Cineastenstammtisch to go – Little White Lies Magazin

January 03, 2010 | von

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Während große Verlage händeringend Printformate zu entwickeln versuchen, die dem Echtzeitmedium Internet einen journalistischen Mehrwert durch Haptik oder journalistische Intensität entgegensetzen, haben zwei britische Schulfreunde ihre jugendliche Idee eines innovativen Filmmagazins durch ihre gesamte Studienzeit und den ersten Jobs konserviert und 2005 schließlich „Little White Lies“ gegründet: Ein Independent Heft, das mit Abstand zu den einfallsreichsten und experimentellsten Formaten der sonst starren und texttristen Filmsparte gehört.

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Die meisten Filmmagazine gleichen sich in Inhalt, Aufbau und Gestaltung. Das mag einerseits an der PR-Maschine der Filmindustrie liegen, die neben der totalen Kontrolle über Freigaben,  Pressekopien und Filmstarts auch häufig nur genormte Interviews zum Film zulässt, andererseits aber auch an einer journalistischen Branche, die der Unabbildbarkeit des Bewegtbilds nur mit Rezensionen, Interviews,  Handwerkspassion, Rankings und Thementreue zu begegnen wusste.

Danny Miller und Matthew Bochenski wollten ein Magazin, dass das Medium Film behandelt, als säßen Freunde gemeinsam im Pub. Statt endlos über Kameraperspektiven und Set-Erfahrungen zu diskutieren, sollte der Film die Initialzündung für jedes Thema sein, zu dem der Film gedanklich inspiriert. Denn gleich anderen Kreativgütern entsteht kein Film im Vakuum sondern ist die pointierte Essenz aus Kunst, Politik, Musik und Popkultur, die sich mal mittelbar, mal unmittelbar in Geschichten auf der Leinwand abbildet.

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Vorgabe jeder im 2-Wochen-Rhythmus erscheinenden Ausgabe ist allein der titelgebende Film, ein Leitartikel und schließlich die individuelle Ideenzündung der LWL-Autoren. Julian Schnabels „Schmetterling und Taucherglocke“ initiierte neben einem naheliegenden Porträt zu Schnabels Kunst beispielsweise einen historischen Abriss über Künstler wie Salvador Dali, die sich auch immer mit dem Medium Film beschäftigten, die Vorstellung neuer französischer Filmfräuleins oder eine Artikel über den Stand der medizinischen Stammzellenevolution.

Oder „The Che Issue“: Dort fanden sich neben gehaltvollen Interviews mit Benicio del Toro und Steven Soderbergh Beiträge wie der des Brown University-Dozenten Paul Buhle, der analysiert, wie sehr unsere Wahrnehmung revolutionärer Ikonen vom Image und der Verwertungsmaschine um den kubanischen Revolutionär geprägt ist. Oder der Artikel der gebürtigen Kubanerin und Fotografin Sarah Calcedo, die mit Kamera und offenem Ohr, Kubaner in Havanna nach ihrer Zukunftsperspektiven befragte oder ein Beitrag, in dem die Heftmacher einem Londoner Grafiker den Raum gaben, subversive Kinoplakate zu entwerfen.

Und um den PR-umschiffenden Ansatz des Hefts auch visuell umzusetzen, werden in Little White Lies fast ausschließlich Illustrationen und Artworks, statt Filmstills und Pressebilder verwandt. Leichtfüßiger Tiefgang.

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