Author profile: Sarah Hegenbart
Sarah Hegenbart
Sarah ist auf der Suche nach dem Schönen in der Kunst. Hat sie es gefunden, schreibt sie gerne darüber etwas für Sounds. Studiert hat sie an Berlins Universität der Künste und an der HU. Gerade versucht sie in Oxford ihre Interessen in Philosophie und Kunst miteinander zu verbinden. Mindestens einmal pro Woche macht sie einen Katzensprung nach London und berichtet von dort.
Einträge von Sarah Hegenbart:

Noch einmal kurz hinsetzen und ausruhen bevor es in die nächste Halle geht. Ein Rundgang über die Art Basel artet wie immer in ein Mammutprogramm aus. Was sind die Höhepunkte in diesem Jahr?

Image 1: Photo: Sarah Hegenbart
Die Londoner Galerie Marlborough (inzwischen mit Dependancen in New York, Madrid, Monte Carlo und Barcelona) feiert ‘A Tribute to Francis Bacon’. Neben seinem Triptych ‘Three Studies of the Human Body’ (1970), das in einem etwas fragwürdigen Goldrahmen im Zentrum der Ausstellungskoje steht, beeindruckt vor allem Weiterlesen »
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Miuccia Prada ist mit einem Teil ihrer Kunstsammlung nun auch am Canal Grande vertreten.

Image 2: Blick auf den Canal Grande | Photo: Sarah Hegenbart
Pünktlich zur Preview der diesjährigen Biennale hat die Fondazione Prada neue Ausstellungsräume in Ca’Corner della Regina—einem verzaubert schönen Venezianischen palazzo bezogen. Somit haben Besucher nun auch jenseits von Mailand die Chance einen Ausschnitt aus Pradas eindrucksvoller Sammlung zu bewundern.

Image 3: Das Piano Nobile von Ca’Corner della Regina | Courtesy Fondazione Prada
Obwohl der zwischen 1724 und 1728 für die Corner Familie gebaute Palast mit seinen eindrucksvollen Deckengemälden sowieso schon sehenswert ist, wird er von Prada gleichsam veredelt.

Image 4: Pino Pascali | Confluenze (Confluences), 1967 | Aluminum, aniline-dyed water | 7 x 112 x 112 cm, 22 elements each | Photo: Sarah Hegenbart
Pino Pascalis Arbeit Confluenze steigert die Eleganz des Piano Nobile noch einmal ins Grandiose. Die 22 Wasserelemente spiegeln die Deckengemälde so wieder, dass sich der Besucher ganzheitlich von Kunst umgeben fühlt. Ein geschickter Handgriff des Kurators Germano Celant, dem es so gelingt eine Verbindung zwischen den modernen Kunstwerken und dem klassischen Palast aus dem achtzehnten Jahrhundert zu erstellen.

Image 5: Damien Hirst | Waiting for Inspiration, Blue, 1994 | Glass, steel, oil on canvas, table | 210 x 210 x 210 cm | Photo: Sarah Hegenbart
Auch Damien Hirsts Waiting for Inspiration bekommt in dem Kontext des grandiosen Ausstellungsraumes eine ganz neue Anmutung.

Image 6: Donald Judd’s Turquoise Enamel wirkt wie für den Ausstellungsraum im palazzo geschaffen | Photo: Sarah Hegenbart
Beeindruckend ist vor allem, wie es Germano Celant hier gelingt, eine Ausstellung zu konzipieren, die ein best mögliches Zusammenspiel von Kunst und Architektur bewirkt. So wie sich Donald Judd’s acht türkise Aluminiumelemente exakt in den Raum einfügen wirken sie beinahe wir extra dafür geschaffen. Nur ein Blick auf das Entstehungsjahr der Arbeit verrät, dass diese eben doch nicht site-specific ist.

Image 7: Walther de Marias veredelt das Portrait von Dorian Gray in Silber | Photo: Sarah Hegenbart
In einem weiteren Raum mit Blick auf den Kanal portraitiert Walther de Maria Wilde’s Dorian Gray in Silber. Dem gegenüber steht eine minimalistische Skulptur, in der sich das Portrait noch einmal spiegelt. Geschickt wird so die Blickführung der Besucher gelenkt, die sich letztlich selbst als Teil des Kunstwerks begreifen, sobald sie ihr eigenes Spiegelbild in der Arbeit entdecken. Gleichsam nimmt der Besucher so die Perspektive Dorian Grays ein, der sich nicht von der Faszination seines eigenen Abbildes lösen kann.

