Diesen Herbst: Hausmusik

November 05, 2009 | von

bar25 hausmusik Diesen Herbst: Hausmusik
(Das Klavier in der Berliner Bar 25, wird es je einen Hausmusik-Abend erleben?)

Sogar im Raver-Paradies Bar 25 stand eines. Das Klavier als Herzstück jedes Hausmusik-Abends ist viel verbreiteter, als man gemeinhin denkt. Es muss nur entsprechend genutzt werden. Hausmusik-Abende gehören traditionell ins Repertoire bürgerlicher Selbstversicherung. Dilettantischer Kunstgenuss fürs professionelle Establishment. Bei einem Hausmusik-Abend muss leicht schief gesungen und gespielt werden, erst dann wird klar, dass der Rahmen wichtiger ist als die Musik. Professionellen Kunstgenuss kann sich in der Oper ja Hinz und Kunz leisten.

Komponist und Dirigent Christian von Borries hat bei einem montäglichen Hausmusik-Abend in der Sammlung Hoffmann diesen speziellen Charakter auf die Spitze getrieben. Als Goliath saß er mit weißen Lackschuhen am Miniatur-Klavier und schmetterte Arbeiterlieder zu Schumann-Weisen. Man wusste nicht: Wird hier der bürgerliche Kunstkenner oder der linksintellektuelle Kunstkämpfer angerufen? Ist das noch ein Hausmusik-Abend oder schon dessen Travestie?

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(Christian von Borries am Miniklavier in der Sammlung Hoffmann, Berlin)

Genau das ließ mich traurig zurück. Hatte ich mir doch gewünscht, bei einem klassischen Hausmusik-Abend ohne doppelten Boden zu landen: Hier bin ich Bürger, hier darf ich’s sein. Das wäre die größte denkbare Travestie. Ulf Poschardt soll ja, seitdem er Herausgeber der fettigen Langhaarmusikmagazine Rolling Stone, Musikexpress und Metal Hammer geworden ist, sein Seelenheil in der Hausmusik suchen.
Ich hoffe, er liest das hier und lädt mich per Büttenpapier zu seinem nächsten Hausmusik-Abend in Dahlem ein. Mit Dahlie im Knopfloch in Dahlem zu Musik von Karl Ditters von Dittersdorf. Délicieux.

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