Kippe? Zahnstocher!

Kategorie: | September 20, 2011 | von

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Längst überfällig: die Renaissance des Zahnstochers als Zigarettenersatz. Warum nur blieb die Leerstelle, die das Rauchverbot in die Gesichter gerissen hat, unbesetzt? Der Zahnstocher füllt sie mit Bravour aus. Vor einem halben Jahrhundert wusste man das noch. Weiterlesen »

Nicht geschlecht!

Kategorie: | September 19, 2011 | von

Artisten, die Ihre Bilder nicht auf anderen Websites veröffnen sehen wollen, sind eigentlich so gar nicht Glitzer. Aber weil die photorealistischen Gemälde der Amerikanerin Amanda Elizabeth Joseph so gut sind, werden sie hier doch verlinkt. Ich könnte kotzen, wenn die Geschichte nicht so’n Bart hätte. Aber in Zukunft ändert sich das ja hoffentlich. Damit wir aber auch was zu sehen bekommen, wenden wir uns anderen Künstlern zu. Weiterlesen »

Items Of The Week – Dunstig

Kategorie: | September 18, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Ein feiner Dunst scheint Daniel Kupers Welt verschleiert zu haben: “Das Dorf war überall. Das war die Erkenntnis, die sich langsam in ihm ausbreitete. Er müsste schon sehr weit laufen, sehr weit fahren, um zu entkommen. Aber was dann? Was dann? So weit reichte seine Vorstellungskraft nicht aus.” Die Hauptfigur aus Jan Brandts mutigem Debütroman “Gegen die Welt”, der verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreises gelandet ist, wird zum unschuldig Schuldigem, Jericho, das Dorf in dem er lebt, zum langsamen Vollstrecker. Brandt nutzt die 900 Seiten, an denen er über neun Jahren schrieb, um die Handlung mit Nebensträngen zu füttern und die Figuren voll auszugestalten. Einmal wird der Text zur Quizshow, einmal wird das Geschriebene grafisch in zwei Hälften gebrochen oder es werden Anzeigen und Plakate montiert. Irgendwann wandert der bedrückende Dunst dieser deutschen Vorwende-Geschichte tatsächlich aus der Vorstellung auf die Seite und Brandt lässt die Buchstaben parallel zu Daniels körperlichem Zustand langsam verblassen. Literatur, die beklemmt. (03)

“Fotografieren bedeutet Verstand, Auge und Herz auf Linie zu bringen. Es ist eine Art zu leben”, sagte Henri Cartier-Bresson und machte sein Werkzeug, die Kamera, zum unverzichtbaren Bestandteil seiner Selbst. Seine Bilder aus den Straßen von Paris, der petit garçon, stolz wie Oskar, mit zwei Weinflaschen unter den Kinderarmen oder der Kuss über den Bistrotisch und seine Fotoreportagen als einer der Gründerväter der Fotoagentur Magnum sind längst fest im kulturellen Gedächtnis verankert, doch auch seine Landschaftsaufnahmen sind von kompositorischer wie motivischer Außerordentlichkeit. Das Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert diese nun in der Ausstellung “Henri Cartier-Bresson. Die Geometrie des Augenblicks. Landschaften”. (06)

dunstig Items Of The Week   Dunstig

Klara Lidén steht in drei Filmen an drei unterschiedlichen Flüssen. Immer im Morgengrauen zog sie ans Ufer, dick eingemummt, im Schatten von Brücken und Häusern. Alle drei Filme werden im Stockholmer Moderna Museet in einem Raum an drei Wände projiziert. Man hört es platschen, sieht wie sie große Steine und scheinbar unhandliches Treibholz vom Ufer aufliest, sie ins Wasser wirft und dabei jede romantische Kiesel-Werf-Fantasie brachial zu Nichte macht. Lidéns Kunst umfasst meist einfache Handlungen, oft auch Gesten der Zerstörung, die den Besucher einsam zurücklassen. Noch bis Oktober widmet das Moderna Museet ihr eine große Retrospektive und als eine der Gewinnerinnen des Preises der Nationalgalerie für Junge Kunst sind Lidéns Poster Paintings seit dieser Woche auch im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen. (07)

Während The Rapture mit ihrem neuen Album “In The Grace Of Your Love” in dem Dunst ihres seit zwei Alben vergangenen Hypes unterzugehen drohen und mit ihrer jauligen Elektro-Siebziger-Jahre-Rock-Fusion keinem so richtig die Show stehlen (02), und das neue Magazin Sebastian mit einem verzerrten Cover eine schaurige Lust macht reinzuschauen (04), bewies die Britin Mary Katrantzou auch mit ihrer aktuellen Herbst-Winter-Kollektion wieder ihre wohl austarierte Balance aus überbordendem Material- und Mustermix und stilistischer Pointiertheit (05). Und mit den neuen matt-silbern-glänzenden Slingback-Plateaus von Rochas lässts sich problemlos und elegant über jeden Dunst hinübergleiten (01). Besiegt den grauen Dunst – mit seinen eigenen Waffen!

Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

Kategorie: | September 16, 2011 | von

Wo ist das zweite Wohnzimmer und welche Webseite wird regelmäßig gecheckt? Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Susanne Heinrich

Schreiben und Musikmachen sind zwei fantastische Beschäftigungen und wenn es beides live zusammenkommt: umso besser. Das findet zumindest Susanne Heinrich. Die 1985 geborene Wahlberlinerin hatte in der Vergangenheit eine Band namens Watching Me Fall, ist aber vor allem als Autorin bekannt. Studiert hat sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und bereits zwei Romane veröffentlicht; der Letzte „So, jetzt sind wir alle mal glücklich“ (DuMont) erschien im Jahr 2009. Dieses Jahr folgte ein weiterer Erzählband mit dem Titel „Amerikanische Gefühle“ (DuMont). Wer sich live und in Farbe von Talent der 26-Jährigen überzeugen will, hat dazu in nächster Zeit zwei Gelegenheiten im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Am 16.September liest die Autorin neben anderen jungen, europäischen Schriftstellern im Rahmen der Veranstaltung „Scritture Giovani”, aber am besten schaut man am Folgetag, dem 17.9. im Haus der Berliner Festspiele Festival, denn dann bespielt sie gemeinsam mit Thalstroem und Klaus Klose (a.k.a. Eb, der Elektorband Lan) die Bühne. Die beiden sind nicht nur Künstler, die Susanne Heinrich schätzt, sondern auch Freunde. Die Idee zum Projekt „WIR – eine Performance“ wurde aus einer „aus einer betrunkenen Idee auf einer Elektro-Jam-Session“ heraus geboren. Das mit dem „Wir“ ist übrigens wörtlich gemeint: Susanne Heinrich wird alle „Wir-Sätze“ ihrer bisherigen Bücher neu zusammengesetzte lesend, flüsternd, singen oder schreiend vortragen, während die beiden Herren dazu elektronische Beats und Trompetenimprovisationen liefern. In Zukunft wurde die Susanne Heinrich übrigens gerne wieder ein eigenes musikalisches Projekt starten – am besten ein Duo und lässt ausrichten, dass gesetzt den Fall ein einsamer Elektroniker da draußen wartet auf genau ihre Stimme gewartet, könne er sich gerne melden…  Wer zuerst abchecken will, wie die musikalische Partnerin-in-spe so tickt, sollte jetzt weiterlesen…

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SUSANNE HEINRICH; FOTO: RABEA EDEL

NAME Susanne Heinrich
JAHRGANG 1985

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Aus dem Osten. / Auf die Bühne, in die Herzen und Bücherregale der Menschen.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich hab Hypercholesterinämie, brauche also zum Glück keine Butter. / In allem, was ich tue.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Die meisten Lesungen. / Gelungene Filmszenen, schillernde Sätze, perfekte Melodien, gnadenlose Beats, 80er-Klamotten, schöne Männer, Sonnenaufgänge auf dem Tempelhofer Feld, oben-vorne sitzen im Doppelstockbus…

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ich bräuchte einen neuen Laptop, meiner macht komische Sachen. / Begegnungen.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ohne Handy wär schwierig. / Keine, gottseidank.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Facebookfacebookfacebook … / Meinen Brüdern, mit denen ich mich gerade befreunde.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Alltag hab ich nicht. / Sparen kann ich nicht.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Hippe Antwort: mein WG-Balkon / Club der Visionäre
Künstler-Antwort: mein Kopf / mein Kopf
Philosophische Antwort: Spielplatz / Paradies
Banale aber ehrliche Antwort: überall und nirgends / alle und keiner – das kommt ganz auf meine Verfassung an.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Das sind oft dieselben Menschen – die anderen interessieren mich zu wenig, als dass ich mich über sie aufregen könnte.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Nachts. / Wenn’s um Sushi und Harry Potter geht.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Im Moment schwärme ich für Captain Capa, Everything Everything, Vinnie Who und lese nicht, weil ich das nicht kann, wenn ich mitten in einem eigenen Projekt stecke. / Geprägt haben mich Kirchenchoräle, die Rolling-Stones-Platten meines Vaters, 90er Eurodance. / Immer gut sind die Beatniks und Radiohead.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich will die Welt nicht besser machen, nur reicher. Mein Beitrag: Forschungsergebnisse aus dem Bereich „Zwischenmenschliches“. / Sünde? Daran glaube ich nicht.

DANKE!

 

 

IMG 7396fbblog1 Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

 

Susanne Heinrich Amerikanische Gefuehle Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.

