Short Shots 2.0 – Tim Raue, Koch

Kategorie: | February 28, 2011 | von

SHORT SHORTS 2.0
Wir wollen wissen, was geht – und was gar nicht. Was den Alltag ausmacht, wer die eigene Welt bereichert und wer fürs Gegenteil sorgt. Welche Domains gecheckt werden und welche Ort in echt einen Besuch wert sind. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Tim Raue.

Er ist eigen, ebenso wie seine Küche: Der gebürtige Kreuzberger Tim Raue ist einer von Deutschlands Spitzenköchen, hat eine sehr dezidierte Vorstellung davon, wie die Dinge sein müssen – und äußert dies gegebenenfalls auch gerne Mal. Für sein Talent in Sachen Kulinarik wurde Tim Raue bisher zweimal mit je einem Michelin-Stern ausgezeichnet und zudem mit diversen Auszeichnungen durch „Feinschmecker“ bis zu „Gault Millaut“ dekoriert. In seinem nach ihm benannten Restaurant in Berlin-Mitte sucht man Dinge wie Brot, Nudeln oder Reis als Beilagen übrigens vergebens, ebenso wie Milchprodukte oder Glutenhaltiges.
Dafür kommen „japanische Produktperfektion, thailändische Aromatik und chinesische Küchenphilosophie“ zusammen. Das findet sich auf der Karte dann als abstrakte Speisenbeschreibung wie „artischocke | seegras | schwarzer trüffel“ oder „hamachi ling zi | singapur jadesauce“ wieder. Wem das zu kryptisch ist, der kann auf den Raue-Klassiker „Diamond Label Beef mit Roter Bete und Madagaskarpfeffer“ setzen oder zum Lunch vorbeischauen. Dann findet man auch ganz „simple“ Gerichte wie Pizza auf der Karte – also japanische Pizza mit Thunfisch und Wasabi! Was den 36-jährigen abseits vom Herd bewegt, gibt’s nachfolgend zu lesen. Wem das nicht reicht: Im April erscheint Tim Raues Autobiographie „Ich weiß, was Hunger ist: Von der Straßengang in die Sterneküche“ im Piper Verlag.

Tim Raue 2 816x1024 Short Shots 2.0 – Tim Raue, KochNAME: Tim Raue
JAHRGANG: 1974er

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?

Ich komme von der Strasse und ich will zu den Sternen.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?

Ich liebe es zu kochen, Gerichte zu kreieren, sie auf Tellern zu dekorieren und mit meinen Jungs den Tag in der Küche zu verbringen.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT:
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?

Zahlen und Tabellen öden mich an. Meetings, bei denen nur gelabert wird und keiner die Eier hat, eine Entscheidung zu treffen sind todlangweilig. Adrenalin strömt jeden Mittag und jeden Abend durch meinen Körper, wenn ich koche. Außerhalb meiner Küche passiert mir das nur, wenn Deutschlands Fußballnationalmannschaft spielt!

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Auf der Messe Ambiente 2011 habe ich den Stand von Jean Boggio for Franz nicht mehr verlassen wollen! Porzellan ist einer meiner großen Schwächen. Ich bin stets süchtig nach neuen Formen und Tellern und jetzt fiebere ich der Auslieferung der neuesten Tellerserie von „Fürstenberg“ entgegen, die ich bestellt habe.

HARDWARE vs. SOFTWARE:
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?

Die Welt der Technik ist mir total egal! Ich nutze ein iPhone und habe einen iMac. Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich mich an beides gewöhnt habe, aber so richtig warm werde ich einfach nicht mit dem ganzen Kram.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?

Ich gehe jeden Tag auf News-Seiten wie spiegel.de und bild.de. Außerdem checke ich foodblogs, um zu lesen, was sich in der Welt bewegt.

Am liebsten gehe ich ins KaDeWe und in den Department Store Quartier 206; Stoffe und Mode begeistern mich und inspirieren mich, neue Gerichte zu kreieren.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?

