PEOPLE

intervista 04: Fil über Comics, Shows und freie Wahl

Kategorie: People | December 25, 2011 | von

Fil ist schon lange nicht nur zitty-Lesern bekannt als Zeichner der beiden Ideal-Berliner Diddi und Stulle. Fast genau so lang schon gibt er großartige Shows, mal mit Stoff-Hai Sharkey, mal ohne, im Mehringhof-Theater, Kreuzberg, und all over the land. Der Mann, bei dessen Programmen einem schon zur Pause vor Lachen alles weh tut, hat uns ein paar knackige Antworten gegeben – zum Zeichnen, Auf-der-Bühne-Stehen, zu Künstlerbetreuerinnen und der Illusion des freien Willen. Live zu erleben ist er in nächster Zeit hier.

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Fil – kommst du eigentlich wirklich aus dem Märkischen Viertel? Und warst mal Punk? Wie sah deine Jugend in West-Berlin aus? Spannend? Langweilig? Weder noch?

Ich habe 15 Jahre im MV gelebt und war dort auch Punk. Langweilig war es nie.

Wie kamst du zum Comiczeichnen?

Das hab ich schon als Kind gemacht und einfach nie aufgehört.

Du hast eine Ausbildung zum Kunstmaler abgebrochen, hab ich gelesen. Warum? Gabs da nichts zu lernen?

Ich hab nie ne Ausbildung zum Kunstmaler gemacht – ich glaub, sowas gibts auch gar nicht. Nur einen Haufen Aktzeichenkurse besucht.

Wie wichtig ist Zeichentechnik für deine Comics? 

Ganz unwichtig. Ich glaube sogar: je hingekrakelter die Sache, desto lustiger. Leider zeichne ich fast immer in so einer Grauzone zwischen ganz kraklig und fast ordentlich.

Zeichnest Du jeden Strich selbst, oder wie läuft die Produktion?

Ich zeichne mit Bleistift vor, mit Tusche nach, radier den Bleistift wieder weg und gebs dann meinem freund Gurke, ders am Computer koloriert.

Irgendwann hast Du angefangen, aus „Didi und Stulle“ Mehrteiler zu machen – längere, schlingernde Geschichten. Ist das leichter oder schwieriger als sogenannte One-Pager zu zeichnen?

Viel, viel leichter, weil man den Gag einfach auf die nächste Folge verschieben kann. Die Mehrteiler sind auch alle aus dem Unvermögen, einen schnellen Witz zu finden, entstanden, sie waren nie geplant.

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Wie entwirfst Du Deine Shows? Wie viel ist vorab geschrieben, geplant, wie viel improvisiert?

Ich schreibe vorher nur die Lieder und Gedichte, und auch die meistens nicht ganz fertig. Der Rest, das Drumrumgerede, das zum Schluss 80 Prozent der Show ist, entsteht auf der Bühne. Oder nicht, was dann schlecht ist. Darum wird die Show jede Woche 15 Minuten länger und ich muss Lieder rausschmeissen. Bei den Premieren hab ich meistens um die 14 Lieder/Gedichte, am Ende nur noch fünf oder so.

Sitzt Du acht Stunden am Tag mit Laptop und Gitarre am Schreibtisch, oder wie müssen wir uns Fil beim Arbeiten vorstellen?

Ich arbeite sehr wenig und nie am Laptop.

Du tourst ne Menge, trittst auch häufig in Berlin auf. Kann man jeden Abend auf der Bühne witzig sein? 

Du kannst nur so witzig sein, wie das Publikum dich lässt. Das ist wie beim Sex.

Du versuchst immer, scheint mir, bewusst ein bisschen schlechter zu singen und Gitarre zu spielen als Du es kannst. Ist das sowas wie: die Inszenierung des Unperfekten? Ist das Punk?

Ich fürchte, ich kann gar nicht besser spielen oder singen. Bei mir gehts allerdings auch nicht um Können, glaub ich.

Und ist, was Du auf der Bühne machst, ‘Comedy’? Oder was anderes?

Wohl eher etwas anderes.