Image 8: Lucio Fontana | Concetto spaziale. La fine di Dio (Spatial Concept. The End of God), 1963 | Oil, cuts, holes and glitter on canvas | 178 x 123 cm | Courtesy Fondazione Prada
Ein Schwerpunkt der Sammlung Prada liegt auf Italienischer Kunst. Beispielsweise den Arbeiten von Lucio Fontana.

Image 9: Carsten Höller | The Double Club, 2008-09 | Mixed media | variable dimensions | Photo: Sarah Hegenbart
Von November 2008 bis Juli 2009 initiierte die Fondazione Prada das Projekt The Double Club in London, das von dem Deutschen Künstler Carsten Höller realisiert wurde. Einen Einblick in den damit veranlassten Dialog zwischen Kongolesischer und Westlicher Musik, Lifestyle, Kunst und Design präsentierte die Sammlung Prada bereits im Juni in dem Raum der Fondazione Giorgio Cini in Venice. Hier ist Höllers Arbeit nun noch einmal zu sehen.

Image 10: Louise Bourgeois | Cell (Clothes), 1996 | Wood, glass, fabric, rubber | 211 x 442 x 266 cm | Photo: Sarah Hegenbart
Auch Louise Bourgeois wird von Miuccia Prada gesammelt. Die Installation Cell (Clothes) ist gleichsam eine Allusion auf die Haupttätigkeit des Prada Imperiums an. Sowohl in der Mode als auch in ihrer Sammlertätigkeit zeichnet sich Prada durch höchste Stilsicherheit aus.
Bild 1: Image 1: Ca’Corner della Regina | Courtesy Fondazione Musei Civici di Venezia
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Wie sehr beeinflussen unsere Emotionen die Wahrnehmung einer Ausstellung? Wohl kaum einer der zahlreichen Besucher von Ai Weiwei’s Vernissage bei der Londoner Lisson Galerie ist an diesem Abend unbeteiligt. Nur zu präsent ist das Wissen um das Verschwinden des hier gefeierten Künstlers. Auch wenn dieser, verkörpert in Form eines überdimensionalen Plakates von der Fassade der Galerie, über seine eigene Ausstellung wacht, so ist es doch vor allem ein Gefühl der Leere, das diese Ausstellung charakterisiert.

Ai Weiwei fehlt. So ungewiss sein Schicksal ist, so groß ist die Angst davor, dass er dieses Mal nicht ‘nur’ mit einer riesigen Platzwunde am Kopf davon kommt. So könnte man denken, dass es gerade diese Angst um sein Schicksal ist, die unser Sehen der hier ausgestellten Werke beeinflusst. Möglicherweise trägt das Bewusstsein des Fehlens von Ai Weiwei dazu bei, dass Arbeiten wie sein Marble Chair einen erstarren lassen. Evoziert dieser leere Stuhl nicht Parallelen zu Warhols berühmten Electric Chair aus den sechziger Jahren? Auch wenn die Lehne bei Ai Weiweis Stuhl ein wenig geschwungener ist und die Festschnallgurte fehlen, so bringt ein Vergleich von Warhols Druck mit der Skulptur Ais doch erschreckende Ähnlichkeiten zutage. Einsam und verlassen stehen beide Stühle mitten im Raum. Was ist passiert mit dem für den dieser Stuhl bestimmt war? Fragen über das Schicksal des Festgenommenen. Ein mulmiges Gefühl von Leere und Gelassenheit, das sich breit macht.

Nicht nur eine Materialverwandtschaft verbindet den marmornen Stuhl mit einer Skulptur, die sich aus Marmortüren zusammensetzt. Auch thematisch scheinen die Arbeiten miteinander verknüpft. So evozieren auch die steinernen Türen, die so aneinander gelehnt sind, dass sie einen Hohlraum einschließen, ein Angst vor der Leere. Was verbirgt sich in dieser Höhle, die ein bisschen an ein Felsengrab erinnert? Bezieht sich diese Skulptur auf das bekannte kunstgeschichtliche Motiv des aus dem Grab entschwundenen Jesus? Hat Ai Weiwei mit dieser Arbeit sein eigenes Verschwinden antizipiert?

