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Judith Marthaler


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Post Mortem

November 16, 2009 |

patrik budenz post mortem2 Post Mortem
Bedrückend ist er immer. Und unangenehm auch. Gesellschaftsfähig selten. Und doch gehört er zu den Spielregeln. Der Tod, der zusammen mit der Geburt den wohl kleinsten gemeinsamen Nenner unserer menschlichen Leben darstellt, wartet mit dem Siegel Endgültigkeit auf und wird öffentlich meist entweder tabuisiert oder zur Befriedigung der Lust Sensationsgeiler instrumentalisiert.

Der Berliner Fotograf Patrik Budenz bedient  in seiner herausragenden Fotostrecke „Post Mortem“  weder das eine, noch das andere Extrem.
Für seine Abschlussarbeit an der neuen Schule für Fotografie dokumentierte er sensibel und dennoch ohne jede Beschönigung die letzten Stationen toter Körper in der Rechtsmedizin, „in Kühl- und Lagerräumen, bei der Sektion, beim Bestatter, im Krematorium, auf Friedhöfen bis hin zur Präparation und der wissenschaftlichen Organsammlung.“

Für Sounds Like Me habe ich Patrik Budenz dazu befragt, wie es ist, dem Tod auf der Spur zu sein:

In deiner Arbeit „Post Mortem“ begleitest du die Körper Verstorbener bei ihren letzten Stationen: in Kühl- und Lagerräumen, bei der Sektion, beim Bestatter, im Krematorium, auf Friedhöfen bis hin zur Präparation und der wissenschaftlichen Organsammlung.
Bereits in deiner vorangegangener Arbeit „Search for Evidence“ hast du dich fotografisch mit der Arbeit von Rechtsmedizinern und somit auch mit dem Tod auseinandergesetzt. Was hat dich persönlich und beruflich dazu bewogen, dich fotografisch dem Thema Tod zu nähern?

Da beide Serien als freie Arbeiten entstanden sind, lag ihnen keinerlei berufliches Kalkül zugrunde. Die Motivation war also rein persönlich – in erster Linie war es Neugier.
Bei der Serie „Search for Evidence“ wollte ich entgegen den vom Fernsehen vermittelten Klischees herausfinden, was Rechtsmedizin tatsächlich ist. Dabei habe ich mich insbesondere auf die Rechtsmediziner und ihre Arbeit konzentriert, weniger auf die Verstorbenen.
Da sich die Arbeit der Rechtsmediziner aber nun einmal mit dem Tod beschäftigt, wurde ich selbst automatisch mit diesem Thema konfrontiert.

Darüber hinaus habe ich während der Aufnahmen  auch flüchtige Einblicke in andere damit zusammenhängende Arbeitsbereiche erhalten, wie z.B. das Bestattungswesen oder das Krematorium. Dabei hat sich mir die Frage gestellt, die mich letztlich zur Serie „Post Mortem“ geführt hat: Was geschieht eigentlich mit dem toten Körper, nachdem ein Mensch verstorben ist?

Auf der einen Seite hast du dokumentiert wie Leichname verwaltet, betrachtet, untersucht und aufbereitet werden, auf der anderen hast du dich bemüht, die Würde der Verstorbenen nicht zu verletzten.  Als Fotograf hast du weit mehr gesehen als das, was du uns auf deinen Bildern präsentierst. Wie hast du dich auf diese Herausforderung vorbereitet? Wie gingst du selbst mit dem Gesehenen um? Konntest du nach der Arbeit einfach abschalten?

Zunächst habe ich mich anhand soziologischer, historischer und medizinischer Fachliteratur mit diesem Thema auseinandergesetzt. Auch mit anderen künstlerischen Arbeiten zum Tod habe ich mich beschäftigt.
Im Nachhinein betrachtet glaube ich, dass mir diese gründliche Vorbereitung sehr geholfen hat, meine eigene Position zu definieren.
Allerdings ist dann alle Theorie schnell hinfällig, wenn man das erste Mal so unmittelbar mit dem Tod, insbesondere dem gewaltsamen, konfrontiert wird. Erst dann zeigt sich, wie man damit umgehen kann.
Mein besonderer Dank gilt diesbezüglich allen Menschen vor Ort, denen ich bei meiner Arbeit begegnet bin. Ich konnte jederzeit Fragen stellen – fachliche und persönliche –, es wurde mir viel erklärt, was sehr zu meinem Verständnis beigetragen hat. So habe ich selbst den Personen, die ja täglich mit dem Tod arbeiten, die Frage gestellt, wie sie persönlich damit umgehen. Die überwiegende Antwort, die ich auch selbst teile, war: Man sollte eine professionelle Distanz wahren. D.h. einerseits sollte man das Gesehene nicht so nah an sich heran lassen, dass es einen auffrisst. Andererseits handelt es sich dabei immer um menschliche Schicksale, gegenüber denen man keinesfalls abstumpfen darf. Wenn man das schafft, erhält man sich den Respekt und die Sensibilität für das Thema und auch für die Verstorbenen und ihre Würde.
Man erlebt natürlich immer wieder besonders bedrückende Geschichten, die man am nicht einfach so zur Seite schieben kann. Deshalb war es für mich sehr wichtig, dass ich immer die Möglichkeit hatte, mit meiner Familie und meinen Freunden über meine Eindrücke sprechen zu können.

