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goerex heißt im wahren Leben Göran – nur wirft ein Name mit GÖ-Folge bei der Usernamevergabe Hürden auf. Unter www.göran.de drückt er ab und zu Pixel aus, macht aber vor allem, dass aus Content Inhalt wird. Mit Blut und Innenleben. Für Sounds Like Me schreibt er über Netzperlen und -pannen, über Innensichten zu außen erlebtem, Jungsspielzeug und andere grüne Sachen.


Einträge von goerex:

Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen

December 05, 2011 |

prozess1 3320 1024x681 Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen(Foto: Thomas Aurin)

Zu einer Form doppelter Metareflektion regt es an, wenn man auf einemmal im Gefängnis sitzt und dabei kulturellem Genuss in Form von Kafkas “Der Prozess” beiwohnt. Doch wie ist das möglich, so einen nicht ein K. oder wer auch immer dort hin bugsiert hat.

DER PROZESS Karte 730x1024 Kafka im Gefängnis – Beifall hinter schwedischen Gardinen

Es beruht auf eigener Entscheidung und man gehört zu den Glücklichen, die noch eines der Tickets erhalten haben, die aufgrund der Besonderheit des Spielortes und vor allem der Spielenden, wohl aber auch wegen der rar gesäten Spieltermine etwas DDR-Bananen-haftes hatten. Weiterlesen »

An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

November 25, 2011 |

Am Montagabend bot das Radialstem für die akustische Erlebnisdimensionserweiterung einen musikalischen Dreiklang in der Reihe “UM:LAUT musik.impulse” an. Vollbestuhlung inklusive. Auch rechts und links neben der Bühne. Ausverkauft.

l An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

 

0 An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

Der Grund waren: Sleepoingdog aus Belgien, die ruhig und entspannt eröffneten, einfache Musik, ganz einfach und doch so schön. A Winged Victory For The Sullen folgten und verwebten den Raum mit Klangfäden, dass einem der Zustand zwischen Trance, “der Rotwein wirkt” und “die Lider zittern” in Zwischenwelten entführte, aus denen einen der jähe Applaus auch nur noch leicht zu reißen wusste. Weiterlesen »

Falling Walls – Anastasia Ailamaki: Nach mir die Datenflut?

November 19, 2011 |

 2011fw11090128 622x1024 Falling Walls   Anastasia Ailamaki: Nach mir die Datenflut?

Anastasia Ailamaki ist Professorin an der School of Computer and Communication Sciences an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Schweiz. In ihrer Falling Walls Präsentation zeigt sie, wie Daten-Exploration neue wissenschaftliche Entdeckungen ermöglicht.

GH: Frau Ailamaiki, wie viele Daten werden jeden Tag auf der Welt gespeichert?
AA: Das kann ich ihnen für heute nicht genau sagen, ich könnte aber an meinen Computer gehen und nachschauen. Was ich ihnen sagen kann, dass wir aktuell ungefähr ca. 1,5 Zeta-Bytes an Daten haben, internetweit. Das bedeutet….moment….. Byte,Kilo-Byte (10 hoch 3), Mega-Byte, Gigabyte, Terra-Byte, Peta-Byte, Exa-Byte und Zetta-Byte (10 hoch 21)…und das nimmt um 58% jedes Jahr zu. Wir verdoppeln also den globalen Datenbestand ca. alle18 Monate. Das ist verrückt.

GH: Wenn wir bedenken, dass die Datenmenge expotentiell zu unserem technischen Vermögen anwächst, diese überhaupt zu bewältigen, wie sollen wir es dann überhaupt schaffen, diese Lücke zu überbrücken?
AA: Diese Brücke ist ein zweischneidiges Schwert. Es geht zum einen um all die Daten und ihre Interpretation, die Technologie, all das zu bewältigen, die andere Seite aber ist die Interdisziplinäre. Ob wir nun von Wissenschaft oder Wirtschaft reden, überall gibt es für Daten noch Interpretationsprobleme – die Bereiche müssen stärker miteinander kommunizieren, die Wissenschaft sich noch mehr anstrengen (…).

GH: Wenn wir die Welt immer mehr aufzeichnen, alles Detail für Computerberechnung zugänglich machen und die letzten Geheimnisse in unseren Gesellschaftszusammenhängen enthüllen, schwebt da nicht auch ein gewisse Gefahr für diese Gesellschaft mit?
AA: Da liegen Sie total richtig, auch wenn ich nicht die richtige Person bin, um diese Frage zu adressieren. Ich gehe zu rück zu meiner Computer Science und schließe die Tür. Es gibt immer einen Weg, Erkenntnis missbräuchlich zu benutzen. Wir können Atome knacken und das in guter als auch in schlechter Weise. Deshalb gibt es auch in der Forschung, in der Wissenschaft Ethik-Kommissionen. Man bedenke einfach mal nur, was die Hirnforschung alles zu Tage befördert. Wir tun was wir tun ja letztendlich für Menschen. Was ich will, ist eine Technologie zu erschaffen, die die anwachsende Datenmenge für uns besser zugänglich verständlich macht. Das Wichtige dabei ist, eine Technologie zu schaffen, die zudem Missbrauch erschwert.

