PEOPLE

intervista 02: Christiane Rösinger über Berlin

Kategorie: People | September 21, 2011 | von

Christiane Rösinger lebt seit dem 80er Jahren als Musikerin, Texterin und (jetzt Wieder-) Organisatorin der monatlichen Gala Flittchenbar in Berlin. Sie hat die legendären Lassie Singers mitgegründet, dann die Band Britta. Im letzten Jahr erschien ihr Solo-Album „Songs of L. and Hate“. Dafür hat sie zusammen mit Andreas Spechtl von der Gruppe Ja, Panik einen der schönsten Berlin-Songs seit langem geschrieben, der wunderbar zwischen Liebe und Wut, zwischen “Warum bloß” und “Jetzt erst recht” changiert. Wen könnte man besser befragen über das Leben in Berlin, damals und heute, über die tollen und nervigen Seiten der Stadt?

Roesinger2 KL intervista 02: Christiane Rösinger über Berlin

Christiane, Du bist in den 80ern nach Berlin gekommen – warum?

Ich kam aus einem kleinen badischen Dorf und wollte unbedingt in eine große Stadt. Nachdem ich das Abitur auf dem Abendgymnasium gemacht hatte wollte ich außerdem irgendwo Germanistik studieren. Die Wahl war Freiburg oder Berlin. Zum Glück hab ich mich für Berlin entschieden.

Was war toller damals, was langweiliger als heute? Weiterlesen »

Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

Kategorie: People | September 16, 2011 | von

Wo ist das zweite Wohnzimmer und welche Webseite wird regelmäßig gecheckt? Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Susanne Heinrich

Schreiben und Musikmachen sind zwei fantastische Beschäftigungen und wenn es beides live zusammenkommt: umso besser. Das findet zumindest Susanne Heinrich. Die 1985 geborene Wahlberlinerin hatte in der Vergangenheit eine Band namens Watching Me Fall, ist aber vor allem als Autorin bekannt. Studiert hat sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und bereits zwei Romane veröffentlicht; der Letzte „So, jetzt sind wir alle mal glücklich“ (DuMont) erschien im Jahr 2009. Dieses Jahr folgte ein weiterer Erzählband mit dem Titel „Amerikanische Gefühle“ (DuMont). Wer sich live und in Farbe von Talent der 26-Jährigen überzeugen will, hat dazu in nächster Zeit zwei Gelegenheiten im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Am 16.September liest die Autorin neben anderen jungen, europäischen Schriftstellern im Rahmen der Veranstaltung „Scritture Giovani”, aber am besten schaut man am Folgetag, dem 17.9. im Haus der Berliner Festspiele Festival, denn dann bespielt sie gemeinsam mit Thalstroem und Klaus Klose (a.k.a. Eb, der Elektorband Lan) die Bühne. Die beiden sind nicht nur Künstler, die Susanne Heinrich schätzt, sondern auch Freunde. Die Idee zum Projekt „WIR – eine Performance“ wurde aus einer „aus einer betrunkenen Idee auf einer Elektro-Jam-Session“ heraus geboren. Das mit dem „Wir“ ist übrigens wörtlich gemeint: Susanne Heinrich wird alle „Wir-Sätze“ ihrer bisherigen Bücher neu zusammengesetzte lesend, flüsternd, singen oder schreiend vortragen, während die beiden Herren dazu elektronische Beats und Trompetenimprovisationen liefern. In Zukunft wurde die Susanne Heinrich übrigens gerne wieder ein eigenes musikalisches Projekt starten – am besten ein Duo und lässt ausrichten, dass gesetzt den Fall ein einsamer Elektroniker da draußen wartet auf genau ihre Stimme gewartet, könne er sich gerne melden…  Wer zuerst abchecken will, wie die musikalische Partnerin-in-spe so tickt, sollte jetzt weiterlesen…

IMG 7094neuklein Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

SUSANNE HEINRICH; FOTO: RABEA EDEL

NAME Susanne Heinrich
JAHRGANG 1985

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Aus dem Osten. / Auf die Bühne, in die Herzen und Bücherregale der Menschen.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich hab Hypercholesterinämie, brauche also zum Glück keine Butter. / In allem, was ich tue.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Die meisten Lesungen. / Gelungene Filmszenen, schillernde Sätze, perfekte Melodien, gnadenlose Beats, 80er-Klamotten, schöne Männer, Sonnenaufgänge auf dem Tempelhofer Feld, oben-vorne sitzen im Doppelstockbus…

