zu erfahren.

8 New Berlin Sphere 742x1024 Innen Stadt Außen – Eliassons Verzauberung Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009 | Edelstahl, farbiges Glas, Aluminium, Gluhbirne | Æ: 140 cm | Photo: Jens Ziehe | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2009 Olafur Eliasson


Olafur Eliasson “Innen Stadt Außen”, noch bis zum 9. August 2010


Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin

Tel +49 (0)30 254 86-0
www.gropiusbau.de
www.innenstadtaussen.de

täglich von 10:00 Uhr – 20:00 Uhr

Bild 1: Olafur Eliasson Your uncertain shadow (colour), 2010 | Halogenlampen, Glas, Aluminium | Maße variabel | Photo: Jens Ziehe | Courtesy the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York © 2010 Olafur Eliasson

Nachhilfe in Disco-Geschichte – live in Berlin

Kategorie: | July 23, 2010 | von

disco1 Nachhilfe in Disco Geschichte – live in Berlin

Der Disco-Doktor kommt nach Berlin! Tim Lawrence lehrt Musiktheorie an der University of East London, sieht so junggeblieben Eulen-äugig aus wie David Byrne – und versteht sich als Tänzer. Das hat er Diedrich Diederichsen, seinem deutschen Poptheorie-Pendant, voraus, der die Musik von der Theke statt der Tanzfläche aus beobachtete (und so schon durch sein Körperverhalten determiniert mehr Bezug zu HipHop als House hatte).
Lawrence hat „Love saves the day“ über die Anfänge von Disco und Clubkultur in den 70ern und „Hold on to your dreams“ über den Disco-Avantgardisten Arthur Russell geschrieben. Beide Bücher verführen nicht nur durch detaillierte Geschichtsschreibung, sondern – ihr ahnt es schon – durch die empathische Perspektive des Tänzers.
Am Freitag, den 23.07.2010 liest Lawrence aus „Hold on to your dreams“ und hat versprochen, immer wieder abzuschweifen. Das Basso als Berlins bester Männer-in-Hotpants-Kulturverein ist geradezu prädestiniert für die Veranstaltung. Die Disco-Digger Daniel Wang und Finn Johannsen (ihr kennt ihn von Rewind) an den Decks werden hinterher die Tracks aufsteigen lassen wie Kraniche, die außerhalb der menschlichen Sichtweite ihre Hälse zum Liebestanz umschlingen, mit einer flauschigen Kumuluswolke als Tanzfläche (sie bevorzugen den kalifornischen Hustle). Disco bleibt eben eine Geheimwissenschaft für Liebende.
Hier eine kurze Lehrstunde in amtlichem Disco-Tanz aus Kitty Hansons Fibel „Disco Fieber“ von 1978, die durch ihren fehlenden historischen Abstand besticht. Versuchte Analyse, die sich in Groschenroman-Aufgeregtheit verliert – genauso empfehlenswert wie Tim Lawrence’ Bücher, nur anders.

disco3 Nachhilfe in Disco Geschichte – live in Berlin

disco Nachhilfe in Disco Geschichte – live in Berlin

Tim Lawrence liest, Daniel Wang und Finn Johannsen spielen
23.07.2010, 21 Uhr
Basso, Köpenicker Straße 187-188, Berlin Kreuzberg

Eröffnungssport – toute en groupe

Kategorie: | July 23, 2010 | von

Der Sommer hat ein Loch. Die Galerien sperren ihre Türen zu und nutzen die Zeit ausgiebig die Einnahmen zu verprassen oder lassen auf und zeigen Gruppenausstellungen. Gute Idee – hier 17 Künstler und Künstlerinnen an einem Abend.

