
Die Idee eine Kunstmesse im Internet zu veranstalten fand ich zunächst ziemlich interessant und diese Woche war es dann so weit: Die VIP Art Fair, der Welt’ allererste Online-Kunstmesse, hat eröffnet. Wie ist das ‘Viewing in Private’ (hierfür steht VIP als Akronym) denn so? Ein Selbstversuch.
Bild: Übersicht über die Galerien
Nach dem Einloggen ins Atrium (ein Besuch der VIP Art Fair ist nach vorheriger Anmeldung kostenlos, allerdings haben nur Besucher mit VIP-Tickets Zugang zu den Private Rooms und den Live-Chats) gelangt man auf eine Seite, die einem einen Überblick über die 139, bei der VIP vertretenen, Galerien ermöglicht. Die Topographie erinnert auffällig an den typischen Plan traditioneller Kunstmessen. Klickt man auf einen Galerienamen, landet man auf deren Messestand.

Beispielsweise den Stand der Londoner West-End Galerie Pilar Corrias, die auf der VIP unter anderem Arbeiten von Elizabeth Neel und Tobias Rehberger präsentiert. Pilar Corrias sind unter ‘Emerging’ gelistet. Dazu gehören insgesamt 23 Galerien, die jeweils zehn Arbeiten aus den letzten zwei Jahren von aufstrebenden jungen Künstlern präsentieren.

Hier werden schon erste Probleme sichtbar, die sich auf anderen Kunstmessen so nicht stellen: Wie groß sind die Arbeiten von Neel und Rehberger eigentlich? Und warum werden gerade diese beiden Künstler nebeneinander gestellt?
Glücklicherweise gibt es eine hilfreiche Funktion, bei der man sich die Arbeiten in Relation zu einer menschlichen Figur anzeigen lassen kann. So bekommen wir eine ungefähre Vorstellung von den Ausmaßen von Helen Frankenthaler’s September bei John Berggruen. Die Frage nach dem kuratorischen Konzept hinter den einzelnen Ausstellungen klärt sich jedoch leider nicht. Um Bezüge zwischen den Arbeiten herzustellen, braucht es dann doch mehr als einen Cyperspace.

Ein Vorteil hat die VIP jedoch: Man kann ganz gezielt nach einzelnen Künstlern suchen. Will ich unbedingt etwas von Barnett Newman sehen, werde ich bei der New Yorker Galerie Brooke Alexander direkt fündig. Das Konzept dahinter erinnert ein bisschen an Online-Shopping, bei dem man es dem Käufer so einfach wie möglich machen will.

Ein Highlight ist die VIP-Lounge. Dort kann man sich nicht nur Statements von Kuratoren, wie dem des New Museums Benjamin Godsill, anhören, sondern auch verschiedenste Tourangebote durch die VIP verfolgen.

Ebenfalls spannend sind die Studiobesuche bei Künstlern wie William Kentridge, Julie Mehretu oder Cindy Sherman. Wann bekommt man ansonsten die Gelegenheit, zu sehen, wie jemand wie Cai Guo-Qiang in seinem Studio explosiv mit Waffenpulver hantiert?

Die VIP bietet eine herausragende Informations-Plattform, um sich über alle möglichen internationalen Galerien zu informieren. Klickt man auf eine Arbeit, bekommt man im besten Falle—wie bei Ota Fine Arts—noch eine Menge Informationen und sogar einen Film dazu angezeigt.

Was jedoch eindeutig zu kurz kommt, ist jedoch der Kunstgenuss. Wer will schon eine der wunderbaren Skulpturen Alicja Kwades nur auf dem Screen vor sich sehen, ohne voller Entzücken einmal darum herum gehen zu dürfen?

Die Kritikerin Pauline J. Yao bringt es in ihrer Beschreibung des Werkes von Michael Lin auf den Punkt: ,Kunst ist etwas, das man nicht einfach nur ansehen will. Man muss Kunst in Echtzeit erfahren, im Idealfall auch fühlen.’
Genau dies aber bietet die VIP Art Fair leider nicht.
www.view.vipartfair.com