GH: Was halten sie von Aufzeichnungsservices wie daytum.com, die ermöglichen jeden gegessenen Krümel und jeden gelassenen Pups akribisch zu dokumentieren?
AA: Das bleibt jedem selbst überlassen und ich möchte mit der Frage antworten “Is the more data the better?” antworten.

GH: Gute Frage!
AA: Und ich will sie mit “Ja” beantworten, weil es mir darum geht, automatisch Extraktion von Modellen aus Daten zu erreichen. Stellen Sie sich einfach vor, wir würden nie mehr ein mangelhaftes Modell herausbekommen. Wissen Sie, wie schwer es für einen Wissenschaftler ist, ein Modell zu extrahieren, in dem man nicht mehr gefangen wäre, sondern dessen Simulationen sich verlässlich selbst füttern würde. Das sind alles Experimente, und das Problem mit der Wahrheit ist, das sie nur eben die ganze Wahrheit sein kann. Wenn man nun aber genug Daten hätte und ein verlässliches Modell zugrunde läge, kämen wir dem näher, was wir als Wahrheit bezeichnen.

GH: Was wäre dabei die schlimmste Überraschung?
AA: Dabei doch falsch zu liegen (bekommt einen Lachanfall).

GH: Meinen Sie denn tatsächlich vermittels der rasch voranschreitenden Datenforschung an so etwa wie die letztendliche Wahrheit zu gelangen?
AA: Mit dieser philosophischen Frage werfen Sie mich zurück zu meinen alten griechischen Vorfahren. Wissen Sie was? I don’t care. Ich will es einfach tun. Ich möchte einfach diese ansteigende Datenkurve hin zur Technologie überbrücken. Wenn wir dazu auch wenigstens aufhören würden, Daten wegzuwerfen. Wir verschwenden sie. Verwenden sie nicht. Was das heißt? Wir haben keinen return of investment. Der Break Even war 2007, mittlerweile können wir das alles nicht mehr handhaben. Und da klafft eben noch eine andere Lücke. Wir brauchen also Effizienz darin. Das ist das Ausschlaggebende.

GH: Wir haben nun schon mehr Daten als das Gehirn je verarbeiten kann, wir haben zwar das Potenzial, aber die Zeit, die haben wir doch nicht, oder…?
AA: Uff, Kennen Sie Jeopardy? Das hier ist langsam so…(und lachend zieht sie nach Austausch der Visitendaten von dannen.)

Falling Walls Conference: LAB

November 17, 2011 |

kayh20111108 img 7964 Falling Walls Conference: LAB
Einen Tag vor der eigentlichen Konferenz gaben die Veranstalter 100 jungen Akademikern oder qualifizierter Menschen, die einem Beruf nachgehen die Chance für einen Auftritt. Im LAB genannten Vorforum der Hauptredner-Events bestand also die einmalige Chance, seinen  persönlichen Durchbruch einmal einem breiteren akademischen und öffentlichem Publikum vorzustellen.

Die Präsentation durfte drei Minuten zuzüglich einer Minute kritischen Nachfragens durch das Auditorium nicht überschreiten. 100 mal vier Minuten sind am Ende auch 6,66 Periode Stunden. Ein mehrtraktiger Elevator-Pitch, sozusagen dazu. Tagesfüllend und kurzweilig zugleich.

2011fw1109068 1024x643 Falling Walls Conference: LABThe Falling Walls Lab scholars follow the conference

kayh20111108 dm5g97781 Falling Walls Conference: LABBild: The Lab Winners with the Jury

Für den einen der große Aufritt, für andere eine Bühne wie jeden Tag, für das Publikum Unterhaltung, Bereicherung und Überraschung. Nicht nur zwischen den Zeilen ließ sich ablesen, dass ein zunehmender Common Sense für den, der Politik in den letzten Dekaden abhanden gekommenen oder eben schwer neu aufzusetzenden, Generationenvertrag sich wachsender Bedeutung erfreute.

 

kayh20111108 img 8372 Falling Walls Conference: LABBild: Jennifer Jordan, University of Groningen, winner of the 4th prize, follows the lectures of her colleagues

PhDler aus der ganzen Welt stellten aufregende Projekt vor, ob es um die Erforschung von Vergebung gingt, eine Wertschöpfungskette von Altpapier aus dem Büro, das in Schulbildung umgewandelt wurde, um organische Photovoltaik, clevere Chemie, Managementsysteme oder das menschliche Bewusstsein, Computerei, Altern oder Armut. Dass der Welt offene Baustellen leidenschaftlich beforscht und beackert werden lässt sich an der langen Liste der Vortragenden und Themen ablesen. Erhellend und Mut machend.

In Kurzform auf Twitter gibt es das ganze hier

Bild1 : Eileen Diskin, Trinity College Dublin, during her presentation

Falling Walls Conference – Mauern zu Mauerfällen

November 13, 2011 |

10 1024x667 Falling Walls Conference   Mauern zu Mauerfällen
Anlässlich des Mauerfalls hat auch in diesem Jahr wieder die, seit dem 20jährigen Jubiläum selbigens stattfindende, Falling Walls Conference Vorwärtsdenker aus 75 Ländern dazu eingeladen, zu zeigen, welche Mauern auf dieser Welt noch einzureißen sind. Gastgeber war die Einstein Stiftung und eine Reihe anderer akademischer Institutionen.

