Fräulein Wunder: Ellen von Unwerth

December 29, 2009 | von

Unwerth1 Fräulein Wunder: Ellen von Unwerth

Helmut Newtons Frauen waren stark, doch in ihrer Dominanz starr und unbeweglich. Die quasi-dokumentarischen Fotografien Jürgen Tellers enthüllen das Echte bis fast nichts von der Schönheit bleibt. Ellen von Unwerths Bilder hingegen inszenieren Intimität, Fetisch und Schönheit so symbiotisch, dass man oft glaubt, sie wohne den abgebildeten Situationen nur bei, statt sie selbst zu erzeugen. Nun erscheint ihr viertes Buch, das auf knapp 500 Seiten teils unveröffentlichte Aufnahmen der Modefotografin aus den letzten 15 Jahren zeigt.

Wenn Fotografinnen mit Sex-, und Fetischmotiven arbeiten, stellt sich meist die Frage, ob die Aufnahmen auch von einem Mann hätten gemacht sein können. Dabei geht es um Fragen der Vergegenständlichung und Projektion, und damit um die Überlegung, wie viel des Abbildenden in einer Fotografie steckt. Wirft man einen Blick in „Fräulein“ ist diese Frage redundant, denn Unwerths Bilder bilden nur den Rahmen, den zu füllen, sie anschließend Charakteren wie Claudia Schiffer, Naomi Campbell oder Penelope Cruz selbst überlässt. Von Unwerth inszeniert nicht das Übertriebene, Dramatische und Lebendige, sondern inszeniert die Situation und hält Momentaufnahmen darin fest. Weniger eine Frage des Geschlechts also, sondern eine des bildnerischen Stils, der den Zufall und Kontrollverlust zulässt.


Ihre Motivwelt dagegen ist eng mit der Biographie, der im Allgäu geborenen Fotografin verknüpft: So wuchs Ellen von Unwerth zunächst in einem Waisenhaus und schließlich bei Pflegeeltern auf, und verkroch sich als Kind in der Fantasiewelt ihrer Märchenbüchern. Bevor sie ihre Karriere als Model begann, reiste sie mit dem Zirkus Roncalli und arbeitete als Nummerngirl und Clownassistentin. Diese Faszination für die Performance und das Burleske prägt die Arbeit der 55-Jährigen bis heute: Monica Belucci mit Nippelquasten, Nadja Auermann hinter einer Spitzenmaske oder Fotografien aus der “Heidi, Kitzbühl” Serie, deren exponierte Erotik sich seltsam passend in die Naturszenerie einfügt.

Von Unwerths Bilder verbinden die kühle Starre Newtons mit der beweglichen Leichtigkeit Jacques-Henri Lartigues und vermengen sie mit den Unschärfen und verschwommenen Bewegungen, die durch ihre eigene Spontanität entstehen. In einem Interview sagte von Unwerth über ihre Zeit beim Zirkus: “Ich habe die Zuschauer mit Parfüm bestäubt und ihnen Seifenblasen ins Gesicht geblasen.” Heute hält sie dieses Auflösen von Traum und Wirklichkeit fest. Den entrückten Moment, kurz bevor die Seifenblase wieder platzt.


Ellen von Unwerth – “Fräulein”

482 Seiten, 30.5 x 44 cm
Taschen Verlag

Unwerth13 Fräulein Wunder: Ellen von Unwerth

1 Star (0)
Loading ... Loading ...

2 KOMMENTARE

  1. I actually similar to every thing you have created proper right here, certainly similar to the discomfort you’re expressing and how which you point out that.

  2. It and we all virtually all can very easily discover about that!

Kommentar verfassen