Items Of The Week – Ins Blaue

April 28, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier
Die Mondfrau sang im Boote
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.

Zerbrochen ist die Klaviatür
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet mir
Ich aß vom bitteren Brote
Mir lebend schon die Himmelstür
Auch wider dem Verbote.

(Else Lasker-Schüler, Ein blaues Klavier)

Clemens J. Setz schreibt nicht vom, aber auch nicht ins Blaue. Im Erzählband “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes”, für den der 28-jährige Österreicher den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, verwebt er einsame Isolationsräume der Moderne in reichaltige Allegorien und überzeugt mit kühnem Konzept und poetischer Konsequenz (03).

Thomas Struth schießt nicht ins Blaue. Seine Fotografie mit der Großbildkamera erfordert Zeit und Aufwand, lässt kaum Platz für Zufälle und lebt von der präzise geplanten Bildkomposition. Und gerade in dieser Hyperstilisierung vermitteln Struths Bilder eine Ahnung des eigentlichen Geheimnisses hinter den Objekten - seien es Familienporträts, der Urwald oder die Innenansichten moderner Hochtechnologie-Labors. Der ehemalige Richter- und Becher-Schüler zeigt nun an seinem Studienort Düsseldorf im K20 in einer Retrospektive Fotografien von 1978 bis 2010 – in Werkgruppen unterteilt erzwingt sein “präzises Sehen” Antworten auf Fragen, die man dem Alltäglichen bisher noch nicht zu stellen gewagt hat (06).

insblaue Items Of The Week   Ins Blaue

Dieses Wochenende steht eine Rundreise durch das kunstbunte Berlin an – es ist Gallery Weekend. Und während Anselm Kiefer bei Contemporary Fine Arts die Sitzmöbel zu seinen Bildern präsentiert, in der Galerie Kicken mit “Aspects of Color” die Geschichte der Farbfotografie nachgezeichnet wird und Neugerriemschneider Arbeiten des von der chinesischen Regierung verschleppten Künstlers Ai Wei Wei zeigt, gibt es bei Helga Maria Klosterfelde in der Potsdamer Straße Multiples von der niederländischen Künsterlin Lily van der Stokker zu sehen, die in postfeministischer Tradition mit ihren naiv anmutenden Wandmalereien gängige Stereotypen dekorativer Elemente und die damit einhergehende Unterstellung von Weiblichkeit hinterfragt (04).

Für die nächste Fahrt ins Blaue bietet sich ein Besuch der Stiftung Bauhaus in Dessau an. Als Vor-, und Nachbereitung sowie zur Weiterführung und Hinterfragung von Gesehenem bietet sich die erste Ausgabe der wiederaufgelegten Bauhaus-Zeitschrift an. 1926 erschien sie zum ersten Mal unter Walter Gropius, László Moholy-Nagy und Paul Klee (u.a.) zur Eröffnung des neuen Bauhaus in Dessau – 80 Jahre nach Einstellung der Zeitschrift hat die Stiftung sie nun neu aufgelegt (02). Zur Besichtigung der Meisterhäuser eignen sich die Holzsandalen von Swedish Hasbeens (01), die auf 33 Stück limitierte Kooperationstasche von Bree und Vöslauer, die es nur hier zu gewinnen gibt, bietet mit Flaschenhalterung im lila Innenfutter ausreichend Stauraum für Mitbringsel und Erfrischungen (08) und der Ring von Solange Azagury-Partridge lässt jedes Sommerherz höher schlagen (05). Auf ins Blaue.

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Angst. Macht. Raum.

April 27, 2011 | von

Am 28. April startet Teil 3 der Berliner Ausstellungsreihe mit neuen Videoarbeiten verschiedener Künstler. Hier nur schnell die groben Infos, auf dem Ausstellungsblog findet Ihr unter anderem die ausführliche Pressemitteilung dazu.

AMR 3R Angst. Macht. Raum.

Steht ja alles schon auf dem hier abgebildeten Flyer drauf. Sogar, was für ein Motiv es auf der Vorderseite zu sehen gibt. Das hier nämlich. Viel Spaß beim Zuschauen.