2011fw1109060 1024x694 Falling Walls Conference   Mauern zu MauerfällenBild: Jürgen Mlynek, Mathias Döpfner, Friede Springer, Cornelia Quennet-Thielen in the audience

Welchen Grund es dazu gibt? Da lohnt es sich doch mal, den Kopf mit offenen Augen zu drehen:

Interdisziplinarität wird in Zukunft unsere abgegrenztes Wissenschaftsdenken ablösen. Das wusste zwar vor über 20 Jahren auch schon der Mitentwickler des Rasterelektronenenmikroskops, Gerd Binnig, der Kreativität/Innovation einfach mittels der Neukombination gehabter Dinge zu beschreiben wusste. Aber lieber nochmals sichergehen.

Dann werden sich zukünftig hoffentlich nicht nur schlaue schlaue Köpfe darum drehen, sich mit den neuen Erkenntnissen den globalen Herausforderungen zu stellen. Gilt es doch, aus aller Denkerei heraus praktische Theorien zu entwickeln. Und die dabei zu Grunde liegende Forschung, einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

2011fw1109262 1024x842 Falling Walls Conference   Mauern zu MauerfällenBild: Das Berliner Radialsystem

Zu diesem Zwecke bot die im Radialsystem stattfindende Konferenz zwanzig renommierten Wissenschaftlern von vielen Längen- und Breitengradkreuzungen dieses Planeten die Chance, ihre einzigartigen Durchbrüche vorzustellen, die quer durch alle Bereiche rangierten: Zugänglichkeit zu Wissen, Datenüberschwemmung, Krieg, Evolution, Kosmos und Zeit, Glücksspiel, Krankheiten, Veränderung(un)Wille, Entscheidungstheorie, Ernährungsprobleme und Energieversorgung waren nur einige der dargebotenen Themenkreise.

Die aha-effektiven Vorstellungen war recht gut gelungen. Nur dass die Präsentationscharts bisweilen bis zu 50 Einzelfakten in office-igster Darstellungsweise – mit wenig in in Sekundentakt nachvollziehbaren Diagrammen von hoher Zahlen- , Pfeil und griechischer Buchstabendichte durchzogen – darboten, zeugte vom standesdünkeligen Eigenwillen. Auch wenn dabei klar ist, dass Klima-Komplexität sich nicht mit drei Steigbügelworten erklären lässt.

2 1024x679 Falling Walls Conference   Mauern zu MauerfällenBild: Sebastian Turner opens the Falling Walls Conference 2011

Die Ticketpreise rangierten im Preisgleisgewirr zwischen 90 und 980 Euro und machen es somit der urbanen Spezies umso attraktiver, in ein  paar Tagen mit den Videos auf der Webseite von Falling Walls Vorlieb zu nehmen.
Den meisten Journalisten ging es sicher auch nicht anders, hat doch der Auftritt einer, sichtlich in ihrem ursprünglichen Element befindlichen, Angela Merkel zu erhöhten Sicherheitsbedingungen beigetragen.

2011fw11091861 1024x692 Falling Walls Conference   Mauern zu MauerfällenWang Hui presenting the five faces of equality with the help of an actor

Haupt-Giveaway war ein Qualitätshammers zum Einreißen von Mauern in der Zukunft. Der wurde dann auch erst am Ende ausgehändigt. Wie es sich in Berlin gehört in einem Stoffbeutel. Und mit dem netten Vermerk, dass man mit dem jüngst verdienten Hammer nun aber nicht mehr auf die Konferenz gelassen wird.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Motivationsschub nicht gleich die Wall of Fame zum Objekt der Veränderung machte, denn das Stückchen Mauer um die Ecke des Veranstaltungsortes steht ja immer noch.

Die durchgehend gute Resonanz wurde sicherlich befördert durch de Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Falling Walls. Für alle!

2011fw1109193 1024x750 Falling Walls Conference   Mauern zu MauerfällenBild: Anders Scherp performing during Alejandro Litovsky’s presentation

Bild 1: Sebastian Turner, Falling Walls Foundation, Chancellor Angela Merkel, the ex President of Germany Roman Herzog at the Falling Walls Conference 2011

Fembot Romance – Switch off Beziehungstress

January 11, 2010 |

Fembot1 Fembot Romance   Switch off Beziehungstress

Custom Made Traumfrau – diesen Wunsch hat sich Le Trung aus Canada erfüllt. Er hat sie sich selbst gebastelt aus allem was dazu gehört und kann nun auch noch stolz damit preisen, dass Aiko zweisprachig daherkommt. Alle klassischen Macken die man auch in human-humanen Beziehungen entwickelt kann Le nun in seiner human-humanoiden Zweisamkeit ausleben. Aiko ist die perfekte Projektionsfläche für männliche Zuneigungs-Macken.