Gibt es einen spezifischen Berliner Humor?

Ich glaube, es gibt nur zwei Arten von Humor: guten und schlechten. Städteunabhängig. Also nein. 

Wie viel hat ‘Fil’, den wir auf der Bühne sehen, mit ‘Dir privat’ zu tun? Ist er eine autonome Kunstfigur? Oder ein Mischwesen? 

Es sind nur meine guten Eigenschaften, die ich da zeige.

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Bist Du schon morgens am Frühstückstisch am Witzereißen, oder ist – im Gegenteil – was dran am Klischee, dass witzige Künstler privat eher Melancholiker sind?

Weder noch. Ich bin ganz normalmässig drauf. Erst wenn mehr als fünf Leute um mich rum sitzen fang ich an, sie zu entertainen.

Würdest Du gern mal ein total ernstes Programm machen? Oder einen Band mit schwieriger Lyrik schreiben?

Nein. Jeder sollte das machen, was er kann. Das Leben ist keine anthroposophische Klinik.

Wie kriegt man so viele Auftritte, so viele Comics mit Privat- und Familienleben zusammen?

Weniger saufen und nicht jede Künstlerbetreuerin flachlegen hilft mir dabei.

Was würdest Du machen, wenn Du die freie Wahl hättest? Das ganze Jahr am Strand liegen? Jeden Abend in die Philharmonie gehen? Fußball gucken? Oder doch Comics zeichnen? 

Ich würd wahrscheinlich alles genau so machen wie jetzt. Was heißt schon “freie Wahl”? Der einzige freie Wal, den ich kenne, ist Free Willy, und wie der will ich nicht sein.

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(Konzept der Reihe und Fragen: Alexander Gumz)

Heimlicher Nerd-Traum: Sandalen von flip-flop

Kategorie: People | December 21, 2011 | von

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Oh, ihr Ahnungslosen, ihr glaubt, der Name flip-flop leite sich von dem Gehgeräusch der Plastiksandalen her? Weit gefehlt: Er ist eine Hommage an die Geburtsstunde des Computerzeitalters. Weiterlesen »

Nokia Local Kings – Futurice: Die glücklichen Entwickler

Kategorie: People | December 20, 2011 | von

Futurice 03 1024x574 Nokia Local Kings   Futurice: Die glücklichen Entwickler

Futurice klingt nach Zukunft, klar. Aber nicht nach Robotern, die die Welt regieren oder grimmigen Landschaften, in denen die Sonne nie scheint. Futurice klingt freundlich, lichtdurchflutet und fast wie ein Versprechen. Dass die Software-Firma mit dem freundlichen Namen in Finnland gegründet wurde, passt ins Bild. Seit 2000 entwickelt das Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki Online- und Mobile-Anwendungen für u.a. Nokia, Bayer AG oder Le Monde. Seit 2010 gibt es die Futurice GmbH als Ableger in Berlin und es spricht für unsere Freundlichkeits-These, dass das Unternehmen nach nur einem Jahr Bestehen vom Great Place To Work® Institute als einer der besten Arbeitgeber Europas ausgezeichnet wurde. Für unsere Nokia Local Kings-Serie trafen wir die glücklichen Entwickler und sprachen mit ihnen darüber, wie es sich auf dem Sprungbrett so steht…

FIRMA
Futurice GmbH

BESCHREIBE DIE FIRMA IN 3 ADJEKTIVEN / 3 SCHLAGWORTEN?
Freundlich, pragmatisch, perfektionistisch

WO STEHT EURE FIRMA JETZT?
Auf dem Sprungbrett nach ganz Europa. Weiterlesen »

Items Of The Week – Smoking

Kategorie: People | December 14, 2011 | von

Love is a smoke made with the fume of sighs. (William Shakespeare)