Mein größter Luxus ist Zeit und Geräumigkeit. Ich nehme mir beides regelmäßig, um bei meinem Yoga Lehrer Vijay im Adlon Day SPA Einzelunterricht zu nehmen. Ich stehe morgens am liebsten auf, wenn ich von alleine aufwache. Momentan geht das nur an meinem freien Tag, sonntags. Leider habe ich mir nicht beibringen können zu sparen, bisher konnte ich alle meine Wünsche mit meinem Monatseinkommen erfüllen …

HOT SPOT vs. SO NOT!:
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?

Meine Hotspots in Berlin sind kulinarische Orte, die Restaurants „Moon Thai“ und „Good Friends“ und „Kabuki“ besuche ich mindestens einmal pro Woche. Mein zweites Zuhause ist Hongkong, dort fühle ich mich genauso zu Hause wie in Berlin.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?

„Hast du Erfolg, ist der Neid Dein ständiger Begleiter“; ich polarisiere mit meiner Küche, mit meiner direkten Art und oft auch mit eigener, umstrittener Meinung.
Es kommt immer wieder zu Konflikten aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Mein größtes Gut neben meiner Frau sind meine Freunde; sie sind Ratgeber, Kritiker und motivieren mich zugleich.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?

Ich genieße die Zeit im kleinen Kreis mit meiner Frau und unserem Hund. Und ich bin eine begeisterte Couch Potatoe an meinen freien Tagen! Feiern, Parties und die Nächte durchzechen sind überhaupt nicht meins. Ich bin derjenige, der als Erster geht!

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Ich bin ein Magazin Junkie, vor allem die AD, Monocle und Wallpaper sind mir wichtig. Dazu lese ich so ziemlich alle Food-Magazine, die es auf der Welt gibt. Mein absoluter Favorit ist „The Rake“, ein Gentlemen-Magazin, das in Hongkong rausgegeben wird. Es widmet sich vor allem Mode und Accessoires, die handgefertigt und von höchster Qualität sind.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Ich finde, man sollte Gutes tun und nicht darüber reden, das ist für mich etwas sehr Persönliches. Oh ja, ich bin ein Sünder! Meine Vergehen sind fettige Leckereien, die ich viel zu spät in der Nacht schlemme …

DANKE!

Macaron Tim Raue Short Shots 2.0 – Tim Raue, KochRestaurant Tim Raue Interieur Short Shots 2.0 – Tim Raue, Koch

Smartmovies: The Final Countdown

Kategorie: | February 27, 2011 | von

smartmovies 323 550 Smartmovies: The Final Countdown

Drei Tage gefesselt (vom Geschehen!) in den Katakomben unter Berlin, drei Tage Filmgeschichte, drei Abende verzückt von dem Umstand, dass Smartphones inzwischen Entertainment-Riesen sind und drei Abende voll Popcorn und Limonade: Am Samstag Abend rauschte der Auftakt der Smartmovies-Reihe, die in Zusammenarbeit von Nokia und den Fünf Filmfreunden entstand, seinem fulminanten Berlin-Finale entgegen.

140 Filmfreunde fanden wieder den Weg in die Galerie unter Berlin. Allesamt, wie schon an beiden Abenden zuvor, begeistert von den Unterkellerungen im alten Brauereibezirk in Berlins Prenzlauer Berg, aber auch von dem Umstand, dass Weiterlesen »

Review: Absolventen-Modenschau der AMD Berlin

Kategorie: | February 27, 2011 | von

Für alle, die gerade nicht auf der Mailänder Modewoche weilen, gab es gestern in der deutschen Hauptstadt auch ein wenig Laufsteg-Erlebnis: Der Berliner Ableger der Modeschule AMD hatte zur Präsentation der Abschlussarbeiten aus den Bereichen Modedesign, Modejournalismus und Modemanagement in die Villa Elisabeth geladen. Es war die erste öffentliche Modenschau in Berlin – weitere Präsentationen sollen folgen.