AMR 3front Angst. Macht. Raum.

Bonustrack

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„Bread&Butter“ – Treibgut aus Barcelona

April 26, 2011 | von

vaho trashion „Bread&Butter“   Treibgut aus Barcelona

Glückwunsch an Karl-Heinz Müller, den Kapitän der Bread & Butter! Die spanischen Hinterlassenschaften der Streetwearmesse, die von 2005 bis Anfang 2009 in Barcelona residierte, treiben nachträgliche Blüten. Entwicklungshilfe a posteriori könnte man es nennen.

Jedes Land hat seine „Freitag“-Taschen-Kopisten. In Deutschland haben sich „ich, ich, ich“ oder „Berlinbag“ nicht lumpen lassen. In Spanien waren die Jungs von Vaho Trashion (“Trashion”, schmissig, schmissig!) so clever, auf das Gummiplanen-Recycling-Prinzip aufzuspringen. Und sie setzen noch eins an Cleverness drauf: Die Motive überlassen sie nicht dem Zufall. Aus dem Nachlass der Bread & Butter in Barcelona haben sie eine Plane mit Logo-Aufdruck ergattert, der BBB-Schriftzug plus Tatzenbär. Daraus, gut erkennbar platziert, haben sie Umhängetaschen geschneidert. Die hetzen den originalen BBB-Souvenirs hinterher.

bbb taschen „Bread&Butter“   Treibgut aus Barcelona
(Die originalen BBB-Taschen)

Ob die „BBB“-Taschen von Vaho der Renner sind, weiß ich allerdings nicht. Ich habe mein Exemplar zwischen Kunstlederplunder auf einem Flohmarkt in Portugal entdeckt.

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Short Shots 2.0 – Eike König, Grafikdesigner

April 25, 2011 | von

SHORT SHORTS 2.0
Wir wollen wissen was geht – und was nicht. Wo die Heimat ist und wo die Wahlheimat, welches Werk im Bücherregal steht und welches Gadget den Alltag ausmacht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Eike König.

Das Jahr 1994 ist in der Grafikdesign-Historie als Geburtsstunde von Eikes grafischem Hort zu verbuchen. Hort, damit ist im (west-)deutschen Sprachgebrauch meist eine „Betreuungsinstitutionen für Schüler nach der Schule“ gemeint, in diesem Fall aber ein multi-disziplinäres Design-Studio, dass laut Eigenaussage ein bunter Spielplatz, „ein Ort ohne Begrenzungen, mit absoluter Offenheit, großem Vertrauen und allen Möglichkeiten“ ist. Für alle, die jetzt sofort, zwecks grafischem Nachholbedarf, in den Hort einchecken wollen – bis Ende 2011 ist das Büro für Praktikanten leider schon ausgebucht. Wer momentan die Königliche, grafische Betreuung im Hort genießen darf, oder in der Vergangenheit durfte, kann man übrigens auf der Website einsehen. Ein Blick auf die Startseite ist aber nicht minder aufschlussreich: Erstens blickt dem Betrachter hier kein ernstes Schwarz-Weiß-Portrait eines Designers mit schwarzumrandeter Brille entgegen, sondern eine Art Alter Ego in Illustrationsoptik und außerdem bereichert der Besuch „weil wir die ganze Bandbreite unserer Arbeiten, unseres Könnens und alles, was wir in den letzten Jahren geschaffen haben, draußen sichtbar machen möchten“, so darf man vernehmen. Besagte Bandbreite ist übrigens groß, und dass Herr König seinen Hort nicht (nur) als Spielweise betreibt, sonden auch serious Business macht, beweisen ein paar Namedrops: Das Magazin Wallpaper und die New York Times buchen Illustrationen, die lifestyle-affine Modemarke Nike hat sich der Formensprache Eike Königs bedient und auch das Musiklabel Get Physical Music weiß, dass die grafische Komposition auf der Verpackung designed by Hort, bestens mit der musikalischen Komposition in der Verpackung, zusammengeht. Was Eike König zu sagen hat, wenn er sich statt Formen und Farben auf schwarzer Buchstaben auf weißem Hintergrund beschränkt, gibt’s nachfolgend zu lesen…

DSC43971 Short Shots 2.0   Eike König, Grafikdesigner

NAME Eike Fritz Gerwin König
JAHRGANG Neunzehnhundertachtundsechzig

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Ich komme aus dem Nichts und gehe in das Nichts. Ob ich will oder nicht.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?