Seufzen. Herzensqualen. Die Brontë-Schwestern schrieben mit Macht; als würden sie ihren Charakteren die Liebe, das düstere Empfinden, mit eigenen Händen aus dem Inneren reißen. “Jane Eyre” von Charlotte und “Sturmhöhe” von Emily wurden nun beide neu verfilmt. Janes Eyre bereits zum 19. Mal – von dem in Japan und Frankreich aufgewachsenen Amerikaner Cary Joji Fukanaga. Mia Wasikowska, die zarte Gewalt aus Tim Burtons letzter Alice-im-Wunderland-Verfilmung ist Jane, ein Waisenkind, das sich in ihren Arbeitgeber, den Schlossbesitzer Mr. Rochester (Michael Fassbender) verliebt. Allen Schranken zum Trotz tritt sie mit stolzer Leidenschaft den Gang durchs Feuer an. (03)

Wo Rauch ist, muss auch Feuer sein: das feministische Trockenlaub fängt unaufhörlich Feuer. Glaubt die Politik, lange schwelende Laubfeuer mit milden Zugeständnissen löschen zu können, schlägt schon die nächste Feuersbrunst aus. Gut so. Für beide Geschlechter. Die neue “Texte zur Kunst” hat sich dem Thema angenommen: Monika Rink schreibt über Das Prinzip Diva, Marie-Luise Angerer über DSK und die Krise der Währungen, Pamela M. Lee über Post-Feminismus oder Post-Gender. (04)

smoking Items Of The Week – Smoking

Verbrannte Erde. Überall? Boris Kralj versucht, dem Mythos Brandstrich Ostblock auf den Grund zu gehen. Sein Buch “My Belgrade” ist eine Spurensuche. Nach den eigenen Wurzeln – seine Eltern kamen in den Siebzigern aus Jugoslawien nach Göppingen. Nach der Zukunft eines Landes, das heute Serbien heißt, das nie sein Zuhause war, dem er in seinen Bildern aber mit Zärtlichkeit begegnet. (06)

Die gefährliche Flucht vor dem Höllenfeuer Nazi-Deutschland traten in den dreißiger und vierziger Jahren tausende Juden nach Palästina an. Viele von ihnen waren Bauhaus-Schüler, die in der Ferne die architektonische Moderne des Bauhaus mit dem Lebensmodell Kibbuz vereinen wollten. Die zionistische Architektur, die 1910 mit der Siedlung “Degania” begann, sollte ganz im Bauhaus’schen Sinn Leben und Arbeit verbinden; ein Dasein in Gemeinschaft bieten. In der Ausstellung “Kibbuz und Bauhaus” in der Stiftung Bauhaus Dessau kann man anhand von Zeittafeln, Fotografien, Interviews und einigen künstlerischen Auseinandersetzungen die Verwandtschaft beider nachvollziehen. (07)

The Roots huldigen mit ihrem neuen Album “Undun” dem Konzept. Beginnend mit dem Tod eines fiktiven Afroamerikaners namens Redford Stephens, wird in den folgenden Songs sein Leben von hinten aufgerollt. “Sozialkritisch, poetisch, experimentell”. (08)

Smoking hot: das Geschenkpapier im Burger-Look (02), die farbverlaufende Lederjacke von Acne (05) und die seidene Handtasche von Valentino (01).

This is my dream: Filmporträt Yohji Yamamoto

Kategorie: People | December 06, 2011 | von

 This is my dream: Filmporträt Yohji Yamamoto

Für Modeenthusiasten bedeutete die Reihe mit Designerporträts auf arte das Gleiche wie für Fußballfans die WM. Man saß geschlossen vor der Glotze und guckte sich Karl Lagerfeld, Marc Jacobs, Sonia Rykiel, Yves Saint Laurent, Vivienne Westwood oder Paul Smith in ihren Universen an.
In der bewährten Manier – die hektische Zeit einen Monat vor der Modenschau bildet den Zeitrahmen – hat Theo Stanley in “This is my Dream” Yohji Yamamoto bei den Vorbereitungen für die Y3-Show auf der New Yorker Fashion Week 2010 begleitet. Weiterlesen »

Short Shots 2.0: Hien Le, Modedesigner

Kategorie: People | November 28, 2011 | von

Was geht – und was gar nicht. Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Hien Le

