FACEHUNTER im Interview – Vom Blog zum Buch
Er ist Blogger, der fotografiert. Oder Fotograf, der seine Bilder ins Netz stellt – aber Begrifflichkeiten und Berufsdefinitionen sind ihm ziemlich egal. Gestern Abend war er jedenfalls vor allem Buchautor und Star: Yvan Rodic. Der Schweizer (aus dem französischen Teil der Schweiz), der seine berufliche Laufbahn als Werbetexter begann und inzwischen einen der bekanntesten Streetstyle-Blogs unter dem Titel FACEHUNTER betreibt, seine Fotos zudem in Magazinen wie der französischen Elle oder der japanischen Ausgabe des Magazins Tokion veröffentlicht, war gestern Abend in Berlin, um sein gerade erschienenes Buch persönlich vorzustellen. Dafür hatte der Verlag ein kleines Ladenlokal in Mitte angemietet und eine Wand mit einigen seiner Bilder von jungen Menschen in aparten Outfits bestückt. Ganz unprätentiös: Kleinformatig, matt gedruckt und direkt an die Wand geklebt. Nur zwei Fotos wurden als Großformate in dem vorderen Bereich des Raumes platziert – neben das DJ-Pult und in den Schein des Kronleuchters. Aber es ging ja schließlich um das Buch.
Dafür wurde extra eine wohnzimmerartige Ecke eingerichtet, mit Perserteppich, rundem Holztisch und Bücherregal natürlich. Und da stand es dann, das Werk, dick aber eher kleinformatig mit Rodics besten Streetstyle-Fotos aus dem Metropolen dieser Welt. Und mit dem deutschen Cover – denn für die unterschiedlichen Länder wurde jeweils ein anderes ausgewählt. Warum er sich für die Dame mit dem roten Schal entschieden habe, fragte ich – er winkt ab. Ein Buch, das sein ein komplexes Projekt holt er aus. Warum überhaupt ein Buch? Warum zurück vom Digitalen wieder ins Bücherregal? Aber in Betracht der gut gefüllten Galerie und der langen Schlange am Signier-Tisch gestern Abend – warum nicht? Ein Buch kann man immerhin verkaufen, auf einem Blog höchstens die Werbeanzeigen. Scott Schumann, der andere berühmte Streetstyle-Blogger hat es vorgemacht. Auch er hat vor kurzem seine besten Fotos als Buch lanciert.

Blogger, vor allem wenn es um Mode geht, dürfen sich anno 2010 über viel mediale Aufmerksamkeit freuen. Und Aufmerksamkeit von anderen Bloggern, denn das Publikum – jung und gut gekleidet – schien zum größten Teil aus Bloggern zu bestehen. Der Rest wollte nur gut aussehen. Oder zumindest betont interessant, aber dagegen ist nichts einzuwenden. Männer jedenfalls trugen Halstücher und Schals oder Mützen oder beides. Die Damen auch gerne eine Kopfbedeckung, auf jeden Fall Strumpfhosen und Shorts dazu, vielleicht noch auffällige Kniestrümpfe. Zwei Mädchen in der Schlange am Signiertisch mit Buch in der Hand, hatten eine Handtasche mit Fransen über der Schulter baumelnd – beide die Gleiche.

Ob es denn den vielzitierten Berlin-Style in seinen Augen gebe, wollte ich wissen, denn er muss es schließlich wissen, macht er doch nichts anderes, als auf der ganzen Welt Menschen mit interessanten Outfits zu fotografieren. Die Antwort fällt nicht so eindeutig aus, aber halt – Capes, meint Rodic. In Berlin trügen auffällig viele Menschen Capes. Er sei ja kein großer Fan davon, aber das ist eine andere Geschichte. Mode interessiert den 33-Jährigen ohnehin nur am Rande, er verbringe seine Zeit jedenfalls nicht damit sich durch die 37 Looks der letzten Balmain Show zu klicken. Er hält lieber Ausschau abseits des Bildschirms und auch zwischen Signierstunde, Smalltalk mit seinen Fans und Kunden, dem Nippen am Longdrink, dem kurzen Handy-Checken – blieb immer Zeit für ein Bild. Und ob eher das Buch und die Tatsache den berühmten Blogger mal persönlich zu treffen, die vielen jungen Damen gestern Abend in die Galerie nach Mitte zog, oder auch ein wenig die Hoffnung sich selbst mal auf seinem Blog zu entdecken oder sogar im kommenden Buch aufzutauchen war, war nicht vollständig zu klären.

Die Bereitschaft sich ablichten zu lassen war jedenfalls groß – während parallel dazu alle selbst auch fotografieren – Yvan Rodic natürlich. Für den eigenen Blog vielleicht. Wer also auf wessen Blog auftauchen wird, werden die kommenden 48 Stunden zeigen. Rodic selbst wird einen Blog jedenfalls weiter betreiben, aber das nächste Projekt ist schon angedacht: The Facehunter Show. Ein Projekt, das er bereits vor zwei Jahren begann und nun wieder aufgreifen möchte. Es hat mit bewegtem Bild zu tun (mehr siehe Video-Interview). Und wer weiß, vielleicht folgt darauf der Kino-Film. Vom Computer-Bildschirm auf die Leinwand. Das wäre die logische Konsequenz nach diesem Schritt, denn wer würde sich nicht selbst gerne mal im Kino sehen?
FACEHUNTER BLOG
(„FACEHUNTER – Die Straße als Catwalk“, erschienen im Prestel-Verlag, 19,90 €)


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[...] Video-Interview mit Rodic gibt es auf der Seite Sounds-Like-Me, darin verrät Rodic auch schon, was als Nächstes für ihn ansteht: The Facehunter [...]
[...] Sounds like me gibt es die Review und ein Interview mit Mr. [...]