Im Interview mit Bildwerk3 sagst du, dass das „Thema Tod in unserer gegenwärtigen Gesellschaft weitgehend verdrängt“ wird und „unsere vermeintlich aufgeklärte Gesellschaft einen Rückschritt gemacht“ habe. Woran liegt das? Sollten wir diese Haltung deiner Meinung nach verändern?

Bis zum Ende des 19.Jahrhunderts verstarben die Menschen üblicherweise im häuslichen Umfeld, wo auch anschließend die Bestattungsriten von den Angehörigen durchgeführt wurden. Durch den Fortschritt der Medizin und die Professionalisierung des Bestattungswesens wurde das Sterben jedoch in Krankenhäuser verlagert, die Todesrituale zu den Bestattern. Der Tod wurde damit aus dem Alltag entfernt. Auch die beiden Weltkriege haben durch die massive Konfrontation der Menschen mit dem Tod weiter zu einer Verdrängung und letztendlich Tabuisierung des Todes geführt.
Es mag zwar eine abgedroschene Floskel sein, aber dem Tod kann niemand entgehen. Dies betrifft nicht nur den eigenen Tod, sondern auch den Umgang mit dem persönlichen Verlust von nahestehenden Menschen. Ich glaube, dass eine gesellschaftliche Verdrängung hierbei nicht hilfreich ist, und empfinde den offenen Umgang mit diesem Unvermeidbaren sinnvoller.
Letztlich ist das aber immer eine sehr persönliche Angelegenheit. Daher sollte jeder selbst seine eigene Haltung zum Thema Tod wählen. Meine Bilder reflektieren meine persönliche Haltung zum Thema an sich, wie auch meine eigene Weise, mit dem Tod umzugehen.

Wenn Tod in der Öffentlichkeit thematisiert wird, wird er oft mit Worten wie „Erlösung“, „Heimgang“ oder „Entschlafen“ in Verbindung gebracht. „Post Mortem“ entbehrt jeder romantischen Beschönigung.

Romantische Beschönigungen, wie auch religiöse Erhöhungen sind meines Erachtens Versuche, dem Tod positive Seiten abzugewinnen und ihn dadurch erträglicher zu machen. Aber man vermeidet dadurch, sich tatsächlich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Ich frage mich, ob diese Verklärung letztendlich nicht eine weitere Form der bereits erwähnten Verdrängung bzw. Tabuisierung bedeutet.
Darüber hinaus kann ich dem Tod keine romantischen Aspekte abgewinnen.

Du hast dich intensiv mit dem Thema Tod beschäftigt. Hat sich deine persönliche Einstellung ihm gegenüber mit deinen Arbeiten verändert? Und was hast du über den Tod erfahren?

Letztlich habe ich über den Tod selbst nichts erfahren, was ich nicht schon wusste: Der Tod bedeutet ganz nüchtern betrachtet das Ende einer menschlichen Existenz.
Bei meinen Arbeiten wurde mir jedoch vor Augen geführt, wie fragil das Leben ist und wie schnell es vorbei sein kann. Das hatte aber weniger einen Einfluss auf meine Einstellung zum Tod, sondern vielmehr auf meine Einstellung zum Leben – auch wenn das jetzt sehr abgenutzt klingen mag.

Wie unterschiedlich waren und sind die Reaktionen auf deine Bilder?