Da gibt es bei mir zum Glück keine Unterscheidung. Die Leidenschaft erzeugt die Butter, das Herzblut transportiert die Nährstoffe.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Sport und Sport.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?

Mein aktuelles Objekt der Begierde ist eine Arbeit der Künstlergruppe G117 (Anmerk. d. Red: siehe hier (kleines Bild mit schwarzem Gesicht)) . Und bewegen tun mich die Ereignisse in Nordafrika, sowie die schlechte Rückrunde der Frankfurter Eintracht – da sieht man mal, wie banal ich sein kann.
HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?

Da würde ich mal sagen: das Herz und das Gehirn.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?

www.schufa.de (mein Humor ist leider bodenlos) sowie, in echt, meine Freunde. Aber www.haw-lin.com ist immer ein Aufwachen wert!

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?

In meinem Alltag wird nicht gespart. Der Luxus ist das Leben, das ich führen kann, an sich. Von daher genieß ich es in vollen Zügen. Permanent.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?

Ich habe nur eines. Der Österreicher bei mir um die Ecke – seit ich kein Fleisch mehr esse.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?

Die, die mir nahe stehen … um die anderen mache ich mir keine Gedanken. Alleine das Aussprechen des Wortes „Feind“ kostet mich Energie, die ich lieber fürs Nichtstun verbrauche.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?

Gute Frage. Da muss ich mir mal Gedanken zu machen. Wird aber dauern.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?

Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Gerade im Moment höre ich Mosaik von Siriusmo. Missen möchte ich auf jeden Fall nicht The Beatles. Und alle Werke von Osamu Tezuka. Und eine Menge mehr. Da reicht Platz und Zeit nicht für eine durchdachte Aufzählung. Geprägt hat mich New Wave. Und KISS. Und Markus Schindler. Und am Ende wohl auch Helge Schneider. Und Max Bill. Oder war es eher Rodtschenko?

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?

Indem ich in den Dialog mit mir trete. Und weil Empathie ein wichtiger Bestandteil meiner Persönlichkeit ist. Leider nicht immer so konsequent, wie ich es gerne hätte. Aber auch das gehört zu mir – das Unvollkommensein.

DANKE!

EIKE KOENIG Short Shots 2.0   Eike König, Grafikdesigner

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Ächtung, straßenARTbeiten

April 24, 2011 | von

Ich weiß, wir haben schon Ostern, aber das Jahr rauscht bisher nur so an mir vorbei und ich höre von vielen Freunden, daß es ihnen ähnlich geht. Hirn- und herzgehetzt zwischen Katastrophe und Competition kann man für eine Auszeit entweder den Besuch eines Museums einwerfen oder einfach mal besonders aufmerksam die Straßen seiner Heimatstadt entlangbaldowern. Und weil einigen Menschen dafür Zeit oder/und Auge fehlt, hat Street Art Utopia sozusagen eine virtuelle Graffiti-Leistungsschau für das Jahr 2010 mit über 100 Photos zusammenkompiliert. Weiterlesen »

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Die Welt ist ein Igel – Part 2

April 22, 2011 | von

porto 450x268 Die Welt ist ein Igel   Part 2

Natürlich bin ich in der zweiten Woche in Porto gleich in die Berlinfalle getappt … Weiterlesen »

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Cineastik in der Werbung – Vöslauer, Ray-Ban + Co

April 21, 2011 | von


Vöslauer der Film Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co

Die Werbung hat das Medium Film entdeckt. Und gemeint sind damit keine 30-Sekünder, die mal mehr mal weniger dünne Handlungen um das zu bewerbende Produkt stricken, gemeint sind lange, epische Kurzfilme mit Drehbuch, deren Umsetzung durch Akteure aus der Filmbranche eine neue Qualität in der Werbung sichern.

