Author profile: Alexander Gumz

Alexander Gumz

Alexander Gumz ist Autor, Literaturveranstalter und Redakteur beim Texttonlabel KOOK. Er hat die Festivals LAN. Drei Tage junge Literatur und Musik in Berlin und „ham.lit“ in Hamburg mitgegründet (Frühjahr 2010). Gedichte und andere Texte von ihm sind in Zeitschriften, Zeitungen und Anthologien erschienen. Für Sounds like me schreibt er über Kunst als Tagesgeschehen. Und andersrum.


Einträge von Alexander Gumz:

Ein Flow aus Fragmenten: Nicolas Jaar im Berghain

January 28, 2012 |

Nicolas Jaar wurde nicht von wenigen – inkl. mir selbst – als einer der interessantesten Musiker des Jahres 2011 gelobt. Seine popbildungssatten Elektro-Miniaturen, zu denen man sowohl nachdenken als auch tanzen kann, schienen vielen in eine mögliche Zukunft zu weisen, raus aus dem retro-lastigen Gegenwartsbetrieb.

Nun kam er Mitte Januar nach Berlin und man wollte hören, was sich da live tut. Noch dazu im Berghain, das sich neben seinem Ruf als einem der besten Clubs Europas zunehmend als eine sehr angenehme Konzert-Location etabliert. Zwei Abende mussten gegeben werden. Beide waren ausverkauft, die Schlange derjenigen, die im Berliner Nieselregen auf die Abendkasse hofften, lang.

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intervista 04: Fil über Comics, Shows und freie Wahl

December 25, 2011 |

Fil ist schon lange nicht nur zitty-Lesern bekannt als Zeichner der beiden Ideal-Berliner Diddi und Stulle. Fast genau so lang schon gibt er großartige Shows, mal mit Stoff-Hai Sharkey, mal ohne, im Mehringhof-Theater, Kreuzberg, und all over the land. Der Mann, bei dessen Programmen einem schon zur Pause vor Lachen alles weh tut, hat uns ein paar knackige Antworten gegeben – zum Zeichnen, Auf-der-Bühne-Stehen, zu Künstlerbetreuerinnen und der Illusion des freien Willen. Live zu erleben ist er in nächster Zeit hier.

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Fil – kommst du eigentlich wirklich aus dem Märkischen Viertel? Und warst mal Punk? Wie sah deine Jugend in West-Berlin aus? Spannend? Langweilig? Weder noch?

Ich habe 15 Jahre im MV gelebt und war dort auch Punk. Langweilig war es nie.

Wie kamst du zum Comiczeichnen?

Das hab ich schon als Kind gemacht und einfach nie aufgehört.

Du hast eine Ausbildung zum Kunstmaler abgebrochen, hab ich gelesen. Warum? Gabs da nichts zu lernen?

Ich hab nie ne Ausbildung zum Kunstmaler gemacht – ich glaub, sowas gibts auch gar nicht. Nur einen Haufen Aktzeichenkurse besucht.

Wie wichtig ist Zeichentechnik für deine Comics? 

Ganz unwichtig. Ich glaube sogar: je hingekrakelter die Sache, desto lustiger. Leider zeichne ich fast immer in so einer Grauzone zwischen ganz kraklig und fast ordentlich.

Zeichnest Du jeden Strich selbst, oder wie läuft die Produktion?

Ich zeichne mit Bleistift vor, mit Tusche nach, radier den Bleistift wieder weg und gebs dann meinem freund Gurke, ders am Computer koloriert.

Irgendwann hast Du angefangen, aus „Didi und Stulle“ Mehrteiler zu machen – längere, schlingernde Geschichten. Ist das leichter oder schwieriger als sogenannte One-Pager zu zeichnen?

Viel, viel leichter, weil man den Gag einfach auf die nächste Folge verschieben kann. Die Mehrteiler sind auch alle aus dem Unvermögen, einen schnellen Witz zu finden, entstanden, sie waren nie geplant.

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Wie entwirfst Du Deine Shows? Wie viel ist vorab geschrieben, geplant, wie viel improvisiert?

Ich schreibe vorher nur die Lieder und Gedichte, und auch die meistens nicht ganz fertig. Der Rest, das Drumrumgerede, das zum Schluss 80 Prozent der Show ist, entsteht auf der Bühne. Oder nicht, was dann schlecht ist. Darum wird die Show jede Woche 15 Minuten länger und ich muss Lieder rausschmeissen. Bei den Premieren hab ich meistens um die 14 Lieder/Gedichte, am Ende nur noch fünf oder so.

