Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

July 09, 2010 | von

Nur Fashion diese Woche in Berlin? Fast. Drei Positionen zeigen, wie man sich als Künstler oder Künstlerin zu Mode verhalten kann. Entweder man ist ihr aktiver Teil, setzt sich eigenständig mit ihr auseinander oder hat mit ihr so gar nichts (noch nicht mal) am Hut.

Miles Aldridge Dance Study 1 2008 Lambda print 700 Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Miles Aldridge, "Dance Study #1", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge Kristen. As Seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe 700 Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Miles Aldridge, "Kristen. As seen by Miles Aldridge and Chantal Joffe", 2010, © Miles Aldridge

Miles Aldridge CONTRIBUTED 700 Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Miles Aldridge, "Homeworks #3", 2008, © Miles Aldridge

Miles Aldridge bringt auf den Punkt, was die Gegner von Kleidung, die mehr als wärmt, in diesen Tagen auf die Palme bringt. Dick aufgetragenes Make-up, Models wie vom anderen Stern, grellste Farben, überreizte Posen, ausgereizter Photoshop – die hysterische Zelebrierung des Artifiziellen. Mehr Drama geht kaum. Doch der Kunsthochschulabsolvent und Sohn des britischen Illustrators Alan Aldridge, der schon für die Beatles Plattenhüllen entwarf, bewegt sich auf derselben Schwelle, die Modedesigner antreibt, Kollektionen zu entwerfen, die sich nicht mit schnöder Tragbarkeit begnügen. Kunst ist das Ziel, der Körper das Vehikel. Nach Nick Knights mäßigem Beitrag für die letzte Berlin Fashion Week, hat der schwäbische Großsponsor nun Aldridge verpflichtet, der gerade laufenden Sommerausgabe ein Gesicht zu geben. Es ist das von Milla Jovovich. Die selbsternannte Plattform für Bildwelten Contributed zeigt nun die erste Einzelausstellung von Miles Aldridge in Deutschland.

Miles Aldridge, „13 Women“, Contributed Studio for the Arts, Strausberger Platz 16, 10243 Berlin-Mitte. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 15.30 Uhr

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(c) Gabi Schillig

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(c) Gabi Schillig

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(c) Gabi Schillig

Mode und Architektur. Das scheint für manche Modekritiker fast das gleiche zu sein. Da wird Kleidung architektonisch aufgebaut, plastische Formen, Schichtungen, Strukturen ergeben skulpturale Silhouetten. Architekturkritiker dagegen werden Mode kaum als Architektur in Bewegung verstehen. Aspekte beider Disziplinen treffen sich in der bildenden Kunst. Etwa bei Gabi Schillig. Sie entwirft räumliche textile Objekte, die als Kleidungsstücke tragbar sind, den Trägern aber unmittelbar eine Performance abverlangen. Das wirft den Blick zurück auf Mode, die vom Konsumenten nicht nur übergestreift werden muss, sondern im Tragen mit einer sozialen Funktion aufgeladen werden kann. Schillig stellt in der Architekturgalerie Aedes ihre „body architecture“ vor – als Interaktion zwischen Körper, Zeit und Raum. Die japanische Tänzerin Yui Kawaguchi wird in Live-Performances herausarbeiten, ob es hier eher um die gebaute Form geht oder sogar um Mode.

Gabi Schillig, „Public Receptors“, Aedes Am Pfefferberg, Christinenstraße 18-19, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg. Eröffnung & Performance: 9. Juli 2010, 18.30 Uhr

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Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

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Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Kunstlersein 15 700 Eröffnungssport – Kunst und/oder/nicht Mode

Anna Oppermann, "Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)", 1969 - 1985 (c) Anna Oppermann / Barbara Thumm

Anna Oppermann gehört wie Eva Hesse, Hannah Wilke oder Birgit Jürgenssen zu den Künstlerinnen, deren früher Tod einen wirklichen Erfolg zu Lebzeiten verhindert oder gehemmt hat, die aber umso nachdrücklicher die Kunst ihrer Zeit und ihre Nachfolger beeinflusst haben und deren eigenständiger Weg bis heute nachwirkt. Die Galerie von Barbara Thumm, die auch den Nachlass Oppermanns verwaltet, zeigt nun eines der überwältigenden „Ensembles“ von Anna Oppermann, die 1993 gestorben ist: „Künstler sein (Zeichnen nach der Natur, zum Beispiel Lindenblütenblätter)“ von 1969 – 1985. Was so chaotisch aussieht, folgt tatsächlich einer strukturierten Logik und einem individuellen System, das Methode hat. Zeichnungen, Fotos und Erinnerungsschnipsel ordnete Oppermann zu dreidimensional die Ecke zwischen Wand und Boden oder ganze Zimmer füllenden Installationen an, die wiederum fotografiert und gezeichnet in Zeit und Raum weiterwachsen. Nach der großen Retrospektive 2007 in Stuttgart und Wien geht die Wiederentdeckung der Künstlerin nun in Berlin weiter.

Anna Oppermann, Galerie Barbara Thumm, Markgrafenstraße 68, 10969 Berlin-Kreuzberg. Eröffnung: Freitag, 9. Juli 2010, 19 – 21 Uhr

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1 KOMMENTAR

  1. [...] Er hat das diesjährige Kampagnenmotiv der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin fotografiert – Miles Aldrige. Und passend dazu wurde in Berlin die  Austellung „13 Women“ während der Berliner Modewoche eröffnet. Für alle, die es noch nicht zum Straußberger Platz geschafft haben: Die Ausstellung  des Britischen Fotografen ist noch bis zum 31. August im Studio for the Arts zu sehen. Mehr dazu auch hier. [...]

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