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ich bräuchte einen neuen Laptop, meiner macht komische Sachen. / Begegnungen.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ohne Handy wär schwierig. / Keine, gottseidank.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Facebookfacebookfacebook … / Meinen Brüdern, mit denen ich mich gerade befreunde.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Alltag hab ich nicht. / Sparen kann ich nicht.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Hippe Antwort: mein WG-Balkon / Club der Visionäre
Künstler-Antwort: mein Kopf / mein Kopf
Philosophische Antwort: Spielplatz / Paradies
Banale aber ehrliche Antwort: überall und nirgends / alle und keiner – das kommt ganz auf meine Verfassung an.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Das sind oft dieselben Menschen – die anderen interessieren mich zu wenig, als dass ich mich über sie aufregen könnte.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Nachts. / Wenn’s um Sushi und Harry Potter geht.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Im Moment schwärme ich für Captain Capa, Everything Everything, Vinnie Who und lese nicht, weil ich das nicht kann, wenn ich mitten in einem eigenen Projekt stecke. / Geprägt haben mich Kirchenchoräle, die Rolling-Stones-Platten meines Vaters, 90er Eurodance. / Immer gut sind die Beatniks und Radiohead.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich will die Welt nicht besser machen, nur reicher. Mein Beitrag: Forschungsergebnisse aus dem Bereich „Zwischenmenschliches“. / Sünde? Daran glaube ich nicht.

DANKE!

 

 

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Susanne Heinrich Amerikanische Gefuehle Short Shots 2.0: Susanne Heinrich, Autorin + Musikerin

Ten Years After – Dan Meths “Twin Tower Cameos”

Kategorie: People | September 11, 2011 | von

Genau eine Dekade nach den Anschlägen auf das World Trade Center werden wir mit Rückblicken, Würdigungen, Kritik und Undunds aller Art zugeballert. Und die wenigstens treffen den richtigen Ton. Dan Meth ist das Kunststück gelungen, ohne Pathos oder Sarkasmus an das Wolkenkratzerpärchen zu erinnern, indem er Szenen aus zwischen 1969 und dem Jahr 2000 entstandenen Filmen zu einer eindrucksvollen Collage zusammengeschnitten hat. Fernab von Politik und Verschwörungstheorien hat er den beiden Türmen, welche die Skyline New Yorks über drei Jahrzehnte geprägt haben, mit seiner Collage ein cineastisches Denkmal gesetzt.

(via)

Okay, den hier habe ich noch – für eine Werbung gar nicht mal so schlecht. Ist aber auch Absolut. Eben.

 

 

 

 

 

Short Shots 2.0: Antonia Baum, Autorin

Kategorie: People | September 08, 2011 | von

Welche Seiten werden gebookmarkt und welche stehen in echt im Bücherregal? Worin steckt das Herzblut steckt und welches App hilft weiter? Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Antonia Baum

Sie hat dieses Jahr beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gelesen, diverse Kurzgeschichten veröffentlicht und schreibt unter anderem für den Freitag über Kulturthemen: Antonia Baum. In wenigen Tagen erscheint der Debütroman der 1984 geborenen Autorin. Der heißt „Vollkommen leblos, bestenfalls tot“ (Hoffmann & Campe). Darin geht es um das Loslösen vom Elternhaus, dem Entkommen aus der Provinz und Problematiken, die das zeitgenössische Leben als junger Mensch in Deutschland mit sich bringt, wie die Last des Anspruchs der Einzigartigkeit und die Anforderungen der Gesellschaft. Antonia Baum selbst sagt allerdings, es gehe weniger um das Worum-es-geht, sondern, vielmehr um das Wie-die-Protagonistin-auf-die-Geschichte-blicke und „mit welchen Gedanken sie das Ganze begleitet.“  Vor allem geht es darum, diese junge Autorin zu entdecken, denn die gedankenflussartigen Sätze, saugen den Leser quasi direkt in den Kopf der Protagonistin. Als „stakkatoartig“ wird Baums Stil gerne beschrieben, man kann die Satzgeflechte auch einfach direkt und dicht und von ironisch bis zynischer Lakonie geprägt, nennen. Wem wörtliche Beschreibungen für Geschriebenes zu abstrakt sind, der kann hier selbst in die Schreibe der studierten Literaturwissenschaftlerin reinlesen oder einfach am 8.9. beim Internationalen Literaturfestival Berlin vorbeischauen, wo Antonia Baum bei der Veranstaltung „New German Voices“ liest. Wer wissen will, was Antonia Baum zu sagen hat, wenn sie nicht gerade eine Protagonistin in einem Roman sprechen lässt, der sollte jetzt weiterlesen…

 