Eingeschlossen sein. Ummauert von unbeweglichen Elementen, gegen die man sich nicht mehr zu Wehr setzen kann. Dies erinnert ebenso an das Schicksal der Antigone. Wie Ai Weiwei eine Figur, die mutig für ihre Ideale und Werte eingestanden ist und dafür sogar ihren eigenen Tod in Kauf genommen hat. Eines der Zitate Ai Weiweis, das auf einem Plakat zwischen beiden Schauräumen der Lisson Galerie in der Bell Street zu finden ist, macht das deutlich, was beide miteinander verbindet: „Say what you need to say plainly, and then take responsibility for it“. Dieses konsequente Einstehen für das Recht auf Kritik und freie Meinungsäußerung hat für sie oberste Priorität.

Selbst wenn Ai Weiweis Coloured Vases demgegenüber ein wenig fröhlicher und verspielter wirken, sind auch diese durch die kritische Haltung des chinesischen Künstlers geprägt. Mit bunten industriellen Farben hat der Künstler antike chinesische Vasen aus der Han Dynastie bemalt. Somit hinterfragt Ai Weiwei die Leitideen der kulturellen Revolution, bei der alles Alte durch Neues ersetzt werden sollte. Dieser Bruch mit der Geschichte macht deutlich, was dem auf Fortschritt bedachten China verloren ging: Eine Legitimationsgrundlage für ihre neuen fragwürdigen Ideale.

Gegenwärtig ist Ai Weiwei nicht nur in seinen Arbeiten, sondern auch in Form einer Videoproduktion, in der er dabei ist, eine SMS zu schicken. Dabei mischt er sich beinahe auf Augenhöhe unter die Besucher der Vernissage. Dies macht umso schmerzhafter bewusst, wie sehr er hier fehlt.

Ai Weiweis Vernissage bei Lisson eröffnet gleich mehrere Möglichkeiten sich am Protest gegen Ai Weiweis Festnahme zu beteiligen. Nicht nur gibt es die Möglichkeit, ein Statement zu setzen, indem man sich mit einem Free Ai Weiwei Schild ablichten kann. Auch werden die Besucher gebeten sich draußen auf der Straße für eine Schweigeminute zu versammeln.

Gerade als sich die Schar der Besucher nach einer kleinen Ansprache wieder ins Innere der Galerie begeben will, geschieht etwas Unerwartetes. Eine rote unangenehm an Blut erinnernde Flüssigkeit wird in die Menge gespritzt. Es ist Ketchup. Von aggressiven Schreien begleitet bespritzen sich damit zwei Künstler gegenseitig. Dies wird von den meisten Besuchern lediglich mit einem Lachen notiert. Was für eine interessante Ablenkung dieser Abend doch darstellt! Verabschiedet wird sich danach mit der freudigen Feststellung, dass man sich ja bald schon in Venedig wieder sieht. Eine Diskrepanz zwischen der Ernsthaftigkeit dieses Anlasses und der Motive einiger, der hier anwesenden, Gäste offenbart sich nur allzu deutlich.
Ai Weiwei fehlt. Ohne ihn läuft der Kunstzirkus Gefahr, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Kunst ist mehr als reines Entertainment. Wer Kunst Ernst nimmt, ist sich ihrer Fähigkeit bewusst, den Status Quo zu verändern. Gerade dieses Bewusstsein hat dazu geführt, dass die chinesischen Behörden Ai Weiwei’s Wirken als eine so enorme Bedrohung empfunden haben.
„Liberty is about our rights to question everything“, hat Ai Weiwei immer wieder betont. Gemäß diesem Motto sollten wir die Leere ohne Ai Weiwei nicht einfach so akzeptieren. Die Petition des Guggenheim ist ein erster Schritt in die richtige Richtung:
http://www.change.org/petitions/call-for-the-release-of-ai-weiwei#?opt_new=f&opt_fb=t
Die Arbeiten von Ai Weiwei sind noch bis zum 16. Juli in der Lisson Gallery zu sehen.
Lisson Gallery
52-54 Bell Street
London, NW1 5DA
Mo – Fr: 10:00 – 18:00 Uhr
Samstag: 11:00 – 17:00 Uhr
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Ein kleines verbranntes Schaukelpferd aus Stroh—liebevoll mit einem gelben Handtuch zugedeckt—steht in einem Gewölbe, über das im Minutentakt ein Overground Train rattert. Dieser charismatische Ausstellungsraum ist Teil von Beaconsfield —einer unabhängigen Institution, die jungen Künstlern eine Plattform zum Experimentieren bieten will. Das Pferdchen ist das Überbleibsel einer Performance, die zur Vernissage von Fraternise – The Salon stattfand. Eloise Fornieles erzeugte auf einer Rudermaschine so viel Energie, das sie damit das Pferd in Flammen aufgehen lies.

