An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

November 25, 2011 | von

Am Montagabend bot das Radialstem für die akustische Erlebnisdimensionserweiterung einen musikalischen Dreiklang in der Reihe “UM:LAUT musik.impulse” an. Vollbestuhlung inklusive. Auch rechts und links neben der Bühne. Ausverkauft.

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Der Grund waren: Sleepoingdog aus Belgien, die ruhig und entspannt eröffneten, einfache Musik, ganz einfach und doch so schön. A Winged Victory For The Sullen folgten und verwebten den Raum mit Klangfäden, dass einem der Zustand zwischen Trance, “der Rotwein wirkt” und “die Lider zittern” in Zwischenwelten entführte, aus denen einen der jähe Applaus auch nur noch leicht zu reißen wusste.

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Und nicht zuletzt Nils Frahm, der sein neues Album “Felt” am letzten Termin seiner Tour auch in seiner Wohnheimat Berlin vorzustellen wünschte. Ein Künstler, den man sich merken wird, weil er die Musik sicher mehr beeinflussen wird, als er vielleicht selber gerade weiß. Die Ankündigung “…and he will drive crazy” bestätigte sich angenehm im Klanggefolge des Labels Erased Tapes.

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Die Eröffnung mit “Said and Done” vom Album “The Bells” ließ schon erahnen, mit was für einem wir das hier zu tun haben. Mit einem gewieften und sympathischen Genie, einem Virtuosen, der dem Klavierspiel zu einer Öffnung verhilft, der zeigt, dass der Anschlag auf den Tasten einem Anschlag auf Standesdünkel der Klassikfestungen gleichkommen kann.

 

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Es macht sich ja in Beiträgen wie diesen immer gut eindrucksvoll zu vermitteln, was man in der Selbstdarstellung auf der Webseite eines Künstlers findet, wie zum Beispiel dass Nils Farm in der Kindheit musikalischen Beistand von Nahum Brodski genoss, der ein Student des letzten Tschaikowski-Schülers war.

Aber das ist egal, wenn mann in einem Konzerthaus wie dem des Radialsystems sitzt und alles Hören, aller Fokus und alle Hingabe in einem Anfall von schierem Staunen an dem Ort wie Kerne schmelzen, wo Nils Frahms Fingerspitzen das Elfenbein und Ebenholz berühren. Wenn die Bewegung zweier Hände einfach nur zu einem Lichtspiel wird, zu einem imaginären Tausendfüßler, der auf an dem einen Ende die Wurzel aus Tango zu ziehen scheint und am anderen versucht mit Klassikbrüchen Luftteilchen zu klonen, dann hört der Autor besser auf zu beschrieben, was Worte nicht vermögen.

Wenn dann so ein Pianist auch noch die Freiheit hat, seine Geschicke auf Elektroorgel wirken zu lassen, als hätte man einem Ray Manzarek MDMA, Ritalin und Pfeffer in den Ayurvedatee getan, dann kann man nur noch eines: Staunen!

Zu verdanken hat er seinem Erfolg ganz sicher hartem Üben und Ehrgeiz, selbst aber bat er eine Person auf die Bühne, die das Gleis zur richtigen Zeit an die richtigen Stelle bewegt hat: Peter Broderick, der mittlerweile durch seinen musikalischen Magnetismus auf viel Künstler, Soloprojekte und einfach nur Talent bekannter geworden sein sollte.

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Eine Jamsession mit ihm lockerte den teils hochkonzentrativen Äther, der den warmdunklen Raum bis in die letzte Ritze ausfüllte auf und zeigte, dass die beiden auch noch eines können: lustig und einfach und selbstironisch.   

Den Ausklang bildete eine improvisierte Quadriga am Klavier, ein Achthändig wie man es einfach nur selten zu sehen bekommt. Oder einfach nie wieder. Und wir waren dabei. Hach.

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