Foto 106 Short Shots 2.0: Antonia Baum, Autorin

NAME Antonia Baum
JAHRGANG 1984

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Möglichst weit weg, mit dem Flugzeug. Wenn ich weg bin, finde ich Berlin sehr liebenswürdig.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Gelangweilte Menschen langweilen mich. Wenn die so mit Absicht tot durch die Straßen laufen, damit ja niemand denkt, sie könne noch irgendwas beeindrucken. Spannend finde ich gerade „The Wire“.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ich will immer mehr Geld, eine größere Wohnung, Autos, Flugzeuge und das alles, den ganzen Tag und das bewegt mich wirklich.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich will nicht wissen, was ein Gadget ist. Das Wort ist eklig.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Ich mag gutes Essen und spare auf Geld.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Ich gehe oft ins Schwimmbad tauchen und kriege deswegen von Orten, die „gar nicht gehen“ nichts mit.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Ich habe Streit mit Universitäten, jedweder Art von Ämtern und besonders dem Fiskus, wegen dem ich fürchte, ins Gefängnis zu kommen, schon immer. Die Polizei macht mir auch nur Probleme, weil sie mir nie geholfen hat, sondern mich immer nur noch ärmer gemacht hat mit ihren unverhältnismäßigen Bußgeldern. Das Problem ist, dass viele Menschen der Mentalität nach nichts anderes als Polizisten sind und deswegen natürlich nicht bereichernd. Ich flüchte mich vor dieser Realität in Bücher, Serien, Drogen und dann zurück in die Arme meiner Familie.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Menschenmassen sind immer schlimm und das zu sagen ist auch schlimm, weil es schon so oft gesagt worden ist, dass es gar nichts mehr sagt. Ohne Menschen stirbt man, mit auch, was soll man machen – ich verstehe die Frage nicht.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Westberlin Maskulin, M.O.R.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich bin nett zu meinen Nachbarn und trenne meinen Müll, ich bin für Sexismus gegen Rechts und Fleischlosigkeit, ich lese Zeitungen und führe engagierte Diskussionen.

DANKE!

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Short Shots 2.0 – Katja Kullmann, Journalistin + Autorin

Kategorie: People | September 05, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was nicht. Wo die Heimat ist und wo die Wahlheimat, welches Werk im Bücherregal steht und welches Gadget den Alltag ausmacht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Katja Kullmann.
Schreiben ist Beruf und Berufung für Katja Kullmann. Nach ihrem Studium der Politologie, Soziologie und Amerikanistik verschlug es Kullmann in die Medienwelt, der sie seither treu geblieben ist. Bisher hatte sie bereits diverse Positionen inne – etwa als Redakteurin, Ressort-Leiterin, Reporterin oder Textchefin bei Zeitungen wie der Financial Times Deutschland, Frankfurter Rundschau oder dem Freitag. Momentan ist sie als freie Autorin tätig und neben dem Schreiben für Magazine und Zeitungen, verfasst sie auch Bücher. Nach ihrem Erstlingswerk im Jahr 2003, ist dieses Jahr das Zweite Buch erschienen: In „Echtleben“, so der Titel, spricht die 41-jährige über etwas, das sie bestens kennt – das Leben als freie Journalistin und Schriftstellerin und die Schwierigkeit in Deutschland davon leben zu können. Dabei fasst Kullmann die Sorgen einer ganzen Gesellschaftsschicht zusammen und sinniert über Individualität, Ideale und Lifestyle sowie den Anspruch und die Arbeitswelt im neuen Jahrtausend. Das hat ihr viel Aufmerksamkeit und Anerkennung eingebracht: Der Tagesanzeiger aus Zürich lobt die Lektüre als „süffig und hochspannend“, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung nennt es ein „wichtiges Buch“, die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit ein „dringend zu empfehlen“. Der Untertitel von „Echtleben“ lautet übrigens „Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben“ – die Antwort auf diese Frage kann nur das selbst Buch liefern, aber der nachfolgende Fragebogen ist in jedem Fall Beweis dafür, dass Katja Kullmann Haltung zu bewahren weiß, und um eine Antwort nie verlegen ist und dabei etwas zu sagen hat, aber lest selbst…

 

1FAS 1 Short Shots 2.0 – Katja Kullmann, Journalistin + Autorin

KATJA KULLMANN / PHOTO: JÜRGEN ZIEMER

NAME Katja Kullmann
JAHRGANG 1970

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Aus dem hessischen Mittelgebirge. Am liebsten bin ich unterwegs. Zurzeit wohne ich in Hamburg am Meer. Aber ich habe schon wieder ein paar Bahn- und Flugtickets für die nächsten Monate.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Buchstaben bringen das Brot und die Butter. Oft sind leider die langweiligsten Texte am besten bezahlt. Faustregel: Schreibe drei Stücke, die dir nicht gar so viel bedeuten, aber Dir auch nicht wehtun – und finanziere Dir davon die Arbeit an einem größeren Geniestreich, an einem verstörend funkelnden Intelligenz-Projekt, an das anfangs keiner glaubt, außer Dir selbst.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Distinktionsbemühungen vs. Distinktionsbemühungen. Mit Status- oder Fashionfragen habe ich mich selbst nie größer aufgehalten – aber ich liebe es, diese Mechanismen ringsum zu beobachten und auseinanderzunehmen. Sprachcodes, Stil-Regeln, andere ideelle Schutzwälle und Maschendrahtzäune: alles Lieblingsthemen.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Aktuell projiziere ich meine Begierden auf zwei Städte: Detroit/Michigan und Akron/Ohio. Da gibt es viel zu sehen. Ansonsten sammele ich seit meinem 13. Lebensjahr Schallplatten, schwarzes, knisterndes Vinyl – das tollste Material, das je erfunden wurde.