Kategorie: | September 14, 2011 | von

Galerie Potsdamer Strasse Tagesspiegel 1024x764 Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.Galerist Thomas Fischer neu 1024x764 Vormittag zwischen Trance und Kunst. Galerie Thomas Fischer.

Thomas Fischer ist auf eine stille Art präsent. Fast schüchtern wirkt der Galerist auf mich als wir uns zum ersten Mal begegnen. Es ist Berlin Fashion Week und wir werden einander im Hof des ehemaligen Tagesspiegel Areals in der Potsdamer Strasse vorgestellt. Andreas Murkudis hat so eben seinen neuen Concept Store eröffnet und ich bin noch geblendet vom weißen kathedralhaften Inneren.

Ich knabbere am Bircher Müsli und betrachte den kleinen ockerfarbene Balkon im Gebäude gegenüber. Vor ein paar Wochen zum Gallery Weekend Berlin hat er sich vor lauter Menschen fast durchgebogen. Weiterlesen »

Kopisten-Kopien

Kategorie: | September 13, 2011 | von

zara1 Kopisten Kopien

Das Universum der Markenkopien erreicht das nächste Level. Wurden bisher nur Luxusmarken kopiert, geht es jetzt auch den großen Billigketten an den Kragen: Die Kopisten werden kopiert. Weiterlesen »

ScratchOn – DJ App für Symbian 3

Kategorie: | September 13, 2011 | von

dj2 ScratchOn   DJ App für Symbian 3
Mit dem Debut von ScratchOn beginnt im September für Symbian3 die Turntable Ära auf allen aktuellen Nokia Devices.

Die erste DJ App macht aus einem Nokia Smartphone einen klugen und tragbaren Plattenspieler, der das “in the mix”- Gefühl beim Plattendrehen ganz ohne zusätzliche Hardware ermöglicht. Der Touchscreen des Geräts ermöglicht es am rechten und linken Bildrand die Platten zu verfolgen währenddessen man alle möglichen DJ Funktionen virtuell auf dem Screen erledigt – Scratching und eingespielte Audio-Effekte inklusive.

dj ScratchOn   DJ App für Symbian 3

In der Konzeption wurden die Anforderungen von DJs aus den verschiedensten Musik-Genres berücksichtigt und in der Usability umgesetzt. So unterstützte beispielsweise Denyo von den Absoluten Beginnern beratend den Entwicklungsprozess.

Hier noch mal die Key-Features im Überblick:

- Intuitives Design / Userführung
- Auto Synk. integriert,
- Scratchen & Mixen von Tracks
- Volume Control von 2 Playern,
- Effekte / Chaos Pad
- EQs

 Hier geht es zum Download im Ovi Store.

 dj3 ScratchOn   DJ App für Symbian 3

 

 

Produktseite – http://www.scratchon-mobile.com/

Ten Years After – Dan Meths “Twin Tower Cameos”

Kategorie: | September 11, 2011 | von

Genau eine Dekade nach den Anschlägen auf das World Trade Center werden wir mit Rückblicken, Würdigungen, Kritik und Undunds aller Art zugeballert. Und die wenigstens treffen den richtigen Ton. Dan Meth ist das Kunststück gelungen, ohne Pathos oder Sarkasmus an das Wolkenkratzerpärchen zu erinnern, indem er Szenen aus zwischen 1969 und dem Jahr 2000 entstandenen Filmen zu einer eindrucksvollen Collage zusammengeschnitten hat. Fernab von Politik und Verschwörungstheorien hat er den beiden Türmen, welche die Skyline New Yorks über drei Jahrzehnte geprägt haben, mit seiner Collage ein cineastisches Denkmal gesetzt.

(via)

Okay, den hier habe ich noch – für eine Werbung gar nicht mal so schlecht. Ist aber auch Absolut. Eben.

 

 

 

 

 

Celia Birtwell – Das Buch

Kategorie: | September 09, 2011 | von

punchinella grand repeat 1024x1024 Celia Birtwell   Das Buch
Celia Birtwell hat viele Fans. Kein Wunder, stehen ihre Printdesigns doch genauso wie der Minirock und (zu viel) Plastik für eben die Ära, die manchem als stilistisches Inspirationsmekka und anderen als die Sechziger Jahre bekannt ist. 1941 im englischen Salford geboren, begann der kometenhafte Karriereaufstieg für Frau Birtwell 1966. In eben diesem Jahr begann nämlich die Kollaboration des Ehepaares Birtwell/Clark, die für die quirlige und sicher auch quietschbunte Quorum Boutique in London eine Kollektion entwarfen. Die Mischung aus Birtwell’schem Print und Clark’schem Pattern gefiel und so konnte man schon bald illustre Gestalten wie die Rolling Stones, die Beatles und Tausendsassa du damalige jour Verushka in den Designs des Liebespaares über die Straßen Londons swingen sehen.

