Punk in Schleswig-Holstein, in echt

Kategorie: | July 30, 2011 | von

Bild 32 Punk in Schleswig Holstein, in echt

“Dorfpunks” von Rocko Schamoni habe ich nie gelesen. Aber der Roman spielte ja auch nicht in meiner Geburtsstadt Kiel, so wie “Pseudo” von Roland Scheller. Weiterlesen »

Bücher sollst Du sücher

Kategorie: | July 29, 2011 | von

Längere Texte online lesen ist so eine Sache. Die endlose Scrollerei bei Google Books nervt auf die Dauer schon ein wenig. Dazu kommt, daß die Dinger nur eingescannt sind. Andererseits sind die Klickstrecken des Projekts Gutenberg auch keine erträgliche Alternative; da helfen auch schöne Tools wie Readability nur bedingt weiter. Wegen der fehlenden Haptik sind eReader wie Amazons Kindle bis jetzt ein Nischenmark. Und ob der von vielen heftig herbeigesehnte Boom der Tablet-PCs wirklich die Rettung der Verlagsbranche verheißt, wo doch die Ablenkung durch das Intenet stets nur einen Touch entfernt ist, wird abzuwarten sein.

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Was noch? Literaturklassiker des 19. Jahrhundert von Verne bis Tolstoi kann man – abgelaufenes Copyright sei Dank – bei Great Books For Free im Blogformat genießen. Noch praktischer ist der Service DailyLit: Man kann sich auch den dicksten Wälzer häppchenweise per RSS in den Feedreader liefern lassen. Allerdings sucht man auch hier Zeitgenössisches vergeblich. – Die Buch- scheint da noch innovationsunlustiger als die Musikbranche zu sein. Dabei gäbe soviel zu erneuern, manches durchaus von zweifelhaftem Wert. So werden in den USA die Neuausgaben von Tom Sawyer und Huckleberry Finn ohne das N-Wort auskommen müssen. Ob diese “Aus den Augen, aus dem Sinn”-Rechnung aufgehen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Aufklärung über historische Sachverhalte könnten hingegen auch auf gegenwärtige Mißstände aufmerksam machen.

“Call me Ishmael_65.” Bei McSweeney’s findet sich gleich eine Liste auf die Neuzeit angepasster, berühmter Romananfänge. Und wo Dostojewskis Schuld und Sühne seit der deutschen Neuübersetzung von Svetlana Geier nun Verbrechen und Strafe heißt: Diese Website hat ein paar Vorschläge parat, um allzu blumige Buchtitel auf harten Boden ihres Inhalts zurückzuholen.

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Booksonline.fr/ lädt zum beschaulichen Blättern am Monitor ein – ganz ohne Textwüsten. Hier werden kurze Bildbände von Photographen wie Paul Paper und Guillaume Greff verlegt. Das erinnert mich ein wenig an den Schweizer Nieves Verlag, nur daß die DIY-Attitüde in der Gestaltung durch einen Retro-Nerd-Look ersetzt worden ist. Sehr schick anzuschauen – auch wenn ich diese issuumäßige virtuelle Blätterei nie so richtig verstanden habe. Aber deren Hochhypezeit ist jawohl auch vorbei. Oder macht das sonst noch jemand?
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Leute, die zum Lachen in den Keller gehen, gingen auch: Zum Protestieren in die Bibliothek.

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Jetzt wirklich: Gentrifizierung in Berlin

Kategorie: | July 28, 2011 | von

motz12 Jetzt wirklich: Gentrifizierung in Berlin

Vom Carloft in der Reichenberger Straße bis zum Modulor-Haus mit eigenem Club am Moritzplatz habe ich bis jetzt abgewunken: Bleibt mal ruhig, ihr Gentrifizierungs-Apokalyptiker. Aber nun erkenne auch ich die Zeichen. Weiterlesen »

Items Of The Week – Skying

Kategorie: | July 26, 2011 | von

Items Skying Items Of The Week   SkyingDer du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

(Johann Wolfgang von Goethe)

Der Himmel ist Symbol ewiger Seligkeit. Aber kann man den Himmel auch stehlen? Kann man ihm entgehen? Will man überhaupt hin?