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich trage ein Telekom-Handy von 1999 mit mir herum. Ich glaube nicht an Applikationen.

ONLINE vs. OFFLINE:
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Meinem Blog, der unter dem Tag „Euphorie im Alltag“ läuft und dem Kiosk im Nachbarhaus.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Mein Alltag ist geprägt von meinem Plattenspieler, meinen schwedischen Bücherregalen und dem Laptop. Ich spare auf ein lebenslang gültiges All-around-the-world-jump-in-and-get-further-Ticket.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Noch immer hänge ich an Hackney, London E8, da habe ich in den frühen 90ern mal ein halbes Jahr gelebt. Und ich bin sehr froh, dass ich nicht mehr in Berlin wohne.

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Menschen, die ihre Idiosynkrasien ausleben, ihre Eigentümlichkeiten, finde ich toll. Es ist ja völlig verrückt, was Menschen manchmal machen: Mit Puppen sprechen, Traumtagebücher führen, Plastiktüten nach Farben sortieren, solche Dinge. Sehr öde finde ich alles Who-is-Who und Wer-mit-Wem. Mit Visitenkarten beeindruckt mich niemand.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB:
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Oh, es gibt viele Gemeinschaften, immer wieder neue, oft nur temporär und sehr flüchtig. Manchmal entstehen sie, ganz banal, in einer langen Supermarktkassenschlange: Man blickt sich an, von Kunde zu Kunde, und ist gemeinsam genervt. Übrigens ist ja jede(r) immer ganz grundsätzlich Teil einer Masse. Ich betrachte mich selbst sehr gern und oft als soziologisches Item. Das ist ungeheuer entlastend, es erspart auch die Psychotherapie, glaube ich. Die Leute sind ja beinahe in den Wahnsinn individualisiert, heutzutage. Das tut mir sehr leid für viele.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Zuletzt las ich viel über Arbeit – prekäre vs. abgesicherte, ausbeuterische, erfüllende, sinnlose Arbeit und so weiter. Aber jetzt beschäftigte ich mich viel mit Städtebau, Wohnpolitik, Shrinking Cities, Gentrification und so. Wichtige Autoren für mich sind Jörg Fauser, Siegfried Kracauer, Marieluise Fleißer, lauter Kleine-Leute-Schreiber, kann man sagen. Musikalisch bewegt es sich bei mir vor allem so zwischen den Jahren 1948 und 1968, vor allem in den Feldern Soul, Popcorn, Black Rock’n’Roll, Blues, Garagen-Punk, Novelty. Da liegt ja alles begraben, seither wird im Wesentlich ja nur noch gesampelt. Ab und an brauche ich eine Dosis 79er-Geräusche, Post-Punk und Proto-Wave. Und sehr selten gelüstet es mich auch nach Elektro, so Minimalzeugs. Aber damit kenne ich mich im Grunde überhaupt nicht aus.

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Jeder Text ist ein Angebot, sich darüber zu unterhalten, das große Gespräch am Laufen zu halten, Dinge zu teilen. Das ist mein Beitrag. Und ich bin ein sehr höflicher Mensch, glaube ich. Sünden? Ich verweigere mich weitgehend dem allgemeinen Fitness-Gebot, rauche zu viel und schlafe zu wenig.

DANKE!

 

9783821865355 Short Shots 2.0 – Katja Kullmann, Journalistin + Autorin

Short Shots 2.0 – Nicola Rost, Musikerin

Kategorie: People | August 29, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was nicht. Welches Standardwerk im Bücherregal steht und was das Gadget der Stunde ist. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Nicola Rost.

Früher war sie angeblich schüchtern, aber davon kann man mittlerweile nicht mehr viel merken – zumindest wenn Nicola Rost auf der Bühne steht. Die Musikerin und Frontfrau der Berliner Band Laing gibt alles und wirkt dabei ziemlich selbstbewusst. Und das zahlt sich aus: Mit dem im April veröffentlichten, ersten Album und den beiden Single-Auskopplungen „Morgens immer müde“ und „Sehnsucht“ kam für Laing der Erfolg auch über Berlins Stadtgrenzen hinaus. Zusammen mit den drei anderen Bandmitgliedern (Susanne, Johanna und Marisa), die sich übrigens weder durch Casting noch Plattenfirma zusammengefunden haben, sondern schlicht durch Bekanntschaften und langjährige Freundschaft, macht Nicola Rost elektronisch-poppige Musik mit deutschen Texten, die Ohrwurmpotential hat. Mutig ist dabei übrigens auch die Wahl der Songs, die als Coverversionen auf der Platte zu finden sind – etwa „Alles nur geklaut“ von den Prinzen. Wer wissen will, wie die Laing’sche Version davon klingt, der muss in die Platte namens „030/57707886“ reinhören. Und, ja – die Nummer kann man anrufen … Die nachfolgenden Antworten geben übrigens keinen Hinweis dazu, warum Nicola Rost „morgens immer müde“ ist, aber abends wach wird, enthüllen im Gegenzug aber so manch anderen Fakt: Etwa dass sie momentan gerne George Michaels Schmusesongs hört und Karl Lagerfeld zitieren kann, aber lest selbst …

