Welches Standardwerk im Bücherregal steht und was das Gadget der Stunde ist. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Jan Schomburg.
Er ist ein Mann, der sich präzise auszudrücken weiß – in Worten, wie im nachfolgenden Fragebogen lesen kann – aber nicht nur: Jan Schomburg weiß die Fähigkeit präziser Ausdrucksweise auch auf der Leinwand einzusetzen. Bester Beweis dafür ist sein Film „Über uns das All“, der am 15. September in die deutschen Kinos gekommen ist. In dem Langfilm-Debüt des gebürtigen Aacheners, der an der Kunsthochschule für Medien in Köln Film studiert hat, geht um Wendepunkte im Leben, Momente in denen Dinge plötzlich eine andere Wendung nehmen, den Umgang mit Verlust, um Identität und Doppelleben. Protagonistin Martha, gespielt von der wie-immer-begnadeten Sandra Hüller, wird das Verschwinden ihres Mannes Paul (Felix Knopp) mitgeteilt. Infolge des Verlusts gibt sich Martha nicht der Trauer hin, sondern setzt ihr Leben mit einem neuen Mann namens Alexander (Gerog Friedrich) fort und stellt fest, dass sie ihren Mann beiweitem nicht so gut gekannt hatte, wie gedacht. Der Neue jedoch weist charakterliche Parallelen mit seinem Vorgänger auf – oder ist es Martha, die diese herbeiführt? Die Geschichte beleuchtet das Handeln der Protagonisten nicht nur von einer Seite, sondern wagt den Perspektivwechsel. Ein deutscher Film, der mit einer Vielschichtigkeit und zugleich Klarheit aufwartet, die man im deutschen Kino nur selten zu Gesicht bekommt. Beim Panorama Special der diesjährigen Berlinale hat „Über uns das All“ übrigens den „Prix Europas Cinemas“ abgeräumt. Wer jetzt Angst vor anspruchsvollem Kino bekommen hat, dem sei gesagt: Der Trailer verrät, dass subtiler Humor durchaus Teil des Films ist und der Herr Regisseur selbst verfügt dementsprechend auch über ein angenehmes Maß dessen – immerhin nennt er seinen Flur als Ort, der gar-nicht-mehr-geht. Aber lest selbst…

NAME Jan Schomburg
JAHRGANG 1976
HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Mutterbauch / Muttererde.
BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Herzblut schmiert Butter.
BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Gloriös inszenierte Sexualität / lange Bahnfahrten.
HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
äußere Hülle der Frau meines Herzens / innerer Kern der Frau meines Herzens
HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Fahrrad / Luftpumpe
ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
der Seite des legendären Psychotheoretikers Dr. Hanno Verbier / Großmutter
CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Liebe Arbeit Kino / neue Schuhe
HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Schlafzimmer / Flur
FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Menschen / Tod
SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Die Gemeinschaft, die jemanden wie mich aufnähme, ließe ich immer lieber alleine ziehen. (nach Marx) (G.)
NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
J. Litell: „Die Wohlgesinnten“, The Montesas „Vendetta ’62“
Duden, Bibel, Freud
„Am Besten wäre es, nicht geboren zu sein. Aber wem passiert das schon? Unter Millionen kaum einem.“
GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Zivilisatorische Triebkontrolle / Felice angeschrien, weil sie zu spät kam.
DANKE!


"ÜBER UNS DAS ALL"

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