The Horrors scheinen mit ihrer neuen Platte, mal Bowie’isch, mal in Synthie-Pop-Manier die Frage zu stellen, ob der Himmel überhaupt ein anzustrebender Ort ist und loten musikalisch die Möglichkeiten des Anhimmelns aus. (07) André Kertész’ surreal inspirierte Bildpoesie konnte Gefühle in Fotos sichtbar machen. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt neben seinen Schlüsselwerken wie “Schwimmer unter Wasser” oder “Chez Mondrian”, die vorallem durch die formale Bildkomposition bestechen auch frühe Aufnahmen, die während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg entstanden und Polaroids aus den letzten Jahren in New York (06). Der amerikanische Fotograf Arnold Crane war der Fotograf der Fotografen und er porträtierte neben Kértesz und seiner Türklingel auch all die anderen Großen der amerikanischen und europäischen Fotogeschichte: Man Ray, Ansel Adams, Walker Evans, Brassai, Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen und viele mehr. Eine Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work zeigt sein beeindruckendes Werk nun erstmals in Berlin und in Kombination mit Werken der porträtierten Fotografen (02). Das neue Acne Paper widmet sich der Jugend – dem Begehren nach der Jugend als Himmel der Möglichkeiten, als Quell der Perfektion und ewigem Tanz auf dem Vulkan der Vergänglichkeit. Spannende Interviews mit jungen klassischen wie Pop-Musikern, Künstlern und den Tänzern des Moskauer Bolshoi Theaters sowie eine ebenso umfangreiche wie vielfältige Strecke kuratiert von Bruce Weber sorgen für die visuelle wie intellektuelle Ansprache. (03)

skying Items Of The Week   Skying

Das französische Pret-a-Porter Haus Carven hat in ihren Resortkollektion Kleider und Blusen gezeigt, die den Himmel gleich auf Brust und Schultern bringen (04); Christopher Kane wandte sich in seiner Resortkollektion einem anderen Phänomen der Himmelssphäre zu, nämlich dem Regenbogen, den er prominent in Pullover strickte und auf Kleider druckte (05); dieses Collier von Valentino scheint für Himmelsstürmerinnen gemacht (01) und mit den neuen Converse Schuhen scheint man den Himmel gleich unter den Füßen zu spüren – sie sehen außerdem auch wie Wolken aus (08). Go Skying!

Von Mareike Nieberding

Martin Eberle stellt aus: Rave is over

Kategorie: | July 22, 2011 | von

Eberle Rave is Over Martin Eberle stellt aus: Rave is over
Zehn Jahre fotografierte Martin Eberle Clubs wie den Eimer, Dirt, WMF, Kunst und Technik oder den Tresor. Das minimale Konzept des leeren Raums, der heruntergekommenen Fassade und dem gleichzeitig festgehaltenen Bemühen seiner Betreiber Raum zu schaffen trägt die fotografische Idee, von der Grauzone zu erzählen, in der Berlins kreative Clubszene entstand.

Eberle Rave is Over maria Martin Eberle stellt aus: Rave is overBild: Martin Eberle aus “Temporary Spaces” – Maria am Ostbahnhof

Im Gestalten Space in der Sophienstraße in Berlins Mitte sind nun zwei Serien ausgestellt: „Temporary Spaces“ und „After Show“. Entstanden in unterschiedlichen Dekaden – die erste Serie in den 90er Jahren, mit der zweiten begann der in Berlin lebende Fotograf Martin Eberle 2004. Die Motive sind gänzlich unterschiedlich. Hier verlassene Clubs oder Quasiclubs. Vor und nach der Euphorie, all den Versprechen der Nacht, dem exzessiven Loslassen. Und dort erschöpfte Poträts derer, die sie mit all dem fluteten. Mit ihren Computern, den Bässen, dem Sound und der Bereitschaft, selbst loszulassen um spüren zu können, was der Augenblick von ihnen will.

Eberle Rave is Over Peaches Raumschmiere Martin Eberle stellt aus: Rave is overBilder: Martin Eberle aus “After Show” – Peaches & T. Raumschmiere

2003 dann begann Eberle – selbst Mitbetreiber der Clubgalerie berlintokyo – auf die Suche nach jenen zu gehen, die Berlins musikalische Rolle prägten. Direkt nach dem Auftritt. In irgendeinem Backstageraum. Erschöpft. Allein. Postorgiastisch. Peaches ist darunter. Miss Kitten. Oder Armin von Milch.

Hier menschenleere Orte und dort Musiker ganz nah. Fast zu nah. Doch genau dazwischen entstehen die Bilder, die man nicht zu sehen bekommt.