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Auf der Empore des charmanten, alten Gebäudes stellte die nächste Generation der Mode-Pros ihre Abschlussarbeiten vor. Die Abhandlungen zu Themen wie „Steigerung der Markenbekanntheit durch Einbeziehung des Kunden als integrierten Partner“ oder schlicht und einfach „Trivilität Modebrache?“ wurden unter Leitung von Elisabeth Busse (Dipl. Ing FH) erarbeitet. Erkundungen in Wort und Bild stellten die angehenden Journalisten vor: Neben einer Fotowand gab es Auszüge der Abschluss-Arbeiten im Magazin-Stil zu sehen (unter Leitung von Olga Blumenhardt). Bei Ines Risis Artikel über Mode und Glaube hätte man gerne weiter geblättert und auch Lisa Strunz’ Text über den Einfluss der wichtigsten Mode-Trendagentur der Branche – WGSN -fing vielversprechend an.

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In der ersten Etage der Villa wurde zur Begutachtung der textilen Kreationen der Nachwuchs-Modedesigner an deni Laufsteg geladen. Zuerst gab es eine Gemeinschaftsshow des dritten Semesters zu sehen: Die im vergangenen Jahr in Berlin gezeigte Ausstellung „Double Sexus“, mit Arbeiten von Hans Bellmer und Louise Bourgeois, stand Pate für die Arbeiten, die das Thema der Geschlechter zwischen Experiment und Eleganz ausloteten. Trotz Kunst und Provokation waren dabei sehr tragbare und aparte Entwürfe zu sehen. Das Ganze ließ sich an wie ein Appetizer für die Abschluss-Show dieser Generation…

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Im Anschluss präsentierten die zwölf Absolventen dieses Jahres ihre Kollektionen (beide Präsentationen unter Leitung von Prof. Dipl. Des. Antje Drinkuth) und die Erste auf dem Laufsteg war am Ende dann auch wirklich „die Erste“: Johanna Rohrer bekam für ihre sehr klaren und interessant geschnittenen Entwürfe zum Thema „Guernica in My Head“ den erstmals ausgelobten „Fresenius Talent Award“ zugesprochen und damit 2000 Euro. Das kann die nunmehr Ex-Studentin für ihre kommenden Arbeiten sicherlich gut gebrauchen.

In Sachen Männermode erkundete Elias Korzendorfer das Thema „Gentry Fear“ und näherte sich dem Thema durch camouflage-artige, aufwendige Batik-Färbungen. Asiatisch angehaucht wirkte Christina Maurers „Gleichzeit“-Kollektion, während ein glitzernder Ganzkörper-Overall von Clara Schicketanz einen glamourösen Schlusspunkt markierte und damit zeigte, dass die Modedesigner Entwürfe für alle Facetten des Lebens machen können. Und von einigen Namen wird man sicherlich noch hören.

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JOHANNA ROHRER "GUERNICA IN MY HEAD"

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CHRISTINA MAURER "GLEICHZEIT"

amd marcbuscha Review: Absolventen Modenschau der AMD Berlin

MARC BUSCHA "WARRIORS"

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CLARA SCHICKETANZ "SUPERNOVA"

Smartmovies – Don’t talk about Fight Club

Kategorie: | February 26, 2011 | von

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Der zweite Abend bei den Smartmovies. Fight Club wurde gezeigt und die 5 Filmfreunde gaben sich alle Mühe die Stimmung in die richtige Richtung zu bringen. Die “Podiumsdiskussion” war eine prima Einleitung für den Megastreifen.

Seht selber und denkt immer daran: “Dont Talk about Fight Club

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Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me

Kategorie: | February 26, 2011 | von

Manifeste einer Künstlerinnenfreundschaft -

Eine Ausstellung in Hauser&Wirth’s Old Bond Street Galerie bringt zum Vorschein, dass Tracey Emin und die im letzten Jahr verstorbene Louise Bourgeois weit mehr verbindet als ein künstlerischer Fokus auf verwandte Themenschwerpunkte. Beide Künstlerinnen untersuchen in ihrer Arbeit weibliche Sexualität und beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie Verlustangst und der Schmerz des Verlassenwerdens unser Denken bis zur Lähmung jeglichen Handelns beeinflussen kann. Ein Kreisen um diese existenziellen Fragen ist jedoch nicht das einzige, was Bourgeois und Emin miteinander teilen. Vielmehr sind sie außerdem verbunden durch  eine wundersam berührende Künstlerfreundschaft, deren intime Manifeste nun in London zu sehen sind.

