ART & DESIGN

To be seen or to be RESEEN | a transformation of vision

Kategorie: Art & Design | September 12, 2012 | von

untitled 01 To be seen or to be RESEEN | a transformation of vision

RESEEN ist nicht das erste transatlantische Künstler-Kollektiv, und es wird auch nicht das letzte sein. Trotzdem lohnt ein Besuch der Ausstellung, die seit Anfang August die Auseinandersetzung der in Berlin lebenden Künstler Amine Bendriouich, Christian Awe, Conny Dreher, Ebon Heath, Good Wives and Warriors, Lukas Feireiss und Noelle mit dem New Yorker Fotografen Jonathan Mannion zeigt.

RESEEN Poster3 A1 3 318x450 To be seen or to be RESEEN | a transformation of vision

Bis zum 22. September zelebriert MADE den Kunst- und (Sub)Kulturclash am Alexanderplatz. Mitunter sogar in Anwesenheit der Akteure. Fast so gut wie eine persönliche Begegnung und Auseinandersetzung ist das 20-minütige Video-Porträt. Bühne frei für eine Kollage aus Illustration, Malerei, Grafikdesign, Skulptur, Typografie, Mode und Fotografie:

Dienstag – Samstag | 16:00-18:00 Uhr
MADE | Alexanderstrasse 7 |10178 Berlin

Who’s that girl (behind Marni)?

Kategorie: Art & Design | January 31, 2012 | von

marni 1 Whos that girl (behind Marni)?
H&M hat es in den letzen Wochen geschafft, durchgängig in aller Munde zu bleiben. Erst die Versace-Kollektion, dann die Ankündigung, dass bereits im März die nächste Kollaboration mit einem der aufstrebendsten, europäischen Marken ins (schwedische Mode) Haus steht: Marni. Doch während jeder halbwegs Fashion-Interesssierte die Geschichte des Hauses Versace, die mindestens so viele dramatische Arabesken ihr eigen nennt, wie es seit Entstehung des Labels Goldknöpfe produziert hat, weiß man über den nächsten Kollaborationspartner meist nicht viel mehr als den Namen. Zeit also für ein paar Eckdaten, mit denen man dann im Frühling 2012 hoffentlich alle Konkurrentinnen vor den Kleiderstangen ablenken kann.

marni 2 Whos that girl (behind Marni)?
Marni ist das Produkt der Designerin Consuelo Castiglioni. Die 1959 in der italienischen Schweiz Geborene, fand erst über Umwege zur Mode. Besser gesagt? Sie heiratete einen Kürschner, namens Gianni (da zeigen die beiden italienischen Modehäuser also doch eine kleine Gemeinsamkeit).
Nachdem sie die beiden Kinder zur Genüge erzogen hatte, stieg Castiglioni als Beraterin mit in das Geschäft ihres Mannes ein. Dort zeigte sie nicht nur viel Talent, sondern, so wie es scheint, auch Ehrgeiz. Dementsprechend hob sie 1994 ihr eigenes Label, also Marni (benannt nach ihrer Schwester) aus der Mailänder Taufe. Die Firma des Göttergatten fungierte in den Anfangsjahren noch als Mutterschiff und so konzentrierte sich Castiglioni zunächst hauptsächlich auf Leder und Pelz.

marni 4 Whos that girl (behind Marni)?
In einer Zeit in der Pelz so verpönt war, wie es momentan die gemeine Wintergrippe ist, ließ sich die Designerin nicht von den altmodischen Pelzmoden, mit kleingeschriebenem m in der Mode, nicht einschüchtern, sondern fand ihren ganz eigenen Ansatz um dem, im doppelten Sinne, totgesagten Material neues Leben einzuhauchen. Ein Konzept das aufging, arbeitete sie sich auf diesem Weg doch nicht nur 1999 in die Selbstständigkeit, sondern beglückte ab 2001 auch die Männerwelt mit Mode aus dem Hause Marni. Dass sie all dies schuf ohne sich auf komische Lizenzverträge mit halbseidenen Sonnenbrillenherstellern und anderen Kredibilitätskillern einzulassen, spricht für Castiglioni; das ihr Mann immer noch CEO der Firma ist und ihre Tochter Carolina sich um den Onlineshop des Labels kümmert für den Familiensiinn der Designerin.