Für alle, die nach der Lektüre statt Buchstaben auf dem Bildschrim nach live vorgetragenen, akustischen Äußerungen der der 26-jährigen lechzen – es gibt es demnächst einige Konzerte von Laing: Am 2. September spielen sie beim Bremer Viertelfest, am 8. und 10. September (radioeins Nacht, C-Club, Crystal / Spreepiratenfestival) sind sie in Berlin zu sehen sowie am 23. September in Hamburg beim Reeperbahnfestival.

 

 

fui 700 Short Shots 2.0 – Nicola Rost, Musikerin

NAME Nicola Rost
JAHRGANG 1984

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
von hinten / durch die Brust ins Ohr

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Meine Band Laing. Aber viel mehr als Butter landet da auch nicht auf dem Brot!

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Gebrauchsanweisungen / Lampenfieber

HABEN vs. SEIN:
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ein Motorrad/ Mein Fahrrad

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Spülmaschine / Taschenrechner

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Laings Audioauftritt! Unter 030/ 57707886 präsentieren wir die erste Telefon-Bandhotline der Welt. Und eine muss da ja immer die Anrufe entgegen nehmen! / meinem Opa

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Songs schreiben / gute Ideen fürs nächste Laing-Album

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
meine Küche / generell: Wartezimmer

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Internet / Internet

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Bei Konzerten / danach.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Ich hab gerade das Krebstagebuch von Schlingensief gelesen, jetzt lese ich „Ruhm“ von Daniel Kehlmann. Dazu höre ich momentan eine CD mit 80er Jahre Schmusesongs von George Michael und außerdem feier’ ich das Fake-Album von K.I.Z.
Klassiker sind die Gedichte von Leuten wie Erich Kästner und Kurt Tucholsky (& Schwitters!).
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?  
„macht doch bitte mit, so macht doch bitte mit“ (1000 Robota) / „Produziere nie Schlechtes, denn es könnte sich gut verkaufen“ (Karl Lagerfeld)

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich trenne Müll / Ich hab’ mir nach der letzten Produktion ganz lange Plastiknägel in so einem „Nail-Studio“ machen lassen. War mir gleich danach nicht mehr geheuer, aber dann gingen sie nicht mehr ab.

DANKE!

0 Short Shots 2.0 – Nicola Rost, Musikerin

 

Laing 030 577 07 886 EP Cover 800 Short Shots 2.0 – Nicola Rost, Musikerin

 

Morrissey, geheimer Held der Kunstszene

Kategorie: People | August 26, 2011 | von

morrissey Morrissey, geheimer Held der Kunstszene

Kaum etwas führt zu so intensiven Erkenntnissen wie die Arbeit als DJ. Morrissey ist der Leitstern in den umwölkten Nächten des weiblichen Kunstestablishments. Das war mir nicht klar, bevor ich The Smiths auflegte. Weiterlesen »

Short Shots 2.0 – Daniel Malling Beck, Musiker

Kategorie: People | August 24, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was gar nicht. Welche App immer eine Lösung parat hat und welches Standarwerk im Bücherregal steht. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Daniel Malling Beck, Mitglied der Band Mimas

 

Bild 48 Short Shots 2.0 – Daniel Malling Beck, Musiker

MIMAS: Daniel Malling Beck (Gitarre, Gesang, Glockenspiel), Gert Hoberg Jørgensen (Bass, Gesang), and Lasse Dahl (Schlagzeug, Gesang), Snævar Njáll Albertsson (Gesang, Gitarre, Trompete)

 

