Im Bureau Mario Lombardo

September 25, 2009 | von

Catch the inspiration

Am Ende lebt meine Visualität immer von der Authentizität.

Mario Garten Im Bureau Mario Lombardo

Die Designszene verehrt Mario Lombardo als einen der besten zeitgenössischen Editorial und Grafik Designer. Interdisziplinär sind sein Stil und auch die Inhalte die das Bureau Mario Lombardo gestaltet: Musik, Mode, Fotografie, Design, Architektur, zeitgenössische Kunst und TV-Design sind seine Domänen.

Fünf Jahre lang hat Mario Lombardo mit einer revolutionären Art Direction das Spex Magazin gestaltet, bis er zusammen mit der gesamten Redaktion die Kündigung einreichte. Ihr Protest gegen den geforderten Umzug von Köln nach Berlin ist nicht nur ein Statement, sondern auch ein stimmiges Puzzleteil seiner Persönlichkeit.

Mario Lombardo lehnt eng definierte Rahmen ab. Einen Mangel an kreativer und damit persönlicher Freiheit akzeptiert er nicht. Mario hat ein Wort dafür: Kommerzialität. Sein Weg zum Editorial Design-Himmel verlief daher immer abseits von solchen Aufträgen, die mit allzu genauen Designvorgaben daher kamen. Ein Statement auf seiner Webpage steht in meinen Augen für einen seiner zentralen Wesenszüge:

Konzentration auf eine Haltung und deren Pflege

Lichter Im Bureau Mario Lombardo

Für die Umsetzung seiner Haltung wurde Mario Lombardo 2008 zum „Visual Leader Of The Year“ gewählt. Das macht ihn froh aber keinesfalls eingebildet. In ihm wohnt eine extrem liebenswerte Mischung aus großem Talent und Liebe zu dem und den, die ihn umgeben. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum das Bureau Mario Lombardo über 70 renommierte Awards gewonnen hat und Kunden wie der Gestalten Verlag, Audi, Musiker wie Max Herre und Scott Matthew oder das Kölner Filmlabel Rapid Eye Movies, das japanische Softpornos für den deutschen Markt produziert, Schlange stehen lässt. Ganz augenscheinlich geht es Mario Lombardo dabei weniger um die großen prestigeträchtigen Corporate Kunden, die er sicherlich alle haben könnte, als um die maximale kreative Herausforderung.

chaos Im Bureau Mario Lombardo

So. Und woher bezieht nun jemand, der so konsequent auf die eigene kreative Stimme hört die ganz eigene Inspiration? Holt er diese tief aus seinem Inneren oder verstoffwechselt er Wahrnehmung auf eine völlig andere, wahrscheinlich geniale Art und Weise? Mario aufgeschnitten und in ihm nachgeschaut habe ich zwar nicht, aber besucht habe ich ihn, in seinem Bureau, das sich ganz unauffällig in einem zartgelben Berliner Wohnhaus versteckt.

Mario, was ist Inspiration für Dich?
Vielleicht so eine Art gefühlvolle Spannung, ausgelöst durch die ca. sieben Projekte an denen ich gewöhnlich gleichzeitig arbeite. Inspiration entsteht aber auch durch ein Lächeln meiner Freundin oder einen Streit. Ich nehme diese Energie und pushe sie in meine Arbeit. Meine Arbeiten spiegeln immer meine Umwelt. In ihnen gebe ich sehr persönliche Dinge preis, ohne mich dabei exhibitionistisch zu fühlen. Ich will mich in meine Arbeiten mit hinein nehmen könenn.

Und wenn das nicht möglich ist, lehnst Du den Job ab?

Ja. Das ist keine Egosache oder Künstler Attitüde. Jede Aufgabe verlangt etwas von mir, da muss sich was bewegen können. Ich strenge mich für jeden Auftrag sehr gerne an, aber wenn ich in einem Auftrag keine Freiheit sehe, kann ich das Produkt oder Projekt nicht weiter bringen. Das begegnet mir relativ oft.