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37156540FE 13P F Whos that girl (behind Marni)?Bilder: Kim Gordon (Sonic Youth) for Marni

Und so hat das Label, dass für seine auffälligen Prints gerühmt und geliebt wird, sich ganz organisch eine immer größere Anhängerschaft geschaffen. Kein Wunder also, dass Kim Gordon, ihres Zeichens Sonic Youth Sängerin und außschließlich Freundin der Coolsten der vestimentären Schule, 2009 mit Castiglioni einen geometrischen Print entwarf. Genauso wenig verwunderlich, dass keine Geringere als Sophia Coppola den Film zum Marni und H&M Zusammenschluss gedreht hat. Wir können also gespannt sein. Auf das Result dieser Zusammenarbeit. Auf das, was uns am 08. März 2012 bei H&M erwartet. Und ob die Ablenkungstaktik aufgehen wird.

hetmmarnicoppola21 Whos that girl (behind Marni)?

Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Kategorie: Art & Design | January 30, 2012 | von
qualle Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Shot with Nokia

Apertur, Verschlusszeit, Weissabgleich. Normalerweise besteht die Kunst der Fotografie darin, den Blick und Eindruck des Betrachters mit den richtigen technischen Mitteln zu führen. Was aber, wenn all diese Mittel nicht zur Verfügung stehen? Dann bedarf es dem richtigen Motiv – und viel Talent für den richtigen Augenblick.

artist Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Monika Rauscher, Jahrgang 1976, bekam im vergangenen Sommer zufällig ein Nokia C6 Smartphone von ihrem Bruder geschenkt. Mit 5 Megapixeln sowie einem einzigartigen Auge für Kontraste, Strukturen und Spiegelungen ausgestattet, hielt sie ihren Alltag fest. Ein fotografisches Tagebuch, veröffentlicht auf Facebook, das mit einer kleinen Spielerei begann, ist nun in Auszügen in der Schöneberger Galerie Under the Mango Tree zu sehen.

crowd 01 Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Durch einen weiteren Zufall wurde die Galeristin Mini Kapur auf Monika Rauscher aufmerksam. Sie schätzt die Fähigkeit der Künstlerin, Imagination und äußere Wirklichkeit miteinander zu verweben. Und tatsächlich handelt es sich bei vielen Motiven um Spiegelbilder, bei denen das Auge des Betrachters zwischen der oberflächlichen Wahrnehmung und der zweiten Bildebene hin- und herosziliert – und sich dabei der Tiefe des Eindrucks nicht entziehen kann. Realität wird zur relativen Erfahrung, die sich in ihrer Flüchtigkeit manifestiert.

h%C3%A4nsel und gretel im universum Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

Shot with Nokia

Der Unbeständigkeit des Moments begegnet Monika Rauscher mit ihrem Smartphone. Sie sagt, viele der Bilder wären ohne ihr Handy nie entstanden, da ihr Nokia C6 ihr steter Begleiter im Alltag ist.

Monika Rauscher: Many Realities
30. Januar – 11. März 2012
UNDER THE MANGO TREE

Merseburgerstraße 14
10823 Berlin

roll up banner Zwischen den Welten | Photography by Monika Rauscher

 

Items Of The Week – Wacher

Kategorie: Art & Design | January 05, 2012 | von

„Dass alle so ruhig bleiben beim Dahinleben, dass nicht alles zusammenbricht, weil alle den Dienst quittieren, dass nicht alle aufhören damit: Aufstehen. Anziehen, Essen. Und Arbeiten.“

Dass alle wieder aufwachen, wach bleiben, wachend verharren, Wache stehen – vor der Welt und den menschlichen Abgründen, die sie bevölkert – darüber wundert sich nicht nur August, der Protagonist in Albrecht Selges Debütroman “Wach”. August ist ein Wächter des Gegenwärtigen, der das Flaneurtum des beginnenden 20. Jahrhunderts für unsere Jetztzeit neu belebt. (08)

Das neue Matter Magazine aus den Händen des Londoner Magazinmachers Olu Odukoya, von dem auch das Kulturmagazin Kilimanjaro stammt, macht wach. Es soll ein Magazin sein für Männer, die zählen. Zweimal im Jahr untersucht es Kunst, Lebenskultur und Mode durch die Linse moderner Technologie. In der ersten Ausgabe erzählt der Trip-Hop-Künstler Tricky von Musik und dem Unperfekten, der New Yorker Konzeptkünstler Lawrence Weiner wurde von Ari Marcopolous fotografiert und wird in einem ausführlichen Supplement behandelt und Googles Kreativdirektor Aaron Koblin spricht über Digitale Kunst. (02)