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Claudia Angelmaier, "Das große Rasenstück" (c) Claudia Angelmaier

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Nina Ebbinghaus, "Robinie" (c) Nina Ebbinghaus

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Ralph Samuel Grossmann, "trefle", (c) Ralph Samuel Grossmann

Der Untertitel „Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“ klingt wie ein schlechter Floristenwitz. Wie verhalten sich überhaupt Botanik und Zeitgenossenschaft zueinander? Gibt es das Genre Pflanzenfotografie? Der Titel führt dann aber in eine Richtung, die immer mehr in den Blickpunkt von Stein und Smog gepeinigter Städter rückt. Innerstädtische Landwirtschaft, Guerilla-Gardening und Seed-Bombing besetzen in dem Metropolen zunehmend die Sehnsucht nach dem Landleben ohne die Vorzüge der Urbanität missen zu müssen: von intelligenten Interventionen in den sich immer mehr verselbständigenden Stadtorganismus bis zum reaktionären Spießertum ewiger Großstadtfeinde, die es mit ihrem Allround-Defätismus auf dem Land freilich auch nicht aushalten würden. Die Alfred-Ehrhardt-Stiftung stellt in der Ausstellung „Urbane Gewächse“ nun Fotografen und Fotografinnen (Annabelle Fürstenau, Claudia Angelmaier, Nina Ebbinghaus, Helmut Völter, Claudia FährenkemperRalph Samuel Grossmann) vor, die ihren Städterblick auf die Flora lenken und ausgegrenzten Korbblütler und wackeren Pionierpflänzchen zu ihrem Recht verhelfen.

„Urbane Gewächse – Positionen zeitgenössischer Pflanzenfotografie“, Alfred Ehrhardt Stiftung, Auguststraße 75, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr

felsen foto LR Eröffnungssport – toute en groupe

"Sommerland" bei systM

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"Sommerland" bei systM

Kunst in Kneipen – das geht meist schief. SystM versteht sich trotzdem einerseits als Bar und andererseits als Galerie für Design, von Grafik bis Fashion. Mit der Sommerausstellung „Sommerland“ stellt systM nun acht Illustratoren und Illustratorinnen (Ana Albero, Romy Blümel, Danae DiazSandra Ehlen, Nastja HoltfreterSophia Martineck, Maki Shimizu, Silke Werzinger) vor, deren Ausbildung an internationalen Kunst- und Designschulen noch nicht allzu lange zurückliegen. Illustration als angewandte Kunst fristet immer noch ein Schattendasein, weil die Grenzen zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Nutzen schwer zu stecken sind. Gute Illustrationen eröffnen jedoch eine ganz eigene Ebene gestalterischer Darstellungs- und Erzählformen: ob nun Characters zum Leben erweckt werden, narrative Geschichten im Comic verbildlicht werden, statische Zeichnung in animiertes Bewegtbild überführt werden oder Magazine über die Illustration ein zusätzliches und visuell unerschöpfliches Bildmedium erhalten. SystM verschafft Überblick auf die Szene.

„Sommerland“, systM Gallery Bar, Torstraße 68, 10119 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr

Christof Zwiener Elegy 700 Eröffnungssport – toute en groupe

Christof Zwiener, "Elegy for all the dead rock stars 19:49min", 2009

TamaraLorenz 1050 Eröffnungssport – toute en groupe

Tamara Lorenz, o. T., 2009/10

Alexandra Schumacher EroberungII 9341 Eröffnungssport – toute en groupe

Alexandra Schumacher, "Eroberung des Raumes II (Über die Rückseite)", 2010

Wie hier schon des Öfteren erwähnt, hat Surrealismus immer noch ungebrochen Hochkonjunktur. Wenn nicht direkt an den Werken ablesbar, dann in der zugrundeliegenden Theorie. Stedefreund eröffnet heute mit einer Dreierausstellung (Tamara Lorenz, Alexandra Schumacher und Christof Zwiener): “Les Chants de Maldoror”. “Die Gesänge von Maldoror” von Isidore Ducasse von 1868 gehörte in die Handbibliothek eines jeden gestandenen Surrealisten, wie etwa Man Ray oder René Magritte. Ersterer schwärmte vom zufälligen Zusammentreffens einer Nähmaschine und eines Regenschrims auf dem Seziertisch. Unwillkürliche oder arrangierte Konfrontationen propagieren auch die Künstler und Künstlerinnen der Ausstellung und loten den Bereich aus zwischen den Objekten und ihren fotografischen Abbildern.

“Les Chants de Maldoror”, Stedefreund, Dorotheenstraße 30, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 23. Juli 2010, 19 Uhr