Foto 77 Short Shots 2.0 – Daniel Malling Beck, Musiker

Humor haben die Bandmitglieder von Mimas, so viel steht fest. Das sieht man nicht nur am Bandfoto. Unter dem Menüpunkt „Biography“ darf man auf der Website der Gruppe erfahren, dass diese einst einen Van namens „Satan” besass, den eines schönen Tages in der Nähe der spanischen Stadt Burgos das Zeitliche segnete. Kurz danach starb Michael Jackson führt die Band fort. Die Deutung dieser vermeintlich im Zusammenhang stehenden Ereignisse überlässt die Band allerdings dem Leser. Nicht so die des Selbstvergleiches der Band mit einem haarigen Kätzchen – hier wird der Zusammenhang genau erklärt: Die Band sei immer für ein kleines Gerangel zu haben und zugleich ein wenig faul – ergo genau wie eine junge Katze. Wer jetzt denkt, Mimas machen Blödelrock oder Schmusemusik, sollte schnell in das Album „Lifejackets“ der vier Dänen reinhören und sich eines Besseren belehren lassen, denn: das Quartett aus dem Norden ist in Sachen Krachmachen schon ziemlich erwachsen. Die Hilfsmittel dazu sind vor allem Gitarren, aber auch Trompetenklänge kann man in den melodiösen bis rockigen Songs ausmachen, aber warum in Worten beschreiben, was man mit eigenen Ohren hören kann? Eben. Am Ende des Posts gibt es zwei Mimas-Videos für einen kleinen Vorgeschmack und wer sich das Ganze lieber live geben will: Im September und Oktober ist die Band auf großer Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auftakt ist ein Gig in Magdeburg am 16. September und am 10. und 11. Oktober schauen die Jungs dann auch in Berlin und Potsdam vorbei. Bis dahin kann man entweder über die Songtexte der Dänen sinnieren oder nachfolgend lesen, was Gitarrist und Sänger der Truppe, Daniel Malling Beck, zu sagen hat, und der weiß mit ernsthaft-tiefgründigen Antworten zu überraschen. OK, die letzte Antwort ist mit Augenzwinkern zu betrachten, aber lest selbst…

NAME Daniel
JAHRGANG 1981

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Woher kommst du und wohin willst du?
Ich bin aus der schönen Stadt namens Aarhus. Das ist die zweigrößste Stadt Dänemarks, in der ungefähr 300.000 Menschen wohnen.
Gerade bin ich auf dem Weg zu meinem Appartment, aber bald auch mit meinen Freunden von Mimas auf dem Weg nach Deutschland.

BERUF vs. BERUFUNG
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Momentan studiere ich um Sozialpädagoge zu werden und mache gerade ein Praktikum, bei dem ich mit geistig und körperlich behinderten Menschen arbeite. Ein toller Job.
Meine Leidenschaft ist augenscheinlich die Musik. In der Lage zu sein, mit den besten Freunden in einen Bus steigen zu können, um andere Städte und Orte zu besuchen können, das zu machen, was ich liebe und zum anderen Menschen zu haben, die das lieben, was ich tue, ist unglaublich und ein Gefühl, das sich mit kleinem Anderen vergleichen lässt.
BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Ich finde ich wird immer langweiliger fern zu sehen. Der Fokus liegt nur noch auf den negativen Aspekten unsere Welt. Mord und Gewalt überall. Skandale in Politik und die ganzen Reality Soap Start, die ihre 15 Minuten Ruhm suchen. GÄHN.
Adrenaline ist eine tolle Sache – neben dem Deftones Album bedeutet das Wort „Adrenaline“ für mich mit meinen Freunden auf der Bühne zu sei. Ein fantastisches Gefühle. Das Album ist auch fantastisch.

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Ich habe seit einiger Zeit einen neuen Fender Telecaster  im Auge, aber Geld und Musik geht in der Regel nicht so gut zusammen, von daher muss ich wohl noch ein wenig daruf warten. Zwei ein wenig realistischere Investitionen wären die neuen Albem der Beastie Boys und Death Cab For Cutie.
Was meine Seele berührt, sind Menschen, die aufrichtig nett sind. Die einander gut behandeln. Über die anderen nachdenken. Menschen, die sich wie Menschen benehmen und nicht nur damit beschäftigt sind, cool rüberzukommen und anderen zu beeindrucken. Leute, die dich auf Facebook added und dich nicht grüßen, wenn Du sie triffst. Was soll das?

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Ich liebe mein iPhone. Es ist mein erstes Smartphone und ich blicke nicht zurück. Es ist fantastisch immer Zugang zum Internet zu haben. Vor allem, wenn man auf Tour ist und die Logistik einen in den Wahnsinn treibt.
Es gibt so viele hilfreiche Apps: „8mm“, ein Aufnahmetool für Oldschool-Videos. „Guitar Tuner“ – aus selbsterklärendem Grund. Und natürlich Facebook um bescheuerte Updates zu machen und Bilder während der Tour hochzuladen.

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
Ich denke Gmail und Facebook sind die wahrscheinlich am häufigsten besuchten. Und zahlreiche Fußball-Seiten.
So vielen Menschen und Orten da draußen. Wenn es einen Nachteil gibt, in einer Band zu sein, dann ist es schätzungsweise der, dass man manche Leute nicht so oft zu Gesicht bekommt, wie  man gerne würde, aber das ist eben immer eine Frage der Prioritäten. Aber wenn ich Zeit habe, dann verbringe ich gerne Zeit mit meinen fantastischen Freunden.