Er hat die idealen Voraussetzungen, um Karriere, in der Modewelt zu machen: Hien Le. Erstens hat der in Laos geborene und in Berlin ansässige Designer einen einprägsamen Namen und zweitens ein gutes Netzwerk. Bevor er sich im Sommer 2010 mit seinem gleichnamigen Label der Öffentlichkeit präsentierte, hat Hien Le diverse Erfahrungen in der Branche gesammelt, unter anderem bei einem französischen Modemagazin, der belgischen Designerin Veronique Branquinho oder der Berliner Modemesse Ideal. Als dritter Punkt der logischen Schlussfolgerung, warum Hien Les Karriere nichts im Wege stehen sollte wären Zielstrebigkeit, Konsequenz zu nennen sowie sein Talent aparte Mode zwischen Minimalismus und Lässigkeit zu entwerfen zu können. Wo andere Jungdesigner sich in Experimenttieren proben, setzt Le auf Tragbarkeit und Weniger-ist-Mehr vor allem kleine Details: ein schimmernder Stoff, leichte Transparenz, eine betonte Knopfleiste, auffällige Brusttasche oder ein andersfarbiger Tascheneingriff. Alles in allem ist die Mode des Hien Le aber vor allem eine unprätentiöse Mischung aus lässig und elegant – egal, ob es sich um eine zarte, schlichte, graue Seidenbluse handelt (wie in der Herbst/Winter-Kollektion 2011/12) handelt oder ein knallrotes Jackett (wie in seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 2012). Ob der 1979 geborenen Designer genau so entspannt ist, wie seine Mode, kann man nachfolgend erfahren.

 

hien bw 01 818x1024 Short Shots 2.0: Hien Le, Modedesigner

 

NAME Hien Le
JAHRGANG 1979

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Laos > Berlin > hoch hinaus.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Hoffentlich mit meiner Mode, weil da steckt auch mein Herzblut drin.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Vertrags- und Preisverhandlungen  vs.  Das Entstehen einer neuen Kollektion von Saison zu Saison..

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Mein auf Ebay Kleinanzeigen ersteigertes Fahrrad …

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
iCal  vs.  Moleskine

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
haw-lin.com und Jak&Jil  vs.  meinen Freunde und Familie.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Luxus ist jetzt das machen zu können, wofür ich jahrelang gearbeitet habe und was jetzt mein Alltag füllt  vs.  gerade wird alles in mein Label investiert.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Mein Studio  vs.  Das Zollamt und die Endloswarteschleifen, egal wo!

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Meine Familie, meine Freunde, meine Assistenten bereichern meine Welt jeden Tag aufs Neue… vs. Behörden jeglicher Art sorgen fürs Gegenteil.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Gemeinschaft baue ich vor allem vor, mitten und unmittelbar nach den Kollektionsfertigungen…danach ziehe ich mich zurück und lasse die Massen alleine ziehen.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Ich beschäftige mich gerade mit Sophies Calle’s „die Schläfer“…und während der Arbeit lausche ich meinen Assistenten.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Gerade nur ein bisschen schöner. Um sie ein bisschen besser zu machen, Bedarf es etwas mehr…wenn Schokolade Sünde ist, dann sündige ich täglich.

DANKE!

HienLe Short Shots 2.0: Hien Le, Modedesigner

HIEN LE HERBST/WINTER 2011/12 // PHOTOS: AMOS FRICKE

hien le 2 Short Shots 2.0: Hien Le, Modedesigner

HIEN LE HERBST/WINTER 2011/12 // PHOTO: AMOS FRICKE

An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

Kategorie: People | November 25, 2011 | von

Am Montagabend bot das Radialstem für die akustische Erlebnisdimensionserweiterung einen musikalischen Dreiklang in der Reihe “UM:LAUT musik.impulse” an. Vollbestuhlung inklusive. Auch rechts und links neben der Bühne. Ausverkauft.

l An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

 

0 An der Spitze der Musikreihe: Nils Frahm im Radialsystem

Der Grund waren: Sleepoingdog aus Belgien, die ruhig und entspannt eröffneten, einfache Musik, ganz einfach und doch so schön. A Winged Victory For The Sullen folgten und verwebten den Raum mit Klangfäden, dass einem der Zustand zwischen Trance, “der Rotwein wirkt” und “die Lider zittern” in Zwischenwelten entführte, aus denen einen der jähe Applaus auch nur noch leicht zu reißen wusste. Weiterlesen »

Falling Walls – Anastasia Ailamaki: Nach mir die Datenflut?

