Das Steckdosen-Schmachten

May 04, 2010 | von

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Wo kommt nur dieser Blick her: Kinn hoch, Lippen vor, Augenlider auf halb acht. Das Schmachten, das den Blick in die Nasenlöcher freigibt, die dann wie eine Steckdose aussehen. Eins ist klar: Aus emanzipatorischen Zeiten kommt er nicht. Eine dummsinnlichere Mimik kann man wohl nicht aufsetzen. Die passende Kopfhaltung zum Barbie-Botox-Wahn.
Dieses IQ-feindliche sich Hingeben ist auch der Grund, warum Intellektuelle so auf Boxer stehen. Nicht weil Boxer die ungezügelte Testosteronherrlichkeit verkörpern, sondern weil ihre platt gehauenen Nasen das genaue Gegenteil von diesem Steckdosen-Schmachten sind.

steckdose2 Das Steckdosen Schmachten

Lange vor der Tätowier-Welle galt es unter dem Intellektuellennachwuchs als sinnvollste Auflockerungsübung nach dreistündigen Baudelaire-Sitzungen, sich gegenseitig das Nasenbein zu brechen.
Ellen Barkin, riefen sie, komm’ an unsere Tafel und stehe ihr vor!
An diese Schönheitschirurgie im Do-it-Yourself-Verfahren wird man zwangsläufig beim Duchblättern der April-Vogue Deutschland erinnert, aus der alle Fotos stammen.

steckdose3 Das Steckdosen Schmachten

Wenn der Spiegel jetzt schon feststellt, der Botox-Zenith in Hollywood sei überschritten, Schluss mit dem Püppchen-Zwang, sollte man vielleicht mit dem Sammeln von diesen kleinen Nothammern beginnen, die man dann mit dickem Gewinn als Nasenbeinklöppel verkaufen kann. Denn die Anti-Püppchen-Mode erfordert genauso künstliche Eingriffe wie die Steckdosen-schmachtende Püppchen-Mode.

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