hockney.clark percy 1024x712 Celia Birtwell   Das BuchDavid Hockney: Mr and Mrs Clark and Percy , 1970; Acrylic on canvas, 304 x 213 cm

Aber auch wer für Mode nichts übrig hat, kennt Frau Birtwell vielleicht, war sie doch schließlich nicht nur die Muse von David Hockney, sondern ist sie doch auch Teil seines Ölgemäldes ‘Mr & Mrs Clark and Percy’, das man auch dieser Tage noch in der Tate Gallery in London bewundern kann. Die Ehe sollte nicht halten und Ossie Clark würde in den Neunzigern von seinem Ex-Geliebten in seiner Wohnung erschossen werden – Celia Birtwell machte trotzdem weiter.


PC1271 11 Celia Birtwell   Das Buch
Gut so, erlebte sie doch schließlich im 21. Jahrhundert einen zweiten (Karriere-)Frühling. Nach einigen Kollektionen für die englische High Street gibt es jetzt wieder etwas, auf das sich der Birtwell-Fan freuen kann. Weniger vergänglich als ein Zeitungsartikel und leichter zu händeln als, sagen wir, ein Ehrenmal. Worum es sich handelt? Um ein Buch.

9781844008445 788x1024 Celia Birtwell   Das Buch
Geschrieben von der Journalistin Dominic Lutyens, wird der Band, der am 03. Oktober erscheinen wird, nicht nur Designs und Skizzen der Designerin enthalten, sondern auch Fotos ihrer berühmt und teilweise berüchtigten Freunde. Und das? Dürfte schlußendlich auch die erfreuen, die sich eigentlich darüber freuen, dass die Sechziger Geschichte sind.

Celia Birtwell von Dominic Lutyens
208 Seiten
Quadrille Publishing
03. Oktober 2011

Bild 1: Relaunched Puchinella Grand by David Hockney for Celia Birtwell

 

 

 

 

Items Of The Week – Thronen

Kategorie: | September 09, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

“Und auf dem höchsten Thron der Welt sitzen wir doch nur auf unserem Hintern” (Michel de Montaigne)

Jay Z und Kanye West begutachten auf ihrem gemeinsamen Album Watch the Throne den selbst erklommenen Hip-Hop-Thron. Selbstkritisch und erschreckend offen rappen sie sich selbst die Brokat-Pantoffeln von den Füßen, reflektieren ihren Erfolg, geben trotzdem mächtig an und das in einem fortdauernden Klangspektakel, dem es an Helfern wie Beyoncé und Ottis Redding und Helfershelfern wie Pharrell Williams, James Brown und den The Neptunes nicht mangelt (07).

Schauspielerin Colleen West (Ellen Barkin) sucht in Shit Year mit verschmierten Augen und voll finsterer Gedanken nach einem Ich jenseits der Rolle. Regisseur Cam Archer drehte den Film auf schwarz-weißem 16-mm Material und Ellen Barkin rettet den dissoziativen Handlungsverlauf durch ihr atemberaubendes Spiel (02).

Sabine Weiss lernte beim deutschen Haute-Couture-Fotografen-Urgestein Willy Maywald, der Diors New Look ikonisch in Szene setzte, und fand ihre eigenen Sujets letztlich doch weit entfernt von den Laufstegen und Modeateliers. Weiss porträtierte in der Tradition der “photographie humaniste” Menschen in den Straßen von Paris und den Alltag der Nachkriegszeit, für den sie immer wieder eindrückliche Motive fand. Eine Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen zeigt nun Fotos aus fünf Jahrzehnten (06).

thronen Items Of The Week   Thronen

Dorothy Parker war eine der schillernsten und bissigsten Persönlichkeiten New Yorks. Sie schrieb für Vogue und Vanity Fair, destillierte zur Zeit der Prohibition mit Trinkbrüdern wie John Gershwin und Irving Berlin Alkohol in der Badewanne, bezahlte aus Prinzip keine Hotelrechnungen, fuhr mit Fitzgerald und Hemingway in die Sommerfrische, kam als Drehbuchautorin bei Paramount zum großen Geld, war Mitbegründerin der “Anti-Nazi-League” und Mitglied der Kommunistischen Partei und starb versifft und versoffen 1967 in New York. Michaela Karl erzählt in Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber mit staubtrockenem Humor Parkers Leben (03).

Eines Thronfolgers würdig sind die neuen Glitzer-Pailletten-Pumps von Miu Miu (01), der mystische Goldarmreif von Pamela Love  (05) und die neuen Sneakers von Pointer und Comme des Garcons (08). Zimmert Euch Euren eigenen Thron.