Bisher habe ich ein fast ausschließlich positives Feedback erhalten. Obwohl das Thema nach Möglichkeit vermieden wird, sind doch viele bereit, sich darauf einzulassen und darüber zu reflektieren. Da auch das Wissen um den professionellen Umgang mit dem Tod eher gering ist und von Medienklischees bestimmt wird, besteht natürlich auch eine Neugier auf einen Blick in diesen der Öffentlichkeit üblicherweise nicht zugänglichen Bereich.
Natürlich möchten manche Menschen dieses Thema vollständig meiden und verzichten daher von vorne herein auf die Betrachtung der Bilder, wofür ich auch Verständnis habe.

Weißt du schon, wo „Post Mortem“ als nächstes zu sehen sein wird?

Gegenwärtig sind die Bilder noch bis Ende Dezember im Ausstellungsraum des Bestattungsunternehmens Otto Berg in Berlin ausgestellt. Für die Zeit danach möchte ich gerne weitere geeignete Ausstellungsmöglichkeiten für diese Arbeit finden. Im Moment gibt es jedoch noch keine konkreten Planungen.
Anders verhält es sich bei der Arbeit „Search for Evidence“: Nachdem diese bis September im Rahmen der Ausstellung „Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf“ im Medizinhistorischen Museum der Charité Berlin präsentiert wurde, ist die gesamte Ausstellung von November 2009 bis Mai 2010 im Galileo-Park im Sauerland zu sehen.

Du hast gerade dein Studium an der neuen Schule für Fotografie beendet. Welchen Anspruch hast du an dich und deinen Beruf als Fotografen und in welche berufliche Vision verfolgst du?
Ich werde an bereits begonnen Themen weiter arbeiten und mich auch weiter mit dem Thema „Tod“ beschäftigen, weil es für mich in diesem Bereich noch viele offene Fragen gibt. Grundsätzlich möchte ich mich aber nicht auf nur ein bestimmtes Thema oder eine einzige Art der Fotografie festlegen.
Ich finde es spannend, mich auf neue Dinge einzulassen und bin daher offen für Alles.
Die Fotografie ist eine wunderbare Möglichkeit die Welt zu erforschen und damit Inhalte und Themen zu vermitteln.

Weitere Fotos von “Post Mortem” und mehr über Patrik Budenz gibt es bei Grauwerk zu sehen.

Anti-Advergames

November 11, 2009 |

nur spielen anti advergames miguel martinez Anti Advergames Foto von Spanier.

Meine Angestellten sind unglücklich, aber für die ist keine Zeit. Es gibt zu wenige Rinder, folglich keine Burger. Wir stehen kurz vor dem Ruin. Schnell, schnell. In meiner Not kommt die genmanipulierte Sojabohne auf die Felder. Tiermehl muss dem Fleisch, Hormone dem Futter zugeführt werden. Die Marketingkampagne ist gerade angelaufen und die Kunden stehen Schlange im Laden. Kein Rind heißt keine Burger, keinen Umsatz, keinen Top Score. Ich dachte, spielen entspannt.

Von wegen. Zwischen Korruption und Alibi-Aktion für die Dritte Welt stürme ich in meine Filiale. Die Mitarbeiter sind unglücklich. Das hatte ich vollkommen vergessen. Schnell rügen. Jetzt rollt der Rubel. Mehr Rinder, mehr Felder, mehr Marketing. Ach herrje.

Die hatten Recht: „Du wirst all die schmutzigen Geheimnisse kennenlernen, die uns zu einem der größten Konzerne der Welt gemacht haben.“ Das McDonalds Anti-Advergame zieht mich hinein in den Moloch der Political Incorrectness, wie mich sonst nur der Strudel von Oma ergreift. Und  dabei wollte ich doch eigentlich ganz sachlich recherchieren, weshalb Onlinespiele im sogenannten „Marketingmix“ von Unternehmen eine solch wichtige Rolle spielen.

mc donalds game Anti Advergames

Für Kaugummis, Autos, ja, selbst Taccos habe ich mich in den letzten Stunden investigativ durchs Netz gespielt und jedesmal die gleiche Leier. Einmal drin. Alles gefressen. Doch es kommt noch dicker. Während ich in meinem Alltag höchstens für Sekunden an einer Werbebotschaft verweile, löse ich mich ebenso schwer von den guten Werbe-, Produkt- und Markenspielen wie von einem spannenden Film. Ich ballere, laufe und kämpfe mich durch die Welten als ob es meine eigene wäre. Und das als erklärter Anti-Spieler.

An dieser Stelle sollte meine Recherche eigentlich beendet sein. Den Bann des Spiels habe ich zu Genüge ausgekostet und mir die Frage, weshalb Spiele in der Werbung so erfolgreich sind, wie im Abenteuerrausch selbst beantwortet.