Ganz pragmatisch gefragt: Wie holst Du Dein persönliches Umfeld in den kreativen Prozess mit hinein?
Ich komme ja relativ selten raus, daher habe ich mir mein Inspirations- und Lebensumfeld selbst geschaffen. Wir wohnen über dem Büro und im Büro. In allen Räumen finden sich Möbel und Dinge, die zum Arbeiten als auch zum Spielen für meine Tochter genutzt werden können. Es gibt die Tische und Wände aus Kreidetafeln zum Malen, den Garten zum Besprechen und Ausdenken, die Küche als kühlen Ort mit den getrockneten Blumen, die ich wie besessen sammle. Im Endeffekt mache ich das Gleiche wie beim Arbeiten. Ich bringe Dinge zusammen, die auf den ersten Blick nicht zusammen gehören.

Büro Im Bureau Mario Lombardo

Hat sich die Bedeutung von Inspiration für Dich im Laufe der Zeit verändert?
Sie verändert sich konstant. Als ich „nur“ die Spex gemacht habe, zog die Inspiration ganz fokussiert Inspiration aus Musik und aus Mode. Als die Projekte immer mehr wurden, musste ich die Herangehensweise ändern. Ich fing an Sachen zu vermischen, die gar nicht zusammen gehörten und die Energie für eine Arbeit aus der der anderen zu ziehen. Dann wurde meine Tochter geboren und das war Energie pur. Die Welt ist plötzlich klarer, auch einfacher geworden. Ich übersetze ihre Wahrnehmung und Reaktionen in meine Arbeiten. Das hilft mir meine Verkopftheit zu überwinden.

Für mich bist Du ein Querdenker. Gibt es Persönlichkeiten, die Dich zu Deinem Weg inspiriert haben?
Es gab Einige, die mich beeindruckt und auf den Weg gebracht haben. In der New Wave Zeit der 80er war ich von Joy Division fasziniert somit auch von Peter Saville. Gleichzeitig haben mich Markus Peichl und Lo Breier, die Macher von Tempo (Zeitschrift), dazu gebracht, Magazine zu sammeln. Da wusste ich noch nicht dass ich Editorial Designer werden würde. „Tempo“ hat Geschwindigkeit für mich neu definiert. Mitte der 90er bin ich dann Markus und Lo tatsächlich begegnet, ohne dass mir damals bewusst war, dass sie hinter „Tempo“ steckten. So haben sich Dinge in einem Heute zusammen gefügt, die meine Jungend geprägt haben. Hoffentlich geht das so weiter.

Bild 4 Im Bureau Mario Lombardo

Zeigst Du uns eines Deiner Werke? Was hat Dich inspiriert? Was ist zwischen Inspiration und Idee abgelaufen?
Im Moment gestalte ich wieder unheimlich viele Plattencover. Meine Aufgabe ist die visuelle Interpretation der Musik und des Gefühl des Künstlers. Mit Max Herre Beispielsweise habe ich ganz lange gesessen und mit ihm überlegt, was für ihn gerade die wichtigen Punkte in seinem Leben sind. Wir habe bei ihm zuhause zu Abend gegessen, geredet und uns dabei gegenseitig in den Prozess mit einbezogen. Es war sehr persönlich. Das war schön. Er brauchte mich zur Sicherheit und ich ihn.

cat Im Bureau Mario Lombardo

Das heißt Du nimmst zunächst Fühlung auf?
Gerade bei Musik ist das wichtig. Man muss erspüren was passt. Telefonieren reicht da nicht. Sobald ich mit Dir rede, weiss ich was zu Dir passt. Ich  versuche zu fühlen, was mein Gegenüber empfindet. Max Herre habe ich ganz offen nach sehr persönlichen Details fragen können. Am Ende lebt meine Visualität immer von der Authentizität.

Dank Dir, Mario.

Mehr zu Mario Lombardo bei Miss Creative Classy.

Photos shot with N86.
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