Sicher ist bei aller Technik und Elektronik Aiko keine Frau, die mann im Regen stehen lässt. Allein schon nicht wegen des Material-Wertes von 30.00 Pfund. Auch wenn wir hier menschliche Bewertungskategoriern verlassen. Le hat sich ihretwegen schon hoch verschuldet und einen Herzinfarkt infolge von Überarbreitung an seinem “Projekt Aiko” eingehandelt. Was unterscheidet sie nur so von echten Frauen – btw. schein Le sie für eine zu halten – dass der verrückte Mensch seine Zeit in so ein seelenloses Ding investiert als in das, was viel unkalkulierbarer, spannender, duftender und zugleich seelisch wie auch lebens-technisch spannender ist also so ein blöder Roboter? Bestimmt hat es sich Le nicht nehmen lassen, dem Technoweib einen Aus-Knopf zu verpassen, wenn der intelligenten Software der Zugang zur unbegründeten und für Männerlogik nicht nachvollziehbaren Widerrede gewährt ist. Menschen, Menschen, Menschen.

Originalartikel bei dailymail

Bilder: copyright by barcroft media

Wie dumm macht Facebook und Co. wirklich?

January 02, 2010 |

facebookbloed Wie dumm macht Facebook und Co. wirklich?

Es ist vielerorten zu vernehmen, dass die Wissenschaft, vielleicht auch mehr die Populärwissenschaft oder gar die Pseudowissenschaft sozialen Netzwerken die Fähigkeit attestiert, sozialpsychologisch unvorteilhaft Einfluss auf die Menschheit zu nehmen. Wissenschaftler schreiben Bände und wir Online-Geschichte. Woher kommt das? Nicht, dass das Schreiben dieser ersten Sätze schon jäh durch einen einflatternden Gutrutschwunsch unterbrochen worden wäre. Die mehrkanalige Erreichbarkeit hat längst Spuren im alltäglichen Kommunikationsverhalten hinterlassen. Aber was meint dieses blöd eigentlich?

Spiegel berichtet kürzlich davon, dass eine Studie der Universität Ohio belege, dass Facebook-Nutzer empirisch belegbar schlechtere Noten haben als die Wenig- bis Nichtnutzer.

Der deutschen liebste Zeitung Bild veröffentlicht die radikale These einer Psychologin, die ein Wort für Facebook einlegt, Twitter-Usern sowie Youtube-Fanaten aber dem Übel nahe sieht, durch ihr Handeln dümmer zu werden. Facebook, so meint sie, fördere das Arbeitsgedächtnis und fördert die Intelligenz. Youtube und Twitter hingegen verursachen das genaue Gegenteil, weil das Kurzzeitgedächtnis auf unförderliche Weise beansprucht werde.

Und da sind wir wieder beim generellen Problem der Generation Netzwerk-Kinder: wir sind prokrastinierende Online-Junkies, die auf der Suche nach der kopierbaren Hausarbeit, dem Wissensquell Wikipedia auf den Leim gehen, was wir damit rechtfertigen, dass sich die Journalistengilde auch nicht anders verhält. Auf halbem Wege klimpert uns Skype, Facebook und Co. aber schon längst die Melodie des Aktuellen vor, was zwar keine große Bedeutung birgt, doch aber unseren einsamen Seelen den Herdentrieb und das Gruppengefühl überbürstet.

Und sei es nur daran gelegen, dass wir dann wissen, dass Ines und Peter heute Spaghetti gegessen haben und dabei mit Anthony and the Johnsons dem Tag einen Soundtrack gaben. Nebenbei noch ein wenig rumgehuscht, etwas dünnes bei Twitter gelesen und den Sinn für Humor im Failblog befriedet, während die Hausarbeit ins Vergessen gerät, weil wieder mal mehr Tabs geöffnet sind, als die Bildschirmbreite unterzubringen vermag. Dafür hat man was bei Ebay ersteigert, was man ohnehin nicht braucht und ist unweigerlich dem Serendipity-Effekt erlegen.

Unsere latente sexuelle Orientierungslosigkeit verdrehen wir mit Youporn und wenn es mit den Partnern nicht mehr klappt, dann gibt’s ja auch ein Heulforum. Oder ‘ne Gruppe bei Facebook.  Dafür bekommen wir aber die feschesten Partytipps und müssen nicht unbedingt alle Menschen nur noch im Internet kennenlernen, was ja gar nicht so dumm ist. Oder? Bing! Ich habe eine neue Nachricht. Endlich. Erlöst aus dem erdrückenden Jetzt.

WEAVE – Magazin im Gespräch

December 19, 2009 |

weave cover WEAVE   Magazin im Gespräch

SLM: Hallo Ilona, schön, dass Du Zeit gefunden hast. WEAVE ist seit ein paar Monaten auf dem Markt und hat den Nerv der kreativen Macher rund Webentwicklung, Design, Interaktivität und Schnittstellen der Zukunft getroffen. Wann kam im Hause PAGE die Idee zu einem der gearteten Magazin auf?

WEAVE/ Ilona Koglin: Die Idee entstand im Herbst 2008. Einerseits war es so, dass die Bandbreite der Themen rund um Web- und Interaction Design sowie Development über die Jahre so umfangreich und komplex geworden waren, dass sie in PAGE – neben den anderen Themen – nicht in der gebührenden Breite Platz fanden. Andererseits stellten wir fest, dass es in diesem Segment kein deutschsprachiges Magazin am Markt gab.