Doch wo sind eigentlich die Kritiker, die Hacker, die Aufmischer in dieser bunten Welt des Spielerausches, frage ich mich? Jene, die Nichtwissern wie mir zeigen, dass der metaphorische Spieß auch umgedreht werden kann. Den de-branding Spielemacher-Untergrund sozusagen. Den zu suchen, ist die nächste Mission. Und McDonalds ist die erste Stufe zur Antwort.

Vor drei Jahren machte das zu Beginn beschriebene McDonald`s Anti-Advertising Spiel seine Runde und gehört bis heute zu den wohl berühmtesten unternehmenskritischen Spielen in dessen Reihe sich höchstens noch das von der PETA initiierte KFC Anti-Advergame positionieren kann. Doch dann ist Schluss. Spielerische Markenhacks gibt’s anscheinend seit einigen Jahren nicht mehr. Bloody Burberry mag als Rettungsanker auch nicht herhalten. Auch wenn ich gerne ein Hase war.

Ich strauchle auf meiner Suche nach spielerischer Substanz, nach Protest und Aufklärung bis ich an den Pforten der Politik & Wirtschaft ankomme. Denn was nach Planspielen klingt entpuppt sich als wahrer Himmel des Mehrwehrtspielens.

Im „The Free Culture Game“, beschäftige ich mich mit Copyrights und geistigem Eigentum, um am Ende zu verstehen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, Wissen zu privatisieren. Beruhigt ziehe ich weiter zu „Cutthroat Capitalism“, um noch schnell das Geschäftsmodell somalischer Piraten kennenzulernen, bevor ich bei „Consumer Culture“, eine Art Robotron ganz ohne Ballern, mit erhobenem konsumkritischen Zeigefinger, auf Protest geeicht werde. Wenn schon Kritik, dann richtig. “Xtreme Xmas” macht mich verrückt und “Bacteria Salad” betroffen. Die Liste von Culture-Jamming spiele ich nicht mehr durch.

Mir ist die Puste ausgegangen und es reicht gerade noch für Mama Kills Animals – ein PETA-Spiel für Tierschützer.
Hätte ich gewusst, wie spannend und vielseitig die Welt der Anti-Advergames ist, ich hätte gleich dort eingecheckt. Denn wenn schon Zeit verschwenden, dann doch bitte ohne bittersüße Werbebrause von Volkswagen & Co.

Bei Molleindustria, Ian Bogost und persuasive games mehr zum Thema.

Die Hamburger Proteste

November 02, 2009 |

recht auf stadt die stadt gehört allen miguel martinez Die Hamburger Proteste Foto via Spanier

> Die Marke Hamburg und das Recht auf Stadt <

Die Ohrfeige, der wichtigen Zielgruppe „Creative Class“ an die Standortpolitik der Stadt Hamburg und deren „urbanen Aufwertungsvisionen“ mit „Bruttogeschossflächen-Ideologie“ hat geschallert. Endlich.

Das schwarze Jahr einer städtischen Politik, die Kultur als „integralen Bestandteil einer Eventisierungs-Strategie“ und Stadtteilentwicklung aus der Quadratmeterhöchstpreis-Gebots-Perspektive als Vision für eine wachsende Stadt zu betrachten scheint, neigt sich dem Ende zu und erfährt durch das jüngst von Hamburger Kunst- und Kulturschaffenden veröffentlichte Manifest „Not in or Name, Marke Hamburg!“ einen scharfen, vielbesprochenen Gegenwind. Weiterlesen »

Alles im grünen Bereich

October 30, 2009 |

new green title miguel martinez spanier Alles im grünen BereichFoto via Spanier.

Cool ist mit Balkon, die Mietwohnung mit Draußen-Option. Mehr geht fast nicht für „Jedermanns“ im urbanen Mittendrin. Da ists auch OK, wenn der schweifende Blick an Häuserfassaden entlang klettert. Am Wochenende zur Erholung dann schön aufs Land oder an die See, und unter der Woche joggen im Park und Kräuterbeet im Blumenkasten jäten. „Ins Grüne“ gibt’s im Supermarkt. Das Konsum-Naturerlebnis zum Essen, Tragen und Trinken.  Und Yoga bringt den Einklang. Wenn nicht mit der Natur, dann zumindest mit dem Ich und der Welt.

Der sogenannte moderne Mensch in seiner urbanen Lebenswelt hat viel von allem und wenig vom Grün.
Das muss sich ändern. Für`s Klima, für das gesellschaftliche Miteinander und für die Lebensqualität. Das sagen Stadtplaner, Architekten, Künstler und Botaniker.

