Mal wieder zeichnen

August 20, 2011 | von

Man muß ja schon fast den Begriff “malerisch” aus der illustrierten Mottenkiste holen, um die Bebilderung zu beschreiben, wenn es beispielsweise in der Tagesschau irgendwie um das Thema Arbeit geht. Wird etwa über Tarifverhandlungen berichtet, dann greift man gerne auf Archivmaterial zurück, das Fabrikarbeiter an Fließbändern oder mindetens Leute beim Bedienen beeindruckend großer Maschinen zeigt. Und bei Interviews mit Schriftstellern oder Wissenschaftlern ist man heilfroh, daß man sie vor ihren prächtig ausgestatteteten Bücherregalen filmen kann. Aber wie lange wird das noch gehen? 

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Bevor wir allerdings der Realität ins Auge sehen müssen, hat sich der Illustrator Jan-Hendrik Holst etwas Feines ausgedacht: Im Buch Vergessene Berufe erweckt er gehaltvolle Ausdrücke zum Leben, mit denen sich allerdings in den seltensten Fällen Geld verdienen ließe. Das ist doch immerhin besser als das ewiggleiche Anschauen von Kopfarbeitern, die irgendwas in ihre Laptops tippen sollen, nur damit sich der Zuschauer ein Bild machen kann – bzw. der Kameramann dieser Reportage. Zu blöd, das zweite Standbein der Bürobebilderung wirkt ja in Zeiten von eMail-Verkehr und Videokonferenzing zunehmend unrealistisch: “Greifen Sie doch mal zum Telephonhörer und simulieren Sie Kommunikation.” (via)

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Ja, die handfesten Jobs sterben aus. Und auch die wenigsten Zeichner sind heutzutage noch mit Pinsel und Papier unterwegs. So wie auch der Californier Mike Bertino. Seine wilden, collagenähnlichen Illustrationen entstehen ebenfalls komplett am Rechner. Aber wenigstens verkauft er seine Comic-Bücher noch zum Anfassen – und das sogar über den überaus liebenswerten Indie-Verlag Revival House Press. Und in der Sidebar seines Blogs lassen sich noch andere Zeichenschätzchen entdecken.

img14 Mal wieder zeichnenNoch ein Tipp aus alten Zeiten: Die Uni Heidelberg hat alle Ausgaben – sozusagen den kompletten Back-Katalog – der von 1896 bis 1940 erschienenen Münchner illustrierten Wochenschrift für Kunst und Leben: JUGEND in ihr digitales Onlinearchiv verfrachtet. Beim durchblätternklicken merkt man unter anderem, daß Berlin damals noch nicht der einzig große Wurf war.

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