Kategorie: People | November 19, 2011 | von

 2011fw11090128 622x1024 Falling Walls   Anastasia Ailamaki: Nach mir die Datenflut?

Anastasia Ailamaki ist Professorin an der School of Computer and Communication Sciences an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Schweiz. In ihrer Falling Walls Präsentation zeigt sie, wie Daten-Exploration neue wissenschaftliche Entdeckungen ermöglicht.

GH: Frau Ailamaiki, wie viele Daten werden jeden Tag auf der Welt gespeichert?
AA: Das kann ich ihnen für heute nicht genau sagen, ich könnte aber an meinen Computer gehen und nachschauen. Was ich ihnen sagen kann, dass wir aktuell ungefähr ca. 1,5 Zeta-Bytes an Daten haben, internetweit. Das bedeutet….moment….. Byte,Kilo-Byte (10 hoch 3), Mega-Byte, Gigabyte, Terra-Byte, Peta-Byte, Exa-Byte und Zetta-Byte (10 hoch 21)…und das nimmt um 58% jedes Jahr zu. Wir verdoppeln also den globalen Datenbestand ca. alle18 Monate. Das ist verrückt.

GH: Wenn wir bedenken, dass die Datenmenge expotentiell zu unserem technischen Vermögen anwächst, diese überhaupt zu bewältigen, wie sollen wir es dann überhaupt schaffen, diese Lücke zu überbrücken?
AA: Diese Brücke ist ein zweischneidiges Schwert. Es geht zum einen um all die Daten und ihre Interpretation, die Technologie, all das zu bewältigen, die andere Seite aber ist die Interdisziplinäre. Ob wir nun von Wissenschaft oder Wirtschaft reden, überall gibt es für Daten noch Interpretationsprobleme – die Bereiche müssen stärker miteinander kommunizieren, die Wissenschaft sich noch mehr anstrengen (…).

GH: Wenn wir die Welt immer mehr aufzeichnen, alles Detail für Computerberechnung zugänglich machen und die letzten Geheimnisse in unseren Gesellschaftszusammenhängen enthüllen, schwebt da nicht auch ein gewisse Gefahr für diese Gesellschaft mit?
AA: Da liegen Sie total richtig, auch wenn ich nicht die richtige Person bin, um diese Frage zu adressieren. Ich gehe zu rück zu meiner Computer Science und schließe die Tür. Es gibt immer einen Weg, Erkenntnis missbräuchlich zu benutzen. Wir können Atome knacken und das in guter als auch in schlechter Weise. Deshalb gibt es auch in der Forschung, in der Wissenschaft Ethik-Kommissionen. Man bedenke einfach mal nur, was die Hirnforschung alles zu Tage befördert. Wir tun was wir tun ja letztendlich für Menschen. Was ich will, ist eine Technologie zu erschaffen, die die anwachsende Datenmenge für uns besser zugänglich verständlich macht. Das Wichtige dabei ist, eine Technologie zu schaffen, die zudem Missbrauch erschwert.

GH: Was halten sie von Aufzeichnungsservices wie daytum.com, die ermöglichen jeden gegessenen Krümel und jeden gelassenen Pups akribisch zu dokumentieren?
AA: Das bleibt jedem selbst überlassen und ich möchte mit der Frage antworten “Is the more data the better?” antworten.