Der Mensch braucht grün, die Städte auch. So geht das nicht weiter. Deswegen passiert viel und das ist spannend.
Neue Gärten für die Städte. Ein kleiner Ausflug in die Angebotspalette:

Urbane Landwirtschaft:
urbanelandwirtschaft prinzessinnengarten1klein1 Alles im grünen BereichFoto via Prinzessinnengarten

Urbane Landwirtschaft hat mit den Knochenarbeiten Heu einfahren, Spargel stechen, Tabak fädeln und Ställe misten zwar wenig gemein, stellt jedoch das Miteinander arbeiten, die gemeinsame Bewirtschaftung städtischer Freiflächen, ins Zentrum der Sinnhaftigkeit. Und das kann aussehen, wie der Prinzessinengarten am Moritzplatz in Berlin. Inspiriert von „agrikultura urbana“ Projekten, wie sie zum Beispiel in Nordamerika, in Chile und auf Kuba seit Jahren betrieben werden, verwandeln der Historiker Marco Clausen und der Filmregisseur Robert Shaw den brach liegenden „Transitraum“ Moritzplatz in einen Ort zum verweilen und miteinander Machen. In ihren Worten:

“Wir werden die Brachfläche am Moritzplatz temporär nutzen. Für mindestens 2 Jahre werden wir auf ihr Bio-Gemüse in
Hochbeeten ziehen, d.h. unabhängig vom vorgefundenen Boden. Unsere Gärten werden mobil sein und nach Ende der jeweiligen Nutzung an einen anderen Ort ziehen, an dem Licht, Wasser und Öffentlichkeit zu finden sind – das kein ein Hochhausdach oder ein Parkdeck ebenso gut sein wie eine weitere  Brachfläche.

Der Prinzessinnengarten soll ein Ort des Lernens sein, an dem vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene aus dem Quartier sich Wissen und Kompetenz für einen nachhaltigen Lebensstil aneignen können und gemeinsame an einer zukunftsfähige Stadt arbeiten.

prinzessinengarten 2tryp dominique2 Alles im grünen BereichFoto via Prinzessinnengarten

Unser Garten wird aber auch ein Ort des Genießens und Erholens sein. In einem kleinen Gartenrestaurant wird man dabei zusehen können, wie das frisch geerntete Gemüse direkt weiterverarbeitet wird.
Wir haben nicht warten können bis man uns eine bessere Stadt errichtet. Wir haben schon einmal angefangen und uns
selbst ermächtigt, Freiräume zu nutzen und diese Stadt mitzugestalten. “ Mehr über Prinzessinengarten hier.

Vertikale Gärtenparabienta Alles im grünen BereichParabienta, Japan via Chemicallygreen

Wo wenig Platz und viel Beton ist höher immer die Option für mehr. Für mehr Mensch, für mehr Fläche, für mehr Arbeits- und Lebensraum. Und seit Patrick Blanc, der gerne als Leitfigur für grüne Wände genannt wird,  auch für vertikale Gärten. Die werden an die Wand geklebt und wenn`s gut läuft sind sie Schmuckstück und CO2 Kompensatoren zugleich. Das funktioniert innen wie außen und sieht so aus:

living walls2 Alles im grünen BereichCaixaForum Museum Madrid via Chemicallygreen & The Siam Paragon Shopping Center via PingMag

Eva hat sich auf ihrem Blog ebenfalls mit neuem Grün in großen Städten beschäftigt und zeigt unter anderem weitere Beispiele für vertikalen Gartenbau.

Wolkengärten:
daniel liebeskind green new york tower  Alles im grünen BereichBilder via Designboom

Utopistische Visionen für grünere Städte reichen sich die Hand mit Wolkenkratzerarchitektur und der Idee von grünem Leben in hohen Häusern.  Die Entwürfe sind spektakulär. Wie sie im echten Leben und in echten Städten umgesetzt werden, wird sich in den nächsten Jahren jedoch erst zeigen. Oben zeigt Daniel Libeskind seinen Entwurf eines grünen New York Towers und unten gibts Visionäres, das dem Libeskind in keinster Weise nachsteht:

garden skycrapper 2 Alles im grünen BereichSingapur`s EDITT Tower via momoy.
sky garden 1 Alles im grünen BereichThe Oliv via lushhomemedia.
mumbaigreen Alles im grünen BereichMumbai`s “Green Tower” via Inhabitat.
Mehr über grüne Architektur und Skyfarms gibt es unter anderem bei Treehugger, Jetson Green und ScysraperCity.