Image 2: Damien Hirst ist mit seiner Arbeit Big Love (2010) vetreten
Diese Aktion, die gleichsam symbolisiert, welche intensive Kraft Kunst besitzen kann, ist Teil eines einzigartigen Fundraising Projektes. Anstelle sich von den enormen Förderungseinschnitten des Britischen Arts Council einschüchtern zu lassen, haben sich hier Künstler zusammengeschlossen, um eigenständig Unterstützung für innovative Kunstprojekte einzuwerben. Dabei vereint der Salon, der von Rachel Howard, Judith Dean, David Crawforth und Naomi Sidefin kuratiert wurde, Werke verschiedenster Kreativschaffender, die sich alle in irgendeiner Form Beaconsfield verbunden fühlen. Dazu gehören die ehemaligen YBA-Stars Damien Hirst, Sarah Lucas und Tracey Emin sowie auch deren Kritiker Julian Stallabrass, der neben seiner akademischen Beschäftigung auch als Kurator und Photograph aktiv ist.
Image 3: Eine Skulptur von Sarah Lucas & Olivier Garbay
Sind in dem Raum unter dem Bahnbogen vor allem Skulpturen zu sehen, findet man im zweiten Ausstellungsraum des Salons—dem Schulzimmer der ehemaligen Lambeth Ragged School—eine Menge wandbasierte Arbeiten.

Image 4: Das ehemalige Schulzimmer der Lambeth Ragged School in einen Galerieraum verwandelt
Außerdem erinnert hier eine Schaukel an eine weitere Performance, die am Eröffnungstag stattgefunden hat. Franko B schwang sich hier nackt hin und her. Mit seinen unendlich vielen Tattoos wirkte er wie ein mit Körperfarbe verziertes Kunstwerk an sich.

Image 5: Die Schaukel des Franko B
Im Vorhof der ehemaligen Schule hat die israelische Künstlerin Dafna Talmor einen kleinen Garten auf einem Garagendach installiert. Talmor ist eigentlich eher als Photographin bekannt. Ihre Arbeit verdeutlicht, was Beaconsfield ausmacht. Hier wird Künstlern jenseits von kommerziellen Zwängen die Chance gegeben, kreativ zu experimentieren und ihr Werk facettenreich zu erweitern. Dass das Kunstschaffen dabei nicht auf Einfluss nehmende Patronage angewiesen ist, führt Beaconsfield inspirierend vor Augen.

Image 6: Die Malerin Jules Clarke vor ihrem Oelbild Reader (2010)
Was gute Kunst ausmacht ist nicht ihr kommerzieller Marktwert sondern die kreative Idee, die sich in ihr manifestiert. Solche Ansätze sind in Beaconsfield in einer unglaublichen Vielfalt zu entdecken. Diese sind von einer solchen Sprengkraft, dass sie sicher noch anderes als nur ein Schaukelpferd in Flammen setzen könnten.
Fraternise – The Salon ist noch bis zum 29. Mai zu sehen von Dienstags bis Sonntags jeweils 11-17 Uhr.
Beaconsfield
22 Newport St
London
SE11 6AY
+44 (0) 207 582 6465
Image 1: Die Überreste von Eloise Fornieles’ Performance
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Manifeste einer Künstlerinnenfreundschaft -
Eine Ausstellung in Hauser&Wirth’s Old Bond Street Galerie bringt zum Vorschein, dass Tracey Emin und die im letzten Jahr verstorbene Louise Bourgeois weit mehr verbindet als ein künstlerischer Fokus auf verwandte Themenschwerpunkte. Beide Künstlerinnen untersuchen in ihrer Arbeit weibliche Sexualität und beschäftigen sich vor allem mit der Frage, wie Verlustangst und der Schmerz des Verlassenwerdens unser Denken bis zur Lähmung jeglichen Handelns beeinflussen kann. Ein Kreisen um diese existenziellen Fragen ist jedoch nicht das einzige, was Bourgeois und Emin miteinander teilen. Vielmehr sind sie außerdem verbunden durch eine wundersam berührende Künstlerfreundschaft, deren intime Manifeste nun in London zu sehen sind.