Der Mode der ehemaligen DDR wird schnell ein fast vierzigjähriger Dornröschenschlaf attestiert. Das Stadtgeschichtliche Museum der Stadt Leipzig zeigt nun mit der Ausstellung “Malimo & Co. Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit”, dass dieser Schlaf von bunten, von mutigen und visionären Träumen besiedelt war, die zwar nur selten in die Realität überführt wurden, aber dabei nicht minder Ausdruck großer kreativer Sehnsüchte war. (04)

wacher Items Of The Week – Wacher

“Wach werden” – das war das Motto von 2011. Der Demonstrant war die Person des Jahres. Dabei wurde gegen Vieles auf verschiedene Weise demonstriert. Die Motive, Hintergründe und theoretische Fundierung der Occupy-Bewegung in New York bündelt nun das Buch “Occupy! Die ersten Wochen in New York. Eine Dokumentation”. Das Buch erscheint in der neuen digitalen Reihe bei Suhrkamp mit Texten von Judith Butler, Joseph E. Stiglitz und Slavoj Žižek. (03)

Wer wir sind, wer wir werden wollen und wer wir werden sollen: diese Frage stellt sich die Künstlerin Cindy Sherman seit über dreißig Jahren. Das New Yorker Museum of Art zeigt ab Februar eine große Retrospektive ihrer Kunstfotografie. Vorab gibt der Schirmer/Mosel Verlag einen deutschen Katalog zur Ausstellung heraus – zeigt ihre Selbstporträts, die keine sind und immer wieder Anlass geben zu gesellschaftstheoretischen Diskursen über Gender, Repräsentation und Identität. (06)

Für Melancholiker, aber nicht zum Einschlafen: das fünfte Album der Portlander Band Loch Lomond “Little me will start a storm” (07). Dank schwindelerregender Höhe, klobigem Siebziger-Look und sattem Gelb erquickend: die neuen Sandalen von Acne (01) und für klassische Frühaufsteher die “Bennett Oxfords” von Dr. Martens (05). Wacher!

Items Of The Week – Geschenke

Kategorie: Art & Design | December 23, 2011 | von

„Wir müssen anderen Menschen Platz machen. Es ist ein Rad – man springt auf und fährt bis zum Ende, und dann hat jemand anders die Gelegenheit, bis zum Ende zu fahren, und wird seinerseits von einem anderen abgelöst. Es gibt nichts Neues unter der Sonne“, sprach die 83-jährige Vivian Maier 2009 kurz vor ihrem Tod auf ein Tonbandgerät. Die Entdeckung ihrer fotografischen Arbeiten erlebte sie nicht mehr.
Ohne die Anerkennung, die ihr als Fotografin gegolten hätte, ist sie bis zum Ende gefahren. Zwei Jahre vorher war der Stadthistoriker John Maloof bei einem Chicagoer Auktionshaus auf eine Schachtel Negative gestoßen – bis man herausgefunden hatte von wem sie stammen und wer diese Frau überhaupt ist, war sie verstorben. Bis heute weiß man von ihr kaum mehr, als ihren Namen, dass ihr Geburtsort New York war und dass sie in Chicago als Kindermädchen gearbeitet hatte. Die mehr als 100.000 Fotografien aus Chicago, New York und Frankreich aus den fünfziger bis neunziger Jahren, sind eine echte Sensation der modernen Straßenfotografie. Ihre Motive waren die Kinder, die sie hütete, die alltäglichen Begegnungen – die Wirklichkeit der Gassen. Ihr Gespür für Motive und Momente, die Besonderheit des Beiläufigen zeigt das Buch “Vivian Maier. Street Photographer”. (06) Weiterlesen »

Darstellung in Szene – ArtBerlin

Kategorie: Art & Design | December 17, 2011 | von

Bild 1 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Kunstszene – dieses schlimme Wort. In Berlin hat es insofern seine Berechtigung, als dass sich die Kunst wie an wohl keinem anderen Ort so inszenieren konnte, wie hier in der preußischen Tiefebene. Kunst muss sich darstellen, manchmal als Selbstzweck, immer als ihre grundlegende Eigenschaft. In Berlin haben sich in den letzten zwanzig Jahren kreative (noch so ein schlimmes Wort, um das man leider nicht herumkommt ab und an…) Netzwerke gebildet, in denen die Kunst eine maßgebliche Rolle spielt. Der ortsansässige Möbelproduzent und Ideendistributor Rafael Horzon hat eine Keimzelle des Kunstnetzes in seinem „Das weisse Buch“ unlängst beschrieben, obwohl er selbst alles nur kein Künstler sein will. Glücklicherweise besteht die Berliner Kunstszene inzwischen nicht mehr nur aus einigen wenigen Spinnennetzen mit den immergleichen Protagonisten, sondern diversifiziert sich. Den Überblick zu behalten, wird schwieriger.