Sitzt Du acht Stunden am Tag mit Laptop und Gitarre am Schreibtisch, oder wie müssen wir uns Fil beim Arbeiten vorstellen?

Ich arbeite sehr wenig und nie am Laptop.

Du tourst ne Menge, trittst auch häufig in Berlin auf. Kann man jeden Abend auf der Bühne witzig sein? 

Du kannst nur so witzig sein, wie das Publikum dich lässt. Das ist wie beim Sex.

Du versuchst immer, scheint mir, bewusst ein bisschen schlechter zu singen und Gitarre zu spielen als Du es kannst. Ist das sowas wie: die Inszenierung des Unperfekten? Ist das Punk?

Ich fürchte, ich kann gar nicht besser spielen oder singen. Bei mir gehts allerdings auch nicht um Können, glaub ich.

Und ist, was Du auf der Bühne machst, ‘Comedy’? Oder was anderes?

Wohl eher etwas anderes.

Gibt es einen spezifischen Berliner Humor?

Ich glaube, es gibt nur zwei Arten von Humor: guten und schlechten. Städteunabhängig. Also nein. 

Wie viel hat ‘Fil’, den wir auf der Bühne sehen, mit ‘Dir privat’ zu tun? Ist er eine autonome Kunstfigur? Oder ein Mischwesen? 

Es sind nur meine guten Eigenschaften, die ich da zeige.

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Bist Du schon morgens am Frühstückstisch am Witzereißen, oder ist – im Gegenteil – was dran am Klischee, dass witzige Künstler privat eher Melancholiker sind?

Weder noch. Ich bin ganz normalmässig drauf. Erst wenn mehr als fünf Leute um mich rum sitzen fang ich an, sie zu entertainen.

Würdest Du gern mal ein total ernstes Programm machen? Oder einen Band mit schwieriger Lyrik schreiben?

Nein. Jeder sollte das machen, was er kann. Das Leben ist keine anthroposophische Klinik.

Wie kriegt man so viele Auftritte, so viele Comics mit Privat- und Familienleben zusammen?

Weniger saufen und nicht jede Künstlerbetreuerin flachlegen hilft mir dabei.

Was würdest Du machen, wenn Du die freie Wahl hättest? Das ganze Jahr am Strand liegen? Jeden Abend in die Philharmonie gehen? Fußball gucken? Oder doch Comics zeichnen? 

Ich würd wahrscheinlich alles genau so machen wie jetzt. Was heißt schon “freie Wahl”? Der einzige freie Wal, den ich kenne, ist Free Willy, und wie der will ich nicht sein.

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(Konzept der Reihe und Fragen: Alexander Gumz)

intervista 03: Sandra Hüller über Film, Theater und Musik

October 16, 2011 |

Sandra Hüller, Jahrgang 1978, ist eine der tollsten Schauspielerinnen des Landes, reden wir nicht drum rum. Schauspielerin des Jahres 2010 bei „Theater heute“, Jurypreis beim Festival des deutschen Films 2011 für „Über uns das All“. Trotz vollem Kalender und Kind hat sie sich Zeit genommen, unsere ganz simplen Fragen zu ihrer Arbeit am Theater, im Film und an einem Musik-Projekt zu beantworten. Und – bitte.

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intervista 02: Christiane Rösinger über Berlin

September 21, 2011 |

Christiane Rösinger lebt seit dem 80er Jahren als Musikerin, Texterin und (jetzt Wieder-) Organisatorin der monatlichen Gala Flittchenbar in Berlin. Sie hat die legendären Lassie Singers mitgegründet, dann die Band Britta. Im letzten Jahr erschien ihr Solo-Album „Songs of L. and Hate“. Dafür hat sie zusammen mit Andreas Spechtl von der Gruppe Ja, Panik einen der schönsten Berlin-Songs seit langem geschrieben, der wunderbar zwischen Liebe und Wut, zwischen “Warum bloß” und “Jetzt erst recht” changiert. Wen könnte man besser befragen über das Leben in Berlin, damals und heute, über die tollen und nervigen Seiten der Stadt?

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Christiane, Du bist in den 80ern nach Berlin gekommen – warum?

Ich kam aus einem kleinen badischen Dorf und wollte unbedingt in eine große Stadt. Nachdem ich das Abitur auf dem Abendgymnasium gemacht hatte wollte ich außerdem irgendwo Germanistik studieren. Die Wahl war Freiburg oder Berlin. Zum Glück hab ich mich für Berlin entschieden.

