Sex sells! Denkt sich auch Privatsammler Thomas Olbricht und lädt zur dritten Ausstellung in seinen „me Collector’s Room“ in der Berliner Auguststraße zu einer Reise ins vermeintlich sexuell befreite New York der Siebziger. 1974 lief dort die Ausstellung „X-Rated“ von William N. Copley, im November wärmte die Paul Kasmin Gallery in Chelsea die Schau mit Aktgemälden des neosurrealistischen, neo-abstrakt-expressiven, Neo-Pop und anderen Genres der Moderne hinterherlaufenden Künstlers wieder auf – und jetzt dürfen wir in Berlin dieser Altherrenmalerei aufs magische Dreieck linsen.


Copley war ein artist’s artist, der besonderen Anklang bei Kollegen fand. Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Man Ray lobten ihn in höchsten Tönen. Der Kurzzeitgalerist, Autodidakt und Lebemann versenkt sich in der zu Beginn der 1970er Jahre entstandenen Serie in die Huldigung der Frau als Sexobjekt – „In Lust We Trust“ merkt Kurator Wolfgang Schoppmann bei der Pressepreview an, während Olbricht ein „I Want Sex“-Glöckchen klingelt – und zelebriert den männlichen Blick, vornehmlich auf die (ausschließlich) weiblichen Geschlechtsmerkmale.


Im zweiten Raum schließt sich mit Andreas Slominski ein eher distinguierter, feinhumoriger Konzeptkünstler an, der ob der Drastizität seiner neuen Bilder dennoch gut ins Konzept „X-Rated“ zu passen scheint. Slominski, der mit aufwändigen Fallen bekannt wurde, liebt den Bruch mit der Erwartungshaltung. Neuerdings ist Styropor sein Lieblingsmaterial, dass er zu flachen Reliefs ätzt, mit Acrylfarbe und Spraydose bearbeitet, Glitzerflitter aufträgt und dem Motto „nicht jugendfrei“ alle Ehre macht. Seine grellbunten Karikaturen bilden Sexpraktiken ab, reißen jede Menge schmutzige Witze, wichsen vor dem Fernseher und feiern den Phallus. Letztlich aber stellt Slominski auch wieder Fallen, Fallen der Irritation.


„Slominskis Objekte und besonders seine Bilder aus Polystyrol demonstrieren eine stolze, fast schon unerschrockene Gleichgültigkeit gegenüber Geschmacksfragen“ lässt der italienische Kurator (u.a. der 3. Berlin Biennale) Massimiliano Gioni ausrichten. Es handelt sich freilich um die Gleichgültigkeit, die nur haben kann, wer auch die nötige Sicherheit in Geschmacksfragen besitzt. Der Hausherr über den „me Collector’s Room“ wirkt da nicht so sicher und scheint es eher mit der Beschreibung Copleys in den Worten der Kunstkritikerin Anne Doran zu halten: „der geschniegelte und zutiefst lächerliche Jedermann auf der wahnwitzigen Jagd nach Freiheit, Poesie und Sex.“



X-RATED – William N. Copley und Andreas Slominski, me Collector’s Room, Auguststraße 68, 10117 Berlin-Mitte. Eröffnung: Samstag, 29. Januar 2011, 19 Uhr
all photos shot with Nokia N-Series