Image 1 Deep inside my heart Louise Bourgeois Tracet Emin 2009 2010 849x1024 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me
Deep inside my heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

Besonders bewegend ist der Eindruck von Vertrautheit, Authentizität und gegenseitigem Respekt, den diese Ausstellung vermittelt. Emin offenbart ihre Hochachtung vor Louise Bourgeois’ künstlerischem Schaffen, wenn sie beschreibt, wie sie mit Bourgeois’ Zeichnungen einmal um die Welt reiste ohne sie zu berühren:

‘I carried the images around the world with me from Australia to France, but I was too scared to touch them’.

Später hat sie es dann glücklicherweise doch getan. Emin versah Bourgeois’ Gouachen männlicher und weiblicher Torsi mit ihrer eigenen Handschrift. Beispielsweise lässt sie Figuren, die wie Liliputaner anmuten, mit den überdimensionalen Körperteilen interagieren. Indem sie zusätzlich Text in die Papierarbeiten integriert, schafft sie so etwas wie eine kleine Erzählung, die Bourgeois’ Torsi mit Emins Charakteren in Verbindung setzt.

Image 2 And so I kissed you Louise Bourgeois Tracey Emin 2009 2010 1024x830 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me
And so I kissed you, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

‘And so I kissed you’ wird von ihr unter einen Torso geschrieben, den Emin außerdem mit einer weiblichen Figur, die einen erigierten Phallus umklammert, erweitert. So erweckt sie den Eindruck eines Abhängigkeitsverhältnisses, der sich möglicherweise durch den Sexualakt konstituieren könnte.

Ein solches Abhängigkeitsverhältnis wird von beiden Künstlerinnen kritisiert. Dementsprechend drücken die Manifeste ihrer Freundschaft auch keineswegs eine hierarchische Asymmetrie aus, sondern sind Zeugnisse eines anregenden Dialogs, der zu einer unfassbar vertraulichen und berührenden Ausstellung geführt hat.

Image3 A sparrows heart Louise Bourgeois Tracey Emin 2009 2010 852x1024 Louise Bourgeois, Tracey Emin: Do Not Abandon Me

A sparrow’s heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth

Zu sehen noch bis zum 12 März 2011 bei:

Hauser & Wirth London
15 Old Bond Street
London W1S 4AX

Öffnungszeiten
Di – Sa, 10:00 – 18:00 Uhr

Smartmovies – Dark Star unter der Erde

Kategorie: | February 25, 2011 | von

Den Auftakt zum cineastischen “Berlin Sci-Fi Underground”, den gemeinsamen Filmabenden von Nokia und den Fünf Filmfreunden, machte gestern Abend John Carpenters Kultfilm “Dark Star” von 1974 und wer glaubte, die sibirischen Verhältnisse in der Stadt würden einen Filmabend in Berlins Katakomben zu einer unterkühlten Veranstaltung machen, irrte.

Denn auch wenn der “Kinosaal” in der Galerie unter Berlin ein improvisierter war, hätte man sich keine passendere Location für Carpenters Parodie auf Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum denken können: Gerade die Bild- und Tonqualität des Nokia E7, von dem Dark Star abgespielt wurde, kamen in den, bis auf den letzten Platz ausgebuchten,  Katakomben perfekt zur Geltung.

Nach einem amüsanten SciFi-Quiz der Filmfreunde wurde ohne Werbung direkt zu “Dark Star ” geschaltet und so saß man mit reichlich Popcorn und Getränken unter der Stadt und verfolgte die, von Filmkritiker Joachim Schätz so treffend bezeichnete, “WG-Komödie in einem Raumschiff!“

Die sich aus den Siebzigern bis in die Gegenwart vorarbeitende Dramaturgie filmischer Zukunftsentwürfe wird heute Abend mit “Fight Club” fortgesetzt, zum morgigen Finale wird Nicolas Albernys und Jean Machs “8th Wonderland” gezeigt, der vom Aufstieg und Fall einer virtuellen Basisdemokratie erzählt.