Martin Eberle: Rave is over | 14. Juli — 07. August 2011
Gestalten Space
Sophienstraße 21
10178 Berlin
Mi bis Mo: 10 – 20 Uhr

Bild1 : Martin Eberle aus “Temporary Spaces” – Galerie berlintokyo

Die Zukunft winkt aus den Seitenstraßen

Kategorie: | July 21, 2011 | von

zukunft Die Zukunft winkt aus den Seitenstraßen

Deutschland, Land der Bildung und des Handwerks. Eintrittspreise in Museen und Theater steigen permanent, Kulturetats werden zusammengestrichen oder für politische Selbstbeweihräucherung missbraucht und Universitäten an die Großindustrie verschachert. Kleine Handwerksbetriebe findet man nur noch im Freilichtmuseum. Wie ein Handwerksprodukt hergestellt wird, ist dem Deutschen so ein Geheimnis wie der Weg, auf dem der Labskaus in die Dose kommt. Weiterlesen »

Berliner Stil 2011: Neue Gewissenhaftigkeit

Kategorie: | July 19, 2011 | von

biedermeier Berliner Stil 2011: Neue Gewissenhaftigkeit

Timo Feldhaus hat es in seinem Text Wie der türkische Taxifahrer sagt … für die taz kenntnisreich auf den Punkt gebracht: Berlin hat wieder Stil. Ein Jahrzehnt Stochern im Nebel nach der Nu-Rave-Vorreiterrolle Anfang der 2000er hat ein Ende. Weiterlesen »

Woanders ist das neue anders

Kategorie: | July 18, 2011 | von

Diener vier // Halte die 6. Ausgabe des Magazins FROH! in Händen. Also in einer Hand, mit der anderen habe ich ja gerade das Photo gemacht. Es hat sich einiges getan seit der Weihnachtsausgabe 0. Man kann einen red dot vorweisen und die Interviewten werden auch immer prominenter. Aber bloß, weil das Motto des aktuellen Heftes Unterwegs lautet, ist man hier noch lange nicht abgehoben. Wer dafür einen Beweis braucht, bevor er sich die FROH! selbst zu Gemüte führt, dem seien die Antworten ans Herzchen angelegt, welche Chefradetzky Sebastian Pratz auf die Fragen von Ignant zum Besten gegeben hat. Weiterlesen »

Items Of The Week – Visionen

Kategorie: | July 15, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Eine Vision kann nur ein Anblick von etwas sein, eine religiöse Erleuchtungserfahrung oder eine in die Zukunft weisende Idee. Visionen inspirieren und motivieren und das Gefühl die Zukunft gesehen zu haben, vermittelt Sicherheit im Umgang mit Gedankenexperimenten, macht Mut. Wie diese Zukunft aussehen soll – ob in strahlenden Farben und natürlichen Fasern wie bei Vladimir Karaleev (03) oder in beeindruckenden Plastikrüstungen aus dem 3D-Printer wie bei Iris van Herpen (02) – darüber herrscht noch Uneinigkeit. An wunderschönen wie beeindruckenden Visionen mangelt es nicht.

So zeigt die Ausstellung Visions & Fashion in der Kunstbibliothek des Kulturforums am Potsdamer Platz die Visionen, die die Fotografen, Illustratoren und Regisseure beim Anblick der Mode der letzten 30 Jahre hatten (06). Stella McCartney verknüpft ihre vestimentären Visionen nur allzu gern mit Traditionellem – für diese Unterwäsche greift sie auf die floralen Drucke der Polstermöbel englischer Landhäuser zurück – siehe da, es funktioniert (01). Auch Miu Miu durchkämmt auf der Suche nach zukünftigen Trends die modischen Archive – Anleihen aus den späten 70ern machen diese Schuhe so Disco und begehrenswert (05).

visions Items Of The Week   Visionen

Die Jungs des Berliner Ladens Civilist zollen in Kooperation mit Vans Syndicate der ehemals geteilten Stadt Berlin und seiner Skateboard-Szene Tribut. Der Chukka Low Berlin Brigade wie ein bedrucktes T-Shirt, Tasche und Pins setzen der zivilen Stadt Berlin ein tragbares Zeichen – im Geschäft gibt es eine kleine Ausstellung mit Memoriablien und Bildern von Frank Thiel und GI Disco (08). Barbara Panther beweist auf ihrem gleichnamigen Debütalbum mit Songs wie Moonlightpeople, dass die elektronische Musikvision durchaus vereinbar ist mit zart beglücktem Gesang und merkbaren Refrains (04). Alice Munro wird 80 Jahre alt. Ihr letzter Erzählband Too much Happiness erscheint nun auf Deutsch. Die Arbeit an ihren lakonisch realistischen Short Stories beschreibt die Autorin wie folgt: “Ich will nur eine Geschichte erzählen, in einer altmodischen Art – eben was jemandem passiert, und dieses Passieren soll mit ein wenig Unterbrechung, einigen Wendungen und etwas Fremdheit rüberkommen.” (07) Das Zitat der Woche zum Thema von Helmut Schmidt: “Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.”

Orientierungshilfe für Weltenbummler

Kategorie: | July 14, 2011 | von

taube Orientierungshilfe für Weltenbummler

Achtet auf die Tauben. An ihnen erkennt ihr den Status einer Stadt. Weiterlesen »

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