Gartenkunstbio accessoires fb small bio 37 Alles im grünen Bereich
Foto via Bioaccessoires

Nach dem Übervisionären darf der Blick auf die Heiterkeit im Gartenkontext nicht fehlen.
Weitaus unbefangener als ich der großen Architektur geht es bei den Guerilla Gärtnern zu, die dank Vanessa Harden nun auch subversive Accessoires zur Hand haben. In Würzburg nimmt man den Begriff  “mobile Gärten” wörtlich und Moos Graffiti ist die Wandkunst der grünen Underdogs. Bioaccessoires wartet mit Gärten zum Anziehen auf und Beton + Garten zeigt täglich Unkonventionelles aus der Bau- und Botanikerwelt. High Five für die Grüne Daumenfraktion.bio accessoires fb small bio 27 Alles im grünen Bereichbio accessoires fb small bio 71 Alles im grünen BereichFoto via Bioaccessoires

Jesus Junk – Die Krippenkunde

October 28, 2009 |

Krippe Oliver Fabel Jesus Junk   Die Krippenkunde
Bis Weihnachten ist es zwar noch ein bißchen hin. Für alle, die jedoch jetzt schon das Handgeschnitze im elterlichen Wohnzimmer fürchten, eine kleine visuelle Exkursion in die Welt der Weihnachtskrippen. Zehn Mal Jesus Junk vom Feinsten.

1. Der Krippenschuh

nativity shoe Jesus Junk   Die Krippenkunde

via

2. Krippenensemble für Knitmaniacsknitted nativity scene Jesus Junk   Die Krippenkundevia

3. A-Romantisches Krippengemäldechristmas nativity in tallaght nativity painting Jesus Junk   Die Krippenkundevia

4. Badeentenkrippenativity ducks Jesus Junk   Die Krippenkundevia

5. Interaktive Krippenszenerie mit Soundinteractive nativity scene Jesus Junk   Die Krippenkundevia

6. Coca-Cola Dosen Recycling coca cola nativity unusual recycled cool nativity scenecokecannativity Jesus Junk   Die Krippenkundevia

7. Krippensnackchocolate nativity scene Jesus Junk   Die Krippenkundevia

8. Ballon-Krippeballoon nativity Jesus Junk   Die Krippenkundevia

9.  Krippe fürs Handgelenkunusual cool odd nativity watch Jesus Junk   Die Krippenkunde
via

10. Lego Hardliner Krippelego nativity2 Jesus Junk   Die Krippenkundevia

Und natürlich die oben gezeigte Bauklotz-Krippe des Berliner Künstlers Oliver Fabel.

Meine kleine deutsche Toleranz

October 23, 2009 |

i see the world in two dimensions Meine kleine deutsche Toleranz

Er Kurde, ich Deutsche; zusammen: beste Freunde. Gefühlt sind Mehmet und ich eine verschworene Gemeinschaft für die Ewigkeit. Mit allem, was dazu gehört. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt waberten wir uns ins Erwachsenwerden. Mal eng, mal weit zueinander – jeder jedoch mit seinem eigenen Leben unweigerlich in das des anderen verwoben. Treu zur Seite, hart in der Kritik, ehrlich in den Worten und herzlich im Sinn, die Liebe im Gepäck. Beste Freunde, nicht nur beste, sondern BESTE eben.

Was kann da noch passieren?
„Ich heirate meine Cousine. Nächsten Monat“. Das kann passieren. Weiterlesen »

Ein Jahr Missy Magazine

October 18, 2009 |

Ein Jahr Missy Magazine. 10 Fragen und hier die Lieblingslinks von Stefanie Lohaus, Chris Köver und Sonja Eismann, den Köpfen hinter dem jungen Popkultur-Magazine für Frauen, von Frauen. Missy Magazine whats wrong with the zoo Judith Marthaler Ein Jahr Missy Magazine

Das Missy Magazine feiert im Oktober seinen ersten  Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch.
Was ist das Fazit eures ersten Missy-Jahres?