SLM: War es von Anfang an diese Idee, oder war die Ur-Intention eine andere? Wie hat sich die Idee entwickelt?

WEAVE/ Ilona Koglin: Die grundsätzliche Richtung von WEAVE stand von Anfang an fest. In mehreren Runden entstand in der Redaktion dann das Konzept – also dass WEAVE beispielsweise eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Professionen in diesem Bereich bilden sollte. Etwa von Designern zu Programmierern, von Konzeptern zu Auftraggebern oder von Usability Experten zu Designern und so weiter. Das findet sich unter anderem auch in der Rubriken-Aufteilung wieder: Es gibt keine inhaltlich-thematischen Rubriken wie in PAGE (Kreation, Typo, Bild, Technik), sondern die Rubriken TRENDS, PROJECTS, TUTORIALS, TOOLS und LIFE, in denen jeweils die Bereiche Konzeption, Design und Technik statt finden können. Die Case Studies in der Rubrik PROJECTS sind vielleicht das beste Beispiel, wie die Grund-Intention von WEAVE aussieht: Ein Projekt wird hier aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben – je nach Art des Projekts kommen hierbei die Konzepter, die Designer, die Usability-Exerten, die Projektmanager, die Programmierer und auch die Auftraggeber zu Wort. Zudem wollten wir in WEAVE stark auf Autoren aus der Praxis setzen.

Im November luden wir schließlich auch eine Reihe von Designern und Entwicklern aus diesem Bereich in die Redaktion zu einem Brainstorming. Dabei zeigte sich, dass wir in unserer grundsätzlichen Ausrichtung ziemlich richtig lagen – und natürlich bekamen wir hier auch noch weiteren, wertvollen Input.

Weave 1 WEAVE   Magazin im Gespräch

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SLM: Wie lange brauchte es dann von der fertigen Konzeption bis zu Ausgabe Nummer Eins?

WEAVE/ Ilona Koglin: Ende Dezember stand damit die Konzeption von WEAVE. Anfang Januar 2009 starteten wir damit, das erste Beta-Heft inhaltlich zu planen, Autoren zu akquirieren und das Design bzw. das Layout zu entwickeln. Mitte Mai kam dann die erste Beta-Version heraus – noch ein recht schmales, 32-seitiges Heft. Die Rückmeldungen, die wir darauf bekamen flossen anschließend in die erste “richtige” WEAVE-Ausgabe ein, die Anfang September erschien.

SLM: Wie viel Menschen sind redaktionell an WEAVE beteiligt, wie setzt sich die Redaktion zusammen?

WEAVE/ Ilona Koglin: Wie bereits angesprochen soll die WEAVE vor allem ein Forum von der Branche für die Branche sein. Das heißt, dass bei uns hauptsächlich Autoren schreiben, die hauptberuflich Designer, Entwickler, Konzeptioner, Trend-Forscher und so weiter sind. Die Redaktion selbst besteht aus einer so genannten Content-Redaktion, die für die Themenplanung, die Autoren-Akquise und -Betreuung und die Koordination des Artikel-Workflows zuständig ist. Dann gibt es die Text-Redaktion, die alle Artikel noch mal auf Herz und Nieren prüft, bevor sie in die Grafik gehen, die sie layoutet.

SLM: Bei der Vielzahl an Themen, der fliegenartigen Vermehrung von Webphänomenen und neuen Technologien – wie trefft ihr da die Themenauswahl, die dem Konzept gerecht wird?

WEAVE/ Ilona Koglin: Die Themenplanung ist ein Zusammenspiel der Redaktion und der Community. Wir bekommen einerseits sehr viele Themenideen und Artikelvorschläge – und haben Autoren, die überaus engagiert bei der Sache sind. Unsere Idee, WEAVE als eine Plattform anzubieten, funktioniert also – und das freut uns natürlich sehr!  Andererseits entwickeln wir natürlich auch in der Redaktion Ideen, mit denen wir dann gezielt auf Leute zugehen. Es stimmt schon, dass man in der Themenfülle, die das Web anschwemmt, den Überblick behalten muss. Aber wenn man mit den Menschen redet, merkt man schnell, was sie wirklich bewegt, was sie wissen möchten oder wofür sie sich interessieren.

SLM: Wie würdest du eure DurchschnittsleserIn beschreiben?

WEAVE/ Ilona Koglin: An Web- und Interaction-Projekten sind ja immer sehr viele unterschiedliche Gewerke und damit Menschen beteiligt. Den typischen Leser der WEAVE gibt daher auch nicht. Allein wenn man Designer und Programmierer vergleicht, wird man schnell fest stellen, dass sie zum Teil sehr unterschiedliche Bedürfnisse, Vorgehensweisen oder Interessen haben. Dennoch eint sie, dass sie alle gestalterisch und technisch Grenzen überschreiten und innovative Anwendungen erschaffen wollen. An diesem Punkt kommen wir wieder zu der Idee mit der Brücke, die wir mit WEAVE ja bauen wollen: Das ist natürlich auch eine Herausforderung.

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SLM: Wisst ihr durch LeserInnenfeedback, wei weit gefasst das Spektrum eurer LeserInnen ist?