Alle Informationen zum “Smartmovies presented by Nokia”-Projekt gibt es hier, noch mehr Erlebnisse und Eindrücke aus dem Berliner Untergrund folgen in den kommenden Tagen auf SLM.

Items Of The Week – Koeniglich

Kategorie: | February 24, 2011 | von

von Mareike Nieberding

Die Könige fallen. Ein Abgesang auf die Könige, ein Hohelied auf das Königliche, dass jeder von uns in sich trägt:

“I have a voice!” schreit der Duke of York Albert, genannt Bertie (Colin Firth), seinen Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) an. Denn wenn er flucht, dann stottert er nicht. Bertie wird König George VI – Lionel hilft ihm seine hierfür dringend benötigte Stimme zu finden. “The King´s Speech” ist eine intime Begegnung zweier Männer, die den Zuschauer zum stillen Mitwisser macht – berührend und amüsant, getragen von einer herausragenden schauspielerischen Leistung von Colin Firth – 12 Oscars sind für Tom Hoppers Film kaltgestellt – es bleibt spanned. (06)

Überraschend veröffentlichte Radiohead am letzten Freitag auf ihrer Website ihr neues Album “King of Limbs”, stellten es zum kostenpflichtigen Download bereit und traten eine Welle der Be- wie Empörung aus bei Fans und Kritikern aus. Und so tackern nun Dubstep-Loops neben akustischer Gitarre und es federt der verzerrte, zerfaserte, vervielfältigte Gesang von Thome Yorke durch die streng durchkomponierten, detailreichen und dennoch nie verkopften Songs von “King of Limbs” – dem König der Äste. Er ist ein uralter Baum irgendwo in England und wohnt diesem Album inne – wohlig, organisch, holzig, weitreichend, vielfarbig gemasert – eine Herzensangelegenheit (07), die sich in den frischen Nike SB´s von Stefan Janowski an den Füßen (04), die man im Civilist auf der Brunnenstraße ergattern kann und mit den neuen In-Ears “Bagis” von Urbanears in königlichem gold-orange besonders gut erfahren lässt (08).

königlich1 Items Of The Week   Koeniglich

“I´m tired of looking like a sheperd boy!” zitiert Patti Smith Robert Mapplethorpe in ihrem Buch “Just Kids”. Er wollte einen Haarschnitt wie ein Rockstar aus den 50ern – “he liked to make an appearance”. So wie seine Fotos – nur völlig ohne Zeitbezug – nur rein und klar wollen sie das Subjekt zum Objekt machen und so den Betrachter den Raum für eigene Gedanken öffnen. Die letzte Ausstellung im C/O Berlin, “Robert Mapplethorpe – Retrospektive” zeichnet die Genese seines fotografischen Werks von den frühen Polaroids über die Porträts seines New Yorker Dunstkreises bis hin zu den skulpturalen Körper- und Objektstudien nach. Eine Zeitreise, die Skandale sortiert und eine Suche nach Perfektion dokumentiert. (02)

Eine Tasche, die aus derselben Zeit stammt, in der Patti und Robert sich in New York begegneten, ist die “Le 69″ von Paco Rabanne, die nun gemeinsam mit Comme des Garcons neu aufgelegt wurde (05), zu der Herbst/Winter-Kollektion von Acne, die mit außergewöhnlichen Farben wie diesem Senf-Orange-Gelb begeisterte (03), und dieser mondänen Sonnenbrille von Mykita (01), Betrachter und Träger ein royales Vergnügen bereiten würde. Heute ein König.

arty farty Zombieland

Kategorie: | February 23, 2011 | von

Was man so macht, wenn einem ein Ausdruck vage bekannt vorkommt, man aber nicht wirklich etwas mit ihm zu verbinden weiß: googlen (oder googeln?). arty farty liefert in weniger als einer halben Sekunde ungefähr 674.000 Ergebnisse. Das Urban Dictionary bietet fünf ineinander übergreifende Erklärungen des Begriffs. Und in Köln gibt es seit 2009 die arty farty gallery.

