
Je deregulierter die Welt, desto ängstlicher die Mode. Aber wer wird sich denn ins Hemd machen? Der Preppy-Konservatismus muss sterben, damit die Mode leben kann. Der Tanz der Ungewissheit ist das Lebenselixier der Mode. Normative Codes ersticken sie.
Wie man der Durchformuliertheit des Sauberburschen-Looks entkommt, zeigen für die unterschiedlichen Altersklassen Gosha Rubchinskiy und die Hamburger Hells Angels aus den 80ern. Die Unter-25-Jährigen halten sich an Gosha, die darüber an die Hells Angels.
Entweder versorgt man sich als süßer Junge mit bösen Attributen wie Goshas ordentlich frisierte Milchbubi-Clique mit Stachelmasken (siehe Foto oben). Oder als böser Kerl mit süßen Attributen wie die zotteligen Hamburger Hells Angels mit Pudelmütze und Schoßhündchen. Vielleicht tut es statt des Hundes auch eine Orchidee am Druckknopf des Lederjackenrevers.

(Hamburger Hells Angels, Foto: Christian von Alvensleben, aus: “Alles über Rocker”, Huber Verlag 2004)
Dann ist Schluss mit den falschen Allianzen. Die BWLer, die sich vom Preppy-Look noch hinters Licht führen ließen, wenden sich pikiert ab und die echten Rocker furzen einen gegen die Wand. Und die Mode ist wieder ganz bei sich. Denn nur die Mode, die sich jeder Statuszuweisung verweigert, ist die eigentlich statusbewusste Mode. Nur wer aufs Maul kriegt, kann in Anspruch nehmen, wirklich modisch zu sein. Die anderen sind nur opportunistische Katalogopfer.