WEAVE/ Ilona Koglin:Ja. Sowohl die zahlreichen Rückmeldungen auf die Beta- und die Erstausgabe der WEAVE, als auch eine kleine Online-Umfrage oder die Mitglieder unseres Vimeo-Channels zeigen uns, dass wir mit der Vorstellung unserer Leserschaft, wie wir sie schon zu Anfang ins Auge gefasst haben, ganz richtig liegen.

SLM: Was ist das Anliegen, was der Mehrwert von WEAVE?

WEAVE/ Ilona Koglin: Zum Anliegen habe ich im Zusammenhang mit dem Konzept der WEAVE schon einiges gesagt. WEAVE ist nicht nur der Titel des Magazins, sondern auch gleichzeitig unser Ziel: Wir wollen die unterschiedlichen Professionen, die es im Bereich Interaction und Web-Design sowie -Entwicklung gibt, mit einander verweben und vernetzen. Wir wollen natürlich für einen Wissens- und Erfahrungsaustausch sorgen. Und natürlich wollen wir inspirieren und unseren Lesern Lust machen, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Trotz aller Professionalität und Ernsthaftigkeit soll dabei der Spaß aber nicht zu kurz kommen. Beispielsweise liefert die Rubrik LIFE auch Artikel, Interviews und Portraits über Menschen und Themen, die unterhalten und/oder einen Blick über den Tellerrand der Branche hinaus bieten.

SLM: Bei der Verfügbarkeit der Informationen online – von der Selektierbarkeit einmal abgesehen – wie kam die Entscheidung, Print als Medium zur Vermittlung zu wählen?

WEAVE/ Ilona Koglin: Zugegeben: Es mag zunächst anachronistisch erscheinen, ausgerechnet bei diesem Themenspektrum mit einem Print-Titel heraus zu kommen – und dann auch noch in 2-monatlichem Erscheinungsrhythmus. Allerdings hat uns allerspätestens das Feedback auf die ersten Ausgaben der WEAVE in unserer Überzeugung bestätigt: Selbst so absolut internet-affine Menschen wie unsere Leser informieren sich gerne auch mal über Gedrucktes. Viele Leser haben uns sogar geschrieben, dass sie schon lange auf so ein Magazin gewartet haben…

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Vielleicht liegt das daran, dass man längere Texte eben doch besser gedruckt liest. Auf jeden Fall glaube ich, dass es gerade die Informationsfülle und auch die Schnelligkeit (Schnelllebigkeit) im Internet ist, die einen bei einem Buch oder einem Magazin aufatmen lässt. Die WEAVE kann aus der Flut von Informationen in Ruhe das heraus filtern, was wirklich wichtig ist. Wir haben die Zeit, Texte und Layouts im Detail und mit Sorgfalt aufzubereiten. Das geht im Web unter dem üblichen Zeitdruck oft verloren.

SLM: Wie würdest du die sinnvolle Verzahnung von Print und Online in der Zukunft beschreiben, gerade im Hinblick auf die Aussage, dass Print sich vom Massenmedium hin zum spezialisierten hochwertigen Nischenmedium entwickeln wird.

WEAVE/ Ilona Koglin: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie sich Print und Online befruchten können. Das fängt mit ganz banalen Dingen an – etwa, dass man als Redaktion über das Social Web viel enger in Kontakt mit seinen LeserInnen kommen und so natürlich viel konkreter Themen entlang ihrer Bedürfnisse entwickeln kann. Wie ich in der vorigen Frage schon sagte, sehe ich den Vorteil von Print vor allem in der Zeit – in dem Luxus, Zeit zu haben. Das klingt vielleicht paradox, weil die Schnelligkeit des Web eigentlich immer als Vorteil gesehen wird – und genau hier liegt natürlich auch der Vorteil von Online-Medien, den man als Magazin natürlich auch nutzen sollte. Wir haben darauf beispielsweise reagiert, in dem wir konsequent entschieden haben, dass WEAVE keine “News” in dem Sinne mehr beinhaltet. Es gibt eine Chronik, die berichtet, was die letzten Wochen Wesentliches geschah – aber es gibt nicht mehr die Kurzmeldungen, die so tun, als wären sie aktuell – dabei hat man sie schon vor zwei oder drei Wochen im Netz gelesen…

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SLM: Wo sollte beim jeweiligen Kanal der Schwerpunkt liegen?

WEAVE/ Ilona Koglin: Die Schwerpunkte ergeben sich: Print darf ausführlicher, länger, langsamer, tiefgründiger und irgendwie bedachter sein. Online ist dagegen schnell, interaktiv, multimedial. Beides hat ohne Frage seine Qualitäten.

SLM: Inwiefern hat Editorial Design in den letzten Jahren vom Webdesign gelernt oder gar profitiert? Hast du – vielleicht neben WEAVE – ein gutes Beispiel?