PHE artsy fartsy arty farty Zombieland

Die Kellerräumlichkeiten an der Maastrichter Straße im Belgischen Viertel haben sich seit meinem letzten Besuch verändert, weiße Kacheln sind schwarzem Anstrich gewichen. Die Styroporkiste hat sich zu einer zusammengezimmerten Bar ausgewachsen. Dafür mußten wohl die Regale mit Street Art Toys weichen – Alkohol verkauft sich immer gut. Die sanitären Anlagen funktionieren einwandfrei. Überhaupt ist immer mehr Party.

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“Zombieland” bildet den Auftakt zu einer Ausstellungsreihe  namens “The Substitution”. Das Konzept sieht im Laufe des Jahres die Präsentation vier künstlerischer Positionen der aktuellen Fotografie vor. Die Reihe möchte Fragen nach Wirklichkeiten, Abbildungsverfahren, Ausstellungssituationen und dem technischen Bild als Solches stellen. Begleitende Einführungen und Vorträgen sind geplant.

Alessandro Formenti, Jahrgang 1976, seit seinem 13. Lebensjahr irgendwo zwischen Como und Mailand mit der Kamera unterwegs. Eine Zeit lang Photoredakteur eines Skateboard Magazins, seine Bilder sind in verschiedenen Magazinen erschienen und in mehreren Einzelschauen ausgestellt worden. (via)

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Neue Bewegung fürs neue Jahr: Slowcial

Kategorie: | February 22, 2011 | von

slowcial1 Neue Bewegung fürs neue Jahr: Slowcial

Die bourgeoisen Neo-Ökos basteln mit voller Kraft an ihrem komfortablen Doppelstreich: ethisch handeln und sich gemütlich fühlen. Slow Food und Slow Fashion erfüllen mit ihrem nostalgischen Reformismus, der mit dem guten (handgemachten) Alten vom schlechten (massenproduzierten) Aktuellen befreien soll, genau diesen Wunsch. Weiterlesen »

Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin-Macherin

Kategorie: | February 21, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was gar nicht. Welche Domains gebookmarkt und welche Bücher in echt im Regal stehen, worin das Herzblut steckt und was die letzte Sünde war. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Stefanie Lohaus.

An Berufsbezeichnungen, die sich Stefanie Lohaus auf die Fahnen schreiben kann, mangelt es der 32-Jährigen nicht: Stefanie Lohaus ist Redakteurin und Herausgeberin des Missy Magazines – dem „feministischen Magazin für junge Frauen“. Außerdem ist die gebürtigen NRW-lerin, Ex-Hambugerin und Neu-Berlinerin auch Kulturarbeiterin und Radiomoderatorin; seit Januar moderiert sie eine eigene Musiksendung auf reboot.fm. Außerdem ist sie „Projekt-Junkie“, wie sie selbst sagt und bereit, Berlin aufzumischen. Aber vielleicht nicht unbedingt in Berlin-Mitte, aber lest selbst was die Medienexpertin-slash-Multitaktivistin noch so zu sagen hat… Das neue Missy Magazine ist übrings am 21.02. erschienen.

Foto am 18 02 2011 um 14.01 3 Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin

NAME Stefanie Lohaus
JAHRGANG 1978

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?

Aus Dinslaken, NRW und mit dem Missy-Medien-Imperium ganz nach oben natürlich.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich bin leider ein echter Projekte-Junkie. Ich brauche mindestens ein Projekt, in dem ich tun und lassen kann was ich will, also keine monetären Verpflichtungen habe.
Da ich mir vom Missy Magazine mittlerweile auch ein bisschen Butter kaufen kann, taugt das nicht mehr zum Kein-Geld-Verdienen. Deswegen produziere ich gerade eine Musiksendung für Byte FM, und ab Januar moderiere ich eine regelmäßige Musiksendung in Berlin auf reboot.fm. Näheres erfahrt ihr, wenn es soweit ist hier.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Ich gehe nicht mehr auf Parties, auf denen das Durchschnittsalter unter 28 liegt. Diese jungen Leute wollen immer nur tanzen. Wollte ich früher auch. Mittlerweile besteht der Abend zu eher 20 % aus Tanzen und zu 80 % aus Rumstehen und Reden. Glücklicherweise gibt es aber genügend Alternativen: Ich erinnere mich nur an die tollen UHU (“Unter Hundert”)-Parties im Hamburger Golden Pudel Club.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Haben, haben, haben. Leider eine schlechte Eigenschaft von mir. Vor allem Kleidung kann ich immer kaufen. Aber im Moment ist Wohnungseinrichtung angesagt, deswegen gebe ich mein ganzes Geld für überteuerte „Designklassiker“ bei eBay aus. Klamotten würde ich am liebsten hier kaufen: unique-nature.com. Geht aber nicht, weil das Geld bei eBay draufgegangen ist. Was mich wirklich bewegt? Gerechtigkeit. Warum leben wir immer noch in so einer verdammt ungerechten Welt? Und warum stört das so viele Menschen nicht?