Bild 42 Darstellung in Szene – ArtBerlinBild 5 Darstellung in Szene – ArtBerlinBild 7 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Eine jüngst gelaunchte Online-Plattform könnte sich zu einem Anker in Sachen kultureller Kommunikation rund um die Kunst entwickeln. Erdacht von Eva Kaczor, keine Unbekannte bei Sounds Like Me, versteht sich ArtBerlin als Kompass durch die nicht nur lokale Kunstwelt. Sie interessiert die Persönlichkeit hinter der Kunst, der Mensch im Künstler, den eloquenten Geist im Sammler, die Macherin aber auch den Scout in der Galeristin, das Soziale hinter der Kunstmesse. Zusammen mit Journalisten und Kunsthistorikern, Fotografen und Filmemachern will sie ArtBerlin zu einem vielschichtigen Portrait der Berliner Kunstszene entwickeln.

Bild 8 Darstellung in Szene – ArtBerlin

Ein solches redaktionelles, aber unabhängiges Angebot hat in Berlin bisher gefehlt! Wir wünschen ArtBerlin für 2012 ein exponentielles Wachstum der Liste von Künstlern und anderen Gesprächspartnern, die sich auch jetzt schon sehen lassen kann, und ein gutes Gespür für Meinungen, Sichtweisen, Trends und spannende Charaktere.

ArtBerlin1 Darstellung in Szene – ArtBerlin

 

Am Knie von Gabriele Schulze

Kategorie: Art & Design | December 11, 2011 | von
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ein Licht im Dickicht

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geheimnisvolle Abgänge

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ein Kreis im Kreis

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ein Ort des Funkeln im Dunkeln

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ein diskreter Zugang

Wo findet der gestresste Homo sapiens Ruhe und ist doch mitten im Geschehen? Zum Beispiel im Auge des Orkans, um einen herum tost die Naturgewalt, man selbst genießt die Windstille und das zentripetale Rauschen. Bloß schwierig hereinzukommen in die Mitte des Wirbelsturms… Als urbane Entsprechung kann man glücklicherweise noch auf das Innere eines Kreisverkehrs zurückgreifen. Hier ist normalerweise kein Hinkommen und kein Wegkommen, ein Besuch des verkehrumbrandeten Runds ist nicht vorgesehen. Der nichtöffentlichste Ort in der Öffentlichkeit. Ein Rückzugsort. Die als „Waldfrau“ zu temporärem Ruhm gelangte Gabriele Schulze aus Belzig lebte zwölf Jahre lang ohne Obdach und bevorzugte die innere Grünanlage von Kreisverkehren als ungestörte Schlafstätte.

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nach rechts

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nach links

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nach unten

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am Ziel aller Wünsche

In den Städten schreit die Öffentlichkeit bekanntlich nach Öffentlichkeit und so darf auch nur einer der drei großen Berliner Roundabouts für sich bleiben. Auf dem Strausberger Platz im Zentrum des Strausberger Platzes springt ein Brunnen und sonst gar nichts. Der Große Stern dagegen ist über Unterführungen zugänglich und gut frequentiert, da dort die erklimmbare Siegessäule den Blick über den Tiergarten öffnet. Auch der Ernst-Reuter-Platz macht sein Inneres öffentlich, allerdings nicht leicht erreichbar. Der Tunnel zweigt irgendwo vom Untergrundbahnhof ab, ist schlecht beleuchtet, als stadtplanerische Durchwegung ein Kind der autogerechten Stadt, die heute keiner mehr will, da wir ja alle ökologisch korrekt zu Fuß gehen oder mit dem Veloziped unterwegs sind. Allerdings hat auch diese autogerechte Stadt erst das fantastische Sechziger-Jahre-Ensemble des Ernst-Reuter-Platzes ermöglicht. Ein Platz, der lange baulich verkam, inzwischen restauriert wird und seit kurzem auch ein Ziel des Regionalmanagements der „Berlin City West“ geworden ist.

