Nouveau Punk – Literal Videos auf YouTube
L. sagt: Was, kennst Du nicht? Pflichtprogramm! B. fährt den Rechner hoch und D. sucht aus. Für den Fall, dass es noch andere Menschen da draußen geben sollte, die das Wunder der Literal Videos auf YouTube noch nicht kennen – hier eine Kostprobe:
Die Idee ist einfach und genial: Nimm eine Musikvideo, meist aus der Zeit, als MTV boomte und die Kids, wenn ein neuer Song in den Charts war, nur noch davon sprachen, ja, sie hätten ihn schon gesehen – nimm also auch ein Stück der eigenen Popsozialisation und pack einen neuen Text drauf. Karaoke-Programme, die nur die Instrumentalspuren zum Drübersingen liefern, gibt es genug. Dann sing aber nicht irgendwas, sondern einen Text, der genau kommentiert, Bild für Bild, Szene für Szenen, was im Video gerade passiert.
B. bringt es nach drei oder vier echten Lachern auf den Punkt: Jahrelang hat das Video die Musik kommentiert, jetzt darf das auch mal andersrum sein. Die satirischen und auch nur wunderbar blöden Effekte, die sich daraus ergeben, sind zum Schenkelklopfen.
Einerseits werden Song und Video nerd-artig durch die meist liebevolle Re-Interpretation geehrt, andererseits sind die Dinger natürlich Satire vom feinsten: Nimm das Original und verdreh es, mit einfachsten Mittel, zu etwas, das Form, Inhalt und Kontext der Vorlage zugleich transportiert und parodiert.
Man beachten z.B. die erste Strophe bei Whams Weihnachstschmachtklassiker:
Oder die Tanzszene hier, in der ein aktueller Queer-Blick auf die 80er-Soft-Hetero-Ästhetik geworfen wird:
Das Beste aber ist, dass der Animationsfilmemacher Dustin McLean, der einfach zum Spaß das erste Literal Video, “Take On Me” von a-ha (tatsächlich eine der ersten Singles, die ich mir damals gekauft habe) ins Netz stellte, Millionen von Klicks und Hunderte Nachahmer generierte. Eine Art Nouveau Punk im Netz, auch hier - Do It Yourself. Jeder kann es. Die Idee zählt. Und dass mans einfach macht.
Anyway – die Interferenzen zwischen Text, Musik und Bild, zwischen gesungenem Kommentar und (Selbst)inszenierung des Pop bringen Einiges an Semantik zum Flirren. Seit Monty Pythons ‚Flying Circus’ haben wir lang nicht mehr so viel gelacht.
Darum hier noch ein paar Klassiker des Genres, for your Unterhaltung. Check it out:
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