Stadt, Ansichtssache

November 24, 2009 | von

Ich mag den Begriff “Guerrilla Marketing” nicht besonders. Und das liegt nicht nur daran, weil er in Deutschland (aus mir unerfindlichen Gründen) mit nur einem “r” geschrieben wird. Natürlich ist es ein täglicher Kampf um die Aufmerksamkeit, den (nicht nur) die Werbung zu führen hat. Und in Zeiten sinkender TV- und Printerlöse, in denen sich darüber hinaus Städte und Kommunen gegen die Plakatflut zu wehren beginnen, können diese Überraschungseffekte bei guter Platzierung durchaus nicht nur Erfolge verbuchen, sondern auch ein Unterhaltungsfaktor sein, gegen den niemand wirklich etwas haben kann – zumal, wenn die Aktion noch einem guten Zweck dient.

Bild 2 Stadt, Ansichtssache

Francesco Mugnai versammelt auf seinem Blog achtzig Beispiele, die meisten machen Lust auf mehr. Onlineboom hin oder her, man kann ja nicht alles digital machen. Obwohl bei vielen solcher Werbungen selbstverständlich auf die Berichterstattung (vor allem) im Netz gesetzt wird. Denn oft ist Guerrilla Marketing an einen bestimmten Ort gebunden und nicht beliebig oder nur äußerst aufwendig reproduzierbar. Ihre Einzigartigkeit im Gegensatz zur Massenplakatierung macht ja auch gerade den Charme aus.

Die Innenstädte dieser Welt sehen schon gleich genug aus. Überall dieselben Globalfilialisten, von H&M bis McDonald’s. Städtische, staatliche sogar kirchliche Gebäude, die für ein paar Euro mehr die Baugerüste verkleidenden Großwerbeplanen länger hängen lassen, als es die eigentliche Renovierung erforderte. Für den Tourismus ist das sicher nicht besonders förderlich. Nur weil man gelernt hat, Reklame als notwendiges Übel zu akzeptieren, heißt das nicht, dass man alles hinnehmen muss. Vor allem sollte man damit aufhören, mit zweierlei Maß zu messen: Auf der einen Seite die massive Privatisierung öffentlichen Raums, um unliebsame Personen aus den Fußgängerzonen und Einkaufscentern zu verbannen, auf der anderen Seite die Kriminalisierung privater Ausdrucksformen wie etwa der Street Art.

Bild 4 Stadt, Ansichtssache

Das geht anders. Und bestimmt nicht lange gut.

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