Deep inside my heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth
Besonders bewegend ist der Eindruck von Vertrautheit, Authentizität und gegenseitigem Respekt, den diese Ausstellung vermittelt. Emin offenbart ihre Hochachtung vor Louise Bourgeois’ künstlerischem Schaffen, wenn sie beschreibt, wie sie mit Bourgeois’ Zeichnungen einmal um die Welt reiste ohne sie zu berühren:
‘I carried the images around the world with me from Australia to France, but I was too scared to touch them’.
Später hat sie es dann glücklicherweise doch getan. Emin versah Bourgeois’ Gouachen männlicher und weiblicher Torsi mit ihrer eigenen Handschrift. Beispielsweise lässt sie Figuren, die wie Liliputaner anmuten, mit den überdimensionalen Körperteilen interagieren. Indem sie zusätzlich Text in die Papierarbeiten integriert, schafft sie so etwas wie eine kleine Erzählung, die Bourgeois’ Torsi mit Emins Charakteren in Verbindung setzt.

And so I kissed you, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth
‘And so I kissed you’ wird von ihr unter einen Torso geschrieben, den Emin außerdem mit einer weiblichen Figur, die einen erigierten Phallus umklammert, erweitert. So erweckt sie den Eindruck eines Abhängigkeitsverhältnisses, der sich möglicherweise durch den Sexualakt konstituieren könnte.
Ein solches Abhängigkeitsverhältnis wird von beiden Künstlerinnen kritisiert. Dementsprechend drücken die Manifeste ihrer Freundschaft auch keineswegs eine hierarchische Asymmetrie aus, sondern sind Zeugnisse eines anregenden Dialogs, der zu einer unfassbar vertraulichen und berührenden Ausstellung geführt hat.

A sparrow’s heart, 2009-2010, Archival dyes printed on cloth, 61 x 76.2 cm / 24 x 30 in, Printed by Dye-namix, New York © Louise Bourgeois Trust and Tracey Emin. Courtesy Carolina Nitsch Contemporary Art and Hauser & Wirth
Zu sehen noch bis zum 12 März 2011 bei:
Hauser & Wirth London
15 Old Bond Street
London W1S 4AX
Öffnungszeiten
Di – Sa, 10:00 – 18:00 Uhr
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In einer ehemaligen Molkerei in Bloomsbury riecht es am Freitagmorgen weniger nach Milch als nach einer ziemlich langen Party. Um die 500 Gäste waren es die hier am Abend zuvor die Vernissage der ersten Ausstellung von Gazelli Art House gefeiert haben. Gar kein schlechter Anfang für ein inspiriertes Projekt.

Mila Askarova, sowie Gründerin als auch Direktorin dieses kommerziellen Galerienbusiness, hat es sich zum Ziel gesetzt jungen Sammlern den Einstieg in den Kunstmarkt zu erleichtern. Gazelli Art House, dessen Name übrigens auf ein Aserbaidschanisches Familienunternehmen verweist, will eine Plattform bieten, auf der sich Künstler und junge Sammler einander annähern können. Dies soll außerdem durch die Wahl ungewohnter Ausstellungsorte jenseits des White Cubes erleichtert werden. Der Launch von Askarovas Projekt wird im Laufe des Jahres 2011 an fünf unterschiedlichen Orten (wovon der erste ‘The Dairy’ ist, während die vier anderen noch geheim sind) stattfinden. Erst für das nächste Jahr ist dann eine eigene Galerie geplant.

Farid Rasulov ist einer der in ‘Fired Up’ – der gerade eröffneten allerersten Ausstellung von Gazelli Art House – vertretenen jungen der Künstler. Nicht so ganz klar ist, in welchem Zusammenhang das sezierte Hähnchen des Aserbaidschanischen Mediziners, der wie Askarova aus Baku stammt, zum feurigen Oberthema der Ausstellung steht.

