Die Dinge des Lebens
Uta Geyers Gespür für Formen und Trends ist faszinierend. Mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit trifft sie den Zeitgeist auf den Punkt, und das lange bevor er um die Straßenecke gebogen und für alle sichtbar ist. Nachahmer und Kopisten sind ihr auf der Spur, manchmal dauert es allerdings ein wenig, bis diese die Genialität einer Idee erkannt und sie in ein kommerzielles Produkt umgesetzt haben. Hat Uta doch bereits 1984 den dringenden Bedarf an Legobrillen erkannt und ihren Prototypen im engsten Familienkreis ausgiebig getestet. Mehr als 20 Jahre sollten vergehen, ehe Jean-Charles de Castelbajac es wagte, seine (doch sehr gemäßigte) Version dieser Brille auf den Markt zu werfen.
//“Schon 1984 zeigt sich der hohe Individualitätsanspruch der später entwickelten Lunettes-Kreationen. Man beachte: costumized/bespoke Brillenbügel für Mr. Teddy, links außen. In weiteren Rollen: erste Reihe rechts außen, Anke Geyer, Design & Fotos; zweite Reihe rechts außen: Uta Geyer, Initiatorin & Inhaberin Lunettes Brillenagentur. “//
Faszinierend ist auch die Auswahl an Brillen, die Uta Geyer in ihrer Brillenagentur Lunettes sowohl online als auch in einem stationären Shop in der Marienburger Strasse 11 in Berlin Prenzlauer Berg anbietet, der gerade um eine zweite Filiale in der Torstrasse erweitert wird.
In zurückhaltendem Ambiente bietet Lunettes eine exquisite Auswahl verblüffend schöner Brillengestelle und das sowohl vintage als auch modern. Neben den aktuellen Kollektionen gibt es eine eigens für Lunettes in Italien gefertigte Linie, die in kleiner Auflage aus hochwertigsten Materialien gefertigt wird. „Nach meinem Magister brauchte ich eine Brille und machte mich auf die Suche nach einem, zu mir passenden individuellen Gestell. Lange fand ich nichts, die Suche hat sich intensiviert, ich stieß auf kleine Manufakturen und begeisterte mich immer mehr für die verschiedenen Materialien und Designs.“ Utas Leidenschaft für Brillen war geweckt, „die Sache wurde zum Selbstläufer“. Und so überlegte sie nicht lange, als ihr die schöne alte Einrichtung eines Optikers angeboten wurde, und machte sich mit ihrer Brillenagentur Lunettes selbständig. Denn das, so bemerkt sie pragmatisch, sei schon immer ihr Traum gewesen.
//“Acetat ist ein Kunststoff auf Baumwollbasis, als Weichmacher dient Kampfer. Ein ganz tolles, sehr hautfreundliches Material, das in den letzen Jahren leider immer teurer geworden ist.“ Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
Heute, keine drei Jahre nach der Gründung, floriert das Geschäft. Uta beliefert Kunden aus aller Welt mit ihrem einzigartigen Sortiment. Zur Klientel zählen auffallend viele Designer, Architekten, Schauspieler und Fotografen. Auch Filmteams und Theaterproduktionen ordern bei ihr; für bestimmte Anlässe werden Brillen sogar verliehen. „Schwierig ist es manchmal, wenn für eine Produktion ein sehr markanter Brillentyp gesucht wird, den es zunächst einmal zu finden gilt und der dann aber auch noch in vier- bis fünffacher Ausfertigung geliefert werden muss.“ So geschehen in einer Theaterproduktion von „Ulrike Meinhoff“.
Manchmal bedient die Inhaberin auch sehr spezielle Kundenwünsche und sucht zum Beispiel die passende Brille für eine Hochzeitsfeier. „Ein weißes Gestell, Cateye-Form und aus perlmuttartigem Material, mit Strass an den Seiten.“ Und immer wieder kommen Designer anderer Hersteller in ihren Laden, um sich Utas Auswahl anzusehen, sich inspirieren zu lassen und oft auch, um eine Reihe an Modellen aufzukaufen. Die Designer von Chloé sehen beispielsweise immer mal wieder vorbei und es gibt ein Modell aus den 70ern, das deutlich an eines der neueren Tom Ford Modelle erinnert…
//“Bei den Vintage Brillen von Lunettes handelt es sich nicht um bereits getragene Modelle (wie sehr häufig vermutet) sondern um ungetragene Originale aus Lagerbeständen.” “Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
„Leider sind moderne Kollektionen oft nicht mehr so gut verarbeitet,“ sagt Uta. „Die Scharniere werden zum Beispiel meist nicht mehr vernietet sondern nur noch eingeschwemmt, was die Brillen weniger haltbar macht.“ Nicht so bei den Modellen von Lunettes. Auf beste Materialien und Verarbeitung legt Uta Geyer allergrößten Wert. Ihr Lieblingsmodell? „Zu viele.“ Als Literatur- und Filmwissenschaftlerin hat sie allerdings einen Filmtipp für alle Brillenliebhaber: Romy Schneider in „Die Dinge des Lebens,“ „eine der wenigen Rollen, in denen eine Frau richtig tolle Sehbrillen trägt, nicht nur Sonnenbrillen.“
//Foto: Michael Hoelzl©2009VG-Bildkunst-Bonn//
p.s. Der neue Lunettes Shop in der Torstrasse 172, 10 115 Berlin, wird am zweiten Wochenende im Dezember eröffnet. Für schöneren Durchblick empfehle ich: unbedingt hingehen!
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