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
Ich weiß, es klingt hippie-esque, aber für mich ist es wichtig mich mit positiven Menschen zu umgeben. Zum Glück sind die Mimas-Jungs so, was es einfach mit ihnen rumzuhängen. Ich bin ziemlich relaxed und nehme mich selbst nicht zu ernst und mag Menschen, die in der Lage sind über sich selbst zu lachen.
Wieder diese verdammte Gitarre.

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
Der Proberaum. Dort gehen wir hin, um kreativ zu sein und Spaß zu haben. Er ist unsere kleine Welt, in der es keine Regeln und Limits gibt.
Ich glaube nicht, dass es viele Orte gibt, die ich vermeide, aber ich würde sagen, ich bin nicht scharf drauf, ins Krankenhaus zu kommen.  

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
In erster Linie meine besten Freunde, meine Freundin und meine Familie.
Ich würde nicht gerade sagen, dass ich ein Fan der momentanen dänischen Regierung bin.

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB:
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Coldplay vs U2. Ich mag Coldplay und Lasse, unser Drummer und ich haben sie in Dänemark gesehen und es war eine große Party mit 30.000 Menschen. Eine wirklich gute Show.
Den Hype um U2 verstehe ich hingegen nicht. Die haben sicherlich ein paar gute Songs geschrieben, aber für mich sind sie nicht die größte Rockband der Welt.

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Momentan vor allem Schulbücher. Und kürzlich haben ich den ersten Teil der New York Trilogie von Paul Auster gelesen, der unglaublich ist – daher freue ich mich schon den Rest zu lesen, wenn ich wieder Zeit habe. In Sachen Klassiker würde ich sagen, dass der „Fänger im Roggen“ fantastisch ist. Ebenso wie „Der alte Mann und das Meer“ (Hemingway).

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
Ich versuche zu jedem, den ich treffe nett zu sein. Wenn jeder ein wenig respektvoller im Umgang mit anderen wäre, dann Welt unproblematischer.
Die letzte Sünde war neulich – ich bin über die Strasse gegangen, obwohl es rot war. Sorry.

DANKE!


mimas lifejackets 72 Short Shots 2.0 – Daniel Malling Beck, Musiker

Short Shots 2.0: Nicole Beutler, Choreographin & Performerin

Kategorie: People | August 19, 2011 | von

Wir wollen wissen was geht – und was gar nicht. Welche Domains gebookmarkt und welche Bücher in echt im Regal stehen, worin das Herzblut steckt und was die letzte Sünde war. Antworten von Menschen der aktuellen Kulturlandschaft auf Fragen rund ums zeitgenössische Leben zwischen On- und Offline-Modus. Diese Woche mit: Nicole Beutler

Choreographin, Kuratorin und Performerin – das sind kurz gesagt die Berufsbezeichnungen, unter denen man das Schaffen von Nicole Beutler zusammenfassen kann. Nach ihrem Studium der freien Kunst und deutschen Literatur in München und Münster zog es Nicole Beutler nach Amsterdam, wo sie ein Studium an der SNDO Theatre School in den Disziplinen „Tanz“ und „Choreographie“ anschloss und seit 1993 auch wohnhaft ist. Neben diversen Engagements und Aktivitäten hat sie im Jahr 2005 unter anderem das Amsterdamer Theater-Kollektiv „Lisa“ mitbegründet und in den Folgejahren als Kuratorin beim Frascati Theater gearbeitet.

Nicole Beutlers Arbeiten bewegen sich zwischen Tanz, Performance und Installation  – und andere –  dabei zumeist auf der Bühne. Vor allem aber geht es bei Nicole Beutler um Dialog. Im August präsentiert Nicole Beutler im Rahmen des Festivals „Tanz im August“ in Berlin „Dialogue with Lucinda“, ein Remake zweier Stücke aus den Siebzigerjahren von Lucina Child; das Stück ist als Deutschlandpremiere am 21. und 22. August im HAU2 zu sehen. Wie sich die multiaktive Kreativschaffende durch Fingertippen auf der Tastaur statt Körperbewegungen der Bühne ausdrückt, kann man nachfolgend lesen.

 

portrait NB credit anjabeutler Short Shots 2.0: Nicole Beutler, Choreographin & Performerin

Nicole Beutler / Photo: Anja Beutler

NAME Nicole Beutler
JAHRGANG 1969 (a good year)

HEIMAT vs. WAHLHEIMAT
Was verdient die Butter aufs Brot und wo steckt dein Herzblut drin?
Ich mache Theater, kuratiere, davon lebe ich auch und gerne – habe immer nur das getan, was ich wollte; mein Beruf ist mein Leben, mein reales Herzblut steckt in meiner Tochter.