Auch die Werke des Slade-Absolventen Joe Clark und seines Studienfreundes Rory McCartney, Goldsmiths Alumni David Jones und der jungen Amerikanerin Lauren Cotton machen nicht so ganz klar, warum gerade diese Arbeiten das Element ‘Feuer’ verkörpern. Was sie eher vereint, ist ein ziemlich hoher Grad an Plakativität. Alle Objekte würden sicherlich ganz hübsch an der Wand eines Londoner town houses wirken. Die Frage ist nur, ob sich ein Kunstwerk mit der Funktionalisierung zu einer individualisierten Wanddekoration zufrieden geben darf.

Basierend auf der Lehre von den fünf Elementen werden Wasser, Erde, Luft und Äther die Themen der weiteren Ausstellungen bestimmen. Bis dahin muss Askarova allerdings beweisen, dass ihre art consultancy nicht nur durch die Wahl aufregender Ausstellungsorte glänzen kann, sondern vor allem auch durch Ausstellungsobjekte beeindruckt, deren Kunstwert sich nicht auf ihre visuelle Attraktivität beschränkt. Um sie kontextuell verorten zu können, wäre ihre Einbindung in ein klar nachvollziehbares kuratorisches Konzept sicherlich auch sinnvoll. Ansonsten wird es sich für Gazelli Art House als schwierig gestalten über den Ruf eines teuren Postershops für Neureiche herauszukommen.
Fired Up at Gazelli Art House
11 – 25 FEBRUARY
7 WAKEFIELD STREET
LONDON WC1N 1PG
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Die Idee eine Kunstmesse im Internet zu veranstalten fand ich zunächst ziemlich interessant und diese Woche war es dann so weit: Die VIP Art Fair, der Welt’ allererste Online-Kunstmesse, hat eröffnet. Wie ist das ‘Viewing in Private’ (hierfür steht VIP als Akronym) denn so? Ein Selbstversuch.
Bild: Übersicht über die Galerien
Nach dem Einloggen ins Atrium (ein Besuch der VIP Art Fair ist nach vorheriger Anmeldung kostenlos, allerdings haben nur Besucher mit VIP-Tickets Zugang zu den Private Rooms und den Live-Chats) gelangt man auf eine Seite, die einem einen Überblick über die 139, bei der VIP vertretenen, Galerien ermöglicht. Die Topographie erinnert auffällig an den typischen Plan traditioneller Kunstmessen. Klickt man auf einen Galerienamen, landet man auf deren Messestand.

Beispielsweise den Stand der Londoner West-End Galerie Pilar Corrias, die auf der VIP unter anderem Arbeiten von Elizabeth Neel und Tobias Rehberger präsentiert. Pilar Corrias sind unter ‘Emerging’ gelistet. Dazu gehören insgesamt 23 Galerien, die jeweils zehn Arbeiten aus den letzten zwei Jahren von aufstrebenden jungen Künstlern präsentieren.

Hier werden schon erste Probleme sichtbar, die sich auf anderen Kunstmessen so nicht stellen: Wie groß sind die Arbeiten von Neel und Rehberger eigentlich? Und warum werden gerade diese beiden Künstler nebeneinander gestellt?
Glücklicherweise gibt es eine hilfreiche Funktion, bei der man sich die Arbeiten in Relation zu einer menschlichen Figur anzeigen lassen kann. So bekommen wir eine ungefähre Vorstellung von den Ausmaßen von Helen Frankenthaler’s September bei John Berggruen. Die Frage nach dem kuratorischen Konzept hinter den einzelnen Ausstellungen klärt sich jedoch leider nicht. Um Bezüge zwischen den Arbeiten herzustellen, braucht es dann doch mehr als einen Cyperspace.

Ein Vorteil hat die VIP jedoch: Man kann ganz gezielt nach einzelnen Künstlern suchen. Will ich unbedingt etwas von Barnett Newman sehen, werde ich bei der New Yorker Galerie Brooke Alexander direkt fündig. Das Konzept dahinter erinnert ein bisschen an Online-Shopping, bei dem man es dem Käufer so einfach wie möglich machen will.

