Norris/Sachse – American Able

May 19, 2010 | von

Wir unterbrechen ungerne die zweifelsohne haarige Berichterstattung vom 1. südstädtischen Bauchnabelflusenweitpustenwettbewerb, um uns ein paar Gedanken über die diese Bäuche verdeckende Kleidung zu machen. Beziehungsweise das in ihren Werbeanzeigen transportierte Körperbild. Über die Klamottenmarke American Apparel ist schon eine Menge geschrieben worden. Die eigene Website der hippen Textilschmiede aus Downtown L. A. listet natürlich nur die positiven Artikel auf. Gute Ware, faire Löhne und so, schon klar. Aber einen Streitpunkt gibt es beinahe genauso lange, wie die Marke existiert: ihre Werbung.HN 01 set1 1024x372 Norris/Sachse   American Able

Die Idee, Konsumenten als Werbebotschafter zu benutzen, erscheint heute, ein paar Jahre später, beileibe nicht mehr radikal. Der Sexismus-Vorwurf wird spätestens seit der Vergabe des begehrten LEAD-Awards 2007 an die Kampagne diskutiert.  Die Firma fährt derweil weiter ihre nicht unclevere PR-Taktik, sei es durch einen eindeutig arschkontroversen Contest oder aufsehenerregend wie zuletzt durch Pornostar Sasha Grey.

Nun haben sich die Photographinnen Jes Sachse und Holly Norris – die eine vor, die andere hinter Kamera – der Sache angenommen, um auf die Belange von Menschen mit körperlicher Behinderung aufmerksam zu machen. Auf der Website des Projekts liest sich das so:

‘American Able’ intends to, through spoof, reveal the ways in which women with disabilities are invisibilized in advertising and mass media. I chose American Apparel not just for their notable style, but also for their claims that many of their models are just ‘every day’ women who are employees, friends and fans of the company. However, these women fit particular body types. Their campaigns are highly sexualized and feature women who are generally thin, and who appear to be able-bodied. Women with disabilities go unrepresented, not only in American Apparel advertising, but also in most of popular culture. Rarely, if ever, are women with disabilities portrayed in anything other than an asexual manner, for ‘disabled’ bodies are largely perceived as ‘undesirable.’ In a society where sexuality is created and performed over and over within popular culture, the invisibility of women with disabilities in many ways denies them the right to sexuality, particularly within a public context.

Nun kann man sich fragen, warum von den hunderten von Modefirmen, die für Werbezwecke Frauen zu Sexobjekten machen, gerade diese Vorzeigemarke? Neben dem hohen Wiedererkennungswert der Bildsprache vielleicht auch darum oder deshalb. Die Bilder werden im Rahmen der jährlichen Ausstellung Contacting Toronto gezeigt. Kunst in den öffentlichen Raum zu tragen, halte ich generell für eine begrüßenswerte Aktion, aber die barbusigen Photos der Serie werden in den über 50 U-Bahnstationen selbstverständlich nicht zu sehen sein.

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Beim Bauchnabelflusenweitpusten konnte ich mich übrigens nur selbst schlagen.

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