BOREDOM vs. ENTERTAINMENT
Was langweilt dich zu Tode und was/wer lässt deinen Adrenalinpegel steigen?
Stagnation, Passivität, Floskeln, Populismus, fehlende Nuancen machen mich sauer
Menschen zusammenbringen, Dialoge, Verbindungen herstellen zwischen Unverbundenem, Konfrontation; Grenzen aufbrechen macht Spaß

HABEN vs. SEIN
Was ist dein aktuelles Objekt der Begierde und was bewegt dich wirklich?
Mich bewegt der Tod wirklich und die nicht in Worte zu fassende tiefe Liebe für meine Tochter; im Moment interessiert mich die Symmetrie in der Natur (das ist kein Objekt) – Objekte interessieren mich nicht so sehr

HARDWARE vs. SOFTWARE
Welches Gadget ist unentbehrlich und welche Applikation hat immer eine Lösung parat?
Keines.
mein Körper, meine Stimme, mein Denkvermögen hilft mir immer

ONLINE vs. OFFLINE
Welcher Domain stattest du täglich einen Besuch ab und wem gerne in echt?
meinem Mailprogramm – in echt niemandem täglich, nur meinem Partner und meinem Kind, viel zu wenig anderen Freunden, denn meine Aktivitäten an sich sind bereits extrem sozial

CONVENIENCE vs. LUXURY
Was macht deinen Alltag aus und worauf sparst du schon ewig?
mein Fahrrad in Amsterdam
ich kann mir alles leisten was ich mir Heute/Morgen wünsche – Zeit = Luxus

HOT SPOT vs. SO NOT!
Wo ist aktuell dein zweites Wohnzimmer und welcher Ort geht gar nicht (mehr)?
ich habe ein tolles Büro direkt hinter dem Anne-Frank-Haus, an der Gracht – wunderschön
ich meide die Kalverstraat/Fußgängerzone/Shopping-Meile

FREUND vs. FEIND
Wer bereichert deine Welt und wer sorgt fürs Gegenteil?
Einfach: Mein Kind, andere Künstler, z.B.: Matt Mullican (gesehen in Haus der Kunst), Eric Ellingsen (Landschaftsarchitekt), Tony Orrico (Performer/Visual Artist)
Das Gegenteil: HALBE ZIJLSTRA – Kultusminister der Niederlande, Mark Rutte, Geert Wilders – engstirnig, neoliberal, beschämend populistisch; deren traurige Politik macht wütend

SCHWARMINTELLIGENZ vs. HERDENTRIEB
Wann baust du die Gemeinschaft und wann lässt du die Massen lieber alleine ziehen?
Ich liebe Menschen/Ideen/Austausch/Feste organisieren – jedes Jahr eine große Silvesterparty oder zusammen Skifahren
Bin auch gerne alleine, etwa beim Lesen; immer im Wechsel

NOW vs. FOREVER
Was liest und hörst du momentan und welche Standardwerke möchtest du nicht missen?
Welche Zeilen und Noten treffen den Zeitgeist und welche haben dich geprägt?
Spontan: Lhasa „The Living Road“, Soap & Skin, Buraja Som Sistema, „The 4-Hour Workweek“, „Feng Shui entrümpeln“, Dogville, Funny Games
Geprägt haben mich die 80er, aber auch die Post-Hippie-Zeit: Trio „DaDaDa“, Ideal, Billy Bragg, Pink Floyd, Patti Smith

GOOD vs. EVIL
Wie machst du die Welt ein bisschen besser und was war deine letzte Sünde?
mit meiner Arbeit, Respekt für meine Mitarbeiter, durch Dialog und positive Energie; ich habe ein optimistisches Weltbild geerbt, konstruktiv und nach vorne denkend, offen für Veränderung, sich-Situationen-aussetzend
Habe nicht auf suchende Emails reagiert – was heißt hier Sünde – das Wort gibt es in meiner Welt nicht; Schuld ist auch uninteressant: man muss sich nur ein bisschen konzentrieren, emphatisch sein

DANKE!

Lucinda Interior Drama8%C2%A9AnjaBeutler 700 Short Shots 2.0: Nicole Beutler, Choreographin & Performerin

"Interior Drama" / Photo: Anja Beutler

TIA 700 Short Shots 2.0: Nicole Beutler, Choreographin & Performerin

"Radial Courses" / Photos: Anja Beutler


 

 

Off the Riot – Bilder aus London

Kategorie: People | August 12, 2011 | von

Keine Fotos von brennenden Autos – davon gibt’s s im Netz ja schon genug. London geht weiter seinen Gang, wie große Städte das so tun.

Wie wir die Riots hier erlebt haben – oder eher nicht: nur die gespenstische Leere mancher Straßen, verrammelte Geschäfte in Hoxton und Shoreditch; dagegen das Treiben auf der Oxford Street, das Saufen nachts in Soho, alles wie immer – das kann man gut bei Karolina Golimowska nachlesen.

Also nur ein paar Fotos: mehrheitlich Backsides, aus einer Stadt der Kontraste – strahlend und dreckig, laut und grün; natürlich nicht unterzukriegen.

london bearb NEU IMG 8134 Off the Riot   Bilder aus London Weiterlesen »