Ein Highlight ist die VIP-Lounge. Dort kann man sich nicht nur Statements von Kuratoren, wie dem des New Museums Benjamin Godsill, anhören, sondern auch verschiedenste Tourangebote durch die VIP verfolgen.

Ebenfalls spannend sind die Studiobesuche bei Künstlern wie William Kentridge, Julie Mehretu oder Cindy Sherman. Wann bekommt man ansonsten die Gelegenheit, zu sehen, wie jemand wie Cai Guo-Qiang in seinem Studio explosiv mit Waffenpulver hantiert?

Die VIP bietet eine herausragende Informations-Plattform, um sich über alle möglichen internationalen Galerien zu informieren. Klickt man auf eine Arbeit, bekommt man im besten Falle—wie bei Ota Fine Arts—noch eine Menge Informationen und sogar einen Film dazu angezeigt.

Was jedoch eindeutig zu kurz kommt, ist jedoch der Kunstgenuss. Wer will schon eine der wunderbaren Skulpturen Alicja Kwades nur auf dem Screen vor sich sehen, ohne voller Entzücken einmal darum herum gehen zu dürfen?

Die Kritikerin Pauline J. Yao bringt es in ihrer Beschreibung des Werkes von Michael Lin auf den Punkt: ,Kunst ist etwas, das man nicht einfach nur ansehen will. Man muss Kunst in Echtzeit erfahren, im Idealfall auch fühlen.’
Genau dies aber bietet die VIP Art Fair leider nicht.
www.view.vipartfair.com
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Eine Ästhetik des Unheimlichen wird auf der diesjährigen (bereits 23.) London Art Fair gleich auf zweierlei Weise formuliert. Zum einen setzen sich viele der Arbeiten thematisch mit dem Unheimlichen auseinander. Zum anderen bestimmt das Un-heimliche einen neuen Trend in der Nachkrisezeit. Immer mehr Kunstprojekte verorten sich un-heimlich. Der Trend geht zurück zu temporary spaces. In der Negation eines fest zu verorteten ‘Heims’ werden urbane Plätze zur neuen Kurationsfläche.
Bild: Ausschnitt von Adam King’s surrealer Landschaftsassemblage © Sarah Hegenbart
‘Badlands’: Schon der an den gleichnamigen Film Terrence Mallick’s angelehnte Titel, mit dem die Galerie Monika Bobinska die Arbeiten ihrer Künstler thematisch beschreibt, erweckt ein mulmiges Gefühl. Verbirgt sich in Adam King’s surrealistischen Landschaftsassemblagen das Unheimliche noch unter der bunten Oberfläche, so weisen Tracey Snelling’s Bilder schon deutlicher daraufhin wo sich mögliche Orte des Schreckens offenbaren könnten.
Inspiriert vom Glamour des Film Noirs (oder wohl eher ‘Neo-Noirs) untersucht sie in ihren Arbeiten die Fassaden amerikanischer Kleinstädte. Verwandt in ihrem Sujet ist Snelling mit dem Photographen Stephen Shore, der zuletzt bei Sprueth Magers Berlin in ‘Uncommon Places’ seine zahlreichen Roadtrips dokumentierte.

Bild: Tracey Snelling’s Badlands © Sarah Hegenbart
Die Un-heimlichkeit ist bei Monika Bobinska derzeit allerdings auch ein ganz pragmatisches Thema jenseits der Kunst. Die sich ‘re-lokalisierende’ Galerie hat derzeit lediglich eine Korrespondenzadresse, aber bleibt im Sinne eines Ausstellungsraums ohne Heim.

Bild: Lars Elling | Mother’s Day © Sarah Hegenbart
Kindheit. Ein typischer Zeitrahmen in dem Verdrängung stattfindet, die dann laut Freud’s Analyse des Unheimlichen zu einem Gefühl der Angst führen kann. Der Norwegische Künstler Lars Elling bringt diesen Zustand des Unheimlichen, der mit der Erinnerung an nostalgische Kindheitserfahrungen einhergeht, in seinem Gemälde ‘Mother’s Day’ meisterhaft zum Ausdruck. Die Galerie Thomas Williams widmet Elling im März seine erste Einzelausstellung in England und wird damit sogleich ihre neue Old Bond Street Galerie eröffnen.