GH: Gute Frage!
AA: Und ich will sie mit “Ja” beantworten, weil es mir darum geht, automatisch Extraktion von Modellen aus Daten zu erreichen. Stellen Sie sich einfach vor, wir würden nie mehr ein mangelhaftes Modell herausbekommen. Wissen Sie, wie schwer es für einen Wissenschaftler ist, ein Modell zu extrahieren, in dem man nicht mehr gefangen wäre, sondern dessen Simulationen sich verlässlich selbst füttern würde. Das sind alles Experimente, und das Problem mit der Wahrheit ist, das sie nur eben die ganze Wahrheit sein kann. Wenn man nun aber genug Daten hätte und ein verlässliches Modell zugrunde läge, kämen wir dem näher, was wir als Wahrheit bezeichnen.

GH: Was wäre dabei die schlimmste Überraschung?
AA: Dabei doch falsch zu liegen (bekommt einen Lachanfall).

GH: Meinen Sie denn tatsächlich vermittels der rasch voranschreitenden Datenforschung an so etwa wie die letztendliche Wahrheit zu gelangen?
AA: Mit dieser philosophischen Frage werfen Sie mich zurück zu meinen alten griechischen Vorfahren. Wissen Sie was? I don’t care. Ich will es einfach tun. Ich möchte einfach diese ansteigende Datenkurve hin zur Technologie überbrücken. Wenn wir dazu auch wenigstens aufhören würden, Daten wegzuwerfen. Wir verschwenden sie. Verwenden sie nicht. Was das heißt? Wir haben keinen return of investment. Der Break Even war 2007, mittlerweile können wir das alles nicht mehr handhaben. Und da klafft eben noch eine andere Lücke. Wir brauchen also Effizienz darin. Das ist das Ausschlaggebende.

GH: Wir haben nun schon mehr Daten als das Gehirn je verarbeiten kann, wir haben zwar das Potenzial, aber die Zeit, die haben wir doch nicht, oder…?
AA: Uff, Kennen Sie Jeopardy? Das hier ist langsam so…(und lachend zieht sie nach Austausch der Visitendaten von dannen.)

Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher

Kategorie: People | November 14, 2011 | von

Welche Webseite wird täglich besucht und was war die letzte Sünde? Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Richard Wilhelmer

Ambitioniert und reiselustig sind zwei Charakterzüge, die man ihm definitiv zuordnen darf. Die Rede ist dieses Mal von Nachwuchs-Filmemacher Richard Wilhelmer und die beiden genannten Eigenschaften lassen sich bestens mit seinem Beruf vereinbaren. Um einen Film zu machen, muss man schließlich nicht nur eine Vision haben, sondern vor allem ehrgeizig sein. Und reisen wollen – sowohl geistig als auch körperlich. Schaffenswütig dürfte man als drittes Adjektiv noch hinzufügen – auch wenn die harte Arbeit des 28-jährigen bisweilen fast in „kreativer Selbstzerstörung“ endet, wie er es im Fragebogen selbst beschreibt. Einen Low Budget-Film auf die Beine zu stellen, ist eben kein Zuckerschlecken. Das Ergebnis der harten Arbeit des UdK-Absolventen 2011  kann man sich momentan im Kino ansehen. „Adams Ende“ ist der Titel seines Spielfilms und darin erzählt er von den post-pubertären Großstädtern und den weniger positiven Nebenwirkungen des Peter-Pan-Syndroms: Adam (Robert Stadlober) verstrickt sich zwischen Beziehungsgeflicht mit Anna (Eva-Maria May) und dem Wunsch seinen seinen Freiheitsdrang auszuleben in einem Gefühlsgewirr. Sein bester Freund und eine andere Frau machen das Ganze nicht einfacher. Wer jetzt an ein reines Beziehungsdrama denkt, der sollte sich das Filmplakat nochmals genauer ansehen… menschliche Beziehungen bergen eben nicht nur viel Potential für verbale Auseinandersetzung, sondern auch für Eifersucht und Wahn. „Adams Ende“  ist ein Psychodrama, bei dem der vor allem als Künstler bekannte Julius von Bismarck die Bilder eingefangen hat. Momentan sitzt Richard Wilhelmer schon an der nächsten Filmidee. Darin wird es einmal mehr menschliche und vor allem körperliche Beziehungen gehen, aber lest selbst, was der gebürtige Österreicher und Wahlberliner dazu verrät…