Was war toller damals, was langweiliger als heute? Weiterlesen »

Off the Riot – Bilder aus London

August 12, 2011 |

Keine Fotos von brennenden Autos – davon gibt’s s im Netz ja schon genug. London geht weiter seinen Gang, wie große Städte das so tun.

Wie wir die Riots hier erlebt haben – oder eher nicht: nur die gespenstische Leere mancher Straßen, verrammelte Geschäfte in Hoxton und Shoreditch; dagegen das Treiben auf der Oxford Street, das Saufen nachts in Soho, alles wie immer – das kann man gut bei Karolina Golimowska nachlesen.

Also nur ein paar Fotos: mehrheitlich Backsides, aus einer Stadt der Kontraste – strahlend und dreckig, laut und grün; natürlich nicht unterzukriegen.

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intervista 01: Max Dax über Interviews

August 05, 2011 |

intervista – eine neue Reihe auf Sounds Like Me. Einmal im Monat bringen wir Email-Interviews mit Menschen aus Musik und Literatur, zu Themen ihrer und unserer Zeit. Wir starten programmatisch: ein Schrift-Gespräch mit Max Dax, Autor und Pop-Journalist, ehemaliger Chefredakteur von Spex und frisch gebackener der Zeitschrift Electronic Beats. Dax ist selbst einer der wichtigen und unermüdlichen Interviewer des Landes; ausgewählte Gespräche sind im Suhrkamp-Verlag als Buch erschienen. Was lag näher als ihn zum Interviewen zu interviewen?

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Brüche im Stadionrock – Okkervil River live

June 01, 2011 |

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Was haben wir Okkervil Rivers “The Stage Names” rauf und runter gehört, 2007! Zu Hause aufm Balkon, mit M. im Auto auf Sardinien – bis ich’s fast schon nicht mehr ertragen hab: dieses Hymennhafte, diese immer leicht kippelige Stimme, und immer im entscheidenden Moment die schrägen Bläser. Aber, Leute, im Ernst: was ein Album! Für mich noch immer eins der besten der Nuller Jahre, textlich und musikalisch.

Dann kam 2008 „The Stand Ins“ nach, das nicht nur klang wie ein Outtakes-Album der Stage Names sondern wirklich eins war. Live im Postbahnhof für mich dann trotzdem fast eine Offenbarung – so cool und professionell, zugleich so voller Energie.

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Vor die Ohren – Konzerte im April in Berlin

April 09, 2011 |

BATTLES

l Vor die Ohren – Konzerte im April in Berlin

Die Battles aus New York präsentieren Material aus ihrem Album to come – Gitarrennoise trifft Polyrhythmik. Heftige Musik, zugleich klar wie Architektur. Mit Oval und Midnight Operator (Mathew Jonson & Hrdvsion).

Sonntag, 10. April 2011, 19:30 Uhr
Berlin: Festsaal Kreuzberg

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Industrial für Elfen – Seefeel live in Berlin

March 31, 2011 |

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Seefeel sind so eine Band, ohne deren Alben aus den 90ern vermutlich einiges an Musik nicht gemacht worden wäre. Nach allem, was um sie herum ‚Postrock’ genannt wurde, hat nicht zuletzt solch Horrorfilm-Drone-Zeugs wie Salem oder Esben and the Witch es machen, einiges von dem abbkommen, was Seefeel mit losgetreten haben.

Ihr erstes Album nach 14 Jahren wird dann auch schon mal von De:Bug als ‚Reunion des Jahres’ apostrophiert. Es heisst „Seefeel“ und klingt wie Seefeel – Dreampop und Noise, Gitarren und Loop-Effekte, verzerrrte Bässe und Elektroklicks stehen Seite an Seite, demontieren und erhellen einander wechselseitig.

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James Blake+Nicolas Jaar erfinden den Popsong neu

February 19, 2011 |

Elektronische Tanzmusik trat lange als Gegenentwurf zum Songwriting auf, zu handgemachter, ‚authentischer’ Musik. Maschinenmusik sollte es sein, der DJ eher ein Mittler der Sounds denn ‘Künstler’. Mal extrem vereinfacht gesagt: Wie Einiges an Punk so klang wie das, wogegen es rebellierte (den ganzen 70er Cockrock z.B.) scheint sich bei zwei hochgelobten Releases der letzten Wochen mal wieder ein musikalischer Kreis zu schließen.

Interessant, wie James Blake und Nicolas Jaar, beide Anfang 20, auf ihren Debütalben ihren bisherigen Zeitlupen-Sound noch weiter reduzieren, wie nah sie damit dem kommen, was man einfach wieder – oder neu – ‘Popsongs’ nennen könnte.

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