Das erste Missy-Jahr war wirklich sehr aufregend. Am Anfang haben wir ja unglaublich viel Aufmerksamkeit durch die Presse bekommen, was uns sehr geholfen hat. Ansonsten war es eine tolle Erfahrung, zu merken wie sich das Magazin entwickelt, immer besser wird, wie sich Abläufe einspielen. Und wir bekommen ja auch immer noch begeisterte Mails von Leserinnen, die uns gerade entdeckt haben und die sehr froh sind, dass es uns gibt! Das gibt uns immer wieder neuen Mut. Weiterlesen »

Ein Kleid für alle Fälle

October 10, 2009 |

Jessica Broscheit Judith Marthaler Whats Wrong with The Zoo Herr von Eden 2 Ein Kleid für alle Fälle
Ein Kleid zu haben, das perfekt sitzt, einzigartig ist und sowohl im Alltag, als auch zu besonderen Anlässen tragbar ist, wünschte sich Jessica Broscheit bereits als Kind. Vor einem halben Jahr machte die Hamburger Künstlerin und Designerin endlich Nägel mit Köpfen, verkaufte alle Kleider und ließ sich von Bent Angelo Jensen, dem Kopf hinter Herr von Eden, einen Schnitt für ein Kleid anfertigen, das exakt auf ihren Körper angepasst, zeitlos, klassisch und dennoch modern genug ist, um stilistische Ausflüge ins Futuristische und Spielerische zuzulassen. Weiterlesen »

All over the kiez

October 05, 2009 |

all over the kiez  All over the kiez
Auf dem Kiez ist alles, was dumm und scheiße ist”, sagt Rocko Schamoni im Dokumentationsfilm Empire St. Pauli und bezieht sich mit seinen klaren Worten auf Immobilienspekulanten und wabernde Touristenmengen, die an den Wochenenden zu tausenden Hamburgs Amüsierviertel mit Rotlichtmeile besuchen und geschmackbefreit von Welt Astra Tagen, Harley Treffen und Schlager Move schwärmen um im Anschluss im nächsten Touri-Laden auf den Tischen zu tanzen und Chart-Hits zu grölen.

Und in der Tat, dass Hamburgs berühmtester Stadtteil St. Pauli lebenswert und liebenswert ist, könnte man fast vergessen, wenn man an den Wochenenden vor die Haustür geht und Hindernisläufe durch pissende und kotzende Teenager, Junggesellen/innen Gruppen mit Faschings-Perücken und Musicalbesucher-Bussen absolvieren muss.

all over the kiez2 All over the kiez

Das Gute und Feine gibt´s in St. Pauli erst auf den zweiten Blick und schon gar nicht in der ersten Reihe. Und genau das macht den Unterschied, zwischen jenen, die dort leben und wissen und anderen, die kurz mal kommen und suchen.

Der unbekannte Schöpfer von „all over the kiez“ ist einer der weiß, einer der sieht. 52 Bilder hat er im Viertel fotografiert und dort aufgehängt, wo sie entstanden. „Es ist ein Projekt, ein temporäres Nehmen und Geben. Ein Aufnehmen von Sehenswerten und das Abbilden davon an Originalschauplätzen. (…) Alle Fotografien befinden sich dort, wo sie entstanden. Impressionen aus der Nachbarschaft in der Nachbarschaft, sozusagen. So ergeben zahlreiche Ansichten des Viertels meinen Blickwinkel aufs Viertel“, heißt es in der Projektbeschreibung.

all over the kiez 3 All over the kiez
Zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass da einer ist, der sein Viertel kennt und liebt.  Der Blickwinkel spricht Bände.
Neben St. Pauli typischen Motiven wie Silbersack, Cafe Keese, Esso Tankstelle  und Bunker zeigt „all over the kiez“ alltagstypische Momentaufnahmen von Kritzeleien und zugeklebten Wänden, dokumentiert das großartige „Obdachlos Hotel“, dessen Bewohner längst vertrieben wurden und schreckt auch nicht vor dem Blick in Fenster und Hauseingänge zurück.

Die Namen der Fotos tragen die Koordinaten der Schauplätze und Orte, sind auf Google Maps verzeichnet und ergeben einen sehenswerten St. Pauli Rundgang. Losgehen lohnt.

Fotos via all over the kiez.

Vom Foto zum Meme. Yeaahh!