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das Wäldchen

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der See

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der Mond

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die Architektur

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die Moderne

Nach dem altbekannten Motto „Unser Platz soll schöner werden“ darf jetzt fast jeder mitreden über die Zukunft des Kreisverkehrs. Studenten der UdK wollen dem Platz mit den Mitteln der Auditiven Architektur zu Leibe rücken und drohen mit der Aufstellung von Cafépavillons. Jene Universität und ihre Technische Schwester erklären den Platz kurzerhand zu ihrem Hoheitsgebiet, sind sie doch die Hauptanrainer mit Gebäuden an der Straße des 17. Juni und der vor einigen Jahren geschehenen Übernahme des Telefunken-Hochhauses direkt am Platz. Auf einer Konferenz referierte der TU-Architektursoziologie vor kurzem fundiert über die Historie des Charlottenburger Knies (das dann erst ein Kreisel werden musste) und den Denkmalschutz fast des gesamten Bereichs, kann sich aber gleichzeitig Fußgängerampeln vorstellen – wohl weil er sich auch vorstellen kann, dass halb Charlottenburg nichts anderes im Sinn hat, als endlich nach Jahrzehnten der Hinderung den Ernst-Reuter-Platz in seinem Herzen heimzusuchen, sich mit Kind und Kreisel an die Wasserfläche zu setzen, den Fontänen zuzuschauen wie sie nach oben schießen und bei Kaffe-und-Kuchen darüber nachsinnen, wie schön es ist, so viel urbane Freiheit zurückerlangt zu haben.

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Schützt die Öffentlichkeit vor der Öffentlichkeit!!!

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Sei autogerecht! Sei Kreisverkehr! Sei Ernst-Reuter-Platz!

Der Ernst-Reuter-Platz braucht tatsächlich Öffentlichkeit, allerdings zunächst bitte öffentliche Diskussion bevor sich Nachbarschaftsinitiativen auch die ästhetische Komponente unter den Nagel reißen. Eine Stadt braucht einsame Orte, schwer erreichbare Orte, laute, ungemütliche Orte, solche wo niemand ist und niemand sein will. Orte, wo man einmal Gabriele Schulze sein kann und sei es nur für einen Moment.

Ihr werdet Euch umschauen.

Kategorie: Art & Design | December 08, 2011 | von

Ich kann mich mal wieder nicht entscheiden. Was wahrscheinlich eher daran liegt, daß ich länger nichts geschrieben habe, als an der Häufung in den letzten Tagen. Nun gut.

Colossal hat die Geschichte über eine umfunktionierte, also immer noch funktionierende Schreibmaschine. Nur, daß sie jetzt nicht mehr schreibt. Weiterlesen »

Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen

Kategorie: Art & Design | December 05, 2011 | von

prozess1 3320 1024x681 Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen(Foto: Thomas Aurin)

Zu einer Form doppelter Metareflektion regt es an, wenn man auf einemmal im Gefängnis sitzt und dabei kulturellem Genuss in Form von Kafkas “Der Prozess” beiwohnt. Doch wie ist das möglich, so einen nicht ein K. oder wer auch immer dort hin bugsiert hat.

DER PROZESS Karte 730x1024 Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen

Es beruht auf eigener Entscheidung und man gehört zu den Glücklichen, die noch eines der Tickets erhalten haben, die aufgrund der Besonderheit des Spielortes und vor allem der Spielenden, wohl aber auch wegen der rar gesäten Spieltermine etwas DDR-Bananen-haftes hatten. Weiterlesen »

Luigi Ontani – ein Leben als Bild

Kategorie: Art & Design | December 03, 2011 | von

Sich in fremden Kleidern ablichten, als Künstlerin in eine personifizierte Rolle schlüpfen, über Jahrzehnte als Protagonistin der eigenen Kunst auftauchen, das kennt man von Cindy Sherman. Den Surrealismus in absurde Filmsets überführen, auf der Grenze zwischen Fantasie und Kitsch balancieren, den eigenen Körper als Quelle künstlerischer Inspiration ausloten, das kennt man von Matthew Barney. Luigi Ontani ist im Vergleich zu Sherman und Barney nahezu unbekannt, auf jeden Fall aber unterrepräsentiert im Kanon der zeitgenössischen Kunst. Dabei war er mit ganz ähnlichen Konzepten schon früher da.

041120111542 Luigi Ontani – ein Leben als Bild

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