WEAVE/ Ilona Koglin: Aus meiner Sicht haben die Print-Medien die letzten Jahre versucht, den Wettlauf mit den digitalen Medien aufzunehmen. Alles sollte auch im Druck schneller werden – das Beispiel mit den “News” habe ich ja schon angesprochen. Diesen Wettlauf können gedruckte Zeitungen oder Zeitschriften gar nicht gewinnen. Und meinem Eindruck nach besinnen sich auch mehr und mehr Publikationen auf ihre Stärken: Hochwertigen und sorgfältigen Journalismus, gute Gestaltung und auch eine Ausstattung, die die Haptik unterstreicht. Print-Medien müssen viel mehr zu etwas werden, was man aufheben und archivieren möchte. Etwas, was man gerne “hat” – denn Websiten, Tweets, Blog-Einträge, das alles ist flüchtig, schnell und verschwindet.
Selbstverständlich hat Print aber auch von Online gelernt bzw. positive Einflüsse erfahren. Ich denke da vor allem an den Austausch zwischen Redaktion und Lesern. Es ist viel einfacher, deren Wünsche und Ideen aufzunehmen und in Dialog zu treten. Es ist nur die Frage, wie weit sich Redaktionen (d.h. die Menschen in den Redaktionen) öffnen. Das fällt vielen ja noch schwer, aber ich glaube, da liegt viel Potential.

SLM: Das Heft besticht durch Themenbandbreite, modernes Layout und Unterhaltungswert bei gleichzeitiger Tiefe und spannenden Webverweisen – ein Special-Interest-Magazin für das 21. Jahrhundert. Das war aufrichtiges Lob. Nun die Bitte zur Selbstkritik: Was kann WEAVE in Zukunft noch besser machen?

WEAVE/ Ilona Koglin: Wir sind gerade dabei, die dritte Ausgabe zu produzieren. Es ist ganz klar, dass sich WEAVE immer noch entwickelt, dass das Magazin wächst und sich verändert. Das ist wichtig. Wenn es um Print geht, würde ich sagen, dass wir schon auf einem guten Weg sind. Es sind wahrscheinlich eher Kleinigkeiten, die in dem ein oder anderen Artikel mal verbesserungswürdig wären. Themen, die man noch mehr in die Tiefe bearbeiten möchte. Jede Redaktion legt sich wohl mit jeder Ausgabe immer wieder die Latte selbst ein bisschen höher. Was wir 2010 dagegen definitiv noch stärker forcieren wollen, sind unsere Online-Aktivitäten. Wir haben schon einen Vimeo-Channel, in dem es auch WEAVE-Videos zu sehen gibt. Das wollen wir fortführen, aber auch weitere Kanäle des Social Web stärker bespielen.

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SLM: Was ist in den nächsten Ausgaben zu erwarten?

WEAVE/ Ilona Koglin: Die nächste Ausgabe erscheint am 18. Januar. Wie es sich für die erste Ausgabe eines neuen Jahres gehört, haben wir unter anderem Designer, Entwickler, Trendforscher, Science-Fiction-Autoren, Interactive Artists und Online-Journalisten danach gefragt, welche Trends, Wünsche und Vorstellungen sie für 2010 haben. Wir berichten über eine spannende Ausstellung im Zentrum Neue Technologie (ZNT) in München, in der sämtliche Exponate mit einander vernetzt und über berührungssensitive Vitrinengläser steuerbar sind. Wir berichten, was Designer und Entwickler heute schon mit RFID machen können und wo die Chancen und Risiken liegen. Es gibt eine Reihe von Tutorials – unter anderem zu AIR 2.0 und Silverlight 4. Es wird Interview mit dem Interactive Designer Chris O’Shea, der RIA-Agentur The Visionaire Group aus Los Angeles und dem Arduino-Erfinder David Mellis geben. Naja, und noch einiges mehr – zu viel will ich auch nicht verraten ;-D

SLM: Bleibt WEAVE technisch oder wird es auch Redaktionelles zu den sozialen Wechselwirkungen finden, die durch die Webentwicklungen Einzug in unsere Gesellschaft halten? Das ist ja kein ganz unwesentliches Thema für heute und morgen.

WEAVE/ Ilona Koglin: Das machen wir auf jeden Fall. Wie gesagt: Die Rubrik LIFE enthält solche Themen.

SLM: Wo steht WEAVE in 3 Jahren?

WEAVE/ Ilona Koglin:
Drei Jahre sind in der Welt des Internet sehr sehr viel Zeit. Ich denke keiner von uns kann wissen, wie die Medienlandschaft in drei Jahren aussieht: Haben wir dann beispielsweise Holodecks oder AR-Kontaktlinsen? Wer weiß? Von daher würde ich heute auch keine Prognosen aufstellen, wie WEAVE in drei Jahren aussieht. Was ich aber sagen kann ist, dass wir uns auf die spannenden Zeiten freuen. Wir haben jedenfalls viele Ideen und sind voller Tatendrang!

SLM: Danke für das Interview!

WEAVE/ Ilona Koglin: Gerne und vielen Dank, dass ihr an WEAVE gedacht habt!

www.weave.de

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UTOPIA 8 – Unfried und Langer entwerfen den Masterplan

December 17, 2009 |

utk langerunfried UTOPIA 8   Unfried und Langer entwerfen den Masterplan

Nachdem nun also viele helle Köpfe, laute Münder und gebildete Menschen oder Leute, die all diese Eigenschaften in sich vereinen, gesprochen und gepriesen haben, resümierten Claudia Langer und der stellvertretende taz-Chefredakteur Peter Unfried über die Vorschläge der Utopia-Konferenz 09. Resultat ist eine Roadmap, die in mehreren Punkten vereint, wie die Zukunft beschritten werden sollte.

