Blendwork – Medienforum NRW

June 22, 2011 | von

Der Auftakt des zweiten Tages las sich spannend: Tom Tykwer und Oskar Roehler sollten darüber Auskunft geben, wie man im Zeitalter der Digitalität Geschichten erzählt. Diese an sich spannende Ausgangslage hat Moderator Jan Schulz-Ojala dazu genutzt, eine Diskussion anzuzetteln, die vielleicht im Jahr 2000 aktuell gewesen wäre. Es ging um Special Effects und Produktionsbedingungen. Und auch wenn Tykwer mit seinen pointierten Beobachtungen einige Lacher auf seiner Seite hatte (“Seit Herr der Ringe sehen alle Filme gleich aus.”), so ist doch nie in Frage gestellt worden, daß das Kino auch schon zu King Kongs Zeiten das Unmögliche möglich gemacht hat.

Das eigentliche Storytelling blieb auf der Strecke. Kein Wort dazu, daß es auch im Jahr 2011 noch möglich ist, eine Tatort nach Drehbuch-Schema F auf den Bildschirm zu bringen, wenn man nur an der richtigen Stelle den Close-up auf das Handydisplay (“Kein Empfang”) einbaut. Davon, was das mobile Internet via Smartphone für ein alteingessenes Genre wie den Krimi zu tun in der Lage ist, ganz zu schweigen. Am Ende ging es wieder darum, wieviel Geld 3D-Technik in die Kassen von Produzenten, Verleihern und Kinos spülen wird.

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Realität vs. Zeitlosigkeit

Auf diesen Schreck hin also trotz der schlechten Erfahrungen von gestern wieder in den Track Digital gesetzt. Und diesmal wenigstens mit Handfestigkeiten belohnt worden, auch wenn für den interessierten Verfolger die Diskussion zum Thema Kampf um Aufmerksamkeit – Der Mensch, die neue Marke? nichts wirklich Neues hervorgebrochen hat. Wie man allerdings angesichts von Top-Managern und der Katzenberger ein Wort wie Authentizität in den Mund nehmen kann, ohne ausspucken zu müssen, ist mir ein echtes Rätsel. Insert Buzzwords here.

Das im Anschluß nächste Panel führt mir vor Augen, was für eine unfassbar altbackene Moderatorin Cathrin Hegner ist. Und wie prosiebtel Guido Modenbach den Schuß nicht gehört hat, wenn er ohne Einschränkungen verkündet, TV wäre quer durch alle Altersgruppen weiterhin das uneingeschränkte Leitmedium. Bezeichnend, daß da sogar der Marketingmann von Henkel schon einen Schritt weiter ist.

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Über die Selbstgerechtigkeit der anschließenden Gesprächsrunde Wetten dass…? In allen steckt ein Dschungel-Model / Wohin steuern (uns) Unterhaltungssendungen? verliere ich besser kein Wort. So sehr ich DSDS verabscheue, muß ich Jens Bujar Respekt zollen, sich auf dem Podium stellvertretend für RTL/Bohlen die Verbalprügel abgeholt zu haben. Das Publikum konnte sich durch befreiende Zustimmung für ihren schwindelerregend hohen Reflexionsgrad selbst auf die Schultern klopfen und demokratische Implikationen überläßt man dann doch besser der Politik.

Bildungsbürgersteig

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Zum letzten Programmpunkt des Tages, dem Twittwoch NRW, kann ich nur eins sagen: Entweder scheint den Protagonisten selbst ihr pufferzoniges Feigenblattdasein nicht klar zu sein oder sie haben sich damit arrangiert, weil dabei ja das Herumreichen auf ebensolchen Konferenzen für sie herausspringt. Als akkreditierter Schreiberling, der wahrscheinlich zuviel Gratiskölsch auf Kosten der Veranstalter getrunken hat, bin ich allerdings wohl kaum in der Position, sich darüber aufzuregen. Aber morgen ist auch noch ein Tag.

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