Frau und Vehikel: SUV

Ein neues Phänomen schält sich heraus. Die Erklärung steht noch aus. Zur Blutsbrüderschaft von Mann und Maschine gesellt sich eine Allianz aus Frau und Vehikel. Blickt man durch die getönten Scheiben eines SUVs, sitzt hinter dem Steuer – eine Frau.
Früher war die soziologische Rechnung einfach: Sah man im Fahrersitz eines tiefer gelegten Opel Omega mit Alufelgen und dicken Pötten eine Frau, wusste man, den aufgemotzten Blechpimmel hat sie ausnahmsweise (!) von ihrem Typen leihen dürfen. Wie wenig Gleichberechtigung geht denn?, schienen diese Karren höhnisch zu fragen.
Doch mit den SUVs steht es anders. SUV und Erfolgsfrau schweißen geheime Bande zusammen wie King Kong und die weiße Frau. Die post-feministische Erfolgsfrau schmiegt sich in den Ledersitz wie Ann Darrow in die Hand des Riesengorillas. Der SUV ist ihr mächtiger, aber schwer zu bändigender Verbündeter, ein animalischer Rohling, der sie überall rausboxt. Ausgerechnet auf Macht durch automobile Masse setzen die Frauen, die ihren eigenen Weg gehen (oder sich ihren Weg freiwalzen wollen). Mit den King-Kong-SUVs, den asozialsten Ungetümen jenseits des Schlachtfeldes, zeigt die Emanzipation ihre reaktionäre Fratze – genauso wie mit Frauen, die zur Bundeswehr gehen.
Bild > SUV gemalt von Tatjana Doll, aus Intersection No.1
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Oh. Okay. Da komme ich mit, ich will aber nochmal etwas genauer erklaert bekommen, warum das reaktionaer ist.
Weil … die Bundeswehr immer noch eine Armee bleibt, Waffen, Krieg, etc. und so, hat man ja schon fast vergessen, man verteidigt doch unsere Zivilisation da drueben am Hindukusch, war es nicht so, also weil das alles nicht wahr ist, und es immer noch eine Armee bleibt, wenn da ein paar Frauen drinnen sind?
Weil der SUV als das neue, dicke Auto dann von Frauen gefahren wird, aber genau das eben bleibt, das neue. dicke sprittschluckende Auto? So ungefaehr? xm
Jep, so ziemlich genau. Wenn man Emanzipation für etwas Progressives hält, bedeutet es einen Schritt vor und zwei zurück, wenn man sie für reaktionäre Dinge einsetzt. Einmal die weibliche Tom Cruise in Top Gun sein zu wollen, das hat man im günstigen Fall vor seiner politischen Erweckung hinter sich.
Statt dafür zu kämpfen, bei Armee und Protzkarren mitmischen zu dürfen, sollte man die Energie lieber darauf verwenden, diese Chauvischeiße abzuschaffen. (Entschuldigung für das permanente „man“.) (Dass es emanzipatorisch sein kann, allzu normative Gebote der Emanzipation zu durchbrechen, auf solche smarten Argumentations-Winkelzüge habe ich gerade überhaupt keinen Bock.)
Wow. Dem kann ich nur zustimmen. Die Emanzipation der Frau wurde quasi rekuperiert, frei nach dem Motto “jetzt dürfen Frauen auch auf Menschen schießen”. Das zeigen auch die gemeinsamen Aktionen von “radikalen Feministinnen” und klerikalen Hardlinern gegen Pornographie.
Aus Gender Mainstreaming ist vor Allem Mainstreaming geworden.
Doch auch Frauen sterben wenn andere Frauen SUV fahren:
http://bike-blog.info/1630/suv-vs-radfahrerin-10
Diese Fahrerin hat nicht mal gemerkt, dass sie jemanden überfahren hat!
suvs?
“…if we were not aging hippies/with misguided fantasies/living in a land that’s pimping/war to save our suvs/live would be wonderful”
___the residents
http://www.youtube.com/watch?v=pWM47SCZ_zM
@5:35 – 6:00