Das mit dem aktuellen Kopenhagen-Ergebnis eine Menge Konterkaros in den denkfreien Raum geschüttet wurden, darf den Einzelnen nicht irritieren und sollte gerade dazu ermuntern, bei sich selbst zu beginnen. Wie ich finde, lohnt sich der tägliche Blick auf www.utopia.de, um sich in ein umweltverträglicheres Wesen zu wandeln. Sonst schreiben wir alle Memoiren, gegen die T.C. Boyles “Ein Freund der Erde” noch wie ein schönes Märchen klingen wird. Wer eine detaillierte Herleitung braucht, kann das im Detail im Konferenzbereich bei Utopia nachlesen. Also, Weiterlesen »

UTOPIA 7 – So wie die Visonäre. Oder die Gänse.

December 13, 2009 |

utk nialldunne UTOPIA 7   So wie die Visonäre. Oder die Gänse.

Niall Dunne, seines Zeichens Managing Director bei Saatchi&Saatchi, sprach aus einer ganz anderen Perspektive das Zukunfts- respektive Umweltthema an. Nicht dass man Größen wie ihm, Firmen, für die er steht und spricht, nicht unkritischen Geistes gegenüberstehen sollte. Doch wenn man etwas bewegen will, dann ist man sicher gut beraten, es nach Möglichkeit auch im Großen zu tun. Kehrt nun einmal Bewusstsein dort ein, wo auch ein Koloss agil sein darf, dann muss man fragen woher das rührt und vor allem wer da rührt:

Dunne stand beispielsweise mit Walmart eher auf dem Kriegsfuß. Doch aus der zerstörerischen Absicht wurden Wandlungsgedanken, aikido-esk die Energie des Gegners umlenken und ihn zur Besinnung bekehren. Das hat er in Teilen geschafft. Das Umstrukturieren, was nicht allein an den Markenkern von Walmart gerichtet war, führte letztendlich dazu, dass der Konzern nun sogar Coca-Cola in Sachen Markenwert von rechts überholt hat.

Seine Umkrempelung mit Fokus auf den Umweltbereich wird weitreichend anerkannt. Gerade weil dabei auch die kleinsten Einheiten – der einzelne Mitarbeiter, dem neue Freiräume zuteil werden – eine Rolle spielt. Die geschlossene Masse bildet schlussendlich das, was man den Zug am großen Hebel nennen darf.

Im Vortrag spricht Dunne den Paradigmenwechsel an, der gerade dort ausgelöst wird, wo visionären Menschen die Macht in die Hand gegeben wird. Dabei bringt er mit einfachen Gleichnissen alter Kulturen das auf den Punkt, was die Menschheit heute zu begreifen hat: “If you want to go fast, go alone! If you want to go far, go together!” – “Wenn du schnell gehen willst, geh allein! Wenn Du weit gehen willst, geh gemeinsam!”. Werbefachmännisch nutzt er diese starken Bilder, um uns klar zu machen, wie Zukunftsbewegung auszusehen hat: aus der Tierwelt erwähnt er den Graugans-Flug im großen V am Herbsthimmel, der auch dann erhalten bleibt, wenn mal eine Gans ausfällt. Und zwar nicht weil sie einfach rausfliegt, sondern weil sie als Teil der Gruppe in der Form Wertschätzung erfährt, dass zwei Gefährten bei ihr bleiben, bis sie wieder weiter kann. Hilfe zur Gegenhilfe. Ein Planet, eine Familie sozusagen.

utk nialldunne2 UTOPIA 7   So wie die Visonäre. Oder die Gänse.

Das Visionäre der großen Menschenvorbilder Ghandi und Marthin Luther King findet seinen Platz und man darf ihn ruhig lassen, wenn er diese Ikonen als  Teilchenbeschleuniger für seinen lebendigen Vortrag bemüht. Jeder soll, ja muss dabei sein, jeder hat etwas ganz Inidividuelles zu bieten bei dem gemeinsamen Ziel.

Diese Form der Inspiration überträgt Dunne auf alle menschlichen Organisationsformen, betont dort, wo Markenmacht viel auf einmal erreichen kann. Er muss es wissen. Nialle Dunne rückt den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen. So auch beim Klimax der Modellerläuterung für mögliche Unternehmensformen:

a) die Firma organisiert –  Mitarbeiter werden verpflichtet
b) die Firma organisiert –  Mitarbeiter werden eingeladen
c) die Firma befähigt –  Mitarbeiter führen

Dabei sticht Modell Drei hervor und erinnert an den DESIGN THINKNG-Ansatz, durch den (an und für sich ja, dann doch nicht ) überraschende Potenziale ausgeschöpft wurden – People will come up with ideas you never knew they existed. Leider passt das noch nicht so ganz in die biederdeutsche Betrieblichkeit mit Pyramidenstruktur, neue Formen der Arbeitsorgansiation setzen da an. Die Zukunft wird zeigen, was sich wie etabliert. Es braucht nur eben immer einen hellen Kopf, der vorangeht. Wenn es der eigene ist – umso besser!