Die Hamburger Proteste

November 02, 2009 | von Judith Marthaler

recht auf stadt die stadt gehört allen miguel martinez Die Hamburger Proteste Foto via Spanier

> Die Marke Hamburg und das Recht auf Stadt <

Die Ohrfeige, der wichtigen Zielgruppe „Creative Class“ an die Standortpolitik der Stadt Hamburg und deren „urbanen Aufwertungsvisionen“ mit „Bruttogeschossflächen-Ideologie“ hat geschallert. Endlich.

Das schwarze Jahr einer städtischen Politik, die Kultur als „integralen Bestandteil einer Eventisierungs-Strategie“ und Stadtteilentwicklung aus der Quadratmeterhöchstpreis-Gebots-Perspektive als Vision für eine wachsende Stadt zu betrachten scheint, neigt sich dem Ende zu und erfährt durch das jüngst von Hamburger Kunst- und Kulturschaffenden veröffentlichte Manifest „Not in or Name, Marke Hamburg!“ einen scharfen, vielbesprochenen Gegenwind.
„Hamburg ist für die wichtige Zielgruppe „Creative Class“ sehr attraktiv (…)”, die Markenanalyse der Stadt Hamburg erscheint zumindest in diesem Punkt wie eine lächerliche PR-Posse, die gerade eben an der Nase gepackt wurde.

Doch das Protest-Manifest der medienkompetenten Hamburger Bohème, die sich nicht vor den Karren spannen lassen will für eine Standortpolitik, die “kreativ” und “Management” in einem Wort vereint und „Kultur zum Ornament einer Art Turbo-Gentrifizierung“ stilisiert, ist jedoch nur die Spitze des Eisberges des Kampfes um ein Recht auf Stadt.

Längst aufgelaufen ist das große Schiff „lebenswerte Stadt Hamburg“ auf seiner Reise zur Metropolenmarke. Sichtbar an den zahlreichen Initiativen, die sich im Laufe des Jahres zusammengefunden haben, um für eine nachhaltige, zukunftsweisende Standortpolitik zu plädieren, in der die „Marke Hamburg“ nicht primär für Touristen, überdurchschnittlich Verdienende, Unternehmen und Investoren entwickelt wird, sondern die die heterogenen Bedürfnisse der Stadtbewohner berücksichtigt und ihnen Lebensräume ermöglicht. Und zwar nicht am Stadtrand.

Betroffene jeglicher Couleur: Alte, Junge, Ausländer, Eingebürgerte und Deutsche, die zwar nicht immer zur Zielgruppe der „wachsende Stadt“ gehören, jedoch in ihr leben, haben im Laufe des Jahres in zahlreichen Aktionsnetzwerken durchaus sinnvolle Angebote und Perspektiven für lebendige Stadtteilkultur und die alternative Nutzung von leerstehenden Gebäuden und ungenutzten Flächen entwickelt. Sie wurden im besten Fall gehört, jedoch bislang wenig bis kaum berücksichtigt in der zukünftigen Angebotspalette der “Marke Hamburg”.

Die großartige Vielfalt und die gelungene Mischung machen aus Hamburg eine pulsierende Metropole “, die mit ihrer “zuhören, beschwichtigen und trotzdem machen”- Politik in diesem Jahr bewiesen hat, dass sie ihre Bewohner und die Image bringende Kreative Klasse weder versteht, noch verstehen möchte.

Müssen erst wieder Steine gegen Wasserwerfer antreten, bevor endlich etwas passiert?
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Die Übersicht zu den Hamburger Protesten:


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