Bild: Zum ersten Mal auf der London Art Fair dabei: Gazelli Art House © Sarah Hegenbart
Zwar noch keine feste Location aber dafür umso viel mehr Ideen hat Mila Askorova. Die aus Aserbaidschan stammende Kuratorin und Kunsthändlerin ist im gegenwärtigen Kunstdiskurs vor allem als Gründerin von Gazelli Art House bekannt. Gazelli Art House repräsentiert eine innovative Herangehensweise eine Galerie zu gründen. Anstatt sich auf einen bestimmten Ausstellungsraum festzulegen, launcht Askorova ihr Projekt in fünf Einzelausstellungen, die site-specific ausgerichtet sein sollen. Die erste Vernissage von Gazelli Art House wird am 10. Februar mit ‘Fired Up’ in ‘The Dairy’ (Wakefield Street WC1) ausgerichtet.

Bild: Florence Trust © Sarah Hegenbart
Ein bereits etabliertes Projekt, das in unmittelbarer Nachbarschaft zur London Art Fair in Islington angesiedelt ist, ist der Florence Trust. In dem Gebäude einer ehemaligen Viktorianischen Kirche finden jeweils für ein Jahr lang 12 Künstler eine Heimat. Während ihrer Residenz dort finden mehrere ‘Open Studio’ Sessions statt, die einen Einblick in ihre künstlerische Tätigkeit ermöglichen, So auch derzeit.

Bild: Shan Hurs Installation für i-myu © Sarah Hegenbart
I-Myu Projects sind bereits auf der London Art Fair 2010 überaus positiv mit einer Ausstellung der Künstlerin Yuko Nasu aufgefallen. Innovativ repräsentiert sich die, vor allem auf Koreanische und Asiatische Kunst fokussierte, junge Galerie auch in diesem Jahr.
In seiner Installation untersucht Shan Hur die Bedeutung des Ausstellungsraum und suggeriert, das er konstitutiv zur Erzeugung des Kunstwerks beiträgt. Fasziniert ist Shan Hur dabei vor allem von dem Moment der Transition, in dem ein bestimmter Platz zu einem neuen Zweck umfunktioniert wird. Die Dramatik dieser Zeit des UnbestimmtSeins involviert eine Fragilität des Raumes. Die Ungewissheit, ob es gelingen wird, hier etwas Neues heimisch zu machen, birgt ihre ganz eigene Weise der Un-heimlichkeit.
Image 1: London Art Fair 2011 | Installation Shot © Sarah Hegenbart
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Sehr schön bunt. Das ist die derzeitige Ausstellung in Berlins Guggenheim allemal. Beeindruckend verdeutlicht sie, wie unterschiedlich Werke der sogenannten Farbfeldmalerei sein können. Bei all dieser Verschiedenartigkeit stellt sich die Frage: Farbfeldmalerei—Was ist das eigentlich genau?

Morris Louis | Saraband, 1959 | Acryl-Resin auf Leinwand | 256,9 x 378,5 cm | Solomon R. Guggenheim Museum, New York | © 1959 Morris Louis
Richard Armstrong, der Kurator dieser Ausstellung und kein geringerer als der derzeitige Direktor der Guggenheim Foundation und Museen, suggeriert mit ‘Color Fields’ eine mögliche Entwicklungsgeschichte der Farbfeldmalerei—dieser Stilrichtung, die in den USA Weiterlesen »
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Zartrosa Puder zu einer kleinen Sandburg aufgetürmt. Dieses Element thront auf einer Cellophanfolie, auf der sich türkise Schlieren abzeichnen. Die Folie schwebt an zwei Seiten elegant vom Boden empor, verschlingt sich zu jeder Seite jeweils in einen Knoten, wird immer türkiser und windet sich beinahe bis zu Decke des Ausstellungsraumes, wo sie von zwei Schnüren gehalten wird. ‘After Words and Pictures’ heißt diese Skulptur. Eine der Arbeiten, die Karla Black für ihre erste Ausstellung bei Capitain Petzel konzipiert hat.

Seit 2008 in Berlin vertreten: Die Galerie Capitain Petzel © Sarah Hegenbart
Karla Black—diesen Namen sollte man sich merken. In Großbritannien ist die Absolventin der berühmten Glasgow School of Art längst ein etablierter Name im Kunstdiskurs. Wohl nicht zuletzt dank Weiterlesen »
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