Das mag sicher am gestiegenen Druck zur Abgrenzung liegen, hat aber wohl hauptsächlich damit zu tun, dass das Internet kein TV-Sender ist, der Geldscheine wie Reisig pro Sendesekunde verbrennt, sondern dazu einlädt, Hochwertiges zu produzieren, das sich dann wie von selbst im Netz reproduziert.

Nachdem Ray-Ban erst kürzlich für ihren Stop-Motion Viral „Photocopy Romance“ die Entzückung der Internetgemeinschaft erntete, der von der Geschichte zweier Sonnenbrillenträger erzählt, die zarte Bande knüpfen und sich schließlich auf engstem Raum ineinander verlieben – inszeniert aus der Perspektive eines Kopierers – folgt nun der nächste Kurzfilm zur aktuellen Kampagne: “Watergun”  bedient sich einfachsten Zutaten – Slow Motion, heiße Frauen, Wasserpistolen und flirrende Hitze – und doch braucht es nicht mehr, um sich an dieser cineastischen Satire zu erfreuen.

0 Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co

Noch einen Schritt weiter geht aktuell die österreichische Mineralwassermarke “Vöslauer“. So ist deren neuestes Werk nicht mehr nur ein Clip, sondern ein 6-minütiger Kurzfilm mit Staraufgebot, passend betitelt mit “Vöslauer – der Film“.

Bild 41 Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Coaus: Vöslauer – der Film | Nora von Waldstätten

Die mit dem Max Ophüls Preis 2010 als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnete und mit Filmen wie “Carlos – Der Schakal” international bekannt gewordene Nora von Waldstätten schlüpft dabei für Vöslauer in die Rolle einer jungen Schriftstellerin, die sich in einem literarischen Dilemma befindet und Inspiration für ihr neues Buch sucht. Aus
diesem Grund bezieht sie eine idyllische Kabane im Thermalbad Vöslau und trifft auf eine faszinierende, scheinbar ewig junge Frau, dargestellt vom norwegischen Supermodel Carmen Maria Hillestad, deren Geheimnis in der Ursprungsquelle des Mineralwassers zu liegen scheint.

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Umgesetzt wurde der Kurzfilm im Herbst 2010 von der renommierten britischen Regisseurin Anthea Benton, die vor der Kulisse des Jahrhundertwendejuwels im Thermalbad Vöslau für die eindrucksvollen Szenen sorgte. Beispielsweise wenn die beiden Protagonistinnen im „Grünen Becken“ des Thermalbads schwimmen, das mit purem Vöslauer Mineralwasser gefüllt ist. Zudem fand ein Teil der Dreharbeiten in einem Wassertank in London statt, wo das Ereignis parallel von der renommierten Unterwasser-Fotografin Zena Holloway in Bildsujets festgehalten wurde.

Mit solchen Filmwelten scheint die Werbung sich endlich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe zu nähren: Die Verführung mittels der Kraft der Bilder. Und wer noch immer daran zweifelt oder aber den visionären Zeitbezug vermisst, dem sei Spike Jonze 30-Minüter für Absolut zu empfehlen: “I’m Here – A Lovestory In An Absolut World”

Spike Jonzes Im Here Cineastik in der Werbung   Vöslauer, Ray Ban + Co
Bild 1: aus: Vöslauer – der Film | Nora von Waldstätten & Carmen Maria Hillestad 

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Items Of The Week – Kompass

April 20, 2011 | von

von Mareike Nieberding -

Der Kompass liegt mittlerweile tief in den Mikrogewinden elektronischer Geräte verborgen. Dennoch ist er das Werkzeug, dass uns Menschen zu all dem Kartenmaterial ins Verhältnis setzt, auf das wir uns täglich blindlings verlassen. Der Kompass bietet geographische Orientierung und ermöglicht die bewusste Entscheidung welche der vier Himmelsrichtung wir einschlagen wollen.