 

portrait wilhelmer 2011 682x1024 Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher
NAME Richard Wilhelmer
JAHRGANG 1983

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Ursprünglich komme ich vom Land und will da auch irgendwann wieder hin. Mein Lebensmittelpunkt ist seit Jahren Berlin. In der Zwischenzeit war ich auch einige Zeit in London und Los Angeles. Ich bin aber auch sehr gerne in Wien.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich lebe derzeit von einem Stipendium und darf einen neuen Spielfilm entwickeln. Es ist aber natürlich immer spannender, das zu tun was man gerade nicht darf. Das ist auch mein Verhängnis.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Adrenalin ist ein Stresshormon und entsteht, wenn sich die Psyche in irgendeiner Form in Gefahr wähnt. Ich bin früher sehr viel Skateboard gefahren. In meiner Jugend habe ich das als so eine Art kreative Selbstzerstörung betrachtet. Einen Low Budget Film zu drehen hat eine sehr ähnliche Wirkung.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Das iPhone war eine echte Bereicherung in meinem Leben.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Auch das iPhone.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Mein nächster Film hat sehr viel mit Sex zu tun. Dazu gibt es im Internet sehr viel zu recherchieren.
Im echten Leben habe ich eine Freundin.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Zu sparen gibt es nicht viel. Ich versuche mein Geld für Reisen zusammenzuhalten. Wer zu viel hat sollte es aber anscheinend in Gold investieren. Oder in Kunst. Bei Damien Hirst kann man beides erledigen.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Ich selbst besitze ich kein Wohnzimmer. Für ein Zweites habe ich also auch keinen Bedarf.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Ich durfte bereits mit vielen spannenden Leuten gemeinsame Projekte verwirklichen. Sei es mit Alec Empire, Robert Stadlober oder Julius von Bismarck. Das hat mich jedes Mal inspiriert und war immer ein aufregender Prozess. Jeder der sich einbildet Sonntagmorgen bohren, hämmern oder schlagbohren zu müssen, ist naturgemäß mein Feind.
SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Ich bin ein großer Fan von Gemeinschaft und lasse ungern überhaupt jemanden ziehen.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
In letzter Zeit habe ich fast alle Romane von Philip K. Dick gelesen. Ein Science-Fiction-Autor, der u.A. die Vorlagen zu „Blade Runner“, „Total Recall“ etc. geschrieben hat. „The Man in the High Castle“ hat mir sehr gut gefallen.
Klaus Nomi kann ich eigentlich immer hören.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Diese Frage ehrlich zu beantworten wäre wahrscheinlich zu deprimierend.

DANKE.

0 Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher

 

Bild 100 Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher

AM SET VON "ADAMS ENDE"

Bild 101 Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher

AM SET VON "ADAMS ENDE"

 

001 Adams Ende Richard Wilhelmer1 723x1024 Short Shots 2.0: Richard Wilhelmer, Filmemacher

Nokia Local Kings: Matthias Hellmund von Exozet

Kategorie: People | November 09, 2011 | von

Es gibt Technik, die uns hilft und Technik, die wir lieben. Matthia Hellmund entwickelt als “Head of Mobile Development” bei Exozet Games letzteres. Beschäftigung für zwischendurch oder Ablenkung von der Beschäftigung. In jedem Fall: Spaß. Denn sie entwickeln hochwertige Spiele und Apps für alle mobilen Plattformen und Browser. “Hochwertig” ist in diesem Fall allerdings kein leeres Füllwort für schnöde Dinge. Denn statt Spiele, in denen man Hühner und Schweine füttert, entwickelt Exozet digitale Versionen von Brettspielen wie “Die Siedler von Catan” oder “Carcasonne”. Die gibt es im App Store auch für alle Nokia Smartphones und wir waren neugierig, ob Spieleentwickler  so verspielt sind, wie man annehmen könnte und besuchten Exozet in ihrer Schaltzentrale in Berlin…

MatthiasHelmund2 700 Nokia Local Kings: Matthias Hellmund von ExozetMATTHIAS HELLMUND
1977

FIRMA
Exozet Games

SITZ DER FIRMA?
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