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Hardware: Das iPhone ist schon ein tolles Ding. Ich weiß, das gibt es schon seit einem gefühlten Jahrzehnt, aber ich ignoriere neue Technik immer, solange es irgendwie geht. Vor Kurzem hat mir jemand jedoch netterweise sein altes iPhone gegeben und jetzt gehöre ich auch zu denen, die ihre E-Mails in der S-Bahn checken.
Software: Als Neu-Berlinerin ganz klar: Google Maps. Ohne würde ich wahrscheinlich seit drei Tagen frierend im Treptower Süden herumirren und hätte keine Zeit Fragebögen ausfüllen.

ONLINE vs. OFFLINE:
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Online: Ich schaue sehr oft beim New Yorker vorbei. Sehr informativ, und gleichzeitig literarisch anregend. Dazu gibt fundierte Analysen zur aktuellen gesellschaftlichen Lage. In echt: Dem LPG-Biomarkt in der Reichenberger Str. Ich habe einfach immer Hunger.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Da unser Missy-Büro um die Ecke vom Hackeschen Markt liegt, kaufe ich gerade ALLES im Muji Store, sogar mein Putzzeug. Auch wenn die ein für die heutige Zeit eher anachronistisches Konzept haben: Sechs Wochen Wartezeit für ein Regal, das man dann auch noch selbst abholen muss. Sparen kann ich leider gar nicht.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Mein erstes Wohnzimmer ist gerade auch mein Zweites. Es hat noch diesen Neuigkeitsfaktor, deswegen lade ich im Moment alle nach Hause ein. Als Wohnzimmer endgültig verloren hat wohl Berlin-Mitte. Da erinnert alles an Arbeit und Konsum.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Die tollen Leute rund ums Missy Magazine bereichern mich. Und mein Freund. Für das Gegenteil sorgen die konservativen Kräfte dieser Welt, zum Beispiel Kristina Schröder. Da muss ich beim Frühstück schon mal Kaffee prusten, wenn ich lese, was für irres Zeug sie sagt.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB:
Wann baust du auf die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Alles was mit Organisieren zu tun hat, klappt bei mir besser, wenn ich es gemeinsam mit anderen mache. Kulturelle Massenveranstaltungen und Festivals besuche ich mittlerweile eher selten – da sind mir die Schlangen vor den Toiletten zu lang.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Das neues Christiane Rösinger Album „Songs of L. And Hate“ passt wunderbar in diese Jahreszeit. Ich habe gerade Rolf Lappert „Auf den Inseln des letzten Lichts“ gelesen. Hat mir sehr gefallen. Ein literarisches Standardwerk, das ich nicht missen möchte ist „A Room of One’s Own“ von Virginia Woolf. Musikalisch würde die Liste zu lang werden.

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Den Zeitgeist trifft wieder Rösinger: „Ist das noch Bohème oder schon die Unterschicht?“ und geprägt haben mich folgende Zeilen und Noten (und Bilder): The Breeders – Divine Hammer.

0 Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Missy macht die Welt ein milli-bisschen besser, hoffe ich. Und meine letzte Sünde soll lieber geheim bleiben.

Cover 01 11 300dpi Short Shots 2.0: Stefanie Lohaus, Magazin Macherin