Wegen eben dieser wegweisenden Funktion und weil Kompass im Englischen auch für das Zeichenwerkzeug Zirkel steht, hat der Kurator Christian Rattemeyer die Präsentation von rund 250 Zeichnungen im Martin-Gropius-Bau aus der Sammlung des Museum of Modern Art (Moma) in New York “Kompass” genannt. Die Arbeiten von großen Namen wie Joseph Beuys, Elizabeth Peyton oder Cy Twombly und Neuentdeckungen wie Christian Holstadt und Nick Mauss weisen in viele Richtungen und zeigen die unendliche Vielfalt, die sich hinter dem Gattungsbegriff Zeichnung verbirgt (06). Auch die foto- und grafischen wie literarischen Positionen und Interpretationen im neuen “Magazin über Orte” sind ihrem inneren Kompass gefolgt – in Richtung Paradies. Unter anderem Ryan McGinley, Jeff Wall, Raymond Pettibon und Luc Tuymann suchen bildlich nach Utopien während Günter Kunert und Miranda July versuchen Sehnsüchte nach Unendlichkeit und Freiheit in Worte zu fassen – ein wahrlich pardiesisches Unterfangen (03). Das passende Schuhwerk liefert Alexander McQueen – Plateaus wie aus der Elfengarderobe (01).

kompass Items Of The Week   Kompass

Unterdessen beschreibt die neue Ausgabe der “I love you” mit dem Titel “The Mama issue, because I said so” in ironischer Art und Weise die Schwierigkeit den Einfluss des wohl wichtigsten Kompass im Leben eines jungen Menschen – von Mama -  produktiv umzudeuten (04). Rodarte schöpfen für ihre Kollektionen stets aus allen Richtungen – dieses Kleid erinnert an norddeutsche Fliesen (05). Farblich abgestimmt: die neuen Sneakers “Hachi” von Nike (08). Auch das neue Album von “The Kills” will ein bisschen von Allem – “Blood Pressures” krakelt und kuschelt (07). Michel Houellebecq wäre glücklicher, wenn er einfach überall rauchen dürfte, verrät er Iris Radisch von Die Zeit - sein innerer Kompass zeigt deutlich in Richtung Freiheit und das heißt für ihn ein Leben ohne Regulierungen und so wenig Veränderungen wie möglich. In seinem neuen Roman “Karte und Gebiet”, der bereits mit dem renommierten französischen Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, zeigt er was die Veränderungen anrichten – als Milieu wählt er die Kunstwelt. Am Ende steht Mord (02). Horcht nach eurem inneren Kompass.

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Distinktion für Dummies

April 19, 2011 | von

distinktion dummies Distinktion für Dummies

Sich über geheime Zeichen zu verständigen gehört zum modernen Tribalismus. Klassenbewusste Graue Panther platzieren Klopapier-Stricküberzieher auf der Hutablage ihres Autos, Internatszöglinge knöpfen den unteren Knopf ihres Sakkoärmels auf – und gesetzlose Biker? Weiterlesen »

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Germanyʻs Next Top-Nerds – re:publica ’11

April 18, 2011 | von

von Siems Luckwaldt -

Mist! Den Spinat-Bagel mit Cream Cheese und Kresse hätte ich mir echt verkneifen sollen. Kräuter zwischen den Frontbeißern – und JEDER hier ist mit Kameras, iPhones, Laptops, iPads und was weiß ich für gagdets bewaffnet. Meine ästhetisch riskante Frühstückswahl könnte also in wenigen WLan-Sekunden rund um den Globus getwittert, gefacebooked und gebloggt werden. Denke ich, während ich so auf dem Boden des kleinen Saals der Kalkscheune sitze und die rauhfaserige Industrieauslegeware sich in meinen Reporter-Po drückt.

Teppich in der Kalkscheune 600 Germanyʻs Next Top Nerds   re:publica 11
Vorsichtig blicke ich rechts und links in die Sitzreihen, gefasst darauf, jeden Moment kressegrinsend abgeschossen und per Tweet verhöhnt zu werden. Dann die Erleichterung Weiterlesen »

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