October 02, 2009 |

yeaahh2 Vom Foto zum Meme. Yeaahh!Wenn man mich gefragt hätte, ob ich ein Bild zur Verfügung stelle für ein Flashmob, hätte ich sicherlich abgesagt. Ich finde Flashmobs langweilig und studentisch. Aber nachdem ich die YouTube Videos vom Hamburger “Yeaahh Flashmob” gesehen habe, war ich begeistert. Ich hab mich wie ein Kleinkind gefreut. Alles aus meinem Flickr-Bild aus entstanden.“

Drei Wochen nachdem Miguel Martinez aka Spanier mit diesem Foto unfreiwillig den „und alle so Yeaahh”-Nährboden schuf, haben sich die Wogen um Deutschlands bekanntestes Angela Merkel Wahlplakat längst wieder geglättet. 92 462 Views und mehr als 200 000 Google „Yeaahh“-Ergebnisse später, bietet der Blick hinter die Kulissen des Phänomens jedoch einen spannenden Überblick über die Verselbständigung eines Fotos, dessen Urheber im Offline-Urlaub weilte, während sein Bild von Flickr bis zur Kanzlerin kam.

Beim Schanzenfest war´s noch der geflügelte Satz eingeweihter Freunde. Je später der Abend, desto weniger Worte und mehr Yeaahh. Während keiner der Umstehenden verstand, weshalb  man deswegen lachen muss, waren bei Matthias Werner und Just der Blick hellwach und die Bloggerfinger am flinksten. Mit Nerdcore und Spreeblick kamen die Reichweiten ins Spiel und während Spanier nichts ahnend im Heimatland mit Freunden die Paella machte, kochte im Netz das Yeaahh-Süppchen auf vielen Herden.

„Ist dir eigentlich bewusst, was du angerichtet hast? Das ist überall. Remix Contest, T-Shirt, Yeaah-Lied und Flashmob. Oh man, Hilfe! Grüße in den Urlaub.“ Der Urlaub ist längst nicht vorbei. Die selbst auferlegte Offline-Phase endet jedoch mit dieser SMS. Miguel lacht Tränen, als er seinen Email-Account checkt und blickt fassungslos auf seine Flickr-Stats.

Es hat mich schon beeindruckt, was für eine Eigendynamik das Bild hatte. Aber als ich die ersten Yeaahh-T-Shirts sah, war ich schon ein bißchen enttäuscht. Ich wollte selber welche machen nach mein Urlaub. Schönere, mit Stefan. Und erst recht keine hässlichen Spreadshirts. Es wurde mir aber klar, als ich diese T-Shirts sah, dass das Foto nicht mehr mir gehörte. Es gehörte nun dem Internet und jeder würde damit machen was er will. War für mich auch ok. Ich hoffte zumindest, dass ein paar Menschen zu mir verlinken und die meisten haben das auch getan. Ich war aber sowieso nur der Medium. Wie Spreeblick, Nerdcore und Company war ich nur ein Medium, das diesen geilen Spruch weitergetragen hat.

Erst nach sieben Tagen – im Internet eine Ewigkeit – entwickelte sich das “BlogTwitterFacebookFlashmobVideoSongT-Shirt Yeaahh” zum klassischen “Medien Yeaahh”. Im drögen Wahlkampf ein gefundenes Fressen, um die öffentliche Flashmob-Debatte anzuheizen, kreuzte der Spiegel auf und mit ihm der Rest. Während die ersten Bild-Anfragen großer Publikationen von Miguel neugierig mit Honorarfragen gekontert wurden und unbeantwortet blieben, stürzten sich taz, Süddeutsche, Bild, Abendblatt und Blättchen jeglicher Couleur auch ohne Foto auf Merkels „Freunde aus dem Internet“, drehten Filmchen fürs online Seitchen, dokumentierten, analysierten und bewerteten. Die Views des Fotos erreichten ihren Höhepunkt.

Tagesthemen sendete, FAZ druckte, Das Ding interviewte. Die mediale Krönung des Yeaahs war vollzogen. Viele wussten schon gar nicht mehr, woher es eigentlich kam und wohin es gehen würde. Wikipedia auch nicht.

Miguel macht sich auf die Suche nach dem Urheber. Doch Kritzeleien auf Plakatwände sind gehörig verboten. Offiziell weiß keiner, wer dem Wahlkampf diesen Spaß bescherte. Inoffiziell… folgt die zweite Straftat. Das Plakat wird von „Unbekannten“ entwendet und bringt auf Ebay 324,05 Euro ein. St. Pauli´s Café mit Herz freut sich über die Spende.

Drei Wochen später. Die Wahlen sind vollzogen. Miguel ist zurück in Deutschland und wer jetzt noch “Yeaahh” schreit, nervt. Sie hat für vieles hergehalten, die kleine Kritzelei, die im Webwirbel zum tagesthementauglichen Meme wurde. Jetzt, wo alle gezeigt haben, dass sie „Yeaahh“ können, ist es für Miguel